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  1. #1
    Cathal
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    Guide: Build your Gambeson

    Zuerst: Man verzeihe mir Schönheitsfehler! Dies war mein allererstes Nähprojekt, ich konnte vorher nicht mal einen Knopf annähen, daher ist die Bauweise auch eher simpel. Allerdings sehe ich dies auch als Vorteil: Wirklich jeder sollte das hier nachbauen können.
    Allerdings nur, und damit bin ich schon bei Punkt 2, mit einer gewissen Ausdauer. Einen Gambeson zu bauen bedeutet vor allem sich die Finger kaputt zu stechen und jede Menge Zeit damit zu verbringen eine Nadel durch mehrere Zentimeter Stoff zu stechen!

    Auf die Historie oder die vielen verschiedenen Modelle der Gambesoneüber die Jahre werde ich hier nicht eingehen, da gibt es genug Quellen im Netz. Ich biete hier eine Bauanleitung für ein „Minimalmodell“ an.


    Wer jetzt noch weiter lesen will, für den kommt hier erstmal die (fast obligatorische) Materialliste:
    • Stoff[list:0598a2ba27]
    • Für die Außenhaut verwende ich Segeltuch, das ist robust und sieht sehr gut aus. Habe zwei Laufmeter bei einer Breite von ~120cm gekauft.
    • Für innen wird Leinen verwendet. Reißfest und vor allem auch bei längerem tragen, zur Not auch auf nackter Haut, recht bequem. Ebenfalls 2 Laufmeter.
    [*]Füllung. Diese wird separat aufgeführt, weil sich hier mehrere Möglichkeiten anbieten.
    • Rosshaar: Historisch sehr schön authentisch. Zu Zöpfen geflochten bildet es wohl eine sehr schnitt- und stoßfeste Polsterung. Heutzutage in entsprechender Menge aber höllisch teuer!
    • Wolle: Entweder Schurwolle (auch sehr stimmig) oder Baumwolle (geht genauso). Einfach rein stecken und man hat eine tolle Füllung.
    • Leinen. 20 Schichten Leinen geben einen tollen Gambeson. Allerdings wird auch das wieder ziemlich teuer.
    • Preisgünstiger Ersatz. Ich persönliche habe dicke Handtücher benutzt (kein Witz). Das ist zwar historisch gesehen Blödsinn, aber keiner sieht's und wenn man billige Handtücher nimmt kommt man preislich gut weg. Die stoß dämpfenden Eigenschaften sind auch sehr gut. Ich habe mich mit Bokken (japanische Hartholzschwerter) schlagen lassen. War mit Gambeson aus Handtüchern gar nicht soooo wild (sehr relativ). Die folgende Beschreibung bezieht sich auf die Variante mit Handtüchern. Anderer Ersatz kann aber auch gehen.
    [*]Faden. Hier lässt sich alles mögliche nehmen, ich persönlich habe mich – nicht sonderlich authentisch – für Nylonfaden entschieden. Ich habe einen Handwerkerfaden bekommen, der optisch nicht von normalem zu unterscheiden ist, jedoch wesentlich reißfester. Perfekt![*]Nadeln. Hier sollte man sich, neben den „normalen“ Größen auch Nadeln mit einer Länge von mindestens 7 Zentimetern zulegen. Diese werden später zum absteppen benötigt. Ich habe im lokalen Nähladen so genannte „Puppennadeln“ empfohlen bekommen. Diese haben sich als sehr geeignet erwiesen.[/list:u:0598a2ba27]

    Tipp: Stoffe einmal vorher waschen, dann gehen sie schon ein und man hat das Problem nicht mehr so sehr beim fertigen Kleidungsstück. Einfach einmal durch Waschmaschine und Trockner jagen.


    So, dann fangen wir mal an. Zunächst werden die grundlegenden Maße genommen:
    • Brustumfang. Dieser wird an der breitesten Stelle der Brust genommen.
    • Bauchumfang. Ebenfalls breiteste Stelle. Sollte hier nicht nennenswert mehr oder weniger sein als bei der Brust können wir uns das schenken.
    • Armdurchmesser. An der breitesten Stelle des Oberarms zu nehmen, am besten sehr Schulter nah.
    • Hüftumfang. Da wo der Gürtel sitzt.
    • Halsdurchmesser. Am Halsansatz bitte.
    Anschließend geht es auch schon an das Zurechtschneiden und Nähen des ersten Teils, in diesem Falle das Rückenteil. Dieses ist so breit wie der halbe Brustumfang und so hoch wie die Länge von der Schulter zur Hüfte. Jetzt kommen nochmal grob 5 Zentimeter drauf, schließlich wird das Ding ja noch ausgestopft. Möchte man einen taillierten Schnitt sind entsprechende Anpassungen mit Hilfe des Hüft- und Bauchumfangs anzustellen, auf die ich hier nicht näher eingehen werde.
    Das Teil wird jeweils einmal aus dem Außen- und Innenstoff (also in meinem Falle Segeltuch und Leinen) ausgeschnitten. Beide Teile werden anschließend mit einem Steppstich auf 3 von 4 Seiten zusammen genäht, die vierte bleibt offen. Das sieht dann so aus:



    3 Seiten vernäht, eine bleibt offen. Dies ist unsere „Einfüllluke“ für die Polsterung.

    Durch diese Öffnung legen wir nun unsere Füllung in den Gambi. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die möglichst gleichmäßig im Innenraum verteilt ist. Die Dicke kann je nach Einsatzzweck variieren, ich habe hier einen sehr dicken Gambeson gefertigt, der auch ohne ein Kettenhemd oder ähnliches realen Schutz vor Klingenwaffen bieten sollte.

    Warnung: Je dicker die Füllung, desto anstrengender und langwieriger wird das absteppen. Außerdem steigt der Verbrauch an Nadeln und Hornhaut exorbitant an.

    Auch hier ein Bild:

    Die Füllung (hier Handtücher) ist "eingelegt". Hier wurden 3 Handtücher verwendet.


    Jetzt geht es ans eingemachte: Zuerst wird die letzte Seite verschlossen. Dies geschieht genau so mit einem Steppstich wie bei den anderen 3 Seiten und sollte an sich keine Herausforderung darstellen. Aufpassen muss man jedoch, dass die Füllung nicht verrutscht.
    Sobald dies geschehen ist kommt das, was das nähen eines Gambesons so anstrengend und langwierig macht: Das absteppen!

    Im Prinzip ist das ganze sehr einfach: Im Abstand von wenigen (~3 bis 4) Zentimetern wird ein Steppstich von oben nach unten (oder umgekehrt) durch den kompletten Stoff mit Füllung ausgeführt. Dies gibt ihm Stabilität, Festigkeit und sorgt letztlich auch für das typische Aussehen eines Gambesons. Wichtig ist dabei, dass beim absteppen immer wieder genug Zug auf den Faden ausgeübt wird um den Stoff im Verlauf des Fadens tatsächlich „einzukerben“.
    Je nach Geschmack und dargestellter Zeit kann man natürlich auch horizontal anstatt Vertikal absteppen oder sogar mehrere Nähte sich kreuzen lassen. Einfach mal nach Bildern im Netz suchen, da gibt es genug Informationen zu dem Thema.



    Absteppen des Gambesons


    Steppnähte in der Nahaufnahme


    Jetzt sollte man den Rand des Stoffes noch umsäumen (erneut verweise ich darauf im Netz zu suchen...) um zu verhindern, dass er ausfranst.

    So, jetzt haben wir im Prinzip das Interessanteste schon durchgekaut. Anschließend werden noch 2 Teile in gleicher Manier angefertigt, allerdings sind diese für die Vorderseite des Körpers gedacht, sollten also jeweils etwa ein Viertel des Brustumfangs PLUS (wichtig) mehrere (5 bis 10) Zentimeter Zugabe als Breite haben. Danach haben wir jetzt 3 Stücke Gambeson-Grundstoff (ich nenne das hier einfach mal so), entweder rechteckigen oder bei erfahreneren Näher(inne)n auch eventuell etwas anders geformten. Was machen wir nun damit?


    Nun, wir könnten sie zusammen nähen und hätten dann eine Schicke Weste. Moment mal... Ja, da fehlt was, genau genommen ist da zu viel, immerhin müssen die Arme und der Kopf auch irgendwo durch gesteckt werden. Darum werden wir uns jetzt kümmern.

    Zuerst einmal müssen wir wissen, wie groß eigentlich die Löcher für Kopf und Arme sein müssen. Diese Werte lassen sich der Einfachheit halber einfach an einem Bequemen T-Shirt oder Pullover nehmen. Dabei muss man aber darauf achten, dass die meisten modernen T-Shirts einen Gummizug am Hals haben. Da passt der Hals zwar ohne Zug durch, aber der Kopf nicht! Unser Gambeson hat aber keinen Gummizug. Wer den Gambeson, wie ich, als Weste fertigt hat das Problem nicht, wer jedoch die Schließen an der Seite anbringen möchte muss hier aufpassen.

    Jetzt wo wir unsere Maße haben schneiden wir entsprechend an den Armen und am Hals Bögen in den Gambeson. Und damit nichts heraus quillt sollten die Löcher direkt mit Stoffresten wieder zugenäht werden. Ich habe der Stabilität halber Das Segeltuch genommen, wer mag kann aber natürlich auch Leinen oder sonst was benutzen.

    Das ganze sollte ordentlich gemacht werden, sonst hat man hier eine Schwachstelle, an der der Gambeson schnell kaputt gehen kann und dann heißt es wieder reparieren, im dümmsten Fall im Felde. Wobei das natürlich auch dem Ambiente förderlich sein kann.


    Der Halsausschnitt wird mit Stoffresten verschlossen um ein Herausquellen der Füllung zu verhindern


    Sind die Ausschnitte für Arme und Hals fertig wird es Zeit alles zusammen zu fügen. Also raus mit den Teilen und los! Die Nähte sollten sehr sauber und am besten sogar doppelt ausgeführt werden, ansonsten wird der Gambeson hier ganz sicher früher oder später aufreißen, was wir ja wohl kaum wollen. Also lieber etwas mehr Arbeit machen und das ganze sauber und doppelt machen anstatt sich später zu ärgern.

    Wenn alles zusammen genäht ist haben wir eine tolle Weste. Leider können wir diese Weste (noch) nicht schließen. Das muss wohl noch geändert werden. Trotzdem sollte man die Weste mal anziehen, anprobieren, sich freuen was man geleistet hat und dann mit einem Stift oder Kreide markieren wo sie vorne überlappt.

    Nun werden die Lederriemen angenäht. Das ganze kann recht schwierig sein, weil das Leder nicht einfach zu nähen ist. Das Zeug ist ziemlich dick und vor allem stabil. Es kann helfen es „vorzulochen“, das ist jedoch optional.


    Anbringen der Lederriemen


    So, damit können wir die Weste auch schließen!
    Das ist bis hierhin alles. Der Gambeson gehört noch nach unten erweitert und auch Ärmel fehlen noch, aber als Rüstungsstück taugt er schon mal.
    Ich werde diesen Guide natürliche erweitern, wenn ich mit der Arbeit weiter voranschreite.

    Hoffe er hat euch geholfen!


    MfG
    Lukas aka Cathal


    P.S.: Hier noch ein Bild der ganzen Weste:

    Der Lohn der Mühen


    Ich hoffe es hat euch gefallen und vielleicht habe ich sogar jemandem geholfen

    Steppstich.png (310.65 KB)
    3SeitenZu.png (775.02 KB)
    Absteppen.png (559.01 KB)
    Voll.png (910.26 KB)
    Steppnaht.png (395.81 KB)
    Halsausschnitt.png (426.26 KB)
    Lederriemen.png (763.23 KB)
    GambiWeste.png (675.91 KB)

  2. #2
    Ian
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    Ich habe den Threadnamen geändert, da Firefox mit dem "-" im Titel nicht klarkommt.

  3. #3
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    Ich würde hier noch das eine oder andere ergänzen.

    Oberstoff: Segeltuch ist kein Material, sondern eine Webart. D.h. kann sowohl Baumwolle als auch Leinen sein, wobei es in Deinem Fall wohl Baumwolle war. Ich würde einfach dazu raten, innen wie außen den gleichen Stoff zu verwenden, aber das ist Geschmackssache.

    Absteppen: Es bietet sich an, die Lagen auch schon vor dem Zusammennähen punktuell zu fixieren, damit sie nicht verrutschen.

    Rosshaar: Ist nicht "sehr schön authentisch", sondern ein weit verbreiteter Szenemythos. Mir wären zumindest keine Belege dafür bekannt. Auch wenn Dir viele erzählen können, daß er/sie jemanden kennt, der jemanden kennt, der Belege dafür hat

    Preisgünstiger Ersatz für Füllung: Da würde ich auch die schönen, billigen, deutschen Armeedecken aus 100% Schurwolle erwähnen. Bekommt man schon für 12€ und 2 davon reichen locker für einen dicken Gambeson.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  4. #4
    Cathal
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    Oberstoff: Gut, da hast du recht und ja, es war Baumwolle. Ich wollte innen Leinen haben, weil ich das persönlich als angenehmer empfinde aber das ist Geschmackssache.

    Rosshaar: Das mag wohl sein, ich erinnere mich nur das an mehreren Stellen gelesen zu haben.

    Der Armeedeckentrick ist ebenfalls bekannt, war mir, zugegebenermaßen, aber entfallen.

    Werde es nachher einpflegen, danke für die Tipps

  5. #5
    Harald Ösgard
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    @ Kelmon oder wer es weiß:
    Wo genau bekommt man die Armeedecken her? Ebay oder Army Shop? Und woran genau erkenne ich, daß das wirklich Schurwolle ist? Haben die noch das Label drann? Oder muss ich die erst ankokeln?

  6. #6
    Cartefius
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    Ich kaufe meine Armeedecken im Armyshop, genauergesagt bei Räer. Meist ist da auch eine Angabe, ob da nur Wolle oder auch Polybeimengung ist, im Tragekomfort macht ein kleiner Kunstfaseranteil meiner Meinung nach aber auch nicht so viel aus.

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