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  1. #1
    Cartefius
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    Bauanleitung: Messingteile nach eigener Vorlage ätzen lassen

    Hallo allerseits,

    für mein letztes Kostüm habe ich mal eine neue Technik ausprobiert, und da das gut funktioniert hat, wollte ich die im Rahmen dieses Blogs mit euch teilen, der gleiche Inhalt kommt auch nochmal in einen Artikel im Larpwiki.

    Messingteile nach eigener Vorlage ätzen lassen



    Grundidee:
    Für unsere Larpgruppe wollten wir ein einheitliches Abzeichen, das unsere unterschiedlichen Kostüme zusammenbringt und auf diversen Stücken unserer Ausrüstung auftauchen kann. Gürtelbanner und Wappenröcke hätten wegen der eher barocken Ausrostung der Klamotten nicht gepasst, und Zinnabzeichen währen zwar prinzipiell machbar gewesen, mir fehlte dafür aber die Ausstattung nud das Know-How. Die Wahl fiel also auf eine Technik, die vor allem im Modellbau-Hobby Anwendung für technische Kleinteile findet: Das Ätzen von mit Fotolack beschichteten Messingplatten. Diese Technik kann zwar grundsätzlich auch mit entsprechendem Equipment selbst durchgeführt werden, da das aber eine größere Anschaffung ist, die sich für kleine Mengen nicht unbedingt lohnt, geht diese Anleitung davon aus, dass man nur die Vorlage an einen Handwerksbetrieb liefert, der dann das Belichten und Ätzen durchführt.

    Prinzip:
    Bei diesem Verfahren wird ein spezieller lichtempfindlicher Lack auf eine Metallplatte aufgebracht und durch ein aufgelegtes Film- oder Folienbild belichtet. An den Stellen, auf denen Licht auf die Platte trifft, verbindet sich der Lack mit dem Metall, während die Lackschicht auf den unbelichteten Bereichen lose bleibt und sich mit Wasser abspülen lässt. Legt man diese Metallplatte nun in ein Bad aus bestimmter Säure, so löst sich das Messing an den Stellen, die nicht durch Lack geschützt sind, auf, und man erhält Löcher in der Platte, ähnlich wie bei einem Scherenschnitt, während die belichteten Bereiche intakt bleiben. Belichtet man Vorder- und Rückseite separat, so kann man auch nur "halbdicke" Bereiche erstellen, die von der Rückseite her geschützt, auf der Vorderseite hingegen frei sind und deswegen nur von der Vorderseite her bis zur halben Dicke angeätzt sind. Auf diese Weise lassen sich reliefartige Strukturen herstellen.

    Vor- und Nachteile der Technik:
    Die Vorteile des Ätzens sind:
    -Ätzen lassen sich diverse Materialien, am üblichsten sind Messing, Kupfer, Bronze und Neusilber (eine silberfarbene Kupferlegierung), man hat also alle Metallfarben.
    -Beliebige Motive und extrem feine Details und Durchbrüche sind möglich, scharfe, klare Linien oder feine Buchstaben sind kein Problem.
    -Ist einmal ein Filmpositiv erstellt, lassen sich von diesem einen Abzug beliebig viele identische Bleche ätzen, große Serien sind also kein Problem.
    -Das Material ist widerstandsfähig, reibt sich nicht ab und korrodiert kaum.
    -Es ist egal, wie viele Teile auf einem Blech sind, berechnet wird nur die Gesamtfläche
    Die Nachteile sind:
    -Das Verfahren ist, insbesondere für einzelne Bleche, nicht ganz billig, man kann so etwa 100 Euro für ein Blatt in A4-Größe rechnen. Nimmt man mehrere Abzüge von einem Motiv wird es billiger, weil die Kosten für das Erstellen des Films nur einmal anfallen.
    -Die meisten Anbieter sind auf Blechdicken von 1mm oder weniger beschränkt.
    -Das Erstellen des Motives erfordert ein bisschen Arbeit mit Zeichenprogrammen, am besten als Vektorgrafik.
    -Die endgültigen Teile sind an Spitzen und Ecken recht scharfkantig, müssen also je nach Verwendungszweck nochmal ein bisschen nachbearbeitet werden.

    Motivvorbereitung:
    Als Motiv war bei uns ein Abzeichen für unsere Akademie geplant, der Entwurf dazu wurde in Adobe Illustrator erstellt und sah so aus:

    Hieraus wurde dann eine Version entwickelt, die sich in durchgeätzte Bereiche (im Bild zur Visualisierung schwarz), nur von der Vorderseite geätzte (grau) und nicht geätzte Bereiche (weiß) gliedert, anders als in der späteren Version fehlen hier aber noch vier Durchbrüche im linken Teil.

    Für das Ätzen selbst muss man hieraus aber dann zwei getrennte, spiegelverkehrte Versionen in Schwarz machen, eine für die Vorder-, eine für die Rückseite.


    Später kamen zu diesem Motiv noch zwei weitere für andere Gruppierungen und einige Variationen mit getrennten Ringen und in unterschiedlichen Größen dazu. Um den restlichen Platz auf dem Blech optimal auszunutzen habe ich dann noch ein paar Namensschilder und Tabletopsymbole in die Lücken gesetzt. Hier bietet es sich, wenn man nur eine kleine Menge braucht, an, sich mit anderen Larpern zusammenzutun, auch Modellbauer und Tabletopspieler haben öfter mal Verwendung für ein oder zwei kleine Ätzteile.
    Die ganzen Teile wurden dann in Illustrator zu zwei zusammenhängenden Schablonen für Vorder- und Rückseite zusammengefügt, wem dieses Programm nicht zur Vefügung steht, der kann es auch mit einem anderen Vektorgrafikprogramm wie Inkscape oder Corel Draw machen oder mit einem klassischen Pixelprogramm wie Photoshop oder gar Paint. Wichtig sind wegen der hohen Detailtreue des Ätzprozesses eine sehr hohe Auflösung und scharfe Kanten zwischen Schwarz und Weiß, das entsprechende Unternehmen gibt meist an, welche Dateiformate sie akzeptieren.
    Ebenso sollte man darauf achten, dass jedes Teil mit mindestens drei "Stegen", also durchgehenden Streifen, an anderen Teilen oder am Rahmen befestigt ist, andererseits kann es passieren, dass das Teil beim automatischen Handling der Platten abreißt, sich verdreht oder zwischen die Walzen fällt.Es reicht aber aus, wenn diese Stege nur die halbe Dicke haben, also nur auf einer Seite geätzt werden.

    So sah dann am Ende die Vorlage für unser Blech aus:


    Das wurde dann an die Ätzfirma geschickt. Es gibt hierfür mehrere Kandidaten im Internet, zu finden z.B. unter dem Begriff "Lohnätzen", ich war bei Ätztechnik Herbert Casters in Solingen ( http://www.aehc.de/ ). Die Abwicklung erfolgte über das Internet, wir haben unsere Daten dorthingeschickt, und das Ergebnis am Ende per Post bekommen. (und obwohl wir uns mit diversen Verzögreungen und einigem Hin und Her als nicht ganz einfache Kunden erwiesen haben, war der Kontakt immer freundlich und hilfsbereit! )

    Ergebnis:
    Leider habe ich vergessen, ein Foto vom intakten Blech zu machen, hier sieht man noch den Rest von dem Rahmen und einige der bereits ausgeschnittenen Teile:


    Wie man gut bei dem Stück im Rahmen sieht, sind die angeätzten Bereiche erstmal matt, lassen sich aber schnell mit einer Messing-Drahtbürste auf Glanz bringen wie bei dem großen Teil in der Mitte.

    Und hier nochmal das erste Bild des Blogs, ein fertiges Symbol an meinem Revers, um das ganze besser vor dem Verbiegen und mich und meine Mitspieler vor den piekigen Spitzen zu schützen habe ich es noch auf einen Lederrest geklebt.


    Viel Spaß beim Ätzen und viele Grüße,
    Christian

  2. #2
    Alex
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    Wow, danke, da ergeben sich so viele Möglichkeiten daraus. Gerade Steampunkspieler müssen da ja im 7. Himmel sein und selbst mir fallen gerade mal eben schnell etliche Verwendungsideen ein. Vielen Dank. Und sieht super aus.

    Grüße,
    Alex

  3. #3
    WrinkledEyes Spearmind
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    Ich dachte auch sofort an Steampunk
    Um das Interesse der Leute zu wecken muss man einfach mal was machen, und nicht nur immer Hintergrund schreiben.
    (Cartefius)
    LARP im Orient? http://www.heimat-des-windes.de

  4. #4
    Kjeldor
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    Wow sieht wiklich klasse aus!
    ✂- - - - - - - - - -- - - - - - - - - - - - -- - - - - - - - - - - -

    Things i do...
    http://www.Kjeldors-Arsenal.de

  5. #5
    Mau
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    Optisch absolut genial!
    Allerdings würde mich interessieren was ihr dafür geblecht habt?

    (ich hab da wohl was falsch verstanden..dachte das koste soviel wenn man das selbst macht )

  6. #6
    Alex
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    Allerdings würde mich interessieren was ihr dafür geblecht habt?
    etwa 100 Euro für ein Blatt in A4-Größe

  7. #7
    yaRincewind
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    Geht mit Dekalpapier im Prinzip genau so, ist aber deutlich günstiger.

    Hier wird nix belichtet, sondern es wird ein spezielles Papier mit einem Laserdrucker bedruckt (Toner ist ein Ätz-Resist), das wird aufgebügelt / laminiert (letzteres ist bequemer und zuverlässiger, setzt aber einen geeigneten Laminator voraus).

    1 Bogen Dekalpapier liegt bei 1,70€ oder so.

    Zu bekommen z.B. bei druckeronkel.de

    http://www.druckeronkel.de/xtcommerc...pier-10er-Pack

  8. #8
    Aeshma
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    Vielen Dank.

    Das werde ich brauchen können!

    Grüße
    Aeshma, immernoch überlegt ob er wirklich ein Schlafzimmer braucht oder nicht doch lieber ein Bastelzimmer will...

  9. #9
    Cartefius
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    Geht mit Dekalpapier im Prinzip genau so, ist aber deutlich günstiger.
    Danke, die Technik kannte ich noch nicht, habe aber zumindest nach ein bisschen Suche eine Anleitung im Netz gefunden:
    http://thomaspfeifer.net/platinen_aetzen.htm

    Allerdings ätzen die in allen Fällen die ich bisher gesehen habe damit nur hauchdünne Kupferplatinen, weißt du von Beispielen, wo mit dieser Methode Messing doppelseitig geätzt wird, insbesondere mit Schichtdicken von 1mm? Ich habe nämlich ein bisschen Zweifel, dass der Toner das packt.

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