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    ro'gosh
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    Bauanleitung - Brigantine

    Da mitlerweile mehrmals gefragt wurde ob ich nicht mal ne Anleitung veröffentlichen könnte schreib ich jetzt einfach mal eine. Bin momentan allerdings noch Unterwegs, deswegen muss die ganze Anleitung erstmal nen paar Tage ohne wirkliche Bilder auskommen.


    Vorab: ich mach das ganze nur Hobbymäßig also erwartet keine Perfektion.

    Was immer zu beachtet ist: Alle Schritte müssen äußerst ordentlich ausgeführt werden, ansonsten sitzt die Brigantine nicht richtig, wird unbeweglich oder zerstört drunterliegende Kleidung oder Haut.


    1. Material


    • Außenschicht: Seidensamt (70-140€/m - Wolle 10-15€/m - Leinen (6-8€/m) (normaler Baumwollsamt ist nicht zu empfelen, geht zu schnell kaputt.)


    • Trägermaterial: Segeltuch (ca. 7-8€/m benötigt werden ca. 2m)


    • Als nieten nimmt man entweder normale Halbrundkopfnieten und schlägt sie Flach oder man benutzt Dachpappnägel.


    • Bei Dachpappnägel ist darauf zu achten die Hochwertigen zu nemen, die billigen ausm Baumarkt sind nicht grade, dh. der Schaft ist nicht mittig wodurch das Muster der 3er anordnungen Krumm und schief wird).


    • Dachpappnäge sind ca. 12€/Kg man benötigt ca. 2-2,5kg insgesammt.


    • Für die Platten nimmt man entweder normalen Baustahl (verzinkt) , oder was ich empfelen würde Federstahl.
      Gibts in 1qm Platten recht günstig bei Ebay (Baustahl -ca. 8€/m²) (Federstahl gibts nur in kleinenen Platten halbwegs bezahlbar, ich zahl für die Menge die ich für eine Brigantine brauche ca. 140€)


    • Materialkosten bewegen sich also zwischen (Mittelwerte): 67€ (Leinen - Baustahl) und 395€ (Seidensamt und Federstahl) wenn man jetzt noch Ziernieten oder dergleichen möchte wirds nochmal DEUTLICH teurer.





    2. Werkzeug



    • Hebelblechschere (ca. 90€)


    • Hebel-Blechstanze (ca. 340€) für die Löcher (Bohren ist nur bedingt geeignet, dauert 1. viel länger, verbraucht ne Menge an Bohrern und hinterlässt reste auf der Rückseite die weggeschliffen und anschließend neu verzinkt werden müssen.)


    • Schleifmaschine um die Ecken der Platten rund zu schleifen


    • Bolzenschneider (ca. 20€) um die Dachpappnägel zu kürzen


    • Nietunterlage (ich benutz dafür ne 30x30cm große Stahlplatte mit 30mm dicke) wichtig ist das die Unterlage stabil genug ist um möglichst wenig Schwingungen zu übertragen, und groß genug damit die Brigantine nicht beim Vernieten über irgendwelche scharfen Ecken scheuert und dadurch die Deckschicht beschädigt wird).


    • Stumpfe Ahle um den Stoff für die Nieten zu weiten.


    • Scheifstock/Sperrhaken/Rohr über das man die Platten biegen kann.


    • Nieteeisen


    • Pappe/Stifte usw.



    3. Träger



    Der Träger wird aus 3 Lagen (Außenstoff + 2 Lagen Segeltuch) gewendet genäht.

    Insgesammt besteht der Träger aus 5 Teilen (2 Vorderseiten 2 Seiten und 1 Rückenteil).

    Im Grunde genommen der gleiche schnitt wie nen Wams, allerdings in 5 anstelle von 4 Teilen und mit fest dranhängenden Schössen. (Vorder und Rückseiten werden unter den Armen gekürzt und dafür die Seitenteile eingenäht) Der Rücken besteht aus einem Stück und nicht wie beim Wams aus 2.

    Die Teile werden einzeln vernäht und Gewendet und noch NICHT zusammengefügt.
    http://imagr.eu/up/53ee08837a9fa_brigsch.jpg




    4. Nieten

    Bei den Nieten hängt es davon ab ob man normale Ziernieten oder Dachpappnägel verwendet. Wichtig ist dass der Kopf deutlich größer ist als der Schaft, ansonsten reißen die Nieten zu schnell aus.

    Beich Dachpappnägeln werden die Schäfte mithilfe des Bolzenschneiders einfach auf die erforderliche Länge gekürzt.



    5. Platten

    Als 1. werden für alle Platten Schablonen aus Pappe angefertigt.

    Schnittmuster gibts z.B. hier:
    http://3.bp.blogspot.com/-SuSxqTOPlt...ne+pattern.jpg


    Wichtig beim Schablonen erstellen ist, das alle Platten sowohl vertikal als auch horizontal überlappen sollen dh. nicht einfach die Platten nebeneinander ausrechnen, sondern zugaben mit einrechnen.
    Außerdem ist zu beachten dass sich auf Taillenhöhe die Richtung der Überlappung ändert.

    Solltet ihr die Schablonen fertig haben werden diese einfach auf das Blech übertragen und per Hebelblechschere (oder fals vorhanden mit ner Bandsäge) ausgeschnitten. Von ner Flex würd ich abraten, ist 1. mehr arbeit und 2. entstehen mehr scharfe Kanten die weggeschliffen werden müssen.

    Nach dem Ausschneiden werden die Kanten versäubert und alle Ecken rund geschliffen.
    Anschließend werden mit hilfe der Schablonen die Löcher angezeichnet und anschließend per Stanze gelocht. Hierbei möcht ich nochmal betonen dass eine Bohrmaschine hier nur im äußersten Notfall ne Lösung darstellt da durch sie der Arbeitsaufwand extrem erhöht wird.

    Nachdem dass geschafft ist und nochmal alle Platten verglichen wurden dass sie ne grade linie Bilden und nichts absteht, werden die Platten über den Schweifstock (oder ähnlichem) in Form gebogen, bzw. bei dickerem Material oder Federstahl per Hammer in Form getrieben.



    6. Zusammenfügen

    Wir platzieren die dazugehörigen Platten überlappend auf eines der 5 Trägerelemente und zeichnen nacheinander die Löcher auf der Trägerinnenseite an.

    Die Löcher werden NICHT gestanzt, sondern der Stoff wird vorsichtig mit der stumpfen Ahle wie bei Nestellöchern geweitet und anschließend die Niete durchgeschoben bevor der Stoff sich wieder zusammenzieht. Wenn man die Löcher stanzen würde wäre die Struktur des Stoffes beschädigt und er würde früher oder später ausreißen.

    Anschließend die Platten auflegen und vorsichtig mit nem Nieteisen und Hammer vernieten.
    Der Taillenstreifen wird als letztes mit ner einer Reihe Nieten sowohl nach oben als auch unten überlappend vernietet.
    Zuletzt noch alle 5 Teile mit stabilem Zwirn zusammennähen, Schnallen usw. hinzufügen und fertig.

    Wer möchte kann noch nen Innenfutter hinzufügen um die darunter getragene Kleidung zu schonen.

  2. #2
    Serk Vastatio
    Serk Vastatio ist offline
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    Danke für die Anleitung.
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