Ein paar Gedanken zum "Char-Konzept Barbar" (in Anführungsstrichen deshalb, weil es mE keine sinnvollen Ein-Wort-Konzepte gibt, mir aber kein besserer Begriff einfällt...)
Mit "Mögliche Umsetzung im LARP" (s.u.) meine ich, wie ein nicht-barbarischer Char das Wort Barbar IT benutzen kann (im Sinne einer kulturellen Zuordnung, nicht wegen schlechter Tischmanieren); eine "allgemeingültige OT-LARP-Definition" ist mE weder möglich noch wünschenswert.
Reine Klischee-Barbaren alla Conan respektive Cohen (Pratchett-Persiflage) lasse ich mal außen vor; das Volk, aus dem Conan stammt, erschien mir (ich kenn nur den ersten Film...) historisch betrachtet arg frühmittelalterlich, und das wird unten subsumiert, aber das macht Conans Charakter nur unwesentlich aus. Conan ist im Grunde der Held aus dem Bilderbuch, der im LARP schlicht nicht umzusetzen ist: Der entwurzelte, gnadenlose, perfekte Kämpfer auf dem Feldzug nach Ruhm, Rache oder dem "Most temple destroyed in one year"-Preis.
Hier also einige alternative Erklärungen (kurz angerissen):

Die realistisch-antike Vorstellung
Alle Menschen, die nicht zur griechischen, später zur griechisch-römischen Welt gehörten, galten als Barbaren. Festmachen lässt sich das zuerst an der Sprache: "Barbar" kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Stotterer bzw. (glaub ich mal gelesen zu haben...) ist lautmalerisch: Der, der nur barbar= blabla sagt. Bei näherem Hinsehen ist dies wohl Ausdruck der kulturellen Unterschiede (griechisch-römische Götter, Polis-Kultur bzw. urbane römisch Kultur). "Barbaren" waren damit auch die viel älteren Kulturen Vorderasiens, und der prunkvoll-luxuriöse Lebensstil der Oberschichten des Orients wurde von vielen Griechen und Römern als barbarisch betrachtet, während andererseits gerade diese Pracht für die östlichen Kulturen Ausdruck der Zivilisation war. (Und auch Griechen und Römer übernahmen gerade diesen Luxus, wo immer sie konnten, barbarisch hin oder her...)

Mögliche Umsetzung im LARP: Alle Völker außerhalb der "Normzivilisation", also dem typischen Pseudo-Mittelalter oder anderer bespielter Epoche sind Barbaren, sowohl unzivilisierte Orkstämme als auch Pseudo-Araber oder Fast-Japaner. Problem ist, dass die griechisch-römischen Kulturen nicht bespielt werden, und das europäische Mittelalter nichts mit diesen zu tun hat; sowohl in gesellschaftlicher Hinischt (der gespielte Pseudo-Feudalismus würde viel eher zu den Persern oder Germanen passen als zu den Griechen und Römern) als auch im oft sehr "spartanischen", schmucklosen Stil der klassischen Antike, welches mE die wenigsten als LARP-Ideal sehen wollen.

Etwas differenzierter
Ein deutlicheres Barbarenbild aus der Antike tritt einem (zumindest mir) entgegen, wenn man nur an die "wilden Barbaren" der römischen Überlieferung denkt. Das wären dann eher die Krieger der Kelten, Germanen, Daker und wie sie alle heißen, im Gegensatz zu disziplinierten römischen Legionären. Auch die Nomadenvölker der Steppe wie die Hunnen kann man darunter fassen, auch wenn mir da einfach die Pferde fehlen, um ein vollständiges Bild abzugeben.
Selbst die Wikinger des Frühmittelalters können hierunter subsumiert werden, stehen sie doch in ähnlicher Tradition wie ihre südlichen Verwandten, die Germanen der Völkerwanderung, und sah sich andererseits das Frankenreich als wichtiger Gegner bzw Opfer in römischer Tradition (um nicht von den Normannen in Süditalien & Sizilien zu reden...).
(Ihre Gegner respektive Opfer, zumindest die christlichen, sahen sich auch als Teil einer von Rom überstrahlten, christlichen Welt, die den Überfällen von Barbaren ausgelierfert waren, allerdings impliziert dieser Gedanke eine stark religiös basierte Barbarei-Defintion alla Barbar=Heide, und dafür fehlen im Standard-Fantasy-LARP die Voraussetzungen.)

Mögliche Umsetzung im LARP: Alle Kulturen, die "weniger zivilisiert" sind, gelten als Barbaren, besonders wenn sie als Kriegsgegner auftreten, seien es Plünderer oder zu unterwerfende Völker. Was nun "weniger zivilisiert bedeutet" ist entweder offensichtlich oder situationsbedingt, oder irgendwas dazwischen. Im Zweifelsfall läuft es halt auf "anders" hinaus...
Eine solche Definition würde ziemlich das treffen, was ich von einem Barbarenklischee erwarten: Es ist recht flexibel, wer ein Barbar ist (im Prinzip jeder Feind aus einer fremden Kultur); der Begriff ist grundsätzlich negativ belegt, und "Barbar" soll einfach kein Kosewort sein, sondern eine Beleidigung (auch wenn man das natürlich umdrehen und stolz darauf sein kann, wenn man selber Barbar ist oder so genannt wird); und man kann auch Nicht-Menschen in dieses Schema einordnen (befreundete Hochelfen und Zwerge sind erst mal keine Barbaren, Waldelfen und Orks sehr wohl).

"Zum Wesen und Auftreten von Barbaren"
...ist eigentlich eine dumme Überschrift, denn mE gibt es so etwas nicht. Als Teil eines Char-Konzepts ist "Barbar" eine verführerische Sache, da es erst mal "anders" heißt, und tendenziell "wild und unbezähmbar". Das allein reicht aber nicht, und so wird es viele völlig verschiedene Barbaren-Konzepte geben. Zu den erwähnten Merkmalen:
Primitivität bietet sich an (das weiter oben genannte "offensichtliche" Merkmal), da sie im Prinzip sehr einfach darzustellen ist, aber beliebig ausbaubar zu schönem Ambiente, was Gewandung, Ausrüstung und Lagerleben angeht. Natürlich bedeutet dies den Verzicht auf "Effektivität", besonders im Rüstungsbereich.
Die dem Barbaren-Begriff innewohnende Wildheit oder Unzivilisiertheit ist schwerer darzustellen, wenn man sie nicht auf schlichte Unhöflichkeit und Gewaltätigkeit reduziert.
Um den "wilden" Barbaren zu spielen ist mE ein eigenes Umfeld der beste Weg, sprich eine Gruppe, die entweder aus entsprechenden Barbaren besteht oder die weiß, wie sie mit dem/der/den Wilden in ihren Reihen umzugehen hat. Dann bietet sich ein reiches Feld an spielerischen Möglichkeiten, ohne anderen OT auf die Füße zu treten. Alleine macht das nur in den seltensten Fällen Sinn.

Eine Anmerkung zu Jägern, Sammlern und auch Wikingern
Das Klischee des Barbaren, der sich todesmutig in die Schlacht stürzt, gegen eine besser gerüstete Übermacht, und natürlich bis zum letzten kämpft, um irgendeinem Ehrbegriff zu genügen, existiert, auch wenn es eigentlich nur wenige Grundlagen dafür gibt. Zutreffend ist dieses Bild am ehesten für wandernde Kriegersippen oder -völker; die Kimbern und Teutonen, die keltischen Verbände zur Zeit ihrer Wanderung, die Goten, Burgunder oder Vandalen der Völkerwanderung, die angelsächsischen Invasoren Britanniens, die normannischen Siedler in gesamt Nordeuropa, in der Normandie und Süditalien, bieten sich als historische Vorbilder für rücksichtslose Eroberer ohne Weg zurück an, im Kampf um ein besseres Leben oder das Leben an sich.
Aber all diesen Vorbildern fehlt im LARP die Grundlage, nämlich die entsprechenden Wanderungsbewegungen; zumindest kann ich nicht sagen, in irgendwelchen LARP-Ländergeschichten besonders viel darüber gelesen oder gehört zu haben.
Bleiben ein paar unzivilisierte Stämme, die entweder als Plünderer auftreten und daher gefürchtet und verhasst sind (Orks, Wikinger, aber auch Räuber, die gar nichts mit der Barbarei am Hut haben), oder irgendwelche Wilde, die im Prinzip keine Gefahr sind, bis man durch ihren heiligen Wald ein Straße baut oder sie sonstwie provoziert (das Indianer-Bild sozusagen, ob das nun "edle Wilde" sein sollen oder nicht).
Die Plünderer werden im Ernstfall vielleicht bis zum letzten Mann kämpfen, erwartet sie doch nur schlimmeres; sie würden aber auch SEHR gut abwägen, ob ein Angriff sich lohnt, sind sie doch auf Sieg und Beute aus und nicht auf ein frühes Grab. Überfälle solcher Art sind im LARP zwar eine tolle Sache, aber nur, wenn diese Räuber/Plünderer auch entsprechend vorgehen und ich als deren Gegner nicht das Gefühle habe, die wollen sterben, um mir ne Freude zu machen...
Ob unzivilisierte Stämme für ihren heiligen Wald bis zum Tod kämpfen überlasse ich mal der Kreativität der verantwortlichen SL, aber eines ist mE sicher: Handelt es sich um Jäger & Sammler, also dass, was man heutzutage oft "Naturvölker" nennt, dann sind diese nichts fürs LARP-typische offene Gefecht bis keiner mehr steht; die ziehen gegen gerüstete Gegner (also Standard-SCs) ohnehin den kürzeren, wenn sie nicht massiv in der Übermacht sind, und das wird im LARP nie passieren. Bleibt also sinnvollerweise nur "Guerilla-Krieg" und Hit`n`Run, was meiner Erfahrung nach eher frustierend für die bekriegte Seite ist. Barbaren sind daher mE nur bedingt geeingete NSCs, wenn es um zu bekämpfende Gegner geht, und können auch eher unerquickliche Gegner im PvP-Geschehen sein (muss ich mir als Barbarenspieler im Nachhinein eingestehen).