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  1. #1
    Surkan
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    Lederrüstung mit Kern in Linothoraxbauweise

    Hallo,

    mir geht seit einiger Zeit eine Idee durch den Kopf, welche ich mal gern diskutieren möchte.

    Es geht um eine Lederrüstung mit einem Kern in Linothoraxbauweise.

    Hintergrund dieser Idee ist eine Kombination aus der Festigkeit der LinoBauweise und dem Erscheinungsbild von Leder. Zwar hab ich auch schon Lederrüstungen aus richtig festem Kernleder gebaut, aber das war eine sehr teure Angelegenheit. Mit der LinoBauweise hab ich zwar erst kleine Sachen wie Schwert- und Dolchscheiden gebaut, aber das hat so gut funktioniert, dass ich denke auch größere Projekte bewältigen zu können. Der Vorteil liegt ja auf der Hand: günstige Bauweise. Ich kann eine sehr feste Rüstung (je nach Dicke) bauen ohne teures Kernleder verwenden zu müssen.

    Was haltet ihr davon?

  2. #2
    Dutch
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    Meine Erfahrungen mit Linothorax beschränken sich auch nur auf Dolch- und Schwertscheiden. Grundsätzlich finde ich, dass sich mit überschaubarem Aufwand viel erreichen lässt. Jedenfalls so lange man genügend geeignete Stoffreste in der Kiste liegen hat und nicht erst größere Mengen Stoff kaufen muss.

    Die von dir angepeilte Bauweise kann sogar Vorteile jenseits der Kosten haben. Du kannst die Rüstteile mit dünnem Leder praktisch faltenfrei bespannen. Eine ähnlich perfekte Optik dürfte sich mit dickem Kernleder nur mit deutlich höherem Aufwand erreichen lassen.

    Die Optik steht und fällt natürlich mit der Qualität des Leders, mit dem du den Linothorax-Kern überziehst. Je mehr du hier sparst, desto eher erreichst du eine Plastik-Spaltlederoptik, die ich persönlich unattraktiv fände. Aber falls du sonst sowieso mit narbigem Kernleder gearbeitet hast, wirst du sicherlich auch bei diesem Bastelprojekt auf narbige Leder zurückgreifen.

    Ich sehe bei Linothorax aber auch einen Nachteil, der mich bei größeren Objekten wie einem Kürass etc. zögern lassen würde.
    Wenn wie üblich Holzleim verwendet wird, wird die Struktur bei Erwärmung weich.
    Beispiel: Eine meiner Schwertscheiden hat bei einem Freund frei im sommerlich heißen Zimmer gehangen und war danach leicht krumm, weil das Schwertgehänge ein leicht schräges Hängen erzwungen hat.

    Im Sonnenlicht eine Stunde auf dem Schlachtfeld stehen könnte eine Rüstung im Extremfall weich und formbar machen. Dann würde praktisch jeder Schlag eine Beule hinein schlagen. Ein Sturz könnte zu einer deutlichen Deformierung der ganzen Rüstung führen.

    In gewissem Maß kann man die alte Form wiederherstellen, indem man das Material wieder erwärmt und in Form bringt. Aber eigentlich ist das nicht der Weisheit letzter Schluss.
    Vielleicht liege ich mit dieser Einschätzung aber auch daneben.

    Tschüs
    Michael
    Geändert von Dutch (19.11.2014 um 12:14 Uhr)
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  3. #3
    Surkan
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    Zitat Zitat von Dutch Beitrag anzeigen
    ... Dann würde praktisch jeder Schlag eine Beule hinein schlagen.
    Damit würde zumindest das Reparieren der Rüstung nach der Schlacht "richtig" ausgespielt werden müssen.

    Aber der Einwand ist wirklich nicht von der Hand zu weisen. Ich selbst hab das noch nicht erlebt.
    Die Frage wäre nun, wie viele Schichten verwendet wurden. Kann man das evtl. mit ein zwei Schichten mehr verhindern? Immerhin müsste die Wärme ja erst mal alle Schichten durchdringen.

    Eine weitere Frage wäre das Material. Ich hab für meine Schwertscheiden immer alte Bettlaken aus Baumwolle genommen. Für eine Körperrüstung würde ich auf was besseres setzten wollen. Mein erster Gedanke war Wolle - wegen der Eigenschaften. Oder wie im Original Leinen.
    Der Stoffverbrauch sollte sich eigentlich in Grenzen halten. Ganz(!) grob bräuchte ich für einen Kürass etwa 50cm x 50cm Stoff pro Seite und Schicht. Ich bekomme also aus 3m Stoff einen Kürass mit neun Schichten.

    Beim Kleber hab ich immer mit Holzleim gearbeitet. Gab es im 1kg Eimer für 12€ und war billiger als der bekannte Pon**. Gibt es andere / günstigere Alternativen? Immerhin wird man für eine Rüstung eine ganze Menge Leim brauchen.

  4. #4
    oliverp
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    Du kannst auch Kunstharz statt Holzleim nehmen, zumindest Teilweise.
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    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
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  5. #5
    Dutch
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    Zitat Zitat von Surkan Beitrag anzeigen
    Eine weitere Frage wäre das Material. [...] Für eine Körperrüstung würde ich auf was besseres setzten wollen. Mein erster Gedanke war Wolle - wegen der Eigenschaften. Oder wie im Original Leinen.
    Die Eigenschaften von Wolle (also von gewebter Schurwolle) sind beim Linothorax eher kontraproduktiv, da Wollstoff den Leim nicht aufsaugt und sich daher kein Verbundwerkstoff ergibt.

    Meine Schwert-/Dolchscheiden sind aus reinem Leinen gefertigt, haben aber als innerste Schicht eine Lage Wollstoff: Als weiche Polsterung und als quasi leimundurchlässige Schicht, damit später keine harten Leimspuren am Schwert kratzen können.

    Zusätzliche Schichten werden keine nennenswerte Wirkung in Bezug aufs Weichwerden haben. Besagte Schwertscheide habe ich gerichtet, indem ich sie nur etwa 10 Minuten in die Nachmittagssonne gelegt habe. Danach war sie zum Richten wieder weich genug.
    Dass man länger als 10 Minuten auf den Beginn einer Schlacht wartet, hat sicher jeder schon erlebt.

    Das ist aber, wie gesagt, nur von meinen Erfahrungen mit kleinen Teilen auf mögliches Verhalten von größeren Teilen geschlossen.
    Und mit einem Anteil an Kunstharz im Gefüge (siehe OliverP) kann die Sache schon wieder ganz anders aussehen.

    Tschüs
    Michael
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  6. #6
    oliverp
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    Das mit dem Leinen ist auch so eine Sache... die Originaleigenschaften ergaben sich zu großen Teilen aus dem Faserbild historischen Leinens, also den sehr langen hohlen Fasern. Vieles heute erhältliche Leinen besteht aber aus fast Baumwollartig kurzen Fasern die auch so verarbeitet werden.
    Für Larp könnte( also evtl!?) das auch einen Unterschied machen: Weniger Zähigkeit, kleinere Bruchschwelle. Ob das in der Larppraxis relevant ist, weiß ich aber nicht, da ich noch nie größere Teile als Schwertscheiden wirklich in Gebrauch hatte, und da hat eigentlich auch Baumwolle ausgereicht.
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  7. #7
    Surkan
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    Zitat Zitat von oliverp Beitrag anzeigen
    Du kannst auch Kunstharz statt Holzleim nehmen, zumindest Teilweise.
    Kannst du da was genaueres empfehlen?


    Zitat Zitat von oliverp Beitrag anzeigen
    Das mit dem Leinen ist auch so eine Sache... die Originaleigenschaften ergaben sich zu großen Teilen aus dem Faserbild historischen Leinens, also den sehr langen hohlen Fasern. Vieles heute erhältliche Leinen besteht aber aus fast Baumwollartig kurzen Fasern die auch so verarbeitet werden.
    Das war auch ein Grund, warum mir Wolle zuerst eingefallen ist. Die Faserlänge.
    Auf der anderen Seite ist es natürlich richtig, dass der Leim richtig eindringen muss. Das das bei Wolle nicht der Fall ist war mir neu. Aber danke. Wobei ich aber denke, dass das durchdringen der Fasern reichen müsste.

  8. #8
    oliverp
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    Wolle wird erst matschig, dann zu fest und geht dann kaputt, entweder durch Reißen (weil eben zu fest) oder sie bricht mangels Fett und Atmung.

    Bei dem Kunstharz kenne ich mich nicht im Detail aus, die paar Mal, wo ich sowas benutzt habe (war immer außerhalb von Larp - Herstellung von Messergriffen aus Textilschichten) war die Anwendung betreut Aber die Stoffschichten waren nachher robuster als jedes Holz und auch halbwegs kratzfest
    Ich kann gern mal nachfragen, glaube aber, hier gibts ein paar Leute die sich damit auch larpspezifisch auskennen.
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  9. #9
    Leetoh
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    Das würde mich auch interessieren. Aus diesem Material würde mich eine Schwertscheide interessieren, die sich anschliessend lackieren lässt...

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