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  1. #1
    Leopoldt
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    Betreutes Bauen: Gambeson

    Tag mitnander,

    nachdem mein Heiler nun Con-fertig ausgerüstet ist, gehts wieder ans Kämpfer Projekt zurück. Dafür habe ich vor mir einen Gambeson selbst zu nähen. Den Thread von Kedrik hab ich mir schon durchgelesen, wollte aber trotzdem das Ganze als betreutes Bauen aufziehen, allein schon wegen der Materialfrage.
    Zum Aussehen: es soll etwas an historische Gambesone angelehnt sein. Knielang, Langärmelig, Vorne oder seitlich mit Schnürung (hatten historische Gambesone überhaupt ne Öffnung um das Anziehen zu erleichtern?). Als Schnittmuster würde ich das für Meine Tunika einfach nochmal verwenden, verlängern und die Ärmel etwas verengen, sowie einen Kragen anfügen.

    Als Obermaterial hab ich mir das Uralt Haushaltsleinen meiner Oma auserkohren, da das ziemlich fest und stabil ist. Nun zum Problem. Ich wollte einfach eine alte Wolldecke (Dachbodenfund) einnähen. Die ist ca. 2,5 cm dick und aus reiner Schurwolle. Also scheinbar geeignet. Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Ich hätte sie jetzt nur einlagig verwendet (mit mehreren Lagen hätte meine Nähmaschine auch Probleme).

    Was meint ihr, ist das so machbar? Kann ich die Wolldecke verwenden oder muss ich doch BW-Decke kaufen? Habt ihr noch Hinweise oder Tipps?

    Gruß
    Leopoldt

    Achja ich weiß ihr liebt Fotos:
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  2. #2
    Klaufi
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    Hört sich doch bisher ganz gut an. Allerdings musst du darauf achten das Ganze nicht zu eng zu machen, da es sich durch die Steppung zusammenzieht und enger wird. Gibt da ein paar nicht so lustige Geschichten von welchen, die sich nen richtig edlen und teuren Gambi genäht haben und dieser nachher zu klein für sie war. Muss ja nicht sein
    Und die Decke ist wirklich 2,5cm dick? Wie dick ist sie denn zusammengedrückt? Ansonsten dürfts klappen, nur würd ich das ganze Futter vorher entfernen. Machst eigentlich Karo- oder Längssteppung? Und wie willst den Kragen machen?
    Achja, ich hab bei meinem Schnürung auf einer Seite gemacht, es geht, allerdings etwas unangenehm beim An- und Ausziehen. Ein Durchgehender Verschluss wie bei ner Jacke ist echt von Vorteil . Vll. findest ja auch was anderes zum Schließen als Schnallen (bzw. keine normalen Schnallen, sieht sonst immer so lieblos aus).

  3. #3
    Leopoldt
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    Die Decke ist wirklich Zweieinhalb Zentimeter dick, eher noch etwas dicker. Zusammen gedrückt noch ca. 1,5cm. Ich hatt mir auch schon überlegt das Futter als Innenstoff zu lassen,... sieht aber glaub ich doof aus. Ich wollt so wenig wie möglich steppen also wahrscheinlich längs. Den Kragen wollt ich seperat machen und dann mit der Hand annähen.
    Einen ambientigen durchgehenden Verschluss hab ich leider noch nicht gesehen. Also wohl eher Schnürung auf der Vorderseite, damit ich das Ding auch an und wieder aus bekomm. Von Lederschnallen wollt ich mich bewusst fern halten. Die erinnern mich immer an Stangenwahre.

    Wollt mich grob in die Richtung orientieren (nur lange Ärmel):
    klick
    Da gehts scheinbar ohne Steppnähte.

    Gruß
    Leopoldt

    Edit hat den link gekürzt
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  4. #4
    Kelmon
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    Ich würde zu Steppnähten raten. Zwar tauchen die nicht in allen Bildquellen auf (was eher auf fehlende Detailtreue zurückzuführen sein dürfte), wohl aber auf jeder mir bekannten Grabplatte von Rittern (auf denen man überhaupt etwas von der Unterrüstung sieht), und hier auch immer mit einer Längssteppung.

    Wenn wir uns an den detailreich gezeichneten Gambesons der Kreuzfahrerbibel orientieren, hatten frühe Gambesons für Fußkämpfer als einzigen Verschluss Knöpfe am Kragen, während die Rüstung an sich zum hineinschlüpfen gewesen sein dürfte. Das scheint logisch: Anders bei einer Unterrüstung für ein Kettenhemd muß der Textilpanzer nicht eng sitzen, und zum anderen können beim alleine getragenen Textilpanzer durch den Verschluss gebildete Lücken durchaus lebensbedrohlich werden.

    Kann man den dortigen Zeichnungen Glauben schenken scheint es sich beim Kragen übrigens um ein separates Rüstungsteil gehandelt zu haben. Auch das scheint logisch, werden so doch die Schultern, anfällig für Schläge und Geschosse von oben, doppelt geschützt.

    siehe z.B. hier
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  5. #5
    Klaufi
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    Hmm, wieso dann nicht so wie dieser? Der macht irgendwie mehr her als der andere find ich

  6. #6
    Alex
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    Bei der Decke weiß ich nicht. Soweit ich weit ich weiß werden in Gambesons ja extra mehrere Lagen eingearbeitet, wobei die Webrichtung immer um 90° gedreht wird. *mal zum Kelmon schielt, ob der da mehr weiß*

    Um einfach nur ein Füllmaterial zu nehmen, sollte die Decke gehen. Allerdings habe ich auch so eine Decke hier und weiß, dass es unter der schweinewarm wird. Wenn ich das mit meinem Gambeson vergleiche, sind das Welten. Könnte mir Vorstellen, dass die Decke ja nun mal dazu gedacht ist, extra warm zu halten und entsprechend verarbeitet ist.

    Alternativ zu BW-Decken kann man auch mehrere Lagen "Umzugsdecken" aus dem Baumarkt nehmen. Die sind billig und werden aus geschredderten Stoffresten hergestellt. Die werden sehr eng zusammen gesteppt, wodurch wohl generell eine feste Lage erreicht wird.

    Grüße,
    Alex

  7. #7
    Leopoldt
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    @Kelmon:
    Der Gambeson wird später hauptsächlich als Unterrüstung dienen wenn ich mein neues Kettenhemd hab bis dahinn wird er vermutlich alleine getragen. Ich würde einen Gambeson mit Verschlüssen allein schon aus dem Grund vorziehen weil man ihn nach dem Ausziehen offen zum Auslüften hinnlegen kann und er so schneller trocknet.

    @Klaufi:
    Weil der Gambeson ander hergestellt wurde. Dieser wurde gesteppt und gestopft, der den ich verlinkt habe wurde mit mehreren Stoffbahnen genäht.

    @Alex:
    Das mit der Wärme hab ich mir auch gedacht. Allerdings weiß man halt auch nicht genau was in den Umzugsdecken drinn ist... Malervlies (vgl. Kedriks Thread) hab ich gerade genug zu Hause (Papa is Maler). Ich werd mir das mal genauer Anschauen und morgen mal in den Baumarkt fahrn um das mit Umzugsdecken zu vergleichen. Die BW-Decken sind halt nunmal verhältnismäßig teuer. Im Nato Shop Würzburg 22€ das Stück (bei schätzungsweise 3stk. also 66 Euro, das wird dann doch recht teuer).

    Ich guck morgen mal nach und meld mich dann wieder mit Ergebnissen.

    Danke und Gruß
    Leopoldt
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  8. #8
    Kelmon
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    Zum Innenleben von Gambesons: Das "wie" ist (leider) weitestgehend unbekannt, zumindest was alles vor dem Spätmittelalter angeht. Obwohl es zwar sogar Gesetze gab, die festlegten, was in einem Gambeson drin sein muß (mir bekannt aus Paris und London aus dem frühen 14. Jhd), ist die Wortwahl leider so ambig, daß man nicht sicher sein kann, ob es sich um Wolle oder lose Baumwolle, mit der lediglich gestopft wurde handelt...

    Andererseits bestehen ein Gambeson im Museum in Stendal (14. Jhd) und ein frz., wattierter Jupon (ebenfalls 14. Jhd) nachweislich aus Leinenlagen, im ersten Fall aus 25-30 Lagen, letzterer mit Baumwolle zusätzlich wattiert.

    Aus einer um 1343 überlieferten Rechnung über die Bestellung einiger Gambesons kann man auch das Material auf ein Exemplar runterrechnen. Während da kleinere Mengen von verschiedenen Materialien (u.a. Wildleder, Goldband, Seidengarn) vorkommen, sind die Hauptmaterialien wohl eindeutig identifizierbar: 2.5 Ellen Fustian/Barchent (ein Gewebe mit Leinen als Schuss und der kurzfaserigen, orientalischen Baumwolle als Kette), 6.4 Ellen Leinen und 2.3 Pfund Baumwolle (wohl roh).

    Aus Kleidungsvorschriften aus London (1322) und Paris (1311) kann man auch etwas zur Konstruktion eines Gambesons herauslesen.
    In Paris ist der Gambeson als "durchgenähte Tunika" bezeichnet (soll wohl abgesteppt heißen), bei der auf eine Aune Länge (~1.2m) mindestens 3 Pfund "cotton" benutzt werden sollen.
    In London gibt es getrennte Vorschriften sowohl für die "billige" als auch für die "Luxusvariante". So soll ein Gambeson, der Seide oder Zendel als Oberstoff hat nur mit ungebrachtem "cotton" oder gebrauchtem Zendel gefüllt sein. Ein "weißer" Gambeson (soll wohl heißen, mit Leinen als Oberstoff) dagegen darf mit altem Leinen oder "cotton" gefüllt sein.

    Problem: Das Wort "cotton" konnte zu dieser Zeit sowohl Wolle als auch Baumwolle bedeuten. Was wohl damals selbstverständlich war, ist somit für uns wohl nicht mehr nachzuvollziehen.

    Die älteste mir bekannte Überlieferung über den Bau eines Gambesons stammt aus der Chronica Colmarensis von 1198:
    "wambasia, id est, tunicam spissam ex lino stuppa, vel veteribus pannis consutam"
    (Ein (Polster-)Wams ist eine Tunika, aus dichtem Leinenwerg oder alten Tüchern zusammengenäht).

    Zusammenfassend:
    Der Gambeson dürfte eine Schutzausrüstung sein, die eine Wandlung von "Besser Kleidung als gar nichts" über "Wir nähen mal alles rein, was wir haben" bis zu hocheffektiven Textilrüstungen durchgemacht haben dürften.
    Demnach kann man wohl eine Vielzahl von verschiedenen Bauweisen als "richtig" ansehen. Beachten sollte man bei der Konstruktion allerdings Faktoren wie Vermögen und Status, Verfügbarkeit von Materialien und Einsetzgebiet der Rüstung, sowie bei historischer Orientierung eben das Jahr.
    So kann es sich wohl kaum ein Fußkämpfer aus einfachsten Verhältnissen leisten, die gesamte Flachsproduktion eines kleinen Dorfes am Leib zu tragen. Wenn man dagegen in Auflistung von Zehntabgaben liest, daß z.B. jedes Gehöft alle 2 Jahre genug Leinen für ein Hemd und eine Bruche liefern muß, sollte genau das dagegen für jeden Ritter kein Problem gewesen sein.


    Persönliche Empfehlung:
    - Für eine Polsterung unter einem Kettenhemd würde ich als Oberstoff Leinen, gefüttert mit Lagen von Wollstoff vorschlagen.
    - Als alleinige Rüstung würde ich mind. 15 Lagen Leinen - ersatzweise Barchent oder Baumwolle - vorschlagen, die nach dem Steppen noch etwas mit Rohwolle oder Rohbaumwolle ausgestopft werden können.

    P.S.: BW-Decken für 22€?? Schau mal auf ebay...
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  9. #9
    Klaufi
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    @Klaufi:
    Weil der Gambeson ander hergestellt wurde. Dieser wurde gesteppt und gestopft, der den ich verlinkt habe wurde mit mehreren Stoffbahnen genäht.
    Ja, die Steppunh meinte ich jetzt auch nicht direkt, sondern eher den Schnitt mit Kragen und Öffnung vorne seitlich, das dürfte doch eigentlich das sein, was du suchst. Wenn man jetzt beide Varianten geschickt kombiniert dürfte doch was Gutes rauskommen, oder nicht?

    Und 22€ für ne BW-Decke? Das ist echt happig, such mal im Internet nach Armeedecke oder sowas, da bekommst auch welche anderer Nationalitäten für die Hälfte.

  10. #10
    Kelmon
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    Die Decken anderer Armeen enthalten aber oft Synthetik. Schweizer Decken sind allerdings weit besser als deutsche, aber leider teuer.
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