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  1. #1
    Garahn
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    Gewandung für Edelknecht/Junker?

    Hallo Leute,

    derweil arbeite ich daran, meinen Waffenknecht auf seine "Beförderung" in den Stand des Edelknechtes oder Junkers vorzubereiten.

    Er entstammt einer Familie, die man als Freibauern mit (reichlich) Land bezeichnen kann. Für die Ritterschaft hat's aber dennoch nicht gereicht. Als zweiter Sohn steht ihm auch kein Erbe im Sinne von Land zu. Alles was ihm zu Verfügung steht, sind eine kleine Abfindung und die Abkunft niederen/niedersten Adels.
    Er wird sich daher weiterhin im Gefolge anderer Adliger aufhalten (in diesem Fall ein Freiherr).

    Grundsätzlich möchte ich mich am Hochmittelalter (ca. 1150-1250, in Details vielleicht auch etwas später) orientieren.
    Das bespielte Lehen ist eher ärmlich und rückständig, so dass wir hier die "veralteten" Kettenhemden und einfache Cotten mit Beinlingen beibehalten wollen.

    Meine Frage ist daher, wie ich im Rahmen dieser Vorgaben einen armen Adligen ausstatten soll/muss/darf?
    Im Detail: wie aufwändig und "teuer" darf/muss die Gewandung aussehen?

    Konkrete Fragen dazu:

    1.) Farbauswahl beim Stoff
    Gesetzt sind Blau und Gelb. Hinzu käme evtl. noch Rot.
    Ich würde gerne bei Krapprot bleiben, bin mir aber nicht sicher, ob's "zu arm" ist.
    Alternativ stehen ein Feuerwehrauto-Rot und ein Burgunder-Rot (geht leicht ins Lila) zur Verfügung.


    2.) Verzierungen an der Gewandung
    Brettchenborten, Zierborten (kenne da bisher nur diese Lurex-Dinger und Co.) oder einfach nur farbige Besätze?
    Stickereien habe ich zwar schon überlegt, liegt aber außerhalb meiner (handwerklichen) Möglichkeiten.
    Ziernähte krieg ich per Hand aber noch hin


    3.) Schmuck
    Auf kostspieligen (Zier)Schmuck würde ich eigentlich gerne verzichten. Ausnahmen sind nützliche Elemente wie ein Fürspan fürs Hemd oder ähnliches.


    Für ein paar Anregungen und Tipps wäre ich sehr dankbar.






    Da ich grad kein aktuelle Bild zur Hand habe, hier mal ein kurzer Überblick über die vorhanden Gewandung:
    Bruchen (Leinen, natur)
    Leibhemden (Leinen, natur und eins in grün)
    Beinlinge (Wolle, krapprot oder Wolle, braun)
    Schulterkragengugel mit kurzem Schwanz (Wolle, krapprot, Leinenfutter natur)
    Cotte (Wolle, senfgelb, fischgrat, gelbes Leinenfutter)
    Surcot / Waffenrock (Wolle, blau mit gelbem Saum bzw. Wolle, blau mit Leinenfutter, natur)
    Bundhaube (Leinen, natur)
    Pilgerhut (Filz, braun) oder eine Kappe (Filz, braun mit Leinenfutter natur) sind vorhanden
    Halbkreismantel (Wolle, blau mit Leinenfutter, natur)

    Bisher alles unverziert.

    Als Wetterkleidung sind vorhanden:
    einfacher Rechteckmantel, vernäht, also ohne Fibel (Loden, braun mit Wollfutter, natur)
    Halskragengugel ohne Schwanz (Loden, braun mit Wollfutter, natur)
    = diese Sachen werde ich sicherlich "aussortieren, da sie sehr einfach ausschauen

    Kleidung kann verändert/verziert oder auch neu angefertigt werden (die entsprechenden Stoffe sind jeweils noch meterweise vorhanden).


    Rüstzeug/Waffen:
    Kettenhemd und Kettenhaube mit Mundlatz (Flachringe, gestanzte/vernietet Ringe, unbehandelt)
    Eisenhut (schmale Krempe) oder Spangen-/Nasalhelm.
    Gambeson + Polsterhaube + Diechlinge (Leinen, natur mit Wollfutter)
    Kurzschwert, einfacher Streitkolben, gr. Schild (normannisch, oberer Rand abgeflacht)

  2. #2
    Maria
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    Andersfarbige Besätze fände ich passend. Bloss keine Borten, wenn du keine Seiden-Brettchenborten nehmen willst. Ziernähte im Sinne von "Vorstiche mit Abstand" würde ich lassen, das sieht eher ärmlich aus.

    Aufwändige Stickerei wäre allerdings absolut das, womit du armen Adel darstellen könntest, denn die anderen Hochmittelalter-Reichtums/Adelsanzeiger sind entweder nicht larptauglich (Pelzfütterung) oder passen nicht zum armen Adel, da diese als Abgrenzung nach oben funktionieren (Brokate, Perlen, Metallelemente, Goldfäden, bestickte Seidenbesätze).

    Was die Farben angeht: Wie blass ist das Krapp? Je mehr ins bräunlich und je blasser, desto mehr sieht es nichtadlig aus, zumindest für unsere modernen Augen. Leuchtende Farben verbindet man halt auch mit "Wappen", "Aufmerksamkeit erregen" und "Reichtum"

    Schmuck: Ring, Fürspan, Brosche für den Hut - reicht imho

    Was ich komplett weglassen würde, sind der Pilgerhut und die Kappe, da gerade Kopfbedeckungen sehr viel vom Eindruck mittragen. Ein simpler Woll-Zinnenhut in einer anderen Farbe als Braun wäre die bessere Wahl.
    Die Wetterkleidung würde ich durch einen schicken, bunten Gardecorps ersetzen. Und bunte "Falkner"-lange Handschuhe (mit Troddel!)

    Was das Rüstzeug angeht: Historisch wahrscheinlich Blödsinn, aber die Larp-Assoziation zum Eisenhut ist "Wachmann", "Soldatin" oder "Waffenknecht", daher plädiere ich, den Nasalhelm zu verwenden. Ebenso wie der obligatorisch Waffenrock zu einem Larp-Adligen fast dazu gehört.

  3. #3
    Tee
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    Ich finde Kelmons Ansatz (u.a. für sein Tanzball Gewand -> "Florent du Lac") für sowas sehr gut.
    Nicht mit aufwändigen Verzierungen zu arbeiten, sondern den Grundschnitt um Material erweitern (sprich Gêren einsetzen beim Obergewand, Gugelende verlängern, längerer Gürtel, etc.). Der begüterte Mann kann sich 5m mehr Stoff leisten, aber eben keine Verzierungen aus edleren Materialien.
    Dazu Einzelstücke in kräftigeren Farben.

  4. #4
    Kelmon
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    Speziell bei der gewählten Zeit hat man es mMn damit sehr einfach, eine auch halbwegs begüterte Person darzustellen (reicher Bauer, armer Ritter, Stadtbürger), da die Mode einfach generell eher schlicht war. Zumindest in den Bildquellen sehe ich auch beim Adel keine Verzierungen mit Stickereien, Besätzen, Perlen, etc, oder zumindest eher selten. Das nimmt ca. erst in der Zeit der Pest Überhand.
    Als wichtigste Standesanzeiger würde ich für die gewählte Zeit die längere Kleidung sehen, die Qualität der Färbung (wobei es für den einfachen Ritter jetzt wirklich kein Kermesrot und Indigoblau sein muß), und eben die diversen nötigen Gegenstände, wie eben ein Schwert in entsprechender Scheide.

    Eine aufwendige Weise, wie man den verarmten Status darstellen könnte, wäre natürlich, viele halbwegs aufwendige Gewandungsteile zu haben, und diese dann auf ärmer zu trimmen. Wenn beispielsweise sichtbar eine Seidenborte oder eine Reihe von Perlen aus der Kleidung getrennt wurde, um sie zu verkaufen, aber man trotzdem eine große Auswahl an Kleidung besitzt.

    Zu guter Letzt ist es auch eine Frage des Spiels: Sozialer Abstieg heißt ja nicht, daß man seine Manieren, sein Wissen und seine Gepflogenheiten ändert. Während aber der offensichtlich reich aussehende Ritter es sich leisten kann, auch mal wie ein Bauer zu wirken (er ist dann eben "grob gestrickt"), ohne nicht als Ritter wahrgenommen zu werden, muß der weniger ritterlich wirkende Ritter sehr darauf achten, in seinem Handeln dies auszustrahlen.


    @Tee: Das mit dem "besser betucht sein" ist natürlich völlig richtig, aber ist je nach aktueller Mode (in dem Fall Hochmittelalter) teils nur begrenzt durchführbar. Meine Gewandung stammt eben auch aus einer Zeit, als Priester sich darüber aufregten, daß "die Jugend von Heute sich 30 Geren ins Gewand setzt". Ich würde schätzen, daß der Unterschied zwischen Bauer und Adel in der hier relevanten Zeit auch nicht mehr als 4 Geren oder so betrug. Ich würde da "ich kann mir mehr Stoff leisten" vielleicht eher durch mehr verschiedene Kleidungsstücke ausdrücken.
    Geändert von Kelmon (20.11.2013 um 12:41 Uhr)
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  5. #5
    Garahn
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    Hallo,

    @Maria:
    Das Krapprot geht ins Orangerote. Ist der Wollstoff von naturtuche.de.
    Da mir der Stoff sehr gut gefällt und die anderen Wappenfarben schon kräftig ausfallen (sonnengelb und indigoblau), tendiere ich ja dazu, diesen Stoff weiter zu nutzen. Außerdem wären dann die Beinlinge schon fertig.
    Am Dienstag kriege ich aber noch etwas roten Reststoff eines Bekannten zu sehen.
    Pilgerhut/Kappe/Wetterkleidung wird aussortiert (die waren tatsächlich nur für eine knechtsche Darstellung gedacht). Den Eisenhut werde ich evtl. als "Zweithelm" weiternutzen. Er hat sich einfach als sehr praktisch erwiesen.
    Als dritte Variante stünde noch ein Spangenhelm (runde Kalotte) mit Gesichtsplatte zur Verfügung. Trägt bisher der NSC-Markgraf.
    Bild davon habe ich derzeit nur im ning verfügbar: http://larper.ning.com/photo/graf-ei...-baron-laertes

    Gardecorps finde ich schon ein wenig "modern"; muss mich da aber nochmal mit beschäftigen. Erstmal tut's der Halbkreismantel.

    @Kelmon:
    Ich werde mich deiner Grundmeinung anschließen. Es wird wadenlange Kleidung geben, verschiedene Kleidungsstück (Lagen bzw. Wechselkleidung). Geren + Reitschlitze und farbige Besätze (an Säumen) zur Zier.

    Die Idee mit der Seidenborte ist auch gut. Allerdings habe ich da noch keine passenden Borten gefunden. Bisher nur Sariborten oder Seidenbrettchenborte im Wiki-Style.

    Als Kopfbedeckung schwebt mit eine etwas aufwändigere Kappe vor. Entweder eine Art Zinnenhut oder eine entsprechende Verzierung durch Borte (dabei würde ich evtl. auf vorhandene Brettchenborte zurückgreifen).

    Schwierigkeiten wird mir noch die Schwertscheide bereiten.
    Eine ordentliche Lederscheide ist vorhanden. Die ließe sich evtl. mit Stoff belegen.
    Eine ganz neue in Eigenarbeit wird's wohl nicht werden - da muss ich mich noch nach fähigen Leuten umsehen.

    Auf jeden Fall schonmal besten Dank für die Ideen und Tipps. Weitere sind willkommen!

    Die Planung nimmt langsam Formen an.

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