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  1. #1
    Thardia
    Thardia ist offline
    Grünschnabel Avatar von Thardia

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    Rotes Gesicht Kurze Frage zur Herkunft des Charakters

    Guten Abend allerseits!

    Ich bin ein totaler Neuling in der LARP-Szene und bisher nur neugierige, aber überwiegend schweigsame Mitleserin in diesem wirklich schönen Forum gewesen, jedoch kam mir heute eine Frage in den Sinn, auf welche ich bisher noch keine wirklich zufriedenstellende Antwort fand und sie mir nun bei euch erhoffe

    Wie genau verhält es sich mit der Hintergrundgeschichte eines Charakters? Ich arbeite leidenschaftlich seit mehreren Jahren an einer recht fantasylastigen Welt und kenne mich demnach auch ziemlich gut darin aus. Wenn ich nun beispielsweise einen Charakter aus dieser Welt entwerfen würde, welcher aus einem dortigen Ort stammt und an den Ort des (LARP-)Geschehens "gereist" ist, wäre dies ein passabler Hintergrund?
    Besagte Figur hätte ja definitiv das ein oder andere von diesem Ort, deren Schöpfer ich ja selbst bin zu erzählen, was sicher ein interessanter Aufhänger für das ein oder andere Gespräch wäre (zumal manche Menschen dort auch ihre eigene Kultur bzw. ihren eigenen Aberglauben entwickelt haben) und ich behaupte jetzt einfach mal, dass alles, was aus dieser Welt erzählt wird, auch ohne größeren Kontext einfach als eine schöne Legende eines fernen Ortes verstanden werden kann.
    Natürlich kann niemand sonst wirklich darauf eingehen (es sei denn, jener Charakter hätte ihm/ihr schon einmal davon erzählt) und es wäre wohl schwierig, die Herkunft dieses Charakters plotrelevant einzubauen, wenn die entsprechende Hintergrundinfo fehlt, aber ich denke hier auch eher an einen Charakter, welcher optisch und verhaltenstechnisch einfach dieser ausgedachten Herkunft entspricht und auch gerne davon erzählt, sich aber definitiv an alle anderen Welten als "Reisender" adaptieren lässt.
    Long story short: Wie steht es mit ausgedachten Herkunftswelten? xD
    Ich hoffe, dieser Textschwall der "kurzen Frage" hat nicht mehr Verwirrung ausgelöst als ohnehin schon vorhanden war und freue mich auf eure Antworten!

    Liebe Grüße und habt noch einen schönen Abend

    - Thardia

  2. #2
    Nount
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    Hallo!

    Es ist an sich kein Problem, aus einer selbst ausgedachten "Welt" zu kommen - i.d.R. ist es aber ein anderes Land und nicht gleich eine ganze Welt.
    Wichtig finde ich persönlich, dass das Land Anreize für Larp-Spiel (aktive Darstellung) bietet, nicht nur für Erzählungen: Rituale, Verhaltensweisen, Vorlieben und Abneigungen, Aussehen, Sprechweise ...
    Nur von einem Land zu erzählen finde ich etwas langweilig und weniger bereichernd, aber es kommt dann sehr stark auf den Inhalt an, das kann man schwer pauschal sagen.

    Es ist allerdings schade, dass es bereits unzählige Ein-Personen-Länder gibt - mir gefällt es besser, wenn ein Land lebendig ist, von mehreren Leuten bespielt wird, vielleicht Beziehungen zu anderen Ländern hat, vielleicht sogar auf eigenen Cons aktive Spielanreize bietet.

    Das ist meine Präferenz. Gerade fürs erste Con ist es aber sicher nicht schlecht, einen Hintergrund zu haben, in dem man sich gut auskennt. Wie larptauglich der ist, wird sich dann ja zeigen. Ich persönlich bin auf meinem dritten Con auf einen spezifischen Larphintergrund gestoßen, der mich sehr begeistert hat, und dabei geblieben.
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
    Lass das Steuer los.
    Trudle durch die Welt.
    Sie ist so schön.
    (Kurt Tucholsky)

  3. #3
    Thardia
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    Huhu, vielen Dank erstmal für die schnelle und ausführliche Antwort!

    Es ist allerdings schade, dass es bereits unzählige Ein-Personen-Länder gibt - mir gefällt es besser, wenn ein Land lebendig ist, von mehreren Leuten bespielt wird, vielleicht Beziehungen zu anderen Ländern hat, vielleicht sogar auf eigenen Cons aktive Spielanreize bietet.
    Daran hatte ich irgendwie noch gar nicht gedacht, aber das ist definitiv sinnig. Zwanzig standalone-Reisende aus zwanzig verschiedenen Orten sind auf lange Sicht wohl wirklich ziemlich einsam und schwer zu erhalten bzw. zu verbreiten, wenn man immer nur eine/die einzige lebende Person von dort trifft.

    Den Hinweis fürs aktive Spielen finde ich auch sehr gut, direkt mal eingeprägt. Bleibt ja auch nicht viel bei anderen hängen, wenn man immer nur erzählt und erzählt, sondern das Ganze auch lebt. Wobei Geschichten das Ganze dann ja nett ausschmücken könnten wenn sie jemand hören möchte. Man will ja den anderen auch kein Ohr abkauen

    Ich gehe mal stark davon aus, dass sich der eigene Charakter sowie dessen Hintergrundgeschichte sowieso im Laufe der Zeit noch verändern bzw. formen und wachsen wird, da man ja, wie du schon sagtest, spätestens auf der Con merken wird, wie larptauglich die ganze Angelegenheit wirklich ist.

    Vielen Dank auf alle Fälle noch mal für deine Antwort!

  4. #4
    Dutch
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    Zitat Zitat von Nount Beitrag anzeigen
    [...] mir gefällt es besser, wenn ein Land lebendig ist, von mehreren Leuten bespielt wird, vielleicht Beziehungen zu anderen Ländern hat, vielleicht sogar auf eigenen Cons aktive Spielanreize bietet.
    Dem schließe ich mich an. Das Welten-Erschaffen ist natürlich ein spannender kreativer Prozess. Auf einer LARP-Veranstaltung ist dennoch wichtiger, wie du den individuellen Hintergrund deines Charakters konkret darstellst. Also Herkunft und Hintergrund deines Charakters für die Mitspieler sichtbar und erlebbar machen.

    Gespräche über die Heimat finde ich persönlich eher langweilig. Denn meist läuft es darauf hinaus, dass man von jemand mit vielen Details einer erdachten Welt zugetextet wird. Das ist nicht besonders interaktiv ("I broadcast, you listen"), und letztendlich sind die Infos auch unwichtig.

    Wenn du zum ersten Mal überhaupt eine LARP-Veranstaltung besuchst, dann kann es sehr Vorteilhaft sein, den Charakter aus dem Land kommen zu lassen, in dem die Veranstaltung spielt. Das bedeutet zwar, dass du dich mit einem Land auseinandersetzen musst, das andere erdacht haben. Der Vorteil ist, dass fast automatisch Interaktion mit "Landsleuten" entsteht und vielleicht sogar die Veranstalter Intresse haben, deinen Charakter intensiver in die Handlungsangebote der Veranstaltung einzubinden.

    Deine selbsterdachte Welt geht dadurch ja nicht "kaputt", sondern bleibt dir erhalten. Nach den ersten Gehversuchen im LARP-Hobby kannst du sie vielleicht sogar weiter auf die Anforderungen von Liverollenspiel optimieren und hast dann noch mehr Spaß an ihr.
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  5. #5
    Dutch
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    Nur als Ergänzung: Es gibt genügend Charakterideen, bei denen Herkunft und Hintergrundgeschichte für das Hier und Jetzt des Charakters unwichtig oder sogar kontraproduktiv sind. Und mystische selbstgestrickte Hintergründe, die den Charakter mit offenen Rechnungen, zu bewältigenden Kindheitstraumata, wiederzufindenden Verwandten oder geheimnisvollen indiduellen Questen aufladen, scheinen in der LARP-Praxis fast nie dazu zu führen, dass eben diese Hintergründe auf einer LARP-Veranstaltung relevant werden.

    Beispiel: Zwar mag ein Bettler eine (traurige) Geschichte des sozialen Abstiegs hinter sich haben. Allerdings lebt der Charakter nicht wegen dieses Hintergrundes, sondern weil er jetzt abgerissen, verdreckt und ggf. süchtig nach billigen berauschenden Substanzen ein erbärmliches Leben in der Gosse fristet. Seine Vergangenheit ist vorbei, seine Gegenwart bestimmt dein Spiel.
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  6. #6
    Kelmon
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    Eigene Hintergrundwelten sind kein Problem - ich würde sogar behaupten für den allergrößten Teil der Spielerschaft die Norm (denn letztendlich haben quasi alle LARP-Länder so angefangen). Wie Nount aber schon sagt: Ein eigenes Hintergrundland zu haben ist deutlich unproblematischer als eine eigene Welt.

    Ein-Mann-Länder sind definitiv nicht ideal. Ich bespiele (dank einiger interessierten, aber dann abgesprungenen Leute) selbst gerade eines, und mache eben das beste draus. Der Grund, warum ich kein vorhandenes Land bespiele, ist aber eben, daß meine Ausrichtung hier schon eher speziell ist ("High-Fantasy Dungeon Punk" würde ich es nennen). Was man sich hier eben fragen sollte, ist, ob das eigene Land dann wirklich einzigartig ist - oder ob man mir geringsten Änderungen irgendwo schon in ein vorhandenes Land reinpasst. Denn das hat enorme Vorteile. Man hat gleich mögliche IT-Verbindungen (Freundschaften und Feinschaften), man kann evtl. mit anderen aus diesem Land auf eine Con anreisen (IT wie OT), und man kann seinen Hintergrund in guten Teilen einfach nachlesen - Glauben, Geographie, Gesetze, etc.

    Auch was Nount bei den Anreizen schreibt würde ich so unterschreiben - und würde noch "Landestypische Ausrüstung" hinzufügen. Wenn man aus einem "fremden Land" kommt, ist es gut, wenn die eigene Mode auch als fremd bzw. einzigartig erkannt wird. Und man eben nicht in der anderen Welt "zufällig" die gleiche Tunika-Hosen-Kombination trägt wie sonst jeder andere. Wer hier nicht allzu Nähbewandert ist kann zumindest im Detail einige prägnante Änderungen einführen. Oder entsprechend Gruppenbildend einkauft. (z.B. "bei uns ist es üblich, daß jeder, außer dem Adel, weiße Hosen und blaue Hüte trägt").
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

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