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    Tierwesenbau - Planung

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    Vorplanung
    Es war einmal...
    Spätestens die Verfilmung des ersten Bandes der „Narnia“-Reihe 2005 war Öl in der Glut jener, deren Faszination den Rassen gilt, die mehr vorzuweisen haben als spitze Ohren, grüne Haut und mächtige Bärte. Eine Schwemme von Threads zum Thema „Ich möchte mir ein Tierwesen bauen“ folgte in den Foren. Bleistifte wurden gespitzt, das Internet nach Vorbildern durchwühlt, die Werkbank frei geräumt. Leider scheiterten viele dieser Versuche an der Größe eines solchen Projektes, denn anders als bei den eingespielteren Fremdrassen fehlte es bei Tierwesen an fast allem – im LARP bespielbare Kulturen, Spieler, die bereits Erfahrungen in diesem Bereich gemacht hatten, bewährte Techniken zum Bauen des Kostüms und brauchbare Vorbilder. Für letztere beiden lieferte zwar die Filmindustrie als auch der Furry-Bereich viel an Informationen, jedoch waren hier entweder die Techniken zu aufwändig für die Umsetzung im LARP oder nicht robust genug, nicht sicher genug, schränkten Bewegung, Sicht und Handlungsfreiheit des Trägers zu sehr ein... vieles musste erst hinterfragt, recherchiert, ausgearbeitet und ausgetestet werden.

    Bereits Ende der 90er Jahre kamen die ersten LARPer auf die Idee, Tierwesen stimmig und mit größerem Aufwand zu erstellen. Damit arbeiteten sie gegen die damaligen Vorurteile, Tierwesen würden stets nur dürftig und zu „Powergaming“-Zwecken dargestellt werden. Charaktere wie Varric, Kiras und Nicodemus erblickten das Licht der Welt und schufen erste Fußstapfen für nachfolgende Tierwesen.

    Inzwischen sind seit den Anfängen des Tierwesen-Kostümbaus unter LARPern fast 10 Jahre vergangen, und es haben sich eine ganze Reihe praktikabler und erprobter Techniken entwickelt um sowohl realistische, als auch robuste und be-quem tragbare Kostüme bauen zu können. Ansporn, Inspiration und Anleitung erhielten diese Spieler unter anderem durch den gleichzeitig im Furry-Bereich wachsenden Wunsch, statt dem früher vorherrschenden Comic-Stil nun auch semi-realistische und realistische Kostüme zu besitzen. Händler wie „Lion of the Sun“, „Clockwork Creature“, „Beetlecat“ und „Beastcup“ waren nur die Spitze eines sich bis heute ständig weiter aufbauenden Eisberges von professionellen Suitbauern für realistische Tierkostüme.

    Doch genug mit Vorgeschichte, ich will ein Tierwesen spielen, was muss ich denn nun bedenken?

    Welches Tier möchte und kann ich darstellen?
    Genau wie bei der Darstellung von z.B. Elfen und Zwergen gilt: Passt der Charakter zu mir, meiner Figur, meiner Persön-lichkeit? Dicke Elfen und schüchterne Zwerge sind weder stimmig noch gern gesehen. Hier hat der Tierwesenspieler einen Vorteil: Es gibt die verschiedensten Tierformen und –verhaltensweisen, dass man aus einer riesigen Fülle auswählen kann. Man muss nur sorgfältig die für einen passende aussuchen. Ein kräftiger Bär hat einen völlig anderen Körperbau als eine schlanke Echse, ein wilder Tiger ein ganz anderes Verhalten als ein intelligenter Fuchs.

    Frage 1: Was sind die Besonderheiten dieses Tieres und wie stelle ich sie dar?
    Nicht alles, was das echte Tier ausmacht, sieht auch als Kostüm gut aus. Schwarzhalsziegen (Ziegen, deren komplette vordere Hälfte Schwarz, der Rest weiß ist) existieren. Würde als Tierwesen umgesetzt jedoch ziemlich blöd aussehen.

    Nicht alles, was auf einer Zeichnung gut aussieht, ist umsetzbar. Eichhornschwänze sind etwas wunderbares, doch bei Anpassung der Proportionen an einen Menschen hätte man eine riesige und nicht-kontrollierbare Masse Haar, welches man nur schwer aufrecht halten könnte. Würde man die Masse auf ein geringeres Maß reduzieren sähe das Wesen nicht mehr richtig aus und das Eichhörnchen eines seiner wichtigsten Erkennungsmerkmale berauben.

    Nicht alles, was geht, ist praktisch. Ein Hirschgeweih bleibt in jedem Eingang hängen, die Klauen eines Ameisenbären würden den Spieler bei fast allen Tätigkeiten von einem Helfer abhängig machen, der ihm Sachen anreicht. Ein langer Echsenschwanz ist das Äquivalent des Mannes, der ein langes Brett auf den Schultern trägt und sich ständig dreht.

    Frage 2: Was ist wichtig, um das Tier zu erkennen, was kann ich weglassen?
    Ein Tiger ohne Streifen ist kein Tiger. Jedoch bedarf der Tiger vielleicht keiner Klauen, darf 5 statt 4 „Finger“ haben? Muss der Schwanz eines Leguans so lang sein oder reicht vielleicht schon die Hälfte?
    Hierbei muss man entscheiden können, was das gewählte Tier ausmacht. Was unterscheidet eine Löwin von einem Pu-ma? Wie kann man diese Merkmale auf die menschlichen Proportionen und Anatomie übertragen?

    Wie viel Haut darf es sein?
    Die Palette zwischen „Mensch“ und „Vollwesen“ bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Nehmen wir zur Verdeutli-chung die Verwandlung eines Werwesens. Anfangs ein Mensch, maximal mit animalischem Verhalten (knurren, natürliche Instinkte, ausgeprägter Geruchssinn, ...). Es folgen gräuliche, ledrige Haut, gelbe, geschlitzte Augen, längere Ohren, wilder Haarwuchs, eine flache Schnauze, Reißzähne, Klauen.

    Bis hierhin mit Schminke und vereinzelten Accessoires, sowie einfachen Latexapplikationen darstellbar. Jedoch, so hat die Vergangenheit gezeigt, ist dieser Zwischenschritt von Mensch zu Tierwesen extrem schwer, so dass nicht-perfekte Ergebnisse noch weniger anerkannt werden als bei einem Vollwesen egal welcher Rasse. Das Problem ist hierbei, dass fast nie unterschieden werden kann zwischen der guten Darstellung eines Halbwesens und der schlechten Darstellung eines Vollwesens. Die Grenzen zwischen der berühmt-berüchtigten „Dreistrichkatze“ und dem „gut dargestellten Halbwesen“ sind nun sehr fließend und schwierig zu bestimmen. Wer sich in diesem Bereich bewegt muss sich seiner Sache und seinen Fähigkeiten, sowohl was die äußere Gestaltung, als auch das Schauspiel anbelangt, sehr sicher sein, um nicht in einen ungewollten Bereich abzudriften. Riskant also gerade für Anfänger, auch schlugen bisher gerade zum Thema Halbwesen bereits viele Versuche, sogar von professionellen Suitbauern, fehl oder überzeugten nur einen Teil der LARPer.

    Wichtig ist stets zu bedenken, wie eine realistische Wirkung erzeugt werden kann. Nicht realistisch sind z.B. 4 Ohren (2 eigene plus 2 an z.B. einem Haarreif aufgesetzte Ohren). Oder befellte Arme und Beine, wenn das Gesicht fellfrei ist. Sinnvoll ist hier z.B. eine gleichmäßige Verteilung von Fellbereichen und Haut zu erzielen und dabei die geschickte Ka-schierung der Übergänge.

    Der Schritt vom Halb- oder Zwitterwesen zum Vollwesen macht meist nur die Maske aus, das ausschlaggebende Hilfs-mittel eines Tierwesendarstellers. Zwischen dem Halbwesen und dem Vollwesen eine Abstufung ohne Vollmaske zu spielen wird extrem schwierig, da einerseits die menschlichen Proportionen extrem verändert werden müssen, anderer-seits das Kaschieren der Aufbauten immer schwieriger wird. Der Schminkaufwand wächst, der Tragekomfort sinkt. Daher tun viele Tierwesendarsteller lieber auch noch den letzten Schritt und bauen sich eine Vollmaske. Hier können die tieri-schen Züge einfach eingebracht werden, Fell, Ohren und Hörner in ausgefallenen Größen ist hier kein Problem.

    Wie viel Mensch darf es sein?
    Hier sei eine weitere Möglichkeit der Darstellung eines Tierwesens erwähnt – ein Zwitterwesen, halb Mensch, halb Tier, nicht wie oben erwähnt eine Mischung aus beidem, sondern klar getrennt, wie es z.B. bei Satyren, Zentauren und Nixen vorkommt. Sowohl die strikte Halbierung (oben Mensch, unten Tier, weniger gut funktioniert die Trennung anders herum, also oben Tier, unten Mensch) als auch die Mischung aus Halbwesen oben und Tier unten (wie es z.B. bei einem Pan möglich wäre, sprich nicht nur Hörner, sondern auch weitere Entmenschlichungen im oberen Teil, wie Ohren, Klauen, Ziegennase, Fellapplikationen, Zähne, Kontaktlinsen, ...) ist möglich. Riskant wird es bei bisher unbekannten Mischungen, wie Mensch/Zebra, Mensch/Wolf, Mensch/Echse, ... . Hier ein stimmiges Wesen zu erschaffen bietet angesichts der wenigen Vorbilder, sowohl gezeichnet als auch hintergrund- und kostümtechnisch) einen großen Aufwand und Anforderung.

    Wie viel zeige ich?
    Egal ob verfremdete oder menschliche Anatomie: Kleidung drückt viel über das Tier und dessen Kultur aus. Für die An-fänge ist es empfehlenswert, mit den wichtigsten Komponenten anzufangen, zuoberst natürlich der Kopf, Hände, Füße, Schwanz, ggf. gepolsterte Beine. Der Rest kann entweder temporär oder fest mit passender Kleidung verdeckt werden.

    Solch ein so genannter Halfsuit oder „Partial“, also ein Teilkostüm, hat einige Vorteile: Der Charakter kann weit schlanker wirken, denn Fell trägt stets auf und macht den Träger breiter. Allerdings müssen die meist vom Kopf vorgegebenen Proportionen beachtet werden – ein großer Kopf auf den Schultern eines normal proportionierten Körpers kann schnell nach „Schwellkopp“ ausschauen. Oft lassen auch die für den digitigrade-Effekt verwendeten Beinpolster den Oberkörper mager und unpassend aussehen (jeder hat bestimmt schon mal das Foto eines Satyr-Spielers gesehen, dessen stämmige Beine, so gut sie auch gemacht sein mögen, einfach nicht zum Oberkörper passen wollen). Polsterung des Schulterbereiches kann hier schon helfen, ebenso weite Gewandungen, welche die menschliche Körperform kaschieren.

    Ein weiterer Vorteil eines Halfsuits ist die Kühlung: Gewandung, geschickt eingesetzt, kann Wind besser einfangen, kühle Luft besser ein- und Körperwärme besser hinauslassen als Pelz. Des Weiteren kann die Gewandung einfacher gewechselt werden, und auch die Reinigung der durchgeschwitzten Kleidungen ist meist einfacher und gefahrloser als das Waschen des leider recht teuren Felles, welches bei falscher Behandlung schnell zu Haarausfall, Verfilzen und im schlimmsten Fall verklumpen der Kunstfasern neigt.

    Der letzte Schritt zur Vollständigkeit ist ein so genannter Fullsuit, ein Ganzkörperkostüm. Sehr warm, kostenintensiv durch die benötigte Menge an Fell, anspruchsvoll herzustellen, da Fell stets polstert und so auch einen schlanken Menschen dicker macht.

    Welche Kultur gebe ich meinem Tierwesen?
    Ob barbarisch, mit starken animalischen Eigenschaften oder kultiviert intelligent, der Hintergrund der bespielten Rasse bietet ein großes Potential, was die weiteren Auswirkungen auf Verhalten, Kleidungsstil oder Profession betrifft. Auch hier sollte man auf ein rundes Gesamtbild achten: Ein Tiger in asiatisch angehauchter Gewandung wahrscheinlich passender als ein Wolf. Daher kann man sich ruhig von der Kultur inspirieren lassen, in der das Tier in der Natur vorkommt.

    Woher kommt dessen Volk? Wald, Steppe, Urwald, Berge, Polargebiet... Wie lebt das Volk? Nomadisch, sesshaft? In welchem kulturellen Stadium befindet sich das Volk? Jäger und Sammler, Hochkultur, weiter entwickelt als die Men-schen? Wie sehen Behausungen aus? Wie sind diese an die Rasse angepasst? Ggf. macht es Sinn hier bereits die spä-teren Einschränkungen des Spielers zu berücksichtigen.

    Der Tipp lautet hierbei: Versteckt es nicht, sagt nicht „IT komme ich super mit meiner Anatomie zurecht, immerhin bin ich ja so aufgewachsen“, denn das läuft schon auf Telling hinaus. Klobige Hufe sind sowohl IT als auch OT eine gute Erklä-rung für einen Groll gegen schmale Treppenstufen. Schimpft über die Leute, die über eure Schwänze stolpern, weigert euch, euch auf Stühle zu setzen, die selbigen einklemmen, meckert über das Unvermögen der Menschen, die Türen hoch und breit genug zu bauen, so dass auch Hornträger bequem und ohne anzuecken hindurch kommen. Spielt es aus, es macht euren Charakter glaubhaft und lebendig!

    Gleichzeitig muss man natürlich auf die Spielbarkeit des Wesens achten. Ihr werdet nicht immer Türen und Treppen aus dem Weg gehen können, seid also sicher, dass ihr euch einerseits nicht zu sehr aus dem Spiel nehmt, indem ihr das Wesen zu klobig ausbaut, andererseits seid auch sicher, dass ihr möglichst jedes Hindernis, sei es einen Vorhang durch-schreiten, Besteck aufheben, unebener Waldboden betreten etc. auch ohne Hilfe überwinden könntet.

    Kleider machen Leute
    Bildvorschlag: Kostümentwurf von Tan
    Aus diesen Überlegungen ergeben sich die Grundideen für Kleidung, wenn welche benötigt wird, und eventuell deren Zweck. Welche Rohstoffe werden verarbeitet? Wie wirkt sich die Kultur auf das Design aus? Wird Schmuck verwendet, Symbole, Kennzeichnungen? Wofür wird die Kleidung verwendet (ein Wesen, welches von Kopf bis Pfote in Fell gehüllt ist, wird sich keine Kleidung zum Wärmen überziehen)? Ergibt sich aus dem Beruf des Charakters eine besondere Kleidung oder etwas, woran man den Beruf erkennen kann? Berufsspezifisches Werkzeug? Hat der Charakter eine besondere Stellung, einen Rang?

    Außerdem: Wie passt sich die Kleidung an die anatomischen Bedürfnisse der Rasse an? Ein Hemd, welches man nur ohne Maske anziehen kann, weil sonst der Kopfausschnitt zu klein wäre oder die Hörner sich darin verheddern würden, wirkt nicht richtig. Und auch hier macht es Sinn, die spätere Motorik der Gewandungsgestaltung anzupassen: Kann man später mit klobigen, gefühllosen Klauen kaum eine Gabel aufheben, sind feine Nähte und frimelige Schließen unwahr-scheinlich. Wie kann man Schnallen umgehen? Große Knöpfe? Andere Schließmechanismen? Am besten ist eine Ge-wandung gelungen, wenn man sie auch mit Maske und Pfotenhandschuhen selbst ohne Hilfe anziehen kann.

    Eine weitere Hilfestellung kann die Beantwortung der Frage sein, woran das Volk glaubt. Welche Symbole werden für deren Religion verwendet? Welche Gegenstände? Gibt es Verbote oder Rituale, die beachtet und ausgeführt werden müssen? Was sind ansonsten die Vorlieben des Volkes? Knallbunt oder gedeckte Farben? Große, geometrische Formen oder kleine, verspielte? Welche wiederkehrenden Merkmale kann man in die Gestaltung einbauen um ein rundes Bild zu erzeugen und eine Volkszugehörigkeit erkennen lassen (sollte es mehr als einen Vertreter dieser Rasse geben)?

    Auch Tierwesen, die bereits seit längerem Kontakt mit den Menschen haben werden sich diese Gedanken bezüglich Vorlieben und praktischem Nutzen stets im Hinterkopf behalten. Wie würde eine menschliche Gewandung abgeändert werden, um den Bedürfnissen des aktuellen Trägers gerecht zu werden?

    Was kann die Rasse, was kann der Charakter?
    Von früher kommt der schlechte Ruf von Tierwesen, diese wären ausnahmslos Powergamer, die sich durch ein bisschen Schminke und umgebundenes Plüsch Fähigkeiten wie „Drachenstärke“ oder „30m weit springen“ zuschustern wollten. Leider waren solche Fähigkeiten früher durchaus häufig bei Tierdarstellern vertreten – die unzureichende Darstellung der Fremdrasse wurde mit der Exotik des Charakterbogens ausgebügelt. Heutzutage bemühen sich „ernsthafte“ Tierwesen-spieler um eine Steigerung des Ersteren und den Verzicht des Letzteren. Sprich es werden kaum bis keine Einschrän-kungen seitlich der Darstellungen gemacht, auf der anderen Seite keine nicht-darstellbaren Fähigkeiten verwendet. Im Gegenteil werden viele Aktionen, alleine schon durch das Kostüm (Stichpunkt eingeschränkte Sicht), eingeschränkt. Rennen ist schwierig, Fuchteln mit der Waffe nahezu unmöglich. Vielmehr wird oft eine sehr langsame Bewegung an den Tag gelegt, gerade bei gröber gehaltenen Tierwesen, wie Ziegenwesen oder Minotauren.

    Auch bei den Verhaltensweisen ist die Einbeziehung des Tieres, welches man darstellen will, von Vorteil. Füchse sind geschickt und intelligent, Ziegen störrisch und wild, Dachse ruhig und bedacht. Stets muss hierbei jedoch die Unterscheidung zwischen „tierischem Verhalten“ und „nerven“ im Auge behalten werden. Ja, eine Katze schmust, jedoch nicht 24/7, allerdings nicht mit jedem wildfremden. Eine Ziege tritt und beißt auch mal, jedoch ist eine humanoide Ziege, welche klug genug ist, Kleidung zu tragen und zu sprechen, auch klug genug, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, sowie sich den Konsequenzen bewusst zu sein, die auf solch ein Verhalten folgen würden (um eine beißende Ziege wird ein Bogen gemacht, der schmusenden Katze wird kein noch so nichtiger Auftrag zufallen etc.).

    Wie löse ich OT-Probleme so, dass ich nicht zu oft / lange ins OT geschoben werde?
    Viele Dinge, die man beim Erstellen eines Tierwesens bedenken muss, was Rasse, Anatomie, Material, etc. angeht wur-den bereits erwähnt. Ein weiterer für den Spieler wichtiger Punkt ist es, das Kostüm so zu konzipieren, dass man mög-lichst oft und lange IT bleiben kann. Während einer Con gibt es viele Situationen, die das Brechen der Illusion eines fremdartigen Wesens, welches der Spieler um sich aufbauen will, hervorrufen könnten. Es gilt, so viele dieser Situationen zufrieden stellend zu lösen.

    Ein Beispiel ist die Nahrungsaufnahme: Essen ist ein Problem, denn durch die meist weit vorragenden Schnauzen muss jegliches Essen sehr weit in den „Rachen“ geschoben werden, bis der menschliche Mund dieses erreicht. Dies sieht nur teilweise realistisch aus, auch wenn nur wenige darauf achten, ob ein Würstchen auch dort, wo die Zahnreihe des Tieres anfängt, abgebissen wird. Herunterfallende Essensreste jedoch können unangenehm in der Maske werden (die ganze Zeit altes Bratenfett vor der Nase hängen zu haben, welches man auch nur bedingt reinigen kann, ist ziemlich eklig).

    Empfohlen wird daher, nur Mahlzeiten, die in der Maske keinen Dreck verursachen können, in Gesellschaft der anderen Spieler einzunehmen, teilweise sogar die mitgebrachten Snacks darauf anzupassen (trockene Würste, die man gut greifen und abbeißen kann statt kleiner, flache, krümeliger Kekse). Und wird doch einmal gegrillt, muss man sich wirklich in einen abgelegenen Bereich zurück ziehen (daher ist es als Tierwesenspieler auch von Vorteil, das eigene Zelt möglichst am hinteren Rand des Lagers aufzuschlagen, mit dem Zelteingang in eine Hauptspielbereich verdeckte Richtung).

    Nicht viel anders schaut es beim Trinken aus. Eine bauchige Flasche in den weit aufgesperrten Rachen zu schieben sieht nur einmal lustig aus und reißt jeden Umstehenden sofort ins OT. Eine schönere Lösung bieten ambientige Strohhalme, z.B. Bambus- oder Metallrohre, auch Bormillas (eigentlich Trinkhalme für Tee mit eingebautem Sieb am unteren Ende) haben sich bewährt. Für größere Portionen, etwa wenn keine Gelegenheit ist, einen Becher zu füllen, helfen schlanke, langhalsige Feldflaschen oder ein Trinkschlauch, dessen Mundstück durch die Maske passt.

    Starke Beschränkungen gibt es in anderen Bereichen: Wie die meisten Exotenrassen können auch Tierwesenspieler nicht in ihren Kostümen schlafen (bzw. können vielleicht schon, aber ... man will es nicht wirklich). Das ist zwar blöd weil man an spontanen Aktivitäten nachts (Überfälle, Traumsequenzen und dergleichen) nur beschränkt teilnehmen kann, ist aber ein notweniges Übel, das man für eine gute Darstellung in Kauf nimmt.

    Auch Hitze kann einem Maskenträger heftig zusetzen. Hierbei gilt: Viel trinken, direkte Sonne meiden und so lang es geht im Schatten bleiben sowie Windböhen ausnutzen, indem man sich mit weiten Armen dem Wind entgegenstellt. Ferner, wenn benötigt, Fett- statt Wasserschminke verwenden. Und sollte es wirklich nötig sein, die Maske abzuziehen, dies in einem klaren OT-Bereich tun. Letztendlich ist eines der größten Lobe für einen Tierwesenspieler, wenn man am Ende eines Cons gefragt wird: „Wie, du warst auch hier? Wer warst du denn?“

    Hilfreich für jeden Tierwesenspieler ist auf jeden Fall, stets einen menschlichen / einfacheren Charakter mitzunehmen, für Situationen wir duschen gehen, Abends noch einen trinken, Teile der Tiergewandung gehen kaputt und können vor Ort nicht repariert werden, das Wetter macht ein Tragen der Gewandung zu anstrengend) etc.

    Wer nun Blut geleckt hat, dem seien verschiedene Stellen genannt, an die er sich wenden kann:
    inLARP-Forum: Hier gibt es unter „Bauanleitungen und Selbstgemachtes“ die „Tierwesenbausammlung“ von luthien368. Hier findet man Bastelanleitungen, Materialquellen und Inspirationsquellen sowie Tipps und Tricks zum Planen und Be-spielen eines Tiercharakters.

    Im Larper.Ning findet man diverse Gruppen für Tierwesenspieler, u.a. „Tierwesen“ und „Mutantenstadl“ (nur für fertige Tierwesenspieler), ferner Gruppen, die sich auf weitere Bereiche spezialisiert haben („Die Faune“, „Die Gehörnten“, Skaven“, ...). Hier kann man stöbern und sich beraten lassen, mit Leuten, die den ganzen Mist schon durchgekaut haben, reden und die eigenen Ideen auf Duchführbarkeit testen lassen.

    Weitere Planungs-Tipps:
    http://forum.furbase.de/thread.php?threadid=46352
    http://www.larpwiki.de/Tierwesen
    http://www.larpwiki.de/KatzenWesen
    http://www.larpwiki.de/WolfsWesen
    http://www.larpwiki.de/MischRassen
    http://www.larpwiki.de/Ram
    http://www.larpwiki.de/Skaven
    http://www.larpwiki.de/Exoten

    Probleme beim Suiten
    Hitze
    Generell sollte man einen Fullsuit bei großer Hitze vermeiden, nicht nur, weil es sehr anstrengend zu tragen ist, sondern auch, weil der Suit unter Umständen schwer zu reinigen ist. Wäscht man das Fell zu oft, kann es kaputt gehen, egal wie vorsichtig man es reinigt!

    Vorbereitung
    - Gerade beim Kopf auf Luftdurchlässigkeit achten – Ein Unterbau aus Plastikmesh hat sich bewährt, ein Aufbau auf eine Sturmhaube hingegen wärmt eher zusätzlich
    - Untersuit tragen, der den Schweiß auffängt (-> Material -> Undersuits)
    - Trainieren, Hitze auszuhalten, mit der Zeit wird es besser

    Tipps
    - Viel trinken (und wenn möglich die Maske so bauen, dass man auch etwas trinken kann, sprich den Kiefer weit genug dehnbar machen. Alternative ist, dass man einen Strohhalb mit sich führt – bewährt haben sich Bambus- und Metallröhrchen oder Tee-Trinkhalme (Bombilla), die auch noch schick aussehen
    - Regelmäßige Pausen einlegen und in einer versteckten Ecke den Kopf abnehmen und frische Luft schnappen. Dabei wirklich darauf achten, möglichst von niemandem gesehen zu werden, es zerstört furchtbar den tollen Effekt, den echten Kopf eines Tierwesens zu sehen
    - Wenn möglich im Schatten aufhalten
    - Sportliche Aktivitäten vermeiden
    - Langsam aufstehen, sonst kann der Kopf durchdrehen
    - Bei Wind sofort breitstellen und die Luft durchs Fell wehen lassen
    - Maul auf, das hilft beim Atmen

    - Und wenn gar nix mehr geht: Ersatzcharakter mitnehmen!

    Für Brillenträger
    http://forum.furbase.de/thread.php?threadid=27392
    http://forum.furbase.de/thread.php?threadid=38354

    Hightech-Lösungen
    - Ventilation einbauen (PC-Lüfter in die Schnauze setzen)
    - http://www.personenkuehlung.de/entra...che-daten.html Kühlweste

    Pflegetipps
    http://www.matrices.net/washing.asp Waschen, Pflege, Lagern
    http://forum.furbase.de/thread.php?threadid=37633

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