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  1. #1
    derglasperlenmacher
    derglasperlenmacher ist offline
    Grünschnabel

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    Glasperlen - eine kurze Anleitung zum Start

    Benötigt werden
    - Brenner (1)
    - Trennmittel (s.u.)
    - Dorne (Metallstäbe)
    - Glasstäbe
    - Kühlgranulat (ich habe meines in einer After-Eight-Dose aus Metall, da kann man fast 100 Dorne unterbringen) (2)
    - Ablage für Dorne zum Trocknen (3)
    - Messer, Zange, Pinzette...eben Werkzeug

    Praktisch sind hier die so genannten Einsteigersets, die beinhalten alles für die ersten Versuche. Diese kann man bei verschiedenen Händlern beziehen, ebenso wie weiteres Zubehör. Ich tue das bei http://stores.ebay.de/farbglas-werkzeug
    oder mehr allgemein: www.perlentreff.de - da sind viele Händler und Künstler hinterlegt, ist ein großes Forum rund um Glasperlen.

    Aber zur eigentlichen Herstellung:

    Vorbereitung
    Die Dorne müssen mit dem Trennmittel beschichtet werden
    Trennmittel gibt es verschiedene Fabrikate, einige fertig flüssig, andere müssen selber mit Wasser gemischt werden (es soll auch mit Bier funktionieren...). Die Dorne werden dann einfach in das verflüssigte Trennmittel gestippt und dann: gut trocknen lassen – ansonsten kann das Trennmittel bei der Perlenherstellung abplatzen. Ich habe hierfür eine Keksdose gefüllt mit Sand. Das ungestippte Ende in den Sand, und dann einfach warten.
    Wem das zulange dauert: es gibt auch Trennmittel das direkt auf dem Dorn in der Flamme getrocknet werden kann, sehr praktisch...

    Der Anfang:
    Brenner anwerfen
    Den Dorn in die linke Hand, das Glas in die Rechte (für Rechtshänder)
    Das Glas und der Dorn werden beide langsam in die Flamme eingeführt und beide müssen gleichmäßig gedreht werden. Der Dorn muss ebenso heiß sein wie das Glas, damit es auf der Schicht Trennmittel haften bleibt.
    Das Glas wechselt bei der Erhitzung seine Farbe, i.d.R. ist das Glas orange-rot glühend wenn es verarbeitet werden kann. Das erhitzte Glas wird dann langsam an den Dorn angelegt und der Dorn dann vom Körper weg gedreht, wobei er selber auf der gleichen Position bleibt. Das Glas wickelt sich dabei um den Dorn und auf diese Art formt sich der Grundkörper.
    Um eine größere Perle zu formen muss dem Grundkörper weiteres Glas zugeführt werden, indem einfach weiter gewickelt wird. So, es kann nun sein das der Aufschrei folgt: geht nicht
    Zumeist ist der Grundkörper dann genauso heiß wie das aufzulegende Glas, und in diesem Fall bleibt es nicht auf dem Grundkörper haften. Einfach also den Grundkörper unterhalb der Flamme halten, etwas abkühlen lassen, dann das Glas weiter aufwickeln.
    Wichtig hierbei: den Dorn waagerecht halten, da das Glas ja flüssig ist fliest es ansonsten mit der Schwerkraft und die Perle wird tropenförmig bis eirig.

    Geduld ist gefragt wenn die Perle nicht rund wird - und Feingefühl! Immer weiter drehen, ganz ruhig, das Glas läuft sich beim drehen von selber rund, ggf. die dickste Stelle einfach etwas mehr erhitzten, sprich länger in der Flamme als die dünneren stellen, dann weiter drehen, drehen... :dizzy:

    Formgebung: ist ganz einfach
    Eine gestreckte tonnenförmige Perle erhält man indem man viel Glas nahtlos nebeneinander wickelt und dann glatt rollt.
    Modische Perlenmacher nehmen dafür ein Graphitpaddel, es geht aber auch eine einfache Metallfläche wie ein Messer oder ein glatter Stein...
    Mit der Messerschneide kann man auch die Perlen melonenkernförmig eindrücken! (Als Melonenperlen oder Melonenperlen bezeichnen Archäologen Perlen, die mehrfach mit einer Kante eingedrückt sind. Der Körper erscheint gerippten. Eigentlich wäre das die richtige Bezeichnung.

    Verzierung:
    Durch einfaches aufschmelzen von Punkten und Linien in einer oder mehreren anderen Farben kann man die Perle bunt verzieren. Dies muß gleich im Anschluß an die Fertigung des Grundkörpers geschehen. Man kann nicht die Perle fertigen, Abkühlen lassen, erneut für Verzierung erhitzen. Das Glas wird zerspringen.


    Der nächste mehr oder minder kritische Punkt ist die Perle in das Kühlgranulat zu legen. Fies geschieht während sie noch auf dem Dorn sitzt. Grundsätzlich wird sie nach dem Aufschmelzen der Muster aus der Flamme genommen (immer weiter waagerecht drehen...) bis sie dunkelrot ist (nicht alle Farben werden rot, weiß wird z.B. bei Erhitzung wenn es flüssig ist glasklar) und dann einfach zusammen mit dem Dorn ins Granulat legen.
    Ist das Glas noch zu heiß, bleibt das Granulat an der Perle haften, ist sie zu kalt können sich schon zu viele Spannungen aufgebaut haben und die Perle wird nach der Abkühlung zerspringen (das äußere Glas kühlt schneller ab als der heiße Kern).

    Die Perle kann dann nach dem Abkühlungsprozeß einfach vom Dorn abgezogen werden (ich lasse sie immer über Nacht auskühlen). Und: nicht zwischenzeitlich aus dem Granulat nehmen. Sollte die Perle sich nicht lösen lassen, den Dorn mit einer Zange fassen und die Perle mit Gewalt abziehen, wenn sie sich immer noch nicht löst: ins Tiefkühlfach legen, am nächsten Tag wieder probieren und wenn sie dann nicht abgeht, habt ihr ein wunderbares kugeliges Email auf einem Metallstab gefertigt.

    Das Trennmittel ist dann so eine Sache, es verschmutz einfach alles, da es so rumstaubt. Ich mache die Stäbe zu erst feucht, bevor ich die Perle abziehe. Dann reinige ich den Perlenlochkanal mit Pfeifenreiniger, damit die Reste des Trennmittels entfernt sind.


    Zum Thema Schmelzpunkt: dieser wird in dem Wert AK wieder gegeben. Je höher die Zahl, desto niedriger der Schmelzpunkt.
    Auch wenn im allgemeinen vor der Verarbeitung von Glas mit verschiedenen Schmelzpunkten gewarnt wird, ich tue dies seit Jahres (Moretti AK 104 mit Bullseye-Glasstäben AK 90....) und ohne Probleme.
    So, das war für heute die kurze Einführung zum Thema Glasperlenmachen über der Gasflamme, leider nicht bebildert :lesen: und nicht persönlich, was einfacher wäre, ich weiß doch...

    Viel Spaß und Gut Schmelz

    Torben

    1) Brenner –es gibt so genannte Einsteiger-Sets mit einem Brenner“kopf“ für Kartuschen. Das ist für die ersten Versuche absolut ausreichend. Wer nun einen Brenner“kopf“ hat – nicht jeder Brenner kann alle Glasfarben verarbeiten, es kann also sein das der Brenner zu wenig Sauerstoff zieht und das Glas anschließend nur noch grau ist... auch wenn es nach Werbung klingt, die Sets haben auf viele Farben getestete Köpfe und sind wirklich für einen Großteil der Farben geeignet.
    Und auch nicht jedes Gas ist geeignet, am besten also auf das gleiche Mischverhältnis zurückgreifen.

    2) Kühlgranulat gibt es auch verschiedenes: je feiner, desto Besser, und lieber mehr als zuwenig

    3) Abstellfläche für die Dorne: ganz nach Belieben eine Steckfläche, also eine Holzplattform mit vielen keinen Löchern....oder eine einfache Keksdose mit Sand gefüllt

    Wo kann man das Werkzeug und die Glasstäbe beziehen?

    z.B: hier
    http://stores.ebay.de/farbglas-werkzeug

    weiterführendes, mehr Händer oder mehr allgemein: www.perlentreff.de

    Bleibt mir jetzt nur noch auf Fragen zu warten Erklärende Bilder werde ich mal in kürze machen, oder ein kleines youtube-vid.
    Die Geschichte der Glasperlen ist eine Geschichte voller Missverständnisse....

  2. #2
    substanz
    substanz ist offline
    Fingerwundschreiber Avatar von substanz

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    Hannover
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    Möp!
    Mist, schon wieder eine Arbeitstechnik mehr, die auf meiner Wunschliste auftaucht. Danke für den Einblick!

    lg
    sub
    Elfen haben spitze Zungen.

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