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  1. #1
    Gabel
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    Zwei fahrende Ritter

    Hallo zusammen,

    Vorab entschuldige ich mich für den sehr umfangreichen Text.

    Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken, mal einen Ritter zu spielen und zwar bevorzugt romantisierend, historisch liegt mir nicht.
    Jetzt habe ich dazu endlich noch zwei Leute gefunden, die mitmachen möchten, einer davon als mein Knappe, der andere ebenfalls als Ritter
    und Waffenbruder. Wir möchten uns zwar grob an der Mitte des 14.
    Jhd in Mitteleuropa orientieren, sofern wir das bisher richtig
    eingeordnet haben, aber dabei
    geht's uns eigentlich eher darum, unter anderen Ritterspielern auf Con nicht unnötig hervorzustechen und
    gleichzeitig ein halbwegs sinnstiftendes
    Rüstkonzept zu entwickeln, ob die Fundlage so wirklich stimmt, ist uns völlig gleich.

    Da ich es schon sehr oft in Beratungen gelesen habe: Ich will nicht als Knappe anfangen aus verschiedenen Gründen, nehmt das bitte als gegeben.

    Zum Konzept: Wir wollen zwei abgerissene, fahrende Ritter spielen, einer davon wie schon gesagt mit seinem Knappen dabei, die aus diversen
    Gründen kein Lehen haben und in der (verzweifelten) Hoffnung, Ruhm und Ehre zu erlangen auf große Fahrt gegangen sind. Das Konzept ist nicht
    deswegen so gewählt, weil wir mit billigen Standardteilen dicke Ritter markieren wollen, sondern, weil wir alle eine verranzte und
    zerfledderte Optik schätzen und solche Sachen auch gerne selbst herstellen (was wir beim Gotischen Plattenpanzer eher nicht hinkriegen werden und
    mit "eher nicht" meine ich "im Leben nicht"). Der allgemeinen Problematik des einst wohlhabenden, nun aber völlig verarmten Charakters sind wir
    uns vollauf bewusst, ebenso der einschlägigen Wiki-Artikel.

    Damit kommen wir auch gleich zu meiner ersten Frage: Wie viel Schmuck sollte solch ein Ritter (noch) tragen und wie prunkvoll muss das sein?
    Wie viel zeugt noch vom Bemühen um ein standesgemäßes Auftreten, obwohl man längst über seine Verhältnisse lebt? Ich möchte gern einen
    beschlagenen Gürtel anschaffen, die finde ich großartig. Hat jemand Bezugsquellen für den Riemen und Zunge, Schnalle, Beschläge?

    Wie sieht es aus mit Adelsurkunden und sonstigen Dokumenten? Wäre es ein interessanter Spielansatz, wenn man beispielsweise Schuldscheine
    von zahlungsunwilligen Schuldnern aufgekauft hat, um die jetzt auf eigene Rechnung beizutreiben? Haltet Ihr das für einen guten Ansatz oder
    eher eine Schnapsidee der modernen Perspektive? Ich bin drauf gekommen, weil es weder handwerklich, noch kaufmännisch ist und mit viel Mühe
    (
    aka 'Verzweiflung') noch als 'Schutz von Recht und Gesetz' durchgehen könnte.

    Und wie kann man sinnvoll anzeigen, dass man die alten, besseren Teile stückweise verkaufen musste, um sie durch billigere zu ersetzen?
    Ich weiß, mit billigen Teilen ist es nicht getan und ich befürchte, dass kaum jemand den unterschiedlichen Zustand bemerken würde, zumal,
    wenn ein Kettenhemd im Spiel ist.

    Zu meiner Rüstung (für die anderen kann ich da nur bedingt sprechen):
    Ich möchte als Grundstock ein Kettenhemd (vom Zeughaus, vernietete 9mm Flachringe) nehmen, das ich gern nach der hier
    http://
    www.inlarp.de/charaktere-und-konzepte/6298-neuling-braucht-etwas-hilfe-5.html

    vorgestellten Methode erweitern möchte, etwa zu diesem Ergebnis hin:
    http://
    www.xenophon-mil.org/rushistory/medievalarmor/russ30.htm

    Hat da schon jemand Erfahrungsberichte vorzuweisen?
    Ich mag den häufig empfohlenen Coat of Plates nicht, er gefällt mir einfach nicht (und darunter wäre die Kettenhemd-Modifikation wohl auch
    redundant).
    Wäre eine selbstgebaute
    Brigantine eine sinnvolle Ergänzung? Evtl auch nur um den oberen Torso, ähnlich wie ein Kürass?
    Wie steht es unter dem Kettenhemd? Muss da ein Gambi her oder sind zwei Wolltuniken genug? Vom Tragekomfort sind mir die Tuniken lieber, aber geht das als Ritter durch? Ich meine ja, dass man es sowieso nicht sähe, daher die Idee, was sagt Ihr?

    Auf den Kopf soll eine Beckenhaube, mit Nasal, aber ohne Visier (der Sicht wegen, sie perfekt anpassen zu lassen, kann ich mir nicht leisten),
    entweder mit
    Kettenbrünne oder mit Kettenhaube drunter, je nachdem, wo ich das bessere und schönere Angebot finde, immer her mit Vorschlägen.
    Zum Schmuck
    gibt's da ein Helmband, existieren da genaue Richtlinien, wie man das flechtet?

    Über das Kettenhemd kommt ein Waffenrock (werde ich selbst anfertigen). Was haltet ihr von der hier (zweites Bild von oben links) zu
    erkennenden Form, also nicht mit einem einzelnen Reitschlitz in der Mitte, sondern
    zweien weiter außen?
    http://
    www.historiavivens1300.at/biblio/ritter.htm

    Zusätzlich will ich Schwebescheiben, rechts rund, links in Schildform mit meinem Wappen bemalt. Ich liebäugele außerdem mit einem weiteren
    bemalten Armschild, wie hier (ich weiß, welchen Ruf
    Mytholon hat, aber was kann da schon kaputtgehen, schlimmstenfalls reißt die Niete aus?):
    http://
    www.mytholon.com/ruestungen/plattenpanzer/sonstige-plattenteile/9764/wilhelm-armschild-gross?c=54

    Außerdem habe ich nur einen einzigen Plattenfäustling, was ich für suboptimal halte. Ich dachte stattdessen an so was hier:
    https://www.dein-larp-shop.de/neue-produkte/8393/handschutz-rondel-blank?c=515

    Das ließe sich auch bemalen, aber ist das erstens epochal irgendwie nahe dran und zweitens ritterlich genug? Ansonsten würde ich an den
    Händen bis auf weiteres nur Lederhandschuhe tragen.

    Kennt jemand eine gute Bezugsquelle für Kniebuckel und wie dick müssen Diechlinge erfahrungsgemäß sein, um nicht lächerlich zu wirken? In
    einem anderen
    Thread habe ich diese hier gefunden, aber auf der Homepage finde ich die nicht. Bin ich blöd oder wurden die aus dem Sortiment
    genommen?
    http://
    www.medieval-market.com/img/knee_protection_0.jpg

    Kommen wir mal zur Zivilbekleidung: Auf den Kopf soll ein Hut, genauer gesagt eine Schlauchmütze, gezaddelt und gefüttert, wie man sie etwa hier bewundern kann:
    http://
    www.diebehueterin.de/index1280.html

    In vielen Ritterberatungen habe ich den Vorschlag gelesen, einen Chaperon zu tragen, der auch tatsächlich sehr ritterlich wirkt, aber
    andererseits auch sehr prächtig, zu prächtig für mich. Da halte ich die Schlauchmütze für eine bessere Lösung. Muss unter eine Schlauchmütze
    auch eine
    Bundhaube? Wäre kein Problem, die zu machen, aber braucht's das überhaupt?

    Als Wetterschutz werde ich mir einen Mantel entwerfen, der vermutlich recht fantasylastig wird, Skizze folgt noch. Jedenfalls ist der ganz
    offensichtlich zerschlissen und abgetragen. Zusätzlich wohl eine
    Gugel für den Kopf.

    Hat jemand Vorschläge für die Oberbekleidung? Will ja nicht immer in Rüstung herumlaufen und der Waffenrock gehört ja nur da drüber, meine
    ich. Ich fände es schön, wenn es ein wenig zum Waffenrock passt, also eher was Langes, Mitte Oberschenkel, bis knielang vielleicht, gern auch
    zwei oder drei Schichten, vielleicht mit Scheinärmeln. Was genau das sein soll, da bin ich irgendwie...
    uninspiriert.
    Klar ist, dass es Wolle und Leinen als Material werden, natürlich in Wappenfarben, aber das macht ja noch nicht unbedingt ein fertiges Bekleidungskonzept.

    Zur Hose: Müssen es Bruche und Beinlinge sein oder tut es auch eine Schamlatzhose? So eine hab ich noch nicht und würde ich mir wirklich
    gerne mal machen, einfach weil sie mir sehr gut gefällt, auch wenn ich das Bild, an das ich da denke, gerade nicht finden kann.

    So viel erstmal. Es gibt zwar noch etliche weitere ausstehende Aspekte, aber für mich soll das reichen.

    Zum Knappen: Inwieweit sollte sich mein Kleidungsstil bei ihm wiederfinden? Genügt das aufgenähte Wappen oder geht es unter, wenn der nicht
    in der gleichen Farbe gekleidet ist?
    Wie steht es mit der Ausrüstung, speziell bei der IT-Anreise? Sieht es zu lächerlich aus, wenn der Knappe vollgepackt ist und der Herr nur seine Rüstung am Leib trägt? Ist es standesgemäß, wenn der Ritter seinen eigenen Kram selber trägt? Arm ist er schließlich (und
    OT kriegen wir das auf jeden Fall geregelt). Welcher Rüstgrad ist einem Knappen neben einem solchen Ritter angemessen? Die selbstgebaute Brigantine schiene mir zum Beispiel nicht schlecht, würde es stören, wenn er im deutlichen Unterschied zu seinem Ritter ohne Helm unterwegs wäre (hier spielt auch die finanzielle Lage des Knappenspielers mit rein)?

    Edit: Wegen der Farben im Allgemeinen: Habt ihr bisher den Eindruck, dass irgendwelche Farben als Wappenfarben im LARP besonders häufig belegt sind? Abseits von schwarz und schwarz-rot, meine ich.

    Mit besten Grüßen, Gabel

    P.S.: Wie kann man die Links so schön dezent verpacken? Die zerhauen den Lesefluss schon ziemlich, finde ich.
    Geändert von Gabel (01.12.2016 um 17:25 Uhr) Grund: Frage zu Farben

  2. #2
    Maria
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    Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken, mal einen Ritter zu spielen und zwar bevorzugt romantisierend, historisch liegt mir nicht.

    Gute Idee, wobei die meisten Larp-Ritter mehr oder weniger romantisierend sind.

    Da ich es schon sehr oft in Beratungen gelesen habe: Ich will nicht als Knappe anfangen aus verschiedenen Gründen, nehmt das bitte als gegeben.
    Musst du auch nicht, ab einem gewissen Alter sieht das auch doof aus. Ich habe auch direkt "losgerittert". Allerdings ist es von Vorteil, schon Erfahrung mit Adelsspiel zu haben, am besten auf beiden Seiten, Untergebene und Höhergestellte.


    Damit kommen wir auch gleich zu meiner ersten Frage: Wie viel Schmuck sollte solch ein Ritter (noch) tragen und wie prunkvoll muss das sein?
    Wie viel zeugt noch vom Bemühen um ein standesgemäßes Auftreten, obwohl man längst über seine Verhältnisse lebt? Ich möchte gern einen
    beschlagenen Gürtel anschaffen, die finde ich großartig. Hat jemand Bezugsquellen für den Riemen und Zunge, Schnalle, Beschläge?
    Man sollte in allen Ausrüstungsgegenständen zeigen, dass sie mal besser aussahen: Also beim Gürtel unbedingt einen punzierten oder sogar bestickten Gürtel nehmen, dem dann offensichtlich (große Löcher, gewollte Abnutzung) die Zunge und Beschläge fehlen, bei der Amtskette fehlende Glieder, die durch einfache Kettenringe ersetzt wurden, maximal ein einziger Ring. Es gab dazu eine sehr geile Idee im Ning (Urheber wahr wohl Sascha J.). Er hat sich einen Plaque Belt (Plattengürtel) mit selbst gemachten Zinnteilen gebaut, die nur mit 2K-Kleber auf Leder aufgebracht waren - konnten als Bezahlung abgerissen werden. Sowas mit deutlichen Lücken?
    http://api.ning.com/files/2RSp5QdfcgDeZJDpJJXD0M-r82hyhQJqXHjLC6zu*pbq8lMixb8UIJS5deMfZPG5/PrinzInCothardie.JPG

    Bezugsquellen: Wie teuer darf es sein? Standard-Gürtel-Metallteile gibt es z.B. bei Reenactors, Vehi Mercatus, Zeughaus. Hübscheres bei Quietpress, Lorifactor - da kann ich den Besuch der Reenactment-Messe in Minden empfehlen.


    Wie sieht es aus mit Adelsurkunden und sonstigen Dokumenten? Wäre es ein interessanter Spielansatz, wenn man beispielsweise Schuldscheine
    von zahlungsunwilligen Schuldnern aufgekauft hat, um die jetzt auf eigene Rechnung beizutreiben? Haltet Ihr das für einen guten Ansatz oder
    eher eine Schnapsidee der modernen Perspektive? Ich bin drauf gekommen, weil es weder handwerklich, noch kaufmännisch ist und mit viel Mühe
    (
    aka 'Verzweiflung') noch als 'Schutz von Recht und Gesetz' durchgehen könnte.

    "Schuldscheine" sind ziemlich modern und vor allem ergibt das kein Spiel, solange sich niemand bereit erklärt, die Schuldner zu spielen. Aber es gibt einen Ritter, der ein ähnliches Konzept fährt: Er spielt einen Glücksritter mit immensen Schulden, hinter dem die Geldgeber her sind. Es kann auf Cons immer vorkommen, dass einer der Leute seiner Gruppe sich kurz umziehen geht und als "Schuldeneintreiber" auftritt, mit dem der Ritter dann verhandeln/vor dem er sich verstecken muss. Zudem leiht er sich immer Geld von anderen Larp-Adligen oder nistet sich (IT definiert) über Winter bei ihnen ein.
    Lehensurkunde oder einen Stammbaum/andere Form des Belegs der Turnierwürdigkeit würde ich anfertigen und dann wirklich wie meinen Augapfel hüten, weil das bei meiner Vorstellung des Konzepts so ziemlich eine der wenigen Einkommensquellen eines solchen Ritters ist, also ähnlich wie die Heckenritter bei GRR Martin an Turnieren teilzunehmen, um Geld zu gewinnen.

    Und wie kann man sinnvoll anzeigen, dass man die alten, besseren Teile stückweise verkaufen musste, um sie durch billigere zu ersetzen?
    Ich weiß, mit billigen Teilen ist es nicht getan und ich befürchte, dass kaum jemand den unterschiedlichen Zustand bemerken würde, zumal,
    wenn ein Kettenhemd im Spiel ist.
    Kettenhemd würde ich jetzt gar nicht soviel dran verändern, das würde ich als wirklich gut gepflegten Grundstuck behalten. Im Gegenteil würde ich Ringe dazu tun! Also, als ob jemand Stellen wirklich akribisch geflickt hätte. Also nicht nur die Schuppen auf die Brust, sondern auch auch (nicht real existierende) Loch-Ausbesserungen.

    Wenn du Richtung 14. Jhd gehen willst, passt das aber nicht so wirklich, das ist eine Standalone-Rüstung. Im Gegensatz dazu würde ich über dem Kettenhemd einen Jupon aus stark verdrecktem, aber ehemals teurem Brokat tragen, dem man genau ansehen kann, wo früher die Brustplatte saß (die dein Ritter wie alle Metall-Rüstungteile außer dem Helm natürlich versetzt hat), das Ding sollte also an der Brust noch heller und sauberer sein, der Rest aber sauber geflickt. Dasselbe für den Rest der Textilpanzerung, die Dichlinge.
    http://www.martelnyc.com/worn-over/images/8703_4_23-century-hundsgugel.jpg
    https://s-media-cache-ak0.pinimg.com...f8a15e724a.jpg


    Unters Kettenhemd gehört im 14. eigentlich nur ein möglichst enganliegendes Wams oder ein dickeres Hemd plus ein Lendenier.
    http://knyghterrant.com/index.php/20...th-commentary/



    Zum Schmuck
    gibt's da ein Helmband, existieren da genaue Richtlinien, wie man das flechtet?

    Kein Helmband bei dieser Art Helm, das funktioniert nicht. Der gesamte Schmuck wurde nicht mit der Beckenhaube, sondern mit dem Helm, dem Great Helm/Topfhelm getragen.

    Über das Kettenhemd kommt ein Waffenrock (werde ich selbst anfertigen). Was haltet ihr von der hier (zweites Bild von oben links) zu
    erkennenden Form, also nicht mit einem einzelnen Reitschlitz in der Mitte, sondern
    zweien weiter außen?
    http://
    www.historiavivens1300.at/biblio/ritter.htm
    Kannst du auch machen, der Kerl links mit dem klassischen Wappenrock ist allerdings deutlich früher, 13. Jhd, du müsstest dich für ein Rüstkonzept entscheiden und ich persönlich finde, mit Rüstungen ab 1350 kann man "verarmten Adel" besser dastellen, weil es beim Ritter um 1300 nicht soviel zum offensichtlichen Weglassen gibt.

    Zusätzlich will ich Schwebescheiben, rechts rund, links in Schildform mit meinem Wappen bemalt. Ich liebäugele außerdem mit einem weiteren
    bemalten Armschild
    Beides? Das könnte komisch aussehen.


    Das ließe sich auch bemalen, aber ist das erstens epochal irgendwie nahe dran und zweitens ritterlich genug? Ansonsten würde ich an den
    Händen bis auf weiteres nur Lederhandschuhe tragen.
    Bleib bei den Lederhandschuhen, sowohl die Fäustlinge als auch die Rondel sind später.

    Kennt jemand eine gute Bezugsquelle für Kniebuckel und wie dick müssen Diechlinge erfahrungsgemäß sein, um nicht lächerlich zu wirken? In
    einem anderen
    Thread habe ich diese hier gefunden, aber auf der Homepage finde ich die nicht. Bin ich blöd oder wurden die aus dem Sortiment
    genommen?
    Kniekacheln für Diechlinge gäbe es auch in Minden. Hüstel, wenn du dir Metallbearbeitung zutraust: Es gibt ein Mädchen im Ning, die hat "schlichtgewölbte Stahldeckel gekauft. Eigentlich sind die für das Verschweißen von Rohren."
    https://stahlshop.de/zubehoer/schalen-gewoelbte-boeden
    http://www.bilder-hochladen.net/file...8-1hq-d06d.jpg

    Kommen wir mal zur Zivilbekleidung: Auf den Kopf soll ein Hut, genauer gesagt eine Schlauchmütze, gezaddelt und gefüttert, wie man sie etwa hier bewundern kann:
    http://
    www.diebehueterin.de/index1280.html

    Gute Idee, man kann Wollzaddeln übrigens auch mit Perlen besticken, von denen dann auffällig viele fehlen - get my point? *g*
    Und nein, darunter braucht es keine Bundhaube, wobei ein Leinenfutter im Wollstoff ganz angenehm ist.

    Hat jemand Vorschläge für die Oberbekleidung? Will ja nicht immer in Rüstung herumlaufen und der Waffenrock gehört ja nur da drüber, meine
    ich. Ich fände es schön, wenn es ein wenig zum Waffenrock passt, also eher was Langes, Mitte Oberschenkel, bis knielang vielleicht, gern auch
    zwei oder drei Schichten, vielleicht mit Scheinärmeln. Was genau das sein soll, da bin ich irgendwie...
    uninspiriert.

    Wie wäre es mit einer Kombi wie das auf dem Bild des Larpers mit dem Plattengürtel: Ein polanges enges Wams mit langen Ärmeln (unter den Achseln geflickt, weil häufig getragen und gewaschen, evtl. ausgeblichen) in satter dunkler Farbe. Darüber ein kurzärmliges Wams knielanges Wams aus besserem Stoff Mi-Part in Wappenfarben, das bis auf Flecken und ein paar dünnere Stellen noch gut aussieht?). Und ein Alltags-Leibchen mit Zaddeln, aber aus "billigerer Färberwanne", also braun, helles Krapprot, helles Indigo-Blau oder so.
    Mein geistiges Auge fände einen Kleidung flickenden/waschenden Knappen sehr geil...

    Zur Hose: Müssen es Bruche und Beinlinge sein oder tut es auch eine Schamlatzhose? So eine hab ich noch nicht und würde ich mir wirklich
    gerne mal machen, einfach weil sie mir sehr gut gefällt, auch wenn ich das Bild, an das ich da denke, gerade nicht finden kann.

    Wie du magst, Bruche und Beinlinge sind aber einfacher zu nähen, weil eine Schamlatzhose schon einiges an Anpassung/Know-how benötigt, damit sie im Po/Schrittbereich komfortabel sitzt und nicht ausreißt. Und eine kurze Bruche brauchst du darunter immer noch...


    Zum Knappen: Inwieweit sollte sich mein Kleidungsstil bei ihm wiederfinden? Genügt das aufgenähte Wappen oder geht es unter, wenn der nicht
    in der gleichen Farbe gekleidet ist?
    Im Sinne der Wiedererkennung sollte ihr eure Inspiration aus derselben Epoche ziehen. Zu den Farben gibt es unterschiedliche Konzepte, aber meine Faustregel wäre, dass der Knappe zivil seine eigenen Farben/egal was trägt, ein hübsches auf die Brust aufgenähtes Wappen also reicht und nur die Kampfklamotte die Wappenfarben des Herrn aufgreifen sollte (auch Wiedererkennungswert!)

    Wie steht es mit der Ausrüstung, speziell bei der IT-Anreise? Sieht es zu lächerlich aus, wenn der Knappe vollgepackt ist und der Herr nur seine Rüstung am Leib trägt? Ist es standesgemäß, wenn der Ritter seinen eigenen Kram selber trägt? Arm ist er schließlich (und
    OT kriegen wir das auf jeden Fall geregelt). Welcher Rüstgrad ist einem Knappen neben einem solchen Ritter angemessen? Die selbstgebaute Brigantine schiene mir zum Beispiel nicht schlecht, würde es stören, wenn er im deutlichen Unterschied zu seinem Ritter ohne Helm unterwegs wäre (hier spielt auch die finanzielle Lage des Knappenspielers mit rein)?

    Ich fände es charmant, wenn der Ritter auch selbst was trägt und beim ersten Kontakt mit anderen Larp-Adligen alles dem Knappen aufbürdet außer einem Pilgerbeutel, dem Helm, dem Almosenbeutel und der Rüstung. Selbstgebaute Brigantine (kommt drauf an, wie sie aussieht, manche Bastelanfänger können darunter ziemlichen Murks verstehen) oder alternativ ein Textilpanzer in Mi-Parti mit den Wappenfarben des Herrn. Einfache Form
    http://www.medieval-market.com/img/g...n_type_6_0.jpg
    Kein Helm ist eine dumme Wahl, wie wäre es zumindest mit einem Eisenhut oder einem Lederhelm in Form einer solche Eisenkappe (also falls du dir Leder härten und nähen vorstellen kannst)?
    http://medieval-armour.com/online-sh...et-heaume-html

    Edit: Wegen der Farben im Allgemeinen: Habt ihr bisher den Eindruck, dass irgendwelche Farben als Wappenfarben im LARP besonders häufig belegt sind? Abseits von schwarz und schwarz-rot, meine ich.

    Eigentlich sind alle Wappenfarben-Kombinationen schon von diversen Leute geclaimt. Man kann sich da nur noch von absetzen, wenn man nicht-heraldische Farbkombinationen nimmt, wie z.B. ein helles Grün mit einem satten Rot (was Histo-Puristen dann auch nicht toll finden).

  3. #3
    Gabel
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    Die Idee eines lückenhaften Plaque Belt finde ich spontan großartig, ich wollte ohnehin in nächster Zeit mal Zinn gießen, das lässt sich schon sinnfällig verbinden, wobei eine Amtskette schon viel wäre, auch mit Lücken. Da verlege ich mich dann doch lieber auf die bestickte Schlauchmütze, in der sich dann auch schon Löcher in den Verzierungen zeigen. Also Gürtelbeschläge und Perlen (oder was auch immer ich da dran hänge) schon teilweise versetzt.
    Außerdem Danke für die Bezugsquellen für Gürtel und Beschläge, damit lässt sich definitiv arbeiten.

    Fällt dir spontan eine Seite ein, auf der man sich so eine Adelsurkunde im Internet ansehen kann? Oder muss ich dazu wirklich ins Museum gehen?

    Was den Jupon angeht: Ich bekomme da bei Google überwiegend Damenunterröcke angezeigt, in Mittelalter- und LARP-Shops werden mir Gambesons empfohlen und auf 'DiuMinnezît' habe ich das hier gefunden: 'Jupon' (auch Jouppe, Schecke, Jupon,
    Jacke)
    Jackenähnliches Kleidungsstück. Dieser Begriff taucht besonders häufig im Zusammenhang mit abgesteppten, zivilen wie militärischen Oberbekleidungsstücken auf.' Fällt darunter auch dieser hier:
    http://www.ebay.de/itm/Medieval-Armor-Norman-Knight-Gambeson-Deluxe-with-Leather-Trims-/331912634383?var=&hash=item7df4807ab4 ?

    Den besitze ich nämlich schon, auch wenn es sich natürlich nicht um Brokat handelt (um für den ersten Auftritt tatsächlich in Brokat zu investieren, fehlt mir ein bisschen die finanzielle Unabhängigkeit). Wenn ich den über das Kettenhemd ziehe, sieht das nach meinem persönlichen Empfinden zwar gut aus, aber nicht unbedingt ritterlich, wie ich finde, da bin ich mir einfach unsicher.

    Wegen des Stoffes: Wie sieht es stattdessen mit einem protzigen Jaquard aus? Ich hatte an was in der Richtung gedacht, auch wenn ich ehrlich gesagt keinen Schimmer habe, ob das in Natura auch so wirkt oder ob mich das zum Polstersessel macht.
    http://www.ebay.de/itm/Mobelstoff-Polsterstoff-Meterware-Stoff-Barock-Vintage-Jaquard-Chenille-Neu-/381686672984?var=&hash=item58de4c6e58:m:mp_zwCDXJS3b_1yM9pLarlghttp://www.ebay.de/itm/Mobelstoff-Polsterstoff-Meterware-Stoff-Barock-Vintage-Jaquard-Chenille-Neu-/380914949678?var=&hash=item58b04cde2e:m:mPDUTfsM0V9GnRf4x6qtnKg

    Was ich sonst an Jaquard oder Brokat gefunden habe, war apokalyptisch teuer, auch wenn ich nur einen bis zwei Meter brauche.

    Was hältst du davon, wenn ich mir ein anständiges Halbarm-Kettenhemd vom Zeughaus besorge und die Ärmel dann selbst verlängere? Das müsste ziemlich lumpig aussehen, ohne gleichzeitig ungerüstet zu wirken, während ich mir schwer vorstellen kann, dass es auffallen würde, wenn ich unvernietete Ringe irgendwo zwischen die vernieteten zwänge. Das scheint mir suboptimal.
    Die Messe in Minden sieht zwar gut aus, aber ich würde den Ritter gerne ab Frühsommer kommenden Jahres bespielen, da wäre der erste Oktober 2017 natürlich relativ spät. Nichtsdestotrotz plane ich den Besuch mal ein, wird beim ersten Mal ja sowieso nie perfekt und dort kann ich das eine oder andere bestimmt nachbessern.

    Okay, für diese Wachphase muss das reichen. Danke Maria für die Anregungen,

    Mit besten Grüßen,
    Gabel
    Geändert von Gabel (02.12.2016 um 16:17 Uhr) Grund: Formatierung sieht ja gruselig aus...

  4. #4
    Maria
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    Adelsurkunde: Z.B. im Larpwiki http://larpwiki.de/LehnsUrkunde3
    Oder im Larper.ning.com in der Galerie

    Den Gambeson würde ich nicht für einen Ritter nutzen, der ist a) zu früh, nämlich angelehnt ans 10.-12. Jhd und b) zu sehr Standard-Larpware
    Mit Jupon meine ich das Stoffteil, das alle drei von meinen verlinkten gerüsteten Beispielrittern tragen - und die Definition von Diu Minnezit ist auch die richtige. Das hier:
    http://www.sagacioushours.org.uk/ima...mbined_web.jpg
    https://anastasiadelvalente.wordpres...upon-gambeson/

    Oh Gott, Finger weg von Lurex-Polyester-Jacquard für Textilrüstung. Du wirst dich zu Tode schwitzen, das Zeug ist auch noch eklig zu verarbeiten und damit solltest du dich keinem Lagerfeuer nähern. Faustregel: Futter aus 100% Leinen (oder stabile Baumwolle, wobei letztere mehr müffelt), Füllung Rohbaumwolle oder Wolle, Außenmaterial auch Leinen/Baumwolle (max. 15% Polyester sind noch verschmerzbar).

    Billigere Variante: Alte Baumwoll-Damast-Tischdecken in Wohlfahrtsläden/Secondhandläden suchen (jetzt nicht unbedingt das Rosen-Muster) und selbst einfärben.
    So ein Muster z.B. https://tischdecken-shop.libusch.de/...nMuster1_L.jpg
    Oder auf Ebay bei diesem Händler gemusterten Leinenjacquard bestellen: http://stores.ebay.de/Leinen1a

    Halbarm-Kettenhemd: Keine schlechte Idee, weil du die Ärmel dann auch direkt auf dich anpassen kannst und sogar Fäustlinge oder Handteile ansetzen kannst. Ich habe immer damit gerechnet, dass fürs Flicken dieselbe Ringart verwendet wird, alles anderes sieht doof aus.

  5. #5
    Cartefius
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    Bei Maria bist du da in guten Händen, die hat sehr viel Ahnung von dem Thema. :-)

    Vielleicht noch von mir als generellen Einwurf von der Seitenlinie: Bei so einem Konzept musst du aufpassen. Hochwertig schlicht geht, edel geht, sehr geschickt improvisiert geht auch, aber was nicht geht ist billig. "Hat seine hochwertigen Teile verkauft und durch billige ersetzt" ist meiner Ansicht nach ganz gefährlich, das geht total schnell nach hinten los und sieht dann nur wieder aus wie einer der unzähligen Ramschritter der Marke "gewollt und nicht gekonnt". Macht ja auch eigentlich keinen Sinn: Wenn du plötzlich völlig pleite bist und dir selbst den Sprit für deinen zehn Jahre alten Mercedes nicht mehr leisten kannst, verkaufst du den ja nicht und kaufst dir dafür einen brandneuen Dacia.

    Deswegen würde ich auch generell von Ware von Mytholon, Dein-Larp-Shop oder Sachen wie dem braunen Gambeson-Ding erstmal grundsätzlich Abstand nehmen, das kann in seltenen Fällen mal gut passen, macht aber im Zweifel auch schnell den ganzen Look kaputt.

  6. #6
    heler
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    Zitat Zitat von Cartefius Beitrag anzeigen
    Bei Maria bist du da in guten Händen, die hat sehr viel Ahnung von dem Thema. :-)

    Vielleicht noch von mir als generellen Einwurf von der Seitenlinie: Bei so einem Konzept musst du aufpassen. Hochwertig schlicht geht, edel geht, sehr geschickt improvisiert geht auch, aber was nicht geht ist billig. "Hat seine hochwertigen Teile verkauft und durch billige ersetzt" ist meiner Ansicht nach ganz gefährlich, das geht total schnell nach hinten los und sieht dann nur wieder aus wie einer der unzähligen Ramschritter der Marke "gewollt und nicht gekonnt". Macht ja auch eigentlich keinen Sinn: Wenn du plötzlich völlig pleite bist und dir selbst den Sprit für deinen zehn Jahre alten Mercedes nicht mehr leisten kannst, verkaufst du den ja nicht und kaufst dir dafür einen brandneuen Dacia.

    Deswegen würde ich auch generell von Ware von Mytholon, Dein-Larp-Shop oder Sachen wie dem braunen Gambeson-Ding erstmal grundsätzlich Abstand nehmen, das kann in seltenen Fällen mal gut passen, macht aber im Zweifel auch schnell den ganzen Look kaputt.
    Grüß dich, wie hoch ist denn der Anteil an spielern in deinen Augen?

    Sprich wie viele "Ramschritter" und wie viel Prozent "gute Ritter" kommen die circa unter?

    50/50? Nur Optik, Rüstung und Co, ohne Lager und Knappen etc.

  7. #7
    Cartefius
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    Das ist schwer zu sagen, das kommt extrem auf das Spielumfeld an. Es gibt inzwischen einige Nischenveranstaltungen, die sich auch spezifisch aufs Ritterlarp spezialisieren, da sehen eigentlich fast alle Ritter gut aus, die Charaktere sind allerdings normalerweise dann auch nicht so häufig "verarmt".
    Auf dem typischen Abenteuer- oder Großcon hingegen würde ich sagen, da sind vielleicht 20% gut, 40% so mittel, und 20% ziemlich mies, oft die typische Figur mit Kettenhemd, Wappenlappen, Blechschultern und -Beinschienen und so gut wie keiner Klamotte, die restlichen sind 20% überhaupt nicht als Ritter zu erkennen.

    Ich habe allerdings den Eindruck, die "ziemlich mies"-Fraktion, die vor einigen Jahren noch den absoluten Hauptteil ausmachte, ist eher im Schrumpfen begriffen, viele rüsten da entweder auf oder lassen es ganz sein und rutschen in die unterste Kategorie ab.

    (Nachtrag Wichtiger ist aber für meinen Eindruck die umgekehrte Betrachtung: Ich habe den Eindruck, von den Trägern billiger Blechplattenrüstung und simpelster Baumwollwappenröcke im Larp ist ein überwiegender Teil den Spielern von "Rittercharakteren" zuzuordnen, dann nochmal ungefähr genausoviel "Söldner", und der Rest teilt sich auf sonstige Charakterkonzepte auf.
    Geändert von Cartefius (02.12.2016 um 16:36 Uhr)

  8. #8
    Maria
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    Sehe ich so wie Cartefius. Den "normalen" Stand kann man sich z.B. anschauen, wenn man sich das Teilnehmerfeld auf dem Grenzwacht-Turnier ansieht. Das ist noch kein 100% "gehobener Standard"-Adelscon, aber die Ritter (siehe Bilder des Fußkampfes und des Tjosts) würde ich als repräsentativ für den mittleren bis guten Standard ansehen. https://onedrive.live.com/?authkey=%...5D2D1CDC0D3242
    Die richtig schlechten Ritter erkennt man halt nicht als Ritter, da "Rüstung + Wappenrock" auch von jede Menge anderer kämpfender Larprollen getragen werden.

    Nochmal zum Aufwand, den du für die gewünschte Rolle betreiben müsstest: Es ist leider nicht damit getan, sich Dinge zusammenzukaufen, weil du, um selbst in abgeranztem Zustand noch auf den ersten Blick als Ritter erkannt zu werden, praktisch erstmal dasselbe Ausrüstungslevel wie die "mittleren Ritter" brauchst und dann dieses visuell veränderst, aber NICHT durch OT billigere Dinge ersetzst. Ergo: Du wirst sehr viel Selbermachen (= Zeitaufwand) oder genug Geld in die Hand nehmen müssen.

    Ratsam wäre es, erstmal bei anderen Leuten zu "spicken", sich also andere Larp-Ritter oder Knappen anzuschauen und deren Bastelblogs im Ning. Interessant dürfte auch diese Diskussion sein:
    http://www.swashbuckler.style/2016/1...erdarstellung/
    http://www.swashbuckler.style/2016/1...t-mathras-aus/
    Geändert von Maria (02.12.2016 um 17:19 Uhr)

  9. #9
    Gabel
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    Hallo zusammen,

    Zunächst danke für die Hinweise, Maria und Cartefius, ich nehme Abstand von meinem alten Gambi, der bleibt dann anderen Charakteren vorbehalten. Ich habe gerade eine kurze Bestandsaufnahme gemacht und siehe da: neben zahlreichen mehr oder weniger hellen Leinen- und Baumwollstoffen habe ich auch Seide gefunden, einfarbig in einem leicht gerippten, matt (eben seidig) glänzenden rot-braun. Für die sichtbaren Fütterungen müsste das den Jaquard ganz gut ersetzen, wenn es ins Farbschema passt, denke ich. Dann brauche ich den nur noch für Oberstoffe.

    Außerdem habe ich mehr als genug Leder für jede Schandtat und dicken Filz für die Polsterung gefunden, sowie einige Fuchsschwänze aus Flohmarktkäufen - sind die in dem Zeitraum sinnvoll zu verwenden? Trete ich da unter Ritterspielern gleich tief in ein Fettnäpfchen? Liegen schon ewig bei mir herum.
    Habe auch Borten, aber bei denen bin ich mir alles andere als sicher, die sind aus Leinen (?) und sehen ziemlich bäuerlich aus (und die eine nach Plastik). Ist irgendeine Borte besser als keine, sofern sie nicht gerade glitzert und 'Polyester!!!' schreit?

    Es fehlt Wolle als Oberstoff für den Wappenrock. Ich würde mich da auf ebay oder bei Tolko-Stoffe glücklich kaufen, habt ihr sonst noch gute Quellen?

    Was mich jetzt ein wenig verwirrt, Maria, du empfiehlst einen Jupon über dem Kettenhemd. Das bedeutet, dass Letzteres vollständig verborgen ist, inklusive aller Modifikationen, es sei denn ich hänge Fäustlinge an (und auch das stelle ich mir merkwürdig vor). Zumindest vorne müsste ich ihn öffnen oder ich lasse die Ärmel weg. Das Kettenhemd ersetzen kann er ja für sich genommen nicht, zumal ich definitiv auch als Kämpfer agieren möchte. Oder soll ich so etwas hier anstreben?
    https://de.pinterest.com/pin/559924166150012046/

    Der hat den Jupon ja sowohl geschlitzt, als auch mit kurzen weiten Ärmeln gewählt, durch die man das Kettenhemd sehen kann. nähme man jetzt den Brustpanzer (und die meisten anderen Plattenteile) weg, wäre man sehr dicht dran, an dem, was ich mir vorstelle. Allerdings ist er dem abgelehnten Gambeson, von der Farbe abgesehen, auch nicht so unähnlich, bloß auf höherem Standard.

    Außerdem: Ich sehe die Dinger immer mit bloßem Halsausschnitt ohne Kragen. Gibt es dafür einen bestimmten Grund? Das macht den Hals immer ein wenig... nackt.

    Was im Übrigen die Knöpfe angeht: Ich habe sechs recht schöne Metallknöpfe, ein paar aus Leder und jede Menge Holzknebel. Irre ich mich oder würde es den Eindruck von 'Versetzt, was nötig war' ganz gut unterstreichen, wenn ich an den prominenten Stellen die Metallknöpfe verwende und den Rest durch die anderen, eher zusammengestückelten Exemplare ersetze? Ich kann leider mangels Kamera oder Handy keine Bilder zeigen.

    Trägt man über dem Jupon noch einen Rock, der die Wappenfarben anzeigt? Der Jupon scheint ja eher eine Schutzfunktion zu erfüllen und als Zierde zu dienen. Zumal mit einem Brustpanzer darüber dürfte die Zugehörigkeit in der Schlacht schwer zu erkennen sein, spätestens, wenn man keinen Schild trägt. Wie wurde das historisch gelöst?

    Eine Frage zum Umgang mit gemustertem Stoff: Ich hatte es mir so vorgestellt, dass ich einen einfarbigen Oberstoff in Mi-Parti nehme und schmale Streifen in der jeweils anderen Wappenfarbe aufnähe, mit denen ich das ganze Ding gleichzeitig absteppe. Funktioniert das auch noch mit gemustertem Stoff mit Ornamenten darauf oder sieht das deppert aus? Hat da jemand Erfahrungsberichte? Sollte ich bei der Stoffauswahl darauf achten, einen eher glänzenden oder eher matten Jaquard zu verwenden? Ich habe keine Erfahrung mit dem Material, sieht das nach Plastik aus, wenn es glänzt oder gewinnt es gerade dadurch an Gewicht?

    Mir ist übrigens völlig klar, dass man nicht einfach mit kleinem Geld den verarmten Adligen aufziehen kann, aber die Plattenrüstung, die der Charakter versetzt hat, muss eben nicht angeschafft werden, sondern nur die Abnutzungsspuren, die sie hinterlassen hat und dergleichen mehr. Zumal ich Abnutzung durchaus selbst hinkriege, da bin ich zuversichtlich. Fachmännische Herstellung von Rüstungen packe ich definitiv nicht.

    Edit: Gilt es beim Einfärben von Jaquard noch irgendetwas zu beachten? Mache ich mir das Muster kaputt, wenn ich das einfach einheitlich färbe?

    Mit besten Grüßen,

    Gabel
    Geändert von Gabel (02.12.2016 um 19:43 Uhr) Grund: nachgeschobene Frage

  10. #10
    Maria
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    Es gab auch kurzärmlige Jupons, wo dann am Unterarm eigentlich Armrüstung getragen wurde, die bei dir dann fehlen würde: http://www.tforum.info/forum/gallery..._43_128607.jpg
    http://www.tforum.info/forum/gallery...9_44_80506.jpg
    Der Unterschied zum Gambeson ist: Jupon ist enger auf den Körper geschnitten, wird geschnürt oder geknöpft und die Steppung ist fast immer vertikal (unterhalb der Taille auch horizontal), der Gambeson wird über den Kopf gezogen und kann auch kreuzgesteppt sein.
    Dein Pinterest-Bild ist übrigens genau das, was ich im Kopf hatte! Haltnur mit einem Kettenhemd, dessen Ärmel bis zum Unterarm gehen (die müssen dann eng genug sein).
    Der gezaddelte, oberschenkellange Jupon in Wappenfarben wäre die Alternative zum Wappenrock. Und nein, Mi-Parti bedeutet, dass du eine Körperseite in der einen Wappenfarbe und die andere Körperseite in der anderen Wappenfarbe trägst. Oder geviertelt, wie der kurzärmlige Jupon des Schwarzen Prinzen (okay, der hat auch noch Goldstickereien, aber das war englische Royalty):
    http://mb-demo.nl/trc-needles/media/...eb19e52_XL.jpg
    Das ist um einiges einfacher, als noch Streifen drauf zu steppen.

    Stoffe: Eher matten Jacquard (wobei das bei Baumwoll und Leinen eh niemals krass-eklig glänzen kann). Jacquard ist nur eine Webart (großformatige Muster sind eingewebt), das sagt nichts über Material oder Glanz aus. Damast ist ähnlich, wobei der Musterrapport dabei kleiner ist. Wenn du einen nimmst, der einfarbig ist (sich also Kett- und Schussfäden nicht groß farbig unterscheiden), dann bleibt beim Einfärben das Muster natürlich erhalten, da es durch die "3D-Erhöhung" per dickeren Schussfäden gebildet wird. Mein Rüstwams ist z.B. aus Leinenjacquard von Leinen1A und ich habe es von beige nach rot gefärbt. Die helleren Partien des Musters blieben heller:
    http://condra.de/jdownloads/Versteck....JPG?width=600



    Nackter Hals: Dazu muss man wissen, dass Beckenhauben eigentlich immer ein Ketten-Aventail (runterhängender gefütterter Halzschutz) hatten, der alles vom Gesicht bis zum Schlüsselbein schützte.
    http://knyghterrant.com/index.php/20...t-maintenance/
    An einem Ritter, der sich am Anfang des 14. Jahrhunderts orientiert (Beckenhaube mit Nasal):
    http://api.ning.com/files/B5CafwmKlo...U/DSCF5501.jpg
    Die müsstest du dir übrigens selber herstellen...

    Ja, unterschiedliche Knöpfe ist ne gute Idee, wobei ich auf die Knebel verzichten würde und stattdessen diese mittelalterlichen Stoff-Knubbelknöpfe nehmen würde, aus dem Wollstoff der restlichen Kleidung, so als ob der Ritter seine Knöpfe hat durch billigere Stoff-Exemplare hat ersetzen müssen.

    Seide: Super! Aber was für ein Filz ist das? Polyester oder Wolle?

    Fuchsschwänze: Theoretisch vorstellbar, dass sich die in eine Gewandung einarbeiten lassen, die insgesamt mehr Richtung Fantasy geht, aber das ist Designtechnisch dann ein ganz anderes Kaliber, weil dann alles durchgestylt werden müsste, um sowohl die Ritterhaftigkeit zu erhalten und nicht zu sehr in Richtung Nordleute/Barbaren absacken zu lassen. Wenn ich die Fuchsschwänze einarbeiten MÜSSTE, würde ich eine Gugel mit großen Dreieckszaddeln planen und am Ende jeder bestickten Zaddel hinge dann ein Fuchschwanz. Problem ist halt, das dass Larpklischee mit Pelz/Fell außerhalb von Futter/Verbrämung eher andere Rollen verbindet.

    Borten: Ohne zu wissen, wie die aussehen, keine Aussage zu treffen. Allgemein sind Borten eher etwas, das man gezielt und sparsam einsetzen sollte und evtl. nicht als einzige Dekoration, sondern als Teil einer "Lagenaufbau-Rand-Verschönerung", da sie, wenn sie alleine an eine Kleidung gesetzt werden, eher "faul" aussehen und schlimmstenfall bei Glitzermaterialien billig (der Carbone oder Dornbluth-Effekt). Bäuerlich ist übrigens nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium - ich habe schon Wollumhänge gesehen, wo so eine typische Baumwoll-Folklore-Borte mit Blumenranken in dezenten Farben (beige-olivgrün auf olivgrünem Wollstoff, daneben eine dünne Pelzborte) gut ausgesehen hat.

    Tolko ist gut, Ebay ist gut (nur Achtung: Hände weg von Wollwalk, Walkloden oder Kochwolle, das sind alles Bezeichnungen für gestrickten Stoff), ansonsten StoffamStueck, höhere Qualität gibt es bei Naturtuche, Florence oder Anita Pavani. http://www.larpwiki.de/BezugsQuellen/Gewandung#Stoffe

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