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  1. #1
    Gerwin
    Gerwin ist offline
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    Gewandungs und Ausrüstungstipps für Einsteiger

    Aufgrund eines dezent Hinweis mal der Versuch eines Leidfadens

    A. Am Anfang war das Konzept

    Bevor überhaupt über Ausrüstung nachgedacht werden kann braucht es ein Konzept. Es gibt kaum einen Ausrüstungsgegenstand der für jedes Konzept gleich passt. Die Frage "Soll ich Ausrüstungsgegenstand XYZ kaufen" kann somit nicht ohne Auskunft über das Konzept erfolgen. Meistens langt das Konzept "Krieger" nicht. Normale Fantasycons umfassen fast 1600 Jahre Entwicklungsgeschichte...und in dieser Zeit hat sich die Ausrüstung extrem verändert.

    B. Dann braucht es Kleidung

    Natürlich ist Kleidung für viele Larper zu Beginn erst einmal uninteressant. Wir alle tragen in unseren Alltag Kleidung, aber nicht jeder von uns trägt eine Rüstung, rennt mit dem Schwert durch die Fußgängerzone oder wirft Feuerbälle. Dennoch ist es meist die Kleidung die über den ersten Eindruck des Charakters entscheidet. Die schönste gothische Vollplatte nützt nicht viel wenn der Ritter darunter T-Shirt und Lederhose oder billige Standardkleidung trägt. Solltet ihr nicht über eine Ausbildung zum Schneider verfügen, keine Spitzenklassenähmaschine zu Hause haben, sollte eure Mutter euch etwas erzählen wenn ihr sie fragt ob sie euch mal eine Tunika näht und ihr nicht in der Welt der Burda-Schnitte zu Hause sein hilft nur ein Weg zum Händler. Ich will versuchen möglichst die anfängerfreundlichen zu nennen, immer mit kurzer Beschreibung. Eines vorweg. Jeder dieser Läden hat seine Vor- und Nachteile. Vorgabe der Überlegung war es eine komplette Gewandung ohne Schuhe für unter 200 Euro zu bekommen:

    Das tapfere Schneiderlein Vorteil: brauchbare Ware zum recht günstigen Preis, in der "Larpszene" bekannt und für gut befunden.

    Nachteil: Historische Richtigkeit darf man hier nicht erwarten. Teilweise sehr lange Lieferzeiten.

    GDFB

    Vorteil: Recht schöner Wams zum kleinen Preis

    Nachteil: Keine Maßfertigung möglich.

    Medival Market

    Vorteil: Humane Lieferzeiten, Maßanfertigungen möglich, gute Einstiegsqualität

    Nachteil: Für den Anfänger meist schon zu teuer.

    atelier saheela

    Vorteil: Nach berichten Dritter sehr freundlicher Kontakt, gute Qualität.
    Nachteil: Recht teuer, keine eigenen Erfahrungen.

    Eher ungeeignet sind für den Einstieg Massenausrüster die alle die gleiche Kleidung verkaufen. So etwas kann man zwar benutzen...jedoch fehlt am Anfang oft der Blick für Kombinationsmöglichkeiten. Wichtig ist dass zunächst wert auf eine gute Bekleidung des Oberkörpers gelegt wird, OT-Schuhe sind kein Verbrechen und auch eine normale Wollhose kann notfalls getragen werden. Wichtig ist jedoch immer eine Kopfbedeckung.

    C. Jetzt wird es interessant, Rüstung und Rüstungsteile

    Zumindest wer kämpfen will denkt früher oder später über eine Rüstung nach. Hier sollte man (außer der Charakter ist todesmutig oder spielt einen Sigmariten) logisch vorgehen...und beim Kopf anfangen. Helme gibt es inzwischen recht günstig zu kaufen, und die meisten taugen auch etwas. Eine kleine, rein subjektive, Einschätzung der Marktlage:

    Zeughaus

    Gerade das günstigste was man einen Anfänger empfehlen kann. Standard eben, und so sieht es auch aus. Dennoch bekommt man für sein Geld brauchbare Qualität fürs Larphobby (Schaukämpfer oder Reenactor mit so etwas würde ich als lebensmüde bezeichnen).

    GDFB

    In meinen Augen derzeit "Goldstandard" für Anfänger. Ich habe selbst einige Helme von diesen Hersteller besessen und war eigentlich immer zufrieden. Der Kopf wird auch OT halbwegs geschützt...und in der großen Produktreihe ist eigentlich für jeden was dabei.

    Die Plattnerey

    Für Leute die etwas mehr wollen. Günstige Helme nach Wunsch...und mit entsprechender Wartezeit.

    Habt ihr euren Helm gefunden könnt ihr bei entsprechender Waffenwahl schon kämpfen. Für diejenigen die mehr wollen gilt:

    Jede Rüstung braucht Unterkleidung.

    Diese Unterkleidung kann aus einer sehr dicken Tunika oder einen Gambeson beim Kettenhemd bestehen und geht bis zu einen maßgefertigten Edelrüstwams für den Landsknecht der etwas auf sich hält. Brauchbare Gambesons bekommt ihr hier von der Stange sowie bei Medival Market nach Maß. Eher abzuraten ist von einen Billiggambeson mit Polysterfüllung...denn in diesen werdet ihr schwitzen was gerade in der Schlachtreihe nicht sonderliche angenehm ist.

    Erwartet bei diesen Anbietern keine Wunder. Ein wirklich guter, handgefertigter Gambeson kostet 300 Euro aufwärts...und ist für einen Anfänger nicht erschwinglich.

    "Körperrüstung":


    Ein schwieriges Thema ist die weiterführende Körperrüstung. Einen günstigen Einstieg bietet hier ein Kettenhemd, welches möglichst vernietet sein sollte um sich selbst die Erfahrung von löchrigen Kettenhemden zu ersparen und den Mitspielern einen optischen Gefallen zu tun. Gute, komplett vernietete Kettenhemden bekommt man heute ab ungefähr 200 Euro. Meist ist eine nicht verzinkte Version besser als eine verzinkte, und auch auf eine "Brünierung" sollte man in dieser Preisklasse besser verzichten.

    Was Plattenrüstung angeht gibt es im Moment vor allem einen sehr günstigen Anbieter erneut die Plattnerey. Erwartet hier keine Wunder, für den großen Ritter wird dieser Laden kaum ausreichen. Für Menschen die etwas mehr Geld anlegen wollen hilft Eysenkleider und die Ritterschmiede. Was einen persönlich besser gefällt ist in erster Linie Geschmack.

    Es ist jedoch extrem davon abzuraten gleich zu Beginn viel Geld für eine Rüstung auszugeben. Gambeson und Helm langen vollständig.

    D. Die Waffenwahl

    Die Waffenwahl ist auch von euren Charakter abhängig. Ein stolzer Wikinger würde nie einen Landsknechtbidenhänder zur Hand nehmen, und ein Landsknecht eher selten ein Ritterschwert. Es gibt jedoch Grundregeln zu beachten.

    1. Zweihandschwerter setzen meist eine gewisse Rüstung voraus.

    Ich bin nicht Talhoffer, du bist nicht Talhoffer, und dein gegenüber ist auch nicht Talhoffer. Wir sind keine Fechtmeister. Somit werden wir im Kampf mit den Zweihänder durch eine recht geringe Reichweite für eine Zweihandwaffe oft getroffen. Trägt man nun keine Rüstung ist der Kampf gegen einen Stangenwaffenträger oder einen Schildkämpfer meist schneller vorbei als er begonnen hat. Und keiner hat Spaß.

    2. Eine Langwaffe ist auch mit geringer Rüstung einsetzbar

    Langwaffen dienen dazu den Gegner auf Abstand zu halten. Ein Roßschinder, eine Hellebarde oder ein Speer sollte meist keine schlechte Wahl sein. Wichtig ist hier dass du versuchst deinen Gegner eher am Oberkörper, den Schultern und je nach Regelwerk den Armen/Händen und nicht an den Beinen zu treffen, das könnte als Beinfuchteln verstanden wären. Gute Langwaffen findest du bei Wyvern, aber für den Anfang tut es auch der günstigere Celtic Market sowie fast jeder Waffenhänder. Meist lohnt sich der Gang zum "Spezialisten.

    3. Schild und Einhandwaffe:

    Auch mit Schild und Einhandwaffe ist es möglich gut zu kämpfen ohne viel Rüstung zu tragen. Die Schildgröße ist im Larp ziemlich umstritten. Meiner Meinung nach hilft es einen Schild mit einer Größe zu wählen die deine Körpergröße Minus 100-120 cm darstellt. Dass ist jedoch eine Maximalangabe, kleiner geht immer. Wichtig ist wieder dass der Schild zum Charakter passen sollte. Einen Rat welchen Schild du wo genau kaufen sollst kann man nicht geben, hier spielen zu viele Vorlieben mit hinein. Als kleiner Geheimtipp sei hier auf die Schilde von Rabenschnabel hingewiesen welche offenbar auch höhere Qualitätsansprüche befriedigen.

    Ich hoffe etwas Licht in den Ausrüstungsdschungel gebracht zu haben....und vielleicht den ein oder anderen Euro weg von Standardresellern zu ziehen.

    Eine Diskussion ist freigegeben und erwünscht, bei entsprechenden Anmerkungen bin ich gerne bereit den Ausgangspost zu editieren.

    Grüße

    Gerwin

    edit:

    Der Titel war falsch

  2. #2
    EricPoehlsen
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    Erst einmal danke für diesen ausführlichen Artikel. Er bietet eine schöne Übersicht zu einigen der interessanten Bezugsquellen.

    Vielleicht magst du noch Leidfaden zu Leitfaden machen?

  3. #3
    Cartefius
    Cartefius ist offline
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    Finde ich gut soweit. :-)

    Hier mal ein Vorschlag, wie ich einige Absätze noch ausbauen würde:
    Zusatz zu Absatz A:
    "Auch wenn viele Larpläden suggerieren, dass ihre Sachen zu allem passen und immer eine gute Wahl sind, ist das nicht der Fall: Viele dieser Stücke wie Piratenhemden, Lederarmschienen oder Trinkhörner sind eigentlich nur zu sehr wenigen Konzepten sinnvoll, und ein "passt immer" bedeutet meist ein "passt nie richtig". Deswegen: Arbeite erst ein klares Konzept, ein deutliches Bild des Charakters aus, bevor du anfängst Zeug zu kaufen. Hier im Forum findet sich eigentlich immer jemand, der dir gerne und ausführlich Feedback zu deiner Charakteridee gibt.

    Eine weitere wichtige Frage ist, wieviel Budget man zur Verfügung hat. Gerade Waffen und Rüstung können schnell sehr teuer werden, und wenn man am falschen Ende spart, muss man häufig vieles zweimal kaufen. Als grobe Richtlinie sollte man für einen einfachen Nichtkämpfer-Charakter in schlichter Klamotte so etwa ab 200 Euro rechnen, bei einem vollwertigen Krieger, Adligen oder Exoten wie einem Elf sind hingegen die 1000 Euro auch ohne große Extrawürste schnell überschritten.

    Versucht bei der Vorstellung eures Charakterkonzepts zu überlegen, welches Budget euch realistisch kurz- und langfristig zur Verfügung steht und ob ihr Zeit, Kenntnisse und Lust habt, Geld zu sparen indem ihr Dinge selber näht oder aufwändig auf Flohmärkten und ähnlichem nach "Schnäppchen" sucht. Hier direkt von Anfang an geschickt zu planen kann hunderte Euro an Fehlkäufen ersparen."

    Zusatz zu Abschnitt B:
    "Bei der Kleidungswahl erstmal abzuraten ist von Baumwoll- und Lederkleidung, weil hier viel in schlechter Qualität angeboten wird, die man als Anfänger oft nicht erkennt, außerdem hapert es bei Baumwolle an der Wetterfestigkeit. Auch von schwarzen Kleidungsstücken sollte man als Einsteiger Abstand nehmen, da viele Low-Budget-Anbieter in erster Linie auf schwarzer Klamotten setzen wirkt das häufig billig und pseudocool."

    Zusatz zu Abschnitt C:
    "Lederrüstung: Lederrüstung ist ein schwieriges Thema, sie wird von diversen Händlern zwar gerne als "Standardrüstteil, das Schutz und Beweglichkeit bietet" angepriesen, die meisten Larplederrüstungen sind allerdings von zweifelhafter Qualität, passen stilistisch zu den wenigsten Charakteren, und bieten nur wenig glaubhaften Schutz. Deswegen ist vom Kauf von Lederrüstung, ohne sich vorher gut informiert zu haben, erstmal abzuraten."

    Zusatz zu Abschnitt D:
    "Eine Waffe ist entgegen gängigen Vorurteilen nicht unbedingt nötig, wer nicht vorhat, einen vollwertigen Kämpfercharakter zu spielen, ist ohne Schwert im Gürtel meist genausogut aufgehoben. Auch hier gilt ebenso wie bei Kleidung, dass eine Waffe zum Charakter passen sollte, das verschnörkelte Dunkelelfenschwert passt zum einfachen Söldner genausowenig wie die Riesendoppelaxt zum Abenteurer. Wer nicht sicher ist, sollte sich beraten lassen und bevorzugt zu schlichteren Designs greifen."

    Gegen Ende:
    "Vermutlich fällt bei der Liste schnell auf, dass Standard-Larpreseller mit großem Sortiment wie Mytholon oder Dein-Larp-Shop in der Liste fehlen. Das hat gute Gründe, da diese Läden zu großen Teilen auf massenproduzierte Standardware setzen, die oft nicht sinnvoll, für die gebotene Qualität verhältnismäßig teuer, und stilistisch langweilig und für viele Charaktere unpassend ist. Natürlich gibt es da auch ordentliche Sachen im Sortiment, die Spreu vom Weizen zu trennen fällt aber insbesondere Einsteigern meist nicht leicht."

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