Ergebnis 1 bis 9 von 9
  1. #1
    NelaBlack
    NelaBlack ist offline
    Grünschnabel

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    Charakterloser Charakter? Hilfe bei Anfängercharakter

    Morgen miteinander

    Folgendes: ich mache mir im Moment Gedanken über meinen ersten Chara, mit dem ich im Frühling/Sommer 2 oder 3 Tavernen besuchen werde, um erstmal bisschen reinzukommen (habe bisher 0 Erfahrung mit LARP).

    Grundsätzlich dachte ich mir, ich möchte ne Bauerntochter spielen, ungebildet ist sie trotzdem nicht sprich kann lesen& schreiben, aber keinerlei Kampf- oder Magiekenntnisse (das Setting ist low-fantasy und kann alles zwischen Abenteurer und Akademiemagier beinhalten).
    Vllt hilft sie beim Ausschank in eben jener Taverne (OT hatte mir dass ein Bekannter, der das Ganze organisiert, angeboten damit ich darüber nen leichteren Spieleinstieg bekomm).

    Nun zu meinem Problem: meinem Charakter fehlt "Leben". Ich hätte nen Namen, bisschen Hintergrund ala wer sind ihre Eltern, Geschwister etc, aber was mir fehlt sind Eigenschaften, typische Handlungsweisen, Beweggründe dies oder jenes zu tun...
    Ich weiß nicht ob ich sie mir charakterlich möglichst ähnlich gestalten soll, oder versuchen ziemlich gegensätzliche Eigenschaften zu mir zu spielen

    Meine Fragen an euch: wie habt ihr euch eure Charaktere erschlossen? Hat sich alles erst im Spiel entwickelt oder vorher geplant? Was könnte mir dabei helfen einem Anfängerchara mehr Persönlichkeit zu geben? Oder findet ihr ich mach mir zu viel Gedanken, und soll alles einfach auf mich zukommen lassen?

    Freue mich auf Antworten Tipps oder auch Hinweise was für ein typischer Anfänger ich bin
    MfG Nela
    ~ Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache

  2. #2
    Gerwin
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    Teilweise entwickelt, teilweise geplant.

    Beim der typischen Schankmagd braucht es aber nicht allzu viel Planung. Wichtig ist eventuell seinen Charakter nicht allzu weit von sich selbst zu wählen. Jemand im realen Leben schüchternes bringt die fesche Schankmagd nie gut rüber, und ein realer Draufgänger wird sich mit einer schüchternen Charakterperson am Anfang schwer tun.

    Vorgeplant habe ich eigentlich aktiv nur bei Gerwin. Und das auch nur weil der Charakter bewusst ein extremer werden sollte. Vom lesen und schreiben rate ich aber bei einer Bauerstochter ab.

  3. #3
    Section31
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    Fingerwundschreiber

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    Hallo Nela,

    die meisten Charaktere haben eine Schnittmenge von 50-100% mit ihrem Spieler. Viele "spielen" sich selbst, weil das am einfachsten ist. Bei den meisten sind bestimmte Charaktereigenschaften verstärkt (z.B. große Klappe, Ängste vor bestimmten Dingen, o.ä.). Die allerallerwenigsten spielen einen Charakter, der so gar nicht dem Spieler entsprechen, weil das auf Dauer einfach zu anstrengend ist.

    Also ich plane einen neuen Charakter immer nur sehr grob und nehme mir vor, ihn auf eine bestimmte Art und Weise zu spielen. Ob das überhaupt so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, sieht man dann auf den ersten Cons. Üblicherweise brauche ich ca. drei Cons, bis ich einen Charakter eingespielt habe und er sich "richtig anfühlt". In dieser Zeit kann man noch Korrekturen vornehmen.

    Kleines Beispiel: als ich damals einen Nordmann angefangen habe, hatte ich mich selbst vor die Wahl gestellt, ob er entweder lispelt oder nur Norsk (eine für's LARP vereinfachte Form von Norwegisch) spricht. Ich habe mich dann für Norsk entschieden, und ein paar Sätze auswendig gelernt. Aber ich wusste zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht, ob ich das Norsk ein ganzes Wochenende durchhalten würde. Auf der ersten Con hatte das aber prima funktioniert und deshalb habe ich es beibehalten.

    Anderes Beispiel: mein Battlestar Galactica Charakter war ein nur sehr grob ausgearbeiteter NSC und IT sehr verschlossen. Erst sehr viel später (nach 5 Cons) habe ich beschlossen, einen Hintergrund für den Char zu schreiben. Dabei hatte ich mir überlegt, ob der Char vielleicht Rassist ist. Ich habe das auf der nächsten Con mal ausprobiert und für mich festgestellt, dass ich das nicht spielen kann und will. Also habe ich die Idee fallen gelassen und ihm andere Charaktereigenschaften gegeben.

    Zusammenfassung: Ich empfehle eine nur grobe Vorplanung, dann ausprobieren und dann festlegen. Charaktere verändern sich im Spiel (wenn man das als Spieler möchte bzw. zulässt).

    Ich hoffe das hilft dir weiter.

    Liebe Grüße,
    Section31
    In God we trust, the rest we monitor

    USS Atlas - Star Trek LARP - www.uss-atlas.de
    Königreich Wenzingen - Fantasy LARP - www.wenzingen.de

  4. #4
    Nount
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    Ich suche mir gern Film- oder noch besser Serienfiguren als Vorbild. Von denen kann man sich Sprechweisen, Haltung, Gestik und Verhaltensweisen abgucken, das geht bei Buchfiguren nicht so gut.

    Was sich davon in der Praxis umsetzen lässt, entwickelt sich bei mir erst nach und nach. Man kann sich auch erstmal ein bestimmtes Merkmal raussuchen, versuchen durchzuhalten und später ergänzen. Als Inspiration könnte man sich z.B. Listen mit Charaktereigenschaften anschauen.
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
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  5. #5
    oliverp
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    Ich bin da bei Nount: Überleg dir 5 typische Redewendungen, vermeide am Satzbeginn "Nuuuun..." und 3 oder 4 typische Posen/Körperhaltungen des Charakters. Dann spielst du schon im oberen Drittel.

    Bei den Charaktereigenschaften sollte man Leute mal fragen, die sehr ehrlich zu einem sind; der klassiker bei Spielerinnen unter 20 ist zB "sehr schlagfertig", was sich dann meist ganz fies rächt in einem anderen und diverseren Umfeld als der normalen Schule etc.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
    Jean-Jacques Rousseau

  6. #6
    NelaBlack
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    Grünschnabel

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    Vielen Dank! Das klingt machbar, kein festes Konzept auszuarbeiten sondern sich im Spiel mitzuentwickeln
    Serienfigur als Vorbild suchen finde ich auch interessant, vielleicht auch grade um sich Schwächen/Ängste abzuschauen?

    Als "sehr schlagfertig" würde ich mich kaum bezeichnen, eher "sehr anpassungsfähig", und somit nicht gut bzw sehr unterschiedlich zu charakterisieren

    Ich freu mich natürlich auch über noch mehr Erfahrungswerte und Tipps für anfänger - lg Nela
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  7. #7
    oliverp
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    Eine weitere Möglichkeit sich selbst zu orientieren ist "Method Acting light". Dabei memoriert man eine abstrakte Figur und versucht ihre generischen Eigenschaften zu übernehmen; also sie nicht nachzuspielen, aber impressionistische eindrücke davon zu übernhemen. Humoristisch/satirisch ist das "spiel einen Stuhl/Baum". In der Praxis ist es eher, seinem Verhalten eine Färbung zu geben zb "Bärig" - das bedeutet dann, keine direkten Bewegungen zu übernhemen, sondern sich eher auf ein assoziertes Körpergefühl zu fixieren.

    Ih bringe zB Leuten im Kundenservice gern bei, dass sie an Balu den Bären denken sollten (nicht mitsummen), wenn ein Kunde sehr aufgebracht ist. Allein das Denken an das Vorbild sorgt schon dafür, dass die Person ruhig bleibt.
    Das hat mehrere Gründe, einer davon ist die Verlagerung der Spiegelneuronen auf ein anderes Problem, dadurch kann man auch im Larp besser in der Rolle bleiben.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

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  8. #8
    Dutch
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    @Oliverp: Danke für den schönen Hinweis.
    Das hat mich gleich wieder an ein paar Ideen aus einem VHS Workshop erinnert. Zum Beispiel dass man sich einen Körperteil überlegen kann, welcher für die gedachte Rollle die Führung übernehmen soll.
    Ich hatte mich z.B. für den Ellenbogen entschieden. Die Rollenidee, die sich aus diesem Körpergefühl entwickelte, war ein Business-Man (der sich mit Ellenbogen-Mentalität durch alles durcharbeitet).
    Ein anderer Teilnehmer hatte sein Kinn als Anführer gewählt. Das Ergebnis war eine Rolle mit leicht herrischem Wesen, die die Welt eher von oben herab betrachtet.
    Für mehr Western im LARP: LarpWiki: WesternLarp

    Cons, Orgas, Aktuelle Infos: Facebook-Gruppe "Western LARP Bayern"
    Gone, but not forgotten: Buffalo Hill 1888

  9. #9
    Calum MacDaragh
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    Gute Charaktere im Buch oder im Film wollen immer irgendwas - überleg Dir, was Dein Charakter will. Romeo will Julia für sich gewinnen, Indiana Jones will das Artefakt, Neo will die Matrix verstehen. Das muss nichts Weltbewegendes sein, aber wollen will jeder was. Das Objekt Deiner Begierde sollte möglichst konkret sein und nicht bloß abstrakt (also: "Will die Bundeslade finden" und nicht "Will von zu Hause weg" oder "Weltfrieden").

    Überleg Dir, was das Schlimmste ist, was Dein Charakter je getan hat. Das lotet seine moralischen Grenzen nach unten aus. Gleiches gilt für die beste Tat, die Dein Charakter je getan hat.

    Alle guten Helden haben auch einen Bruch in ihrer Biografie. Ausgelutscht: Tod der Eltern (Harry Potter und die Armee der Klischeecharaktere). Was kann Deinem Charakter Schlimmes passiert sein, dass er heute noch daran zu knabbern hat? Hat er mal eine beste Freundin betrogen? Den Tod eines Angehörigen verschuldet? Etwas gestohlen und ist dafür bestraft worden? Ist er mal ungerechterweise für etwas beschuldigt und bestaft worden, was er nicht getan hat?

    Was kann Dein Charakter besonders gut? Charaktere sind dann sympathisch, wenn sie irgendetwas besonders gut können. Luke Skywalker kann besonders gut Droiden reparieren. Will Turner ist ein besonders guter Schmied. Was kann Dein Charakter besonders gut - idealerweise ist das auch etwas, was im Larp im Spiel auch vorkommt (Tipp: Droiden reparieren ist es eher nicht... ;-) ).

    Alle diese Informationen sollen in erster Linie Dir helfen, Deinen Charakter zu erforschen, die müssen nicht unmittelbar im Spiel vorkommen. Niemand wird Dich fragen, ob Dir mal ein Unrecht wiederfahren ist. Es wird vielleicht nie im Spiel rauskommen, dass Du damals Deine Freundin aufs Eis gelockt hast und sie dann eingebrochen und ertrunken ist. Aber wenn Du Deinen Charakter so für Dich beschreibst, dann kann das Dein Spiel und die Entscheidungen, die Du in der Rolle triffst, beeinflussen und Dir dabei helfen, in den Charakter einzutauchen.
    Na diobair caraid's a charraid!
    www.daracha.de

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