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  1. #21
    Cartefius
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    Ok, damit ist das Thema Schwert für mich auch erledigt, wenn du da einen Anderthalbhänder möchtest ist das völlig ok.

    Kommen wir zur Kleidung:
    Wie bereits erwähnt, gibt es da eine extreme Bandbreite an Möglichkeiten. Ich greife im Folgenden mal einige Epochen und Designs auf, wenn möglich als Fotos, und schreibe, wie ich die gestalterisch einsetzen würde. Wichtig: Das meiste davon wird ein rein subjektives "so würde das in meinem Aventurien aussehen" sein, das nicht oder nur teilweise von offiziellen Quellen gedeckt wird. Ebenfalls wird vieles historisch nicht akkurat sein, ich versuche hier nur grob Stilrichtungen zu umreißen.

    Die erste Möglichkeit wäre deutsche Renaissancemode, also zur typischen Landsknechtszeit 1510-1550. Das beinhaltet "zerhauenes Zeug", also Kleidung mit Schlitzen, durch die man das Futter sieht, große Schwerter, knallige Farben, volumoniöse Tellerbarette aus Stoff und so weiter. Ein (noch ziemlich zurückhaltendes) Beispiel:
    http://www.plattner-siefert.de/image/gallery/i_2.jpg
    In den Regelwerken wird das als typischer horasischer Söldnerlook beschrieben, meine Interpretation ist, dass dieser Stil im horasischen Vergleich sehr altmodisch und überholt ist und man ihn eher bei Leuten findet, die jahrelang im zurückgeblieben Ausland stationiert waren, auf hoher See sind oder sonstwie kein Gespür für Stil, Disziplin und Mode haben, außerdem in den extremen Formen bei simplen Bauern, die als Söldner zu Geld aber nicht zu Geschmack gekommen sind. Auf Adlige übertragen geht das hingegen in Richtung des typischen Märchenfilm-Prinzenstils, etwa so:
    http://4.bp.blogspot.com/-24Pm-G0kh9...6thredman1.jpg
    Allerdings würde ich den für horasische Adlige nicht mehr einsetzen, weil so für mich topmodische mittelreichische Adlige am Hof von Gareth rumlaufen, die sind also vom Stil her gerade da angekommen, wo die rückständigsten horasischen Sölder aufhören.

    Die nächste Option wäre etwas späterer britischer Tudorstil, also die klassische Shakespeare-Epoche. Hier trägt man taillierte Oberbekleidung und gerne weite Pumphosen, und ein sehr typisches Stilelement ist ein hoher Stehkragen mit gefälteltem Hemdkragen. Hier mal ein Mittelklasse-Bild:
    http://timetailor.co.uk/wp-content/u...2/10/mike2.jpg
    Für mich wäre das in Horasien das, was man so auf dem Land trifft, was von wohlhabenden Handwerkern oder etwas hinterwällderischem Adel getragen wird: Ein bisschen angestaubt, aber durchaus noch tragbar. So ähnlich, gemischt mit Aspekten aus dem folgenden Absatz, habe ich z.B. beim Pen&Paper meinen nichtadligen horasischen Schwertgesellen aus einer Händlerfamilie ausgestattet.
    In der Adels-Version kann man hier mit gemusterten Stoffen, Seide, Amtsketten, Stickerei und Borten protzen, z.B. so:
    http://witness2fashion.files.wordpre...o036.jpg?w=500
    oder so (das ist eine deutsche Hosenversion als Alternative zur oben angegebenen, eher spanischen Ausführung):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pluderh...ecklenburg.jpg
    Auch diese kurzen Schultercapes, die du zeigst, sind typisch für diese Epoche.
    Die spanische Hofmode ist diesem Stil ähnlich, weil Spanien da "Trendsetter" war, aber strenger und einheitlich schwarz, diesen Stil würde ich abgewandelt für Al-Anfa verwenden.

    Nächster Schritt wäre Barock, englischer Bürgerkrieg oder 30jähriger Krieg, die ich der Einfachheit halber zusammenwerfe obwohl sie sich teilweise stark unterscheiden. Hier trägt man dann hohe Stiefel und/oder lockere Kniebundhosen, dafür wird die Oberbekleidung zum längeren Rock und der Schlapphut kommt auf. Die Spitzenkragen stehen nicht mehr, sondern fallen auf die Schultern, und enorme Knopfleisten sind der letzte Schrei.
    http://mirageswar.com/uploads/posts/...0266_el251.gif oder http://i.dailymail.co.uk/i/pix/2008/...66_468x619.jpg
    Schöne Beispiele findet man auch im Film "Alatriste", und das ganze ist eine Epoche, die im Larp gerade recht viel Zuwachs erlebt.
    Das wäre für mich so der horasische und almadanische Standard, also wie man ihn bei typischen Armeen und Offizieren, bei typischen Duellanten in Stadt und Land erleben würde, und auf den Straßen von mittelgroßen Städten.

    Zuguterletzt käme dann noch der typische Musketier- und Karibikpiratenstil, das wäre dann Gehrock mit weiten Aufschlägen, Jabot, Lockenperücke und Dreispitz. Im Film "der Mann mit der Eisernen Maske" sieht man einige schöne Beispiele dafür, z.B. auf dieser Seite das Blaue oben und das Rote unten, http://www.pirates-cave.eu/the%20man...ron%20mask.htm , oder dieses hier links:
    http://images2.static-bluray.com/reviews/8713_5.jpg
    Das wäre dann modisch der letzte Schrei, am Vinsalter Hofe und bei Stutzern, die ihm nacheifern. Schaut man sich auf diesen Fotos die anderen Kostüme an, sieht man aber auch, dass da gerade für die dreckigen Alltagskostüme ebenfalls reichlich in den vorher beschriebenen Epochen gewildert wurde! ;-)

    Richtig üppige Bezugsquellen von der Stange gibt es eigentlich für keine dieser Epochen, am ehesten noch für die letzte, da ist aber leider viel grauenhaftes Karnevalszeug dabei. Wenn du dir aber eine Richtung davon vorstellen könntest, kann man da mal intensiver gucken und aufdröseln.

  2. #22
    Tee
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    Wow, Respekt vor soviel Arbeit die du da reingesteckt hast, Cartefius!
    Vielen Dank

  3. #23
    Awatron
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    Danke, sehr netter Überblick.
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  4. #24
    Rabensang
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    Und was ist mit italienischer Renaissance? Oder gab es da keine Unterschiede? Aber schonmal danke für den guten Überblick.

    Barock ist jetzt nicht so meins. Am ehesten scheint mir der Tudorstil noch angenehm, wenn ich auch immer noch nix mit diesen Hosen anfangen kann.

  5. #25
    Paya
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    Die ganzen "Renaissance-Bezeichnungen" (italienische, deutsche etc.) kommen eigentlich nur daher, dass es eben Länder gab, bei denen die Renaissance "früher" war und andere, bei denen es später war (die also "kopiert" bzw. "nachgeeifert" haben). Dass man trotzdem grob weiß, in welchen Jahreszahlen man sich bewegt, wenn man von DER Renaissance spricht, gibts die Länderbezeichnungen.
    Die Unterschiede im Stil sind nur marginal und oftmals regional bedingt, äußern sich meistens in der Farbgebung oder bestimmten Mustern, die für eine Region "typisch" waren. Was da jetzt aber genau wo war... keine Ahnung! Un dist für LARP auch sch...egal, denn da kann man ja mehr oder weniger machen, was man will bzw. was einem gefällt. - Hach, was haben wir für ein geniales Hobby!

    @Cartefius: Genial geschrieben! Erinnert mich ein bisschen an die Texte über Andergast... (so von wegen angestaubt, altmodisch etc. - wir Andergaster nennen das "traditionell"!!!)
    Der Schlaf ist wie ein kleiner Tod.
    So sterben wir jede Nacht ein wenig.

  6. #26
    Tee
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    Nur mal so am Rande: Das die Unterschiede in der Kleidung nur marginal sind, da möchte ich doch widersprechen.

    Deutsche Renaissance sieht anfangs ganz anders aus als z.b englische oder italienische, gegen Ende mögen sich die Stile aneinander angeglichen haben.
    Man vergleiche z.B
    Lotto, italienisch, 1525
    Cranach, deutsch 1530
    Holbein, englisch, 1533


    Was bei den Italienern schon als späte Renaissance gilt ist bei den Deutschen noch früh... usw.

  7. #27
    Rabensang
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    Mir ist nebenbei noch ne Frage dazu eingefallen: was hat man in der Renaissance als Winterkleidung getragen? Strumpfhosen oder Kniestrümpfe sind da doch eher etwas kühl.

  8. #28
    Hubert
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    Nahe liegend ist es, Hosen aus schwererem Stoff zu nähen.

    Es gibt noch die Möglichkeit genähte Strümpfe über den Hosen zu tragen, wie z.B. der hier, das ist vom Stil her allerdings sehr früh (das Bild ist auf 1518 datiert).

  9. #29
    oliverp
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    Ups, das hatte ich vergessen zu erwähnen, dank Hubert: Solche sichtbaren(!) Strümpfe müssen genäht sein, bis ins 19te Jahrhundert war dies bei sichtbaren Strümpfen der Fall bei Adligen.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
    Jean-Jacques Rousseau

  10. #30
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    Horasische Adeling haben zum Glück den Vorteil, keine irdischen Adeligen zu sein.
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