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  1. #1
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    Mittelpunkt 2016 - Bericht

    Mittelpunkt 2016

    Zur Erklärung: Es handelt sich hierbei um DIE Konferenz zum Thema LARP in Deutschland. Einmal jährlich wird sich getroffen um sich auszutauschen, Vorträge zu hören, MiniLARPs auszuprobieren, Workshops zu bestreiten und zu feiern. Es gab über 50 Punkte, die verteilt über drei Tage liefen und aus denen man wählen konnte/mußte, weil einiges parallel lief.


    Tag 1
    Nach der Anreise, Check-In und Orientierung beginnt auch schon der erste Vortrag. Wir wählen einen leichten Einstieg mit: "Worst presentation ever". Ein Vortrag von Stefan Deutsch. Da Russen anwesend sind, wird der Vortrag wirklich auf Englisch gehalten. Funzt super und wir haben einiges zu lachen. Klar ist ein LARP-Bezug nicht wirklich gegeben, aber warum gleich mit dem Thema ins Haus fallen.


    Danach war schon gleich wieder Pause. Fürs Abendessen. Es gibt Suppe, aber auch Brot am Buffet. Viele scheinen sich untereinander zu kennen und es herrscht ein reges Stimmengewirr.


    Ich begebe mich danach zum Austausch der LARP-Forschung AG. Diese Untergruppe des DLRV versucht sämtliche Arbeiten zum Thema LARP zu sammeln und Personen, die solche Arbeiten schreiben wollen, Literatur zu empfehlen. Bis vor dem Mittelpunkt wußte ich gar nicht, daß es diese Gruppe gibt, weshalb auch dikutiert wurde, wie sie sich sichtbarer machen könnte. Leider war die Aussage des Wortführers eher in Richtung "Wer uns schreibt, der kriegt auch Antwort" und wenig begeistert davon auf Unis/Fakultäten usw. zu zu gehen. Es wurde beschlossen, daß ein Treffen organisiert werden soll, bei dem sich die AG besprechen kann, da die Mitglieder weit auseinander wohnen und sich bei einem Treffen besser austauschen können. Dabei können auch weitere Schritte ihrer Arbeit besprochen werden. Ich war ein bißchen enttäuscht, hab aber dennoch meine beiden Arbeiten in Papierform ausgehändigt, in der Hoffnung, daß andere sie vielleicht brauchen können.


    Zur Opening Ceremony kommen wir wieder zusammen. Es gibt eine Begrüßung, ein paar Hinweise zur Organisation, dann kommt der Herbergsvater und begrüßt uns. Er freut sich, wenn seine Herberge für LARPs angefragt wird, da er selber LARPer ist. (Ich bin nicht dazu gekommen, mir das Gelände oder das Haus näher anzuschauen, aber wer auf Location-Suche ist...) Als der Moderator wieder das Mikro nimmt, erklärt er auch gleich die Regeln fürs Opening Game. Den Aliens unter den Teilnehmern mit den Nerfs dreimal ins Knie schießen, um diese zu töten. Wer vom Alien berührt wird, wird ebenfalls Alien. Dargestellt durch Alien-Masken. Naja. Ich mag sowas nicht und gehe ruhig und gesittet zum "Safe Room" bis alles vorbei ist.


    Eigentlich hatte ich vor danach "Board Game- Speeddating" zu besuchen, aber an der sich aufbauenden Cocktailbar finden sich Personen ein, mit denen sich eine interessante Diskussion ergibt, die so ganz LARP-fern ist, aber unheimlich gut tut. Als die Gruppe sich auflöst, sind immer noch einige Personen im Nebenraum mit Spielen aus dem Speeddating beschäftigt. Ich schaue nur zu, Kelmon spielt sogar mit. Es folgen weitere Gespräche und schließlich das Bett.

    Tag 2
    Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Der erste Vortrag geht über die Repräsentation von LARP in den Medien von Jens Scholz. Es ist ein Folgevortrag vom letzten Mittelpunkt, aber nicht minder uninteressant. Zuerst wird der erste Vortrag nochmal kurz zusammengefaßt, dann geht es darum, wie man mit Journalisten umgeht, wenn man als LARPer auftreten soll. Dabei wird die Transaktionsanalyse aus der Psychologie zu Rate gezogen. Sie wird verständlich erklärt und mit Beispielen passen zum Thema verknüpft. Es geht auch darum, daß die Story des Journalisten meist schon fertig ist und man als Interviewter eigentlich nur noch bestimmte Sätze sagen soll, die zur Story passen. Daher sollte man sich vorher drüber informieren, wie die Story werden soll und lieber ab, als zusagen, bevor man nachher als Beleg für etwas herhalten muß, was man gar nicht vertreten möchte. Es werden psychologische Tricks aufgedeckt, die auch in der Alltags-Kommunikation hilfreich sind. Es bleibt sogar noch ein bißchen Zeit für Fragen.


    Anschließen geht es zum Vortrag "What the f***?". Es geht um Emotionen im LARP. Bisher hatte ich nix von Bleed-In/-Out gehört. Es beschreibt den Fluß zwischen Spieler und Charakter. Das können Infos, aber auch Eigenschaften oder eben Emotionen sein. Dennis Lange, der den Vortrag hält, veranstaltet Edu-LARPs für Jugendliche zum Thema Rechtsextremismus. Dementsprechend bindet er Emotionen in seine LARPs ein, damit die beim Reflektieren danach zum Umdenken führen. Die anschließende Diskussion fragt danach, wie man Spieler zu positiven Emotionen bekommt, da Stress/Bedrohung ja leichter zu erzeugen sind. Auch wird überhaupt das Emotionen zulassen auf LARPs thematisiert. Viel zu selten gibt es Panikattacken oder glaubwürdige Streitgespräche. Aber eben auch schöne Gänsehautmomente sollen gefördert werden. Hier hilft wohl nur, wenn die Orga zeigt/von NSCs vormachen läßt, daß hier ein Raum für Emotionen ist und diese nicht als Schwäche gesehen werden, wenn Spieler/Charaktere solche Emotionen positiv bestärken und wenn Spieler sich auch einfach mal trauen Emotionen zu zeigen. Im Gegensatz zum Alltag ist dies nämlich im LARP möglich, was durchaus auch kathartisch sein kann. Viele haben aber auch eine Hemmschwelle, zB. andere tröstend in den Arm zu nehmen oder anderweitig überhaupt zu berühren. Hier kann es helfen vorm Gang ins IT ein paar Übungen dazu zu machen, damit man weiß, daß für alle Berührungen ok sind.


    Es folgt das Mittagessen. Reis mit Hähnchen-Curry. Es gibt reichlich und lecker. Der Nachttisch besteht aus Vanillepudding im Becher. Wieder finden Gespräche statt, die Gehörtes vertiefen oder auf weitere Vorträge neugierig machen.


    "They have what?" ist ein Vortrag von Carsten Herbst, in dem es darum geht, wie man dichte Atmosphäre im LARP erzeugt. Das fängt mit der goldenen Regel an "Der Spieler hat immer recht!". Punkt. Aus. Um. Und nicht mit einer Story anfangen und dann die Location dazu suchen. Der Weg ist leichter andersrum. Und meist kommen dabei viel coolere Plots raus. Zudem sollten SL/Orga/NSCs die Location besser kennen und Orte schneller erreichen können als die Spieler. Am besten noch so, daß sie dabei nicht gesehen wird. Beispiel: Türen verhängen, Zwischenwände ziehen usw. Nicht zu vergessen: Es zählen die kleinen Dinge. Häufig wird viel Geld in große Props gesteckt, dabei ist das, was den Spielern im Gedächtnis bleibt eher irgendetwas kleines. Daher sollten diese Elemente nicht vernachlässigt werden. Zum Schluß schauen wir noch ein Video, daß den Rahmen für ein LARP bildete, bei dem die Spieler einen Film drehen sollten, aber dies durch echte Monster verhindert wurde. Das Drehbuch war sehr trashig. Es wurde auch im Zeitraffer ein Abbau-Video gezeigt, um darzustellen, wie man eine angemietete Fabrikhalle zum LARPen nutzt, indem man diverse Wände einzieht und so auch die Gänge für SL und Co einplanen kann.


    Es folgte für mich ein Vortrag über Sanis im LARP. Leider gibt es dafür nämlich keine Vorschriften und egal was unternommen wird, schuld ist immer der Veranstalter. Das Kästchen "Sanitäter" auf dem Anmeldebogen zur Con sagt nicht viel aus. Weder über die Vorbildung (Arzt oder Ersthelfer), noch über den Trainingszustand (frisch vom Rettungswagen oder 20 Jahre Gyn-Praxis). Auch ist unklar, welche Ausüstung vor Ort sein sollte bzw. was die "Sanis" mitbringen. Alles sehr schwammig. Der Vortragende (Pascal Fellinger) führt aus, daß er gern Daten von Cons sammeln würde um einen Algorythmus zu erstellen, bei welche Congröße, Gelände, Schlacht/Ambiente, etc. man wieviele Sanis mit welche Ausrüstung braucht. Ich finde das sehr sinnig und sobald ich einen entsprechenden Link habe, dürfen die Orga-Leute hier gern ihre Daten weitergeben.


    In der Pause treffe ich jemanden von It's full of LARPs, kurz ifol. Das sind Wochenenden, an denen ganz viel MiniLARPs ausprobiert werden. Die gehen mal 2 min, mal 2 Stunden. Ich finde es unheimlich spannend und werde die wohl verfolgen.


    Weiter geht es mit "Beyond Nordic LARP" mit Kelmon zusammen. Den Begriff "Nordic LARP" kannte ich vorher nicht, ist aber wohl ein gewisser, erwarteter Spiel-Stil. Dazu abgegrenzt wurde der Begriff "Meditereanen LARP", der noch nicht fest gesetzt ist. Die Vortragende erzählte von zwei LARPs, jeweils in Spanien bzw. Italien, in denen der Spiel-Stil anders ist und auch anders sein soll als beim Nordic LARP. Beide fanden im kleinen Rahmen (25-50 Spieler) statt und die vorgefertigten Charaktere wurden in Zusammenarbeit mit dem Spieler zueinander passend gemacht. (Keine Verknüpfung unter Charakteren passend. Kein Tinder!) In der Diskussion danach lebte wieder die alte Mär von der Teilung der LARP-Szene auf. Aber nur wegen einem Label ist man nicht cooler oder besser als der Rest. Zudem werden die Begriffe derart inflationär benutzt, daß hinter Nordic LARP alles mögliche Platz findet. Scherzhaft wurde gefordert, daß der Spiel-Stil der Deutschen dann doch bitte aus Abgenzungsgründen "Potatoe LARP" heißen sollte. Da ich mir aber bisher Cons ausgesucht habe, weil Freunde hingehen und nicht weil ein bestimmtes Label verwendet wird, bin ich wohl derbe uncool.


    Nach dem Abendbrot folgt die Vorstellung zu zwei LARPs. Zwei Teaser eher gesagt. Bei Pandora-Effekt wird nur das Datum des Cons ersichtlich, was dort passiert, wer mitmachen darf, wo, zu welchem Preis, gescriptete Charaktere, Setting...nix. Ich bin nicht interessiert. Bei Zeitgeist ist das Publikum von Ghostbustern eingekesselt, die Zitate aus 80er Jahre Filmen rezitieren. Dabei werden Bilder aus eben solchen an die Wand geworfen. Was genau passieren wird, ist hier auch nicht klar, aber man darf am Ende Fragen stellen und erhält einen Kuli und einen Anstecker dafür.


    Schon bei diesen Vorträgen waren einige Teilnehmer kostümiert. Ich dachte, daß hätte mit eben jenen zu tun. Falsch gedacht, es sollte eine Party geben. Eine Kostüm-Party. Passend zum Motte des Mittelpunkts. Öhm, zu spät, aber ich kann ja improvisieren.


    Zur F.R.E.D.-Verleihung sitzen dann auch alle in einem Raum und das im Kostüm. Der Einstig ist ein Cover von "Science Fiction Double Feature". Die "Woohoos" kommen zielsicher aus dem Publikum. Dann werden die Nominierten vorgestellt, erst für den Mini-FRED, die Sieger aufgerufen, Preis uberreicht, kurzes Danke und "Weltfrieden" nicht vergessen, dann dasselbe Spiel mit dem großen Fred. Ich habe das Gefühl, man müsste mehr Leute dazu kriegen können, ihre Cons einzureichen, damit der Fred bekannter wird und auch richtig Gewicht bekommt.


    Schließlich werden die Sitzgelegenheiten beiseite geräumt und die Musik gestartet. Ich bleibe und Kelmon geht dem Socializing nach. Es werden Rufe nach der Porno-Polka laut und langsam begreife ich, daß es sich um einen wirbelnden halb Paar- halb Reihentanz handelt. Er ist sehr witzig und das Lied dazu wird gleich mehrmals hintereinander gespielt. Als ich außer Puste war, mußte leider auch mein Tanzpartner aufhören, weil sonst der Tanz nicht mehr funktioniert hätte. Als der Tanz sein Ende gefunden hat, verloren sich viele in diversen Räumen zu Gesprächen, so daß nur noch ein kleiner Teil weitertanzte. Ich mit. Bis in die frühen Morgenstunden.

    Tag 3
    Am Frühstück am nächsten Morgen gab es einige leere Plätze. Dabei war es doch erst um 9 Uhr. Kelmon und ich entschieden uns für dieselben Vorträge und...


    ...somit begann der Tag mit "Trickle-down economy of plot". Ein Vortrag von Dennis Erk. Es ging darum, daß der Plot meistens an die Magier geht, die dann etwas tun müssen um das Böse zu stoppen. Krieger beschaffen Artefakte dafür oder bewachen das Ritual. Dabei gäbe es doch andere Möglichkeiten und vor allem sollten Anfänger auch die Möglichkeit haben am Plot zu partizipieren. Leider wird jedoch von den Plotschreiben selten auf die Verteilung des Plots geachtet. Nebenbei gibt es natürlich Spieler, die es genau so mögen. Da war die Frage, ob dieses Trickle-down im LARP überhaupt ein Problem ist. Wenn ja, könnte ein andres Herangehen an den Plot hilfreich sein. Zb. ein Con, daß beginnt, nachdem die Welt gerettet worden ist und nun der Aufbau bevor steht. Oder in dem es einen Wendepunkt gibt, wenn die Spieler realisieren, daß sie die ganze Zeit der bösen Seite zugearbeitet haben. Man muß nur mal den Mut haben anders zu denken. Sonst werden aus den Anfängern nie Stammspieler, weil sie das Gefühl haben, sie taugen nicht zum Mitmachen.


    Danach ging es um das Konzept "Plot-Patenschaft" von Katharina Munz. Kann man unter (LINK) nachlesen. Ich finde das Konzept gut, auch wenn ich für meinen Charakter keine Idee hätte. Aber es hat was von Wichteln. Und kreativ...und Spaß...


    Mein Flixbus fährt früh und so bringt mich Kelmon noch vor dem Mittagessen zur Haltestelle.


    Fazit:
    Ich hab viel Input bekommen. Ich habe gelernt, wie weit der Begriff LARP doch reichen kann. Ich hab die Namen aus Büchern mal auf Namensschildern gelesen und konnte mich mit deren Besitzern unterhalten. Ich denke, der Mittelpunkt richtet sich eher an Organisatoren von LARP, aber auch ich als Nur-Spieler hatte dort interessante Gespräche und viele Anregungen.
    Empfehlenswert!

    LG
    Benutzer755
    PS: Kelmon ist berühmt, Weltfrieden und stiller Applaus!



  2. #2
    Section31
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    Hallo,

    ich war nur am Samstag da und habe alles getan, was ich mir vorgenommen hatte.

    Am wichtigsten war mir natürlich, unseren Vortrag über die USS Atlas zu halten, der erstaunlich gut besucht war. Der Vortrag über Thermoplaste von Naruvien Art&Design war sehr interessant und ich habe mich nun entschlossen, mich an Phaser- und Tricorderholstern zu versuchen. Carstens Vortrag "They have... what?" war insgesamt nichts Neues für SLs. Einigen seiner Thesen, vor allem "Der Spieler hat immer Recht" stimme ich nicht zu, andere dagegen sehe ich genauso. Zum Großteil teile ich seine Erfahrungen (in mehrfacher Hinsicht). Insgesamt hat mir ein wenig der rote Faden bzw. die Kernaussage in dem Vortrag gefehlt, trotzdem fand ich es mal interessant aus einem anderen Nähkästchen zu hören.

    Der Vortrag "So you wanna be SL" war mir viel zu sehr auf Großcons fixiert und für Leute, die bereits seit langem SL sind, nichts Neues. Den letzten Vortrag am Samstag über Zeitgeist habe ich leider verpasst, weil ich mich sehr nett unterhalten habe. Ich habe einige alte Bekannte wieder getroffen und neue Leute kennengelernt. Insbesondere freut mich der Kontakt zu weiteren Leuten aus der - viel zu kleinen - Sci-Fi-LARP-Ecke.

    Ergebnis: positives Fazit.

    Gruß,
    Section31
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    USS Atlas - Star Trek LARP - www.uss-atlas.de
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  3. #3
    Kelmon
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    So, erster Mittelpunkt vorbei....und es hat sich absolut gelohnt.

    Zum einen wären da eben die Vorträge rund um LARP. z.B. über den italienisch/spanischen Eigengang zum Nordic LARP. Wie LARP in Russland aussieht. Wie man Plot besser an Spieler heranträgt, und wie man Spieler in das Plotgestalten involvieren kann. Wie man Atmosphäre erzeugen kann. u.v.m. Dazu dann viele Workshops - ich war leider auf keinem, da einfach zuviel parallel ist - z.B. wie man Gegenstände mit Thermoplastik-Stoffen herstellt. Oder über Veranstaltungssicherheit. Oder auch ganz banal "LARP und Steuern".

    Parallel zu all dem liefen ständig Mini-LARPs (teils mehr als eines gleichzeitig), bei denen man ein bisschen Spiel haben konnte, falls man z.B. mal ein bisschen Abwechslung brauchte. Ich selbst habe "1984" besucht, um endlich mal ein Zahnrad im Ministry of Truth sein zu können und Propaganda zu schreiben. Schick auch, daß in eine Raum ein Raumschiff-Brückensimulator aufgebaut war (Artemis) - ein Captain und 5 Offiziere (Kommunikation, Waffen, Steuerung, Wissenschaft, Maschinenraum) konnten an 6 Monitoren zusammen ein Raumschiff befehligen. Achja, das Thema des Mittelpunkts war "SciFi", was sich dann auch im Eröffnungsspiel (Mit NERF-Waffen auf Alien-Invasoren schiessen) und in den Kostümen bei der Party äußerte.

    Persönlich konnte ich nicht wenige Anregungen vom Mittelpunkt mitnehmen, wie ich als Organisator ein LARP anders, vielleicht sogar besser, aufziehen kann. Noch wichtiger aber, mal all die Namen, die man hier und da hinter einem "Eine Con von..." stehen sieht, mal persönlich kennenzulernen und sich mit den Personen auszutauschen. Ich habe dort auch von interessanten Cons erfahren (u.a. einer in Russland), die ich versuchen werde, zu besuchen.

    Ich würde eigentlich jedem, der mal eine Con organisieren will (oder es schon hat) einen Besuch ans Herz legen, nicht nur, weil man selbst was mitnehmen kann, sondern auch vor allem da *die* Konferenz zum LARP in Deutschland auch gut mehr Stimmen vertragen könnte. Nächstes Jahr geht es darum für mich auch gleich mal mit dem Knutepunkt weiter - das Gleiche in groß und nordisch.
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  4. #4
    oliverp
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    Zitat Zitat von Benutzer755 Beitrag anzeigen
    In der Diskussion danach lebte wieder die alte Mär von der Teilung der LARP-Szene auf.
    Also war der Erkenntnissgewinn negativ und du und Gerwin spielen wieder das selbe Wikingerlarp. Cool.

    Zitat Zitat von Benutzer755 Beitrag anzeigen
    Scherzhaft wurde gefordert, daß der Spiel-Stil der Deutschen dann doch bitte aus Abgenzungsgründen "Potatoe LARP" heißen sollte.
    Ich hoffe gegen diesen strukturellen Rassismus in trumpschen Ausmaßen wurde entsprechend aufbegehrt.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
    Jean-Jacques Rousseau

  5. #5
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    Zitat Zitat von oliverp Beitrag anzeigen
    Also war der Erkenntnissgewinn negativ und du und Gerwin spielen wieder das selbe Wikingerlarp. Cool.
    Hmm...keine Ahnung, ob Du das ernst meinst - aber meine Erkenntnis, auch schon lange vor dem Mittelpunkt, und durch die Beschäftigung mit LARP in anderen Ländern ist die, daß wir Deutschen im Großen und Ganzen durchaus unseren eigenen Stil und unsere eigenen Besonderheiten haben, die man von anderen abgrenzen kann. Wenn man z.B. mal nach Frankreich schaut. Oder die USA. Und vor dem Hintergrund ist jetzt der Unterschied zwischen unseren lokalen LARP-Subszenen nicht mehr wirklich so bedeutsam. Aber - ja, natürlich ist dieser durchaus nach wie vor vorhanden.
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  6. #6
    Dutch
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    Zitat Zitat von Kelmon Beitrag anzeigen
    [...] meine Erkenntnis [...] durch die Beschäftigung mit LARP in anderen Ländern ist die, daß wir Deutschen im Großen und Ganzen durchaus unseren eigenen Stil und unsere eigenen Besonderheiten haben, die man von anderen abgrenzen kann.
    Kannst du dazu noch ein paar Infos liefern? Es würde mich tatsächlich interessieren.
    Für mehr Western im LARP: LarpWiki: WesternLarp

    Cons, Orgas, Aktuelle Infos: Facebook-Gruppe "Western LARP Bayern"
    Gone, but not forgotten: Buffalo Hill 1888

  7. #7
    Section31
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    Ich denke, dass in Deutschland viel Wert auf Ausstattung gelegt wird, damit es authentisch/ambientig aussieht. Wenn man sich dagegen zum Beispiel amerikanisches Bofferlarp mit Punkten ansieht, wo Ork-NSCs teilweise nur eine grüne Pappmaske (!) tragen, bin ich ganz genauso der Meinung, dass LARP in Deutschland sich abgrenzen lässt. Das setzt natürlich voraus, dass man "deutsches" LARP mit anderen Ländern vergleichen kann. Wie es in Italien, Spanien, Frankreicht, usw. aussieht, weiß ich nicht. Aber auch der Unterschied zum Nordic LARP wird klar, wenn man sich damit mal ein wenig beschäftigt.
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  8. #8
    Skirnir
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    Ich war leider nicht da, versuch es aber endlich mal im nächsten Jahr zu schaffen :/ Knutepunkt wäre auch super, aber außerhalb des Machbaren für mich. Die Aufsatzsammlungen zum Mittelpunkt kann ich für Interessierte und Orgas auch empfehlen, den aktuellen Band habe ich gerade per Post bekommen. Viele Begriffe wie Nordic Larp und Bleeding kenne ich, tatsächlich sind diese aber in Deutschland wenig verbreitet, genauso wie die LARP-Forschung AG. Ich habe glaube ich ein halbes Jahr auf eine Admin Antwort aus deren Forum gewartet in dem ich mich anmelden wollte, das ist eigentlich sehr schade. Zu deutschen Eigenarten würde ich aus meiner Erfahrung sagen, dass wir mehr auf Realismus, sowohl im Ausspielen, als auch in Kostümen, setzen. Auf Großcons kann man verschiedene Kampfstile oft an der Herkunft fest machen. Zusätzlich erwecken Videos auch diesen Eindruck. Allerdings wäre ich da auch an konkreteren Informationen interessiert

  9. #9
    Kelmon
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    Ich habe hier tatsächlich wenig handfeste Informationen an der Hand, die ich schön übersichtlich hier ins Forum stellen kann. Ich war dieses jahr auf 2 Cons in den USA, und hier war der Unterschied natürlich offensichtlich. (Hier hatte ich auf dem Mittelpunkt auch Carsten Dombrowski angesprochen, der interessiert an einem LARPZeit-Artikel wäre). In Frankreich bzw. französischsprachigen Ländern (Romandie in der Schweiz) z.B. ist der Kostümierungsstandard eher niedriger als im Deutschen bzw. Deutschsprachigen LARP, da hier fast nie mit Kampagnen gearbeitet wird, vielmehr sind LARPs dort meist One-Shots - für die man dann natürlich nciht wie bei uns über Jahre hinweg Charaktere ausstattet. Im Norden ist ja schon eher lange bekannt, daß LARP dort unter teils ganz anderen Gesichtspunkten betrieben wird. Zwar gibt es dort auch (noch?) den klassischen Fantasy-Con, aber "Nordic LARP" hat einige interessante Eigenarten: z.B. Workshops vor dem Spiel, und eine Dokumentation und Aufarbeitung des Spielgeschehens nachher. In Italien und Spanien geht man gerade seine eigene Variante von Nordic LARP an (unter verschiedenen Namen und Manifesten, z.B. "the Southern Way"), die sich vom nordischen LARP in Details unterscheidet. Deutsches LARP ist in manchen östlichen Ländern (Tscheschien, Bulgarien, etc.) teilweise Exportgut - dort wird die eigene Szene teilweise mit DKWDDK (ja, mit Deutscher Abkürzung) angereichert. Russisches LARP, von dem man hier eher selten was hört, ist traditionall stark Tolkien-Affin, und behandelt oft ganz direkt Begebenheiten incl. Charaktere aus den Büchern, mit Veranstaltungen, deren Ausgang und Handlung dadurch stark vorgegeben wird. Aber auch hier hat man inzwischen in verschiedenste Genres aufgefächert. Dazu hat man dort im Land laut Aussagen einiger russischer Spieler wohl eine Vielzahl von lokalen LARP-Traditionen (St. Petersburg vs. Moskau vs. Ural vs. Sibirien,...), die teils enorm unterschiedlich sind. Eine Eigenart hier sind übrigens häufige Tode von Spielercharakteren, für deren Behandlung man dortzulande einige interessante Strategien entwickelt hat (z.B. Spiel im Totenreich).

    Für mich "fühlt" man einfach zum guten Teil einfach das Anders-sein, wenn man Spielberichte, Regelwerke und Ähnliches studiert, was ich in den letzten Jahren öfters mal getan habe - auch mit dem Vorhaben im Sinn, mal verstärkt internationaler zu LARPen. Ein Detail, das man z.B. gut rauspicken kann, ist die Spielzeit: Von wann bis wann man genau spielt. Und ob und wann man Pausen macht. Verschiedene Sprach-/Kulturkreise haben hier völlig unterschiedliche Ansätze, die aber in diesen Kreisen dann so verbreitet sind, daß man sich kaum etwas anders Vorstellen kann ("LARP am Sonntag Morgen? Seid ihr wahnsinnig??")

    Eine scheinbare Eigenart des Deutschen LARPs, die international bekannt ist: Großcons. Zumindest in den USA sind die das, was man bei uns kennt, und was man gerne mal sehen will. "Drachenfest" und "CoM" sind bekannte Marken. Neben Bicolline (Kanada) und dem Gathering (Großbritannien), haben wir von der Größe her Nummer 1, Nummer 2 und eine geteilte Nummer 4. Was sich, so meine Theorie, durch mehrere im deutschen Raum auftretende Faktoren ergibt: Offene und andauernde Kampagnen, geringe geographische Distanzen (und zentrale Lage in Europa) und seltene Charaktertode.
    Geändert von Kelmon (09.11.2016 um 21:52 Uhr)
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  10. #10
    Dutch
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    Danke für die Infos.
    Für mehr Western im LARP: LarpWiki: WesternLarp

    Cons, Orgas, Aktuelle Infos: Facebook-Gruppe "Western LARP Bayern"
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