Hallo,
Vielleicht macht diese kurze Story ja dem ein oder anderen ein bisschen "Appetit" auf Endzeit und vermittelt ein bisschen unser Setting :-) Am kommenden Samstag 04.02. findet ab 18 Uhr der Stützpunkt im alten Fort in Köln statt.

Mehr Informationen, Regel und Verhaltenshinweise sowie Bilder findet ihr auf www.stuetzpunkt5.de

Viele Grüße
Stützpunkt-Team

"In den letzten Nächten ist es so unglaublich kalt geworden, dass es beinahe unmöglich ist, nach dem Einbruch der Dunkelheit an die Oberfläche zu gehen. Der Wind peitscht durch die Stadt und hin und wieder vermischt sich sein Heulen mit einem kaum wahrnehmbaren Stöhnen in den Häuserschluchten. Wer sich jetzt heraus wagt, der muss einen guten Grund hierfür haben. Mit meinen klammen Händen klammere ich mich an das Metal der wärmenden Tasse. Der Inhalt ist beinahe egal, Hauptsache er ist warm. Ich blicke in die fahle Dunkelheit der umstehenden Ruinen. Alles ist grau und trist und der Mond ist hinter einer grauen, trüben Wolkendecke verborgen. Ein Feuer wäre zu gefährlich. Irgendwie muss ich diese Nacht überstehen, um morgen weiter gehen zu können.

Mein Mantel und die vielen fauligen Decken sind wie ein Schutzschild. Sie bewahren meine eigene Wärme gegen die Kälte dieser unwirtlich gewordenen Welt. Ich kenne es seit nun dreißig Jahren nicht anders. Die Hoffnung ist wie so oft mein einziger Begleiter und der Hunger lässt uns umher ziehen. Wir sind immer auf der Suche nach Essen, sauberem Wasser und einem Ort, an dem man sich wenigstens kurz ausruhen kann. In den vergangenen 30 Jahren waren die Stationen der Allianz Heimat für einige hundert Menschen. Aber durch die Öffnung der Schleusen zur Oberfläche hat sich die zentralistische Organisation immer mehr aufgelöst. Jetzt ist jeder einzelne für sich verantwortlich und wir müssen lernen mit dieser Freiheit und den neuen Lebensumständen umzugehen. Umso wichtiger sind die festen Handelsposten geworden, in denen man einige Tage geschützt unterkommen kann. Meistens gibt es hier sogar Essen, entkeimtes Wasser, einen trockenen Ort zum ausruhen und vor allem die Möglichkeit, sich mit anderen Überlebenden auszutauschen oder auch gemeinsam weiterzuziehen. Wir sind Nomaden geworden, die umherziehen und deren Leben zur Zeit nur ein Ziel hat: Überleben.

Noch einmal lasse ich meine Taschenlampe kurz aufflammen und streiche mit den zittrigen Händen über die fleckige Straßenkarte. Mit zwei Fingern messe ich die Entfernung ab. Es sind vielleicht noch ein paar Kilometer. Morgen könnte ich es schaffen. Dann bin ich wieder sicher. Schutz vor der Kälte, etwas zu essen und Sicherheit. Das sind in dieser Zeit die höchsten Güter. Ich knipse die Lampe aus und sofort umgibt mich wieder die Dunkelheit. Meine rissigen Hände streichen über den Rucksack. Der Wind streift über mein Gesicht und dieses Mal ist er noch kälter als zuvor. Mit meinem Handrücken taste ich über meine Wangen und merke, dass ich geweint habe. Still, ohne einen Laut. Ich wische die Feuchtigkeit energisch weg. Nein. Auch dieser Winter wird unsere Hoffnung auf eine besser Welt nicht sterben lassen.

Und während der einsetzende leichte Schneefall meine Sicht noch weiter verwischt, träume ich von jenem Ort, der dies alles hinfort wischen wird. Jener Stützpunkt im Nirgendwo wird auch meiner Hoffnung neue Kraft schenken."