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  1. #1
    Ascan
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    Ein guter Mensch - Hilfe bei Gesinnungs-Ausarbeitung

    Hallo ihr Lieben,

    mich umtreibt derzeit ein Thema, was meiner Meinung nach im LARP nicht so häufig auf der Tagesordnung steht: Das Thema Gesinnung.
    Meistens ist es ja ganz einfach: Die Spieler sind gut bis neutral und decken damit die gängigen Lichti-Klischees hab, von ritterlicher Prinzipientreue über ein oft allzu neuzeitliches Verständnis von Moral bishin zu den etwas zwielichtigeren Gesellen (Schurken), die dann aber doch am Plot-Strang ziehen und eigentlich mehr Robin Hood als Badass-Gangster sind. Die Bösen erfüllen im Gegenzug die bösen Klischees.
    Läuft. Ist mir aber oft zu einfach und zu schwarz, weiss.

    Nun arbeite ich gerade das Gesinnungs-System meines Zeitmagiers aus und stoße da ein wenig auf Ratlosigkeit bzw würde gerne euren Rat und Ideen einholen.

    Ich möchte - endlich mal - einen guten Char spielen. Wirklich gut. Aufrecht, wahrhaft, eben ein Lichtie. Das ist aber in meinem Rahmen gar nicht so leicht, wie ich bereits bei den Planungen auf dem Papier (und den ersten Probespiele merkte).

    Kurze Zusammenfassung:
    Es geht um das Wertesystem/die Moral eines uralter Magiers, der aus einer Zeit weit vor der heutigen stammt und den es in die heutige Zeit verschlagen hat.
    (Für DSA-Kenner: Thalusa während der Dunklen Zeiten). Die Gegend ist altorientalisch angehaucht (Indien, Nepal, Tibet), Teil eines gewaltigen Sultanats. Vom Äußeren würde man den Char sicher eher in die finstere Ecke stellen. Dies möchte ich durch das Spiel mit ihm aber gerade etwas brechen.

    Vom Charakterzug her soll er also als durchaus exotisch rüberkommen, d.h. durch bestimmtes Verhalten oder Ansichten hervorstechen. Und wichtig wäre: Ich möchte ihn durchaus aktiv spielen, d.h. neugierig und nicht immer nur direkt als "alten Weisen" (eine Mischung aus Doctor Who und Gandalf?). Aber eben kein Gegenwarts-Lichtie, sondern ein ehrvolles Wesen mit einem veralteten Wertekodex.

    Wie würdet ihr euch einen solchen Charakter vorstellen? Welche Marotten und Ansichten könnte er nach knapp 2.000 Jahren mit in die Gegenwart bringen?


    Liebe Grüße
    Flo

  2. #2
    Chevalier
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    Erstmal: Ich gebe zu Thalusa vor 2000 Jahren ist nicht gerade mein Fachgebiet. Ich habe keine Ahnung wie die Gesellschaft damals aussah. Aber davon dürfte eben abhängen, was als "rechtschaffen gut" gelten dürfte. Allerdings heißt rechtschaffen-gut auch ein bisschen, dass man sich eben zurücknimmt, wenn einem auffällt, dass damals halt nur Männer Rechte hatten, heute aber auch Frauen akzeptiert und antizipiert man das auch als neues "Gesetz" und handelt danach (während man dem Konzept nach wiederum die Entrechtung von Frauen als Ungerechtigkeit anprangern müsste...deshalb wirkt rechtschaffen-gut immer so modern).

    Dann Lichtie: eigentlich ist das ne schwierige Definition. Lichtie erlebe ich immer halt so "Ein Dämon? Kill it with fire!". Aber ein 'guter' Charakter würde vielleicht tatsächlich erst mit dem Dämon reden, der hier nur aus Versehen ist und Seelen kleiner Kinder halt nur frisst, weil er sonst stirbt; er wollte nie von einem Beschwörer herbeigerufen werden...hilft man dem jetzt hier weg zu kommen, von seiner Kinderseelen-Sucht loszukommen oder tötet ihn klassisch? Was ist da gut, was böse?

    Außerdem: LARP lebt von äußerem. Dein Magier sieht jetzt nicht so böse aus, eher wie eine halbe Mumie. Aber Du musst dich fragen: wo ist der Reiz jemand gutes zu spielen, wenn man gar nicht erst dazu kommt, das zu beweisen, weil im LARP der optische Eindruck möglicherweise dazu führt, dass du das im Spiel gar nicht zeigen kannst, weil dich die Leute meiden. Und wenn du im LARP deine gute Seite zeigen konntest interessiert meistens das Äußere auch schon überhaupt nicht mehr. Da kannst du Hörner und Teufelsfüße tragen und genügend werden es ignorieren. Da ist dann auch ein Bruch schwierig dauerhaft zu zeigen. Zumindest ausserhalb einer festen Gruppe.
    ...

    Bardengauer Fest, 14.-16.10.2016 (Chevalier Victor Henri de Nemour)
    Der Spalt unter der Tür (Cthulhu-Horror), 18.-20.11.2016 (Wilhelm Friedrich Richter, Reiseautor)

  3. #3
    Cartefius
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    Ich persönlich finde ja das D&D-Gesinnungssystem trotz all seiner Popularität nicht besonders gelungen, vor allem, weil es impliziert, dass Leute von sich aus wählen, "böse" oder, noch absurder, "neutral" als Ausglech zwischen Gut und Böse zu sein. In einigen Ansätzen bietet es aber einen ganz netten Start, wobei ich etwas abwandeln würde.

    Erstens wäre da Altruismus vs. Egoismus. Für wen wäre der Charakter bereit, persönliche Opfer zu bringen und Nachteile in Kauf zu nehmen, und wie weit würde er dabei gehen? Je größer dieser Kreis (Familie - enge Bekannte- Landsleute - Unbekannte - Feinde), und je drastischer die Opfer, desto mehr würde ich den Charakter als "Gut" einstufen.

    Zweitens wäre da Prinzipentreue gegen Intuition oder persönlichen Eindruck. Glaubt der Charakter an übergeordnete Prinzipien, denen man kurzfristig Opfer bringen muss, oder agiert er nach persönlicher Einschätzung und je nach Situation? Das ist ein bisschen wie die Rechtschaffenheit bei D&D, muss aber nicht deckungsgleich sein, da es sehr stark von den Prinzipien abhängt, nach denen der Charakter handelt.

    Das wäre dann nämlich der dritte Punkt, welche Ideale der Charakter hat, und was er für wichtige übergeordnete Prinzipien hält. Je nachdem, wie diese sind, können sich nämlich komplett unterschiedliche Sichtweisen ergeben: "Persönliche Freiheit" und "Gesetzestreue" z.B. stehen sich oft direkt gegenüber, und auch "Gleichheit", "Wahrheit", "Loyalität", "Bescheidenheit", "Respekt vor dem Leben" oder "Mut" sind Dinge, die durchaus in Konflikt miteinander geraten können. Dazu können noch diverse göttliche Gebote und Tabus kommen, welche meist noch klarer formuliert sind.

    Das wichtigste ist dann meiner Ansicht, wie die Sachen zusammenspielen. Häufig ist es in diversen Fantasyvorlagen (und noch stärker in vielen Rollenspielenrunden) so, dass sehr dogmatische und prinzipientreue Charaktere fast automatisch zu Schurkenrollen werden, weil diese Haltung heutzutage eher verpönt ist. Dabei können diese Charaktere sehr "gut" sein und auch so wirken, aber nur, wenn sie ihre Dogmen nicht anderen überstülpen, sondern selber als Anlass sehen, sich aufzuopfern und selbstlos zu handeln.

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