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  1. #1
    Arahael
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    Schnitt Rüstwams um 1480 bis 1490

    Guten Morgen allerseits,

    nach über einem Halben Jahr Rüstungsbauen hat es mich jetzt wieder gepackt wieder mal bissl was zu nähen, natürlich soll es zu meinem geplanten (und teilweise schon angefangenem) gotischem Harnisch passen (angelehnt an ein original von 1484, gebaut von Lorenz Helmschmidt für den Erzherzog Sigismund von Tirol). Also hab ich mich hingesetzt und überlegt was man dafür braucht, also erstmal ein Rüstwams, eine Schamlatztshose, Schuhe und eventuell ein Leibhemd, wobei dies auch weggelassen werden kann.

    Das Rüstwams sollte in etwa so aussehen sollte. Beim Stoff bin ich mir schon recht sicher, für den Oberstoff schwere Wolle und innen Leinen. Nur beim Schnitt bin ich mir noch nicht so ganz sicher, da Schnittmuster, die man so im Internet findet irgendwie sehr breit und kurz aussehen und ausserdem eine merkwürdige Schulterform haben (vgl. hier). Eine bessere Variante für die Ärmel wäre diese der Schnitt davon wäre so. Allerdings von ca.1364, wenn man der Seite glauben kann.

    Jetzt ist meine Frage, ob es denn ähnliche Ärmel auch zu "meiner" Zeit gab oder man es doch anders gehabt hat, da ich Puffärmel unter der Rüstung für arg sinnlos empfinde, da man ja jede Falte vermeiden sollte.

    Ich hoffe es kann mir jemand helfen.

    MfG
    Arahael

  2. #2
    Bregon
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    Ich nehme an, du möchtest keine angenestelten Ärmel?
    Hier noch ein Bild von so einem Wams, mit Ärmeln, wie du sie haben willst:



    Das ist ein Altarbild von Memling (ca. 1479) und passt super in deine Zeit.

    Grüße, Bregon

    EDIT: Das hier gezeigte Wams ist aus Leinen. Wolle ist mMn aber trotzdem der bessere Stoff.
    Zum Stoff siehe auch bei Dîu Minnezit unter "Galerie", "Kleidung" und dann ganz unten "Leinenwams":
    http://www.diu-minnezit.de/indexfrm.php?tid=4

  3. #3
    Arahael
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    Grünschnabel

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    Hallo Bregon,

    die Seite kante ich schon, allerdings habe ich mir dieses Bild noch gar nicht so genau angeschaut und merke jetzt, dass das ja wieder eine etwas andere Ärmelform ist, diese Ärmel würden ja, wenn man das Wams faltenfrei auf den Boden legt, komplett nach unten gehen (was kein Nachteil in meinen Augen ist). Nur weiß ich nicht, wie denn der Schnitt für einen solchen Ärmel ist, da er ja nicht wie z.b. bei einem T-shirt zur Seite zeigt.

    Außerdem irritiert mich die länge etwas, da doch meines Wissens zu dieser Zeit die Klamotten noch über den Hintern reichten oder irre ich mich da? Aber ansonsten entspricht diese Form genau meinen Vorstellungen, dazu dann noch ein etwas höherer Kragen und natürlich Nestellöcher am Hals, am Arm und noch mehr am unterem Saum, um Beinzeug zu befestigen.

  4. #4
    Bregon
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    Zur Gewandlänge sagt Dîu Minnezit:

    Während im 13ten und frühen 14ten Jahrhundert in der Männermode der Kittel dominiert, wandelt sich das Bild um die Mitte des 14ten Jahrhunderts. Die nunmehr kürzere, körperbetonte Mode lässt das Wams des Mannes entstehen, das bis in das 15te Jahrhundert, und darüber hinaus, fester Bestandteil der Mode des Mannes bleiben wird.
    Bei den Ärmeln hast du durchaus recht, sie gehen nach unten hin weg.
    Ich habe bei meiner Cotte kleine Dreiecke in den Achselbereich eingenäht, wenn man den Ärmel nun anders zuschneidet und diese Dreiecke weglässt...so könnte diese Art von Ärmel entstehen.
    Hier beim unteren sieht man: Die Rechtecke unter den Ärmeln werden zu Dreiecken gefaltet und dann angenäht. Oben sind sie weggelassen worden. Wenn man den oberen Ärmel schräg schneidet, könnte man den Ärmel nach unten hin wegstehen lassen.


    Grüße, Bregon

  5. #5
    Klaufi
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    Naja, das Problem bei nach unten gehenden Ärmeln ist ja eigentlich, dass sie furchtbar spannen, wenn man versucht die Arme zu heben und mitunter sogar unter den Achseln die Nähte aufreißen. Zum Kämpfen also eigentlich nicht so praktisch, entweder unter den Achseln entsprechend mehr Stoff lassen oder dort gleich offen lassen.

  6. #6
    Cartefius
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    In einem der "Dragons" von der Company of Saynte George gibt es einen kleinen Artikel zum Thema "Rüstwämser", der ist vielleicht hilfreich:
    http://www.companie-of-st-george.ch/dragon-3.pdf

  7. #7
    Dutch
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    Hallo Arahael,

    ich habe mir letztes Jahr ein Wams genäht, das sowohl als Oberbekleidung, als auch als Rüstwams dienen sollte.

    Die gepufften Ärmel sind typisches Merkmal für ein modisches Wams der zivilen Mode. Ein Rüstwams würde man eigentlich mit nicht-gepufften, schlichten Ärmeln schneidern.
    Aber wenn man die Rüstung ohne Schultern tragen will, kann man auch gepuffte Ärmel schneidern. Das sieht in Verbindung mit einem gut sitzenden Harnisch sogar sehr gut aus.

    Eine bessere Beweglichkeit des Armes habe ich erreicht, indem ich Ärmel und Torso unter den Achseln unvernäht gelassen habe. Man sieht dann halt das Hemd durchschimmern, wenn ich die Arme hebe.

    Mein Wams hatte ich aus Wollstoff gefertigt; jetzt tut es mir immer ein wenig leid, auf dem schönen Stoff die Rüstung zu tragen.
    Wolle ist ein schönes Material für ein ziviles Kleidungsstück. Für ein Rüstwams, auf dem später Harnisch, Armzeug etc. aufliegen und bei jeder Bewegung reiben, würde ich als Außenmaterial heute ein stabiles Leinen nehmen, weil die Wolle doch arg aufgerauht würde. Besonders belastete Stellen kann man mit dünnem Leder verstärken.

    Stichwort Kragen: Wenn du einen Stehkragen im gotischen Stil machst sieht es schick aus, wenn du diesen aus einem besonders schönen Stoff (passend zum Charakter) herstellst. Er schaut dann oben aus deiner Rüstung heraus und lässt dich gut aussehen. Mehrarbeit = 0, außer dass du die Außenseite des Kragens aus einem anderen Stoff ausschneiden musst.

    Last but not least: Extrem körperbetonte Kleidungsstücke wie Wams und Hosen sind eine Herausforderung für jeden Schneider. Falls du noch keine Näherfahrung hast, kann es frustrierend sein. Beim Durchhalten hilft der Gedanke daran, dass dich ein gut sitzendes Wams wirklich gut aussehen lässt.

    Ein Schnittmuster für ein Rüstwams gibt es meines Wissens leider nicht. Man muss tatsächlich ein Standard-Wams variieren und auf die besonderen Belange der Rüstung anpassen.

    Ich habe festgestellt dass es wichtig ist, erst einmal einen Basisschnitt mit billigstem Ikea-Stoff zu erstellen und dieses Probestück auf deinen Körper anzupassen. Dieses Musterstück kannst du dann wieder zerlegen und hast dann das Schnittmuster, mit dem du den richtigen Stoff passend zuschneiden kannst.

    Falls du schon von Sarah Thursfield den Medieval Tailor's Assistant hast, findest du darin eigentlich alle wichtigen Informationen.

    Ich selbst habe allerdings mit einem Schnittmuster von Reconstructing History angefangen. Nur um festzustellen, dass der dort angegebene Schnitt für mich in keiner Weise passte (Schultern viel zu breit, Taille tendenziell zu eng). Im Grunde hätte ich mir das Geld sparen und gleich nach den Anleitungen von Thursfield arbeiten können. Verbuchen wir es unter Erfahrung.

    Tschüs
    Michael
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  8. #8
    Arahael
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    Grünschnabel

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    Vielen Dank für diese vielen Informationen,

    Wie ich schon sagte brauche ich das wams ja für einen kompletten Harnisch, also fallen Puffärmel in jedem Fall weg, auch die Idee mit dem verschnönerten Kragen ist für mich eigentlich unnötig, da ich einen Bart tragen werde und darunter evtl einen Kettenkragen (dessen bin ich mir aber noch nicht so sicher) aber die Idee wäre gut und würde ich evtl. bei einem zweitem Wams für ohne Rüstung machen, dann auch mit Puffärmel. Ein Schlitz unterm Arm ist auch eine sehr gute Idee, dann werde ich es denke ich so machen.

    Zum Stoff: Wenn es aber schon Leinen sein sollte (da höre ich lieber auf dich, wenn du schon Erfahrung damit hast) dann mache ich denke ich lieber drei Schichten, zwei schwere äußere und einen feineren innen.

    Die Näherfahrung für das Teil denke ich habe ich schon, da ich schon so manche lange Nachmittage vor der Nähmaschine verbracht habe und dabei Beinlinge, Bruche, eine Tunika, einen Wappenrock, diverse Bundhauben, Lederstiefel, einen Umhang ein Landsknechthemd und eine Landsknecht Hose herausgekommen sind.

  9. #9
    Dutch
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    Zitat Zitat von Arahael
    Wenn es aber schon Leinen sein sollte [...] dann mache ich denke ich lieber drei Schichten, zwei schwere äußere und einen feineren innen.
    Genau so habe ich es auch bei meinem Wollwams gemacht, wobei dann natürlich das Außenmaterial aus Wolle ist.
    Die zusätzliche versteifende Zwischenschicht aus Leinen verstärkt den optischen Eindruck, dass dieses Wams straff wie eine zweite Haut sitzt. Keine Sorge, es ist trotzdem weich, beweglich und angenehm zu tragen.

    Bei den Ärmeln habe ich übrigens die Verstärkung weggelassen. Bei einem Rüstwams würde ich aber auch die Ärmel mit einer dritten Stofflage verstärken. Hier wirst du ja ggf. das Armzeug annesteln wollen.

    Viel Erfolg.

    Tschüss
    Michael
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  10. #10
    jboerner
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    Servus,


    Weil ich es grad sehe: ich täte auf Verstärkungen weitestgehend verzichten. Braucht es nicht. Auch keine Polsterung. Maximal eine Lage mehr. Und keine Wolle, schwitzt man nur mehr. Rein historisch ist davon auch wenig belegbar.
    Im Prinzip langt ein einfaches, stabiles Wams, tendentiell aus Leinen, möglichst eng anliegende am Torso, die Arme für genügend Bewegungsfreiheit so, dass sie auch etwas nachrutschen können. Und gescheite Nesteln

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