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  1. #1
    Llewellian
    Llewellian ist offline
    Alter Hase Avatar von Llewellian

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    Öhm... Kurzgeschichte und so ;o)

    Wo wir doch bei Kurzgeschichten sind.... die hier hab ich mal vor Jahren für einen Kurzgeschichtenwettbewerb von Shadowrun geschrieben. Wollte mal die andere Seite zeigen. Nicht aus der Runnerperspektive...



    Es gibt eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen menschlichen Gefühlen
    nach einem Regen und einer Nacht voll Tränen.






    "Wieder einer dieser Tage....". Sie nestelte mit ihren Fingern in ihrem gestrickten Halstuch, einer willkürlichen Bewegung, so wie sie es immer tat wenn sie nervös wurde. Es war die Nacht der Rückkehr. Diese Nacht, die sie so sehnlich erwartete und doch hasste, ihr ganzes Leben war unterteilt nur in jene Nächte, Jahr für Jahr. 364 lange Nächte, bis diese eine Nacht kommt, die Nacht in dem er zurückommen wird. 20 Jahre schon. Ein ganzes Leben... wartend, lauernd. Zuerst auf ihren Mann. Dann auf ihren Sohn. Dass sie zurückkommen würden, für einen Urlaub, eine Erholungspause, nur um sich dann wieder zu verabschieden.

    Tränen schossen ihr in die Augen. Mit brüchiger Stimme sprach sie zu sich selbst, dann schrie sie, schrie ihre Angst, ihre Wut, ihre Verzweiflung in das leere Haus: "Warum? Warum? Was habe ich getan um das zu verdienen? Ach Stefan... Stefan, du meine Liebe, wieso? Wieso du? Wieso wir? Dunkelzahn, was hast du uns nur angetan? Mir angetan?". Aber alles, was ihr antwortete war das sonore Ticken der alten Standuhr und das Rauschen des Regens vor den Fenstern.

    "Nein..." Ihre Faust schlug auf den Tisch. Zuerst leise, dann festigte sich ihre Stimme, mit jedem Faustschlag sie an Kraft. "NEIN!" Zitternd rang sie um ihre Fassung. "Ich werde nicht weinen. Nicht diese Nacht. Nicht, wenn mein Sohn nach Hause kommt!". Sie stand auf, lief frenetisch in Kreisen durch das Wohnzimmer, versuchte sich abzulenken.

    Hin zur Wand voller Photos. Zwang sich, diese anzusehen. Langsam und Bild für Bild. Fand es. Ihre Hochzeit. Was für ein schöner Tag. Hier war sie, mit dem Mann ihrer Träume. Jung. Schön. Zu zweit. "Stefan....". Sanft, als drohe es unter ihrer Berührung zu zerfallen, strich sie mit ihren Fingern über dieses Bild. "...NEIN!". Etwas anderes. Sie musste irgendetwas anderes tun um sich abzulenken. Fernsehen. 391 Kanäle. Soaps und Talkshows. Eine gute Idee, andere Stimmen in diesem leeren Haus.

    Sie wählte auf gut Glück einen Kanal. Nachrichten. Auch gut.

    "Guten Abend, hier ist ihre Nachrichtensprecherin Linda McKennzie mit den stündlichen Nachrichten auf KNBC-TV.

    Wiltshire, Grossbritannien. Die lokalen Polizeieinheiten berichteten vor einigen Tagen über einen terroristischen Anschlag auf die weltberühmten Steine von Stonehenge. Gemäss der Aussage des Presseoffiziers Gregory O'Malley sah der Zeuge Stuart Plumbergold, ein Hirte, 4 Humanoide Personen in das Gebiet eindringen, nur Minuten bevor eine grosse Explosion einige 10 Meter Krater riss und die sogenannten "Center Stones" in einen Haufen Geröll verwandelte.

    Zur Zeit prüft Interpol, ob diese Attacke möglicherweise mit den Bombenanschlägen von vor drei Monaten auf das sogenannte Gebäude "J" in der Archaeologischen Ausgrabungsstätte Monte Alban in Oaxaca, Atzlan zusammenhängt. Gleiches gilt für die Explosion in Sheikh Abd el-Qurna, Ägypten vor einem halben Jahr, bei der die museale Tempelanlage mit der Grabesstätte der Priesterin Henut-Tawy total zerstört wurde.

    Paris, Frankreich. Ein ungewöhnlich starkes Gewitter, welches gestern nacht über die Hauptstadt von Frankreich zog, erzeugte Schäden in Millionenhöhe durch Blitzeinschläge und Hagelschlag. France Telecom verlor dabei alle Übertragungsstationen ihres Sim/Com Netzes auf dem Eiffelturm. Die Pariser Feuerwehr berichtet von Löschaktionen gegen Brände im Louvre, welche offensichtlich durch mehrfachen Blitzeinschlag auf dem Dach des Museums ausgebrochen sind.

    Die Ausstellung über die Reichtümer Indiens wurde dabei ein Raub der Flammen. Die Pressestelle des Museums bestätigte, das offensichtlich durch Hitzeeinwirkung die grosse kristallene Siddarta Perle in tausende Scherben zerbrochen ist."


    "NEIN!". Der Bildschirm flackerte, als sie immer schneller die Kanäle wechselte. Hoch, runter, jeder Kanal konnte sie nur für Sekunden halten. Und in dem Moment, als die Gefühle, die sie 364 Tage in sich begraben hatte, hochzukochen drohten, in ihr aufwallten wie Lava in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch, ein Geräusch. Ein Motor. Autotüren, die zugeschlagen wurden.

    Maria zuckte zusammen. "Kann es sein...?". Und mit diesen Worten auf ihren zitternden Lippen, stand sie auf, rannte zum Küchenfenster und schlug die Gardine beiseite. Es war finster, und der Regen schien in Vorhängen zu fallen. Sie sah die Lichter eines Autos, hörte eine Stimme. Die Stimme, auf die sie so sehnlich wartete, all diese Tage und Nächte, so wie es nur eine Mutter nach dieser Stimme verlangen konnte.

    "Bye Joe, ich seh dich morgen, ja?" Ein junger Mann drehte sich zum Hause um und lief zur Tür, wurde klitschnass auf diesem kurzen Weg die Auffahrt hoch.

    Die Tür stand offen. Und durch den Regen und den Nebel sah man einen Lichtschein. Maria stand darin wie eine Statue, wagte es nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, hoffend, das dies nicht ein Wahntraum war, das ihre Gefühle sie nicht überwältigt hatten. Als er näherkam, begann sie zu zittern. Wurde beinahe ohnmächtig, als er seine Hände auf ihre Schultern legte. Und dann hörte sie die befreienden Worte, wusste, das es endlich so weit war: "Ich bin zurück..."

    "...zurück.." wisperte sie, "...zurück...". Mechanisch wiederholte sie, was sie hörte, weit weg, durch einen Schleier.

    Er sah ihr in die Augen, hielt ihre Hand. Beide standen nur da, einen Atemzug, noch einen. Sprachen kein Wort, sahen sich nur an. Sie richtete Ihren Kopf nach oben, ihre Augen voller Tränen, eine Flut, zurückgehalten von einem Damm, Sekunden vor dem Bruch. Und hörte von ferne: "Mama, ich bin zurück. Oh Mama, ich bin wieder daheim... ich hab dich so vermisst..."

    Unendlich langsam fuhr sie mit zitternden Fingern an seinen Schultern hinab, dann griff sie zu. Vorsichtig zuerst, um sich endgültig zu überzeugen, dann fester, um ihren Traum festzuhalten, um ihn nie wieder zu verlieren. Umarmte ihn. Der Damm brach, niedergerissen durch aufgestaute Tränenfluten in einem Jahr sorgendurchwachter, einsamer Nächte. Tränen flossen und vermengten sich mit den fallenden Regentropfen. "CJ... CJ... ich hab dich ja so vermisst. Mein Sohn... jeden Tag, so vermisst...".

    Und mit jeder Träne wurde ihr Herz wieder leichter, wusch über die Alpträume und die Furcht hinweg, die sich in Ihr Gesicht gegraben hatten, streichelten sie wie keine Finger es je gekonnt hätten. Liessen sie die Bürde akzeptieren, das Schicksal, das der Drache ihnen auferlegt hatte.

    Irgendwann später in der Nacht. Es war wieder dunkel im Haus, und still. Sie sass an seinem Bett, beobachtete ihn in seinem Schlaf, wachte über ihn, so wie sie es schon 20 Jahre zuvor getan hatte, als er noch ein Kind war. Zusammen mit ihrem Mann. Damals, als auch sie noch für die Draco Foundation arbeitete. Sie fühlte ihn beinahe an ihrer Seite, als sie in die Dunkelheit lauschte und den Wind und den Regen rauschen hörte, zusammen mit dem langsamen, tiefen Atmen ihres Sohnes.

    Morgen würde ein guter Tag werden. Und sie würde ihn beim Frühstück fragen, was er über Stonehenge erzählen konnte. Und Atzlan. Als sie aufstand, und seine feuchte Kleidung über einen Stuhl faltete, fand sie eine Tasche. Mit einer gläsernen Kugel darin. Schwer.

    Sie ging zum Fenster, und im schummrigen Licht von einer der nahen Strassenlampen erkannte sie eine Stadt. Der Eiffelturm. Paris. Und kleine Flocken tanzten schimmernd über den Dächern. Ein kleines Schild, sie las "Je t'aime France". Ja, und sie würde nach Paris fragen. Definitiv.
    Zitatklau von Steve S: "Ich bin sooooo böse, ich schlafe sogar SCHLECHT"

  2. #2
    Bregon
    Bregon ist offline
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    Klingt schön. Du hast ein Talent zum SChreiben, finde ich. Auch sehr schön, wie du die Adjektive da mit reinbringst und Spannung aufbaust.
    Ich finds toll!
    Und du warst schneller mit dem Threat eröffnen :wink:
    Weiter so!

  3. #3
    Tanura
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    Auf der Erde ô.o
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    Hier nochmal auf Bregons Wunsch hin meine Story für diesen Thread

    Zwei Hunde lagen am Straßenrand. Die Sonne schien auf sie herab, während Menschen an ihnen vorbei liefen und Autos durch die Straßen brausten. Einer der Hunde fiepte, der andere bewegte sich nicht. Sol, der fiepende, weiße Hund, stupste seinen Freund mit der Nase an. 'Wach auf!' schien er sagen zu wollen. Doch selbst als Sol ihm spielerisch in den Schwanz biss, wachte sein Freund nicht auf. Sol stupste seinen toten Freund weiterhin an und fiepte. 'Komm schon, wach auf!' Sol legte sich dicht an seinen Freund, um ihm selbst im Tod Wärme zu spenden. Menschen liefen vorbei, sprachen miteinander, aber keiner ging zu den Hunden. Die Autos fuhren weiter, Sol blieb bei seinem Freund liegen. "Sol! Wo bist du? Komm her, es gibt Fresschen!" rief ein junges Mädchen. Sol hörte nicht auf sie. Er wollte bei seinem toten Freund bleiben. Doch er wusste, dass er nach Hause musste. Das Mädchen kam um die Ecke und leinte Sol an. Er lief widerwillig mit und legte sich zuhause auf die Terasse. Als das Futter vor Sol stand, rührte er es nicht an. Der Bruder von dem Mädchen kam durch das Gartentor hinein. Sol nutzte die Chance und rannte durch das Tor zurück zu seinem toten Freund.
    Er lag dort seit Stunden, die Stimmen des Jungen und des Mädchens hallten durch die Gassen. "So-hooool! Komm her!" riefen sie. Doch Sol blieb bei der Leiche seines Freundes liegen. Fiepend legte er den Kopf auf den Brustkorb seines verstorbenen Freundes. Als sich das Mädchen Sol näherte, knurrte er. 'Lass mich in Ruhe, ich will nicht nach Hause' schien Sol damit sagen zu wollen. "Ist gut. Ich gehe." sagte das Mädchen zurückweichend. Sol entspannte sich wieder, Tränen rannen ihm leise über die Schnauze.
    Wochen vergingen. Sol blieb bei jedem Wetter bei der Leiche seines Freundes liegen. In dem kleinen Ort kümmerte sich niemand um die stinkende Hundeleiche oder um Sol.
    Sol war bis auf die Knochen abgemagert, sein Fell verdreckt. Von der Hundeleiche war nur noch ein Skelett mit Resten von Fell übrig geblieben, Fliegen saßen auf den mickrigen Resten. Sol aber blieb liegen.
    Einen Monat nach dem Tod seines Freundes starb auch Sol. Er war nicht verhungert, sondern war an gebrochenem Herzen gestorben. Seitdem liegen zwei Hundeskelette aneinander gekuschelt in der Gasse. Andere Hunde jaulen leise, sobald sie in die Nähe der Skelette kommen.
    Vielleicht toben Sol und sein Freund im Hundehimmel über saftige Wiesen oder genießen gemeinsam die Sonne auf ihrem Fell. Vielleicht wandern ihre getrennten Seelen auch über die Erde. Niemand weiß es genau...
    http://forum.furbase.de/thread.php?threadid=39614

    BITTE HELFT MIT - SIE KANN JEDEN MANN/FRAU GEBRAUCHEN

  4. #4
    Vargsang
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    Boah, da hab ich doch ne ganze Festplatte voll Geschriebenes, und kann eigentlich gar nichts davon hier reinpacken, weil nichts davon auch nur annähert für die Altersfreigabe in diesem Forum geeignet ist ...



    @Llewellian

    Mir gefällt deine Geschichte recht gut, es ist eine "andere" Perspektive was man sonst so kennt und du hast das eigentlich recht gut miteinander verwoben.
    Der Mittelteil ist mir dahingegen zu komprimiert, im Vergleich zum Ende hin hast du zu viele Informationen und zu viel "versuchte Spannung" auf zu engen Raum gequetscht. Würde sich schöner lesen, wenn du das mehr auseinander gezogen hättest. Also mehr Mittelteil im Vergleich zu Einleitung und Auflösung, denn so ist das etwas unausgewogen.
    Dein Schreibstil gefällt mir gut.



    @Tanura

    Sei mir nicht böse, aber deine Geschichte liest sich auch so, als hättest du sie "mal eben so hingeschmiert".
    Und sie ist schon sehr ... melodramatisch.



    Grüße,
    Varg, der Schreiberling

  5. #5
    Schwannis
    Schwannis ist offline
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    Hamburg
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    Boah, da hab ich doch ne ganze Festplatte voll Geschriebenes, und kann eigentlich gar nichts davon hier reinpacken, weil nichts davon auch nur annähert für die Altersfreigabe in diesem Forum geeignet ist ...
    Inwiefern nicht geeignet für die Altersfreigabe dieses Forum? Hat da etwa jemand Schweinkram auf der Festplatte? :lol:

    M.f.G
    Schwannis, sehr neugierig heute Abend.
    Schwannis vult!

  6. #6
    Josh
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    Gelegenheitsschreiber

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    Ich habe mal Abends auf dem Hotelzimmer angefangen eine Cthulhu-Kurzgeschichte zu verfassen. Aber lest selbst:

    Es klopfte an der Tür.
    Kathrine Blake erschrak und blickte sich hastig um.
    Ihr Herz raste und ihr Atem ging schnell.
    Es war Abend. Vor ihr lag ein geöffnetes Buch über ägyptische Hieroglyphen und Raummalereien, zu ihrer rechten ein Glas billigen Rotweins. Eine Schreibtischlampe erhellte das kleine Arbeitszimmer, welches über und über mit Büchern vollgepackt war. Einige Stapel reichten bis fast zur Decke.
    Es klopfte erneut. Dreimal.
    „Miss Blake? Sind sie da?“ Fragte eine männliche Stimme.
    Kathrine versuchte die schläfrige Benommenheit abzuschütteln.
    „Wer ist da?“ Fragte Kathrine verunsichert und blickte auf eine alte Standuhr. Es war kurz vor Acht Uhr Abends. „Es ist ziemlich spät!“ Knurrte sie und erhob sich von ihrem Schreibsessel.
    „Es tut mir Leid, Miss Blake, ich habe Richard davor gewarnt, dass sie nicht sehr erfreut sein werden...“ Sagte die Männerstimme.
    Kathrine runzelte die Stirn und ging zur Tür. Sie erkannte die Stimme.
    „Walther? Bist du das?“ Fragte sie misstrauisch nach.
    „Ja, lass mich bitte hinein.“ Antwortete der Mann.
    Kathrine schloss die Tür auf und öffnete die Tür für einen Spalt. Im Hausflur stand tatsächlich Walther Bishopp. Sie öffnete die Tür ganz und trat beiseite.
    „Darf ich?“ Fragte Walther höflich und bat um Einlass. Kathrine machte eine einladende Geste und deutete ihm, zügig einzutreten. „Danke, Kathrine. Ich bitte um Verzeihung, aber es könnte wichtig sein für dich.“
    Walther war der Assistent von Professor Richard Dawson, einem bedeutenden Anthropologen hier in Arkham, Massachusetts und ein enger Vertrauter von Dr. Kathrine Blake.
    „Raus damit, Walther, was ist los?“ Fragte Kathrine ungeduldig nach und gähnte. „Wie du sicherlich festgestellt hast, ist es Mitten in der Nacht. Die Leute hier im Haus könnten auf merkwürdige Gedanken kommen, wenn ein junger attraktiver verheirateter Mann eine unverheiratete erfolgreiche Karrierefrau des Nachts besucht.“
    „Darüber machst du dir Sorgen?“ Fragte Walther amüsiert.
    „Auf schlechte Publicity kann ich gerade sehr gut verzichten, Walther, dass weißt du!“
    „Ja, sicher. Eine erfolgreiche Wissenschaftlerin im Jahre 1921 – eine Seltenheit.“ Feixte Walther. Kathrine war jedoch nicht zum Lachen zumute.
    „Du verstehst den Ernst der Lage nicht, Walther.“ Korrigierte sie ihn. „Ich stehe kurz vor der Veröffentlichung meines ersten Buches. Dieses Buch ist für mich womöglich der Durchbruch und sein Inhalt ist...“ Sie hielt inne und zog die Augenbrauen zusammen. „Warum bist du eigentlich hier, Walther?“ Fragte sie urplötzlich, weil sie fürchtete, die Antwort bereits zu kennen.
    Walther seufzte schwer und zog einen Umschlag aus seinem Trenchcoat hervor.
    „Richard bat mich, ich möge dir dieses Telegramm überbringen.“ Er streckte es ihr entgegen.
    Kathrine legte den Kopf schief und betrachtete den Adressaten. Professor Richard Dawson. Sie wich zurück.
    „Der ist doch gar nicht für mich bestimmt.“ Stellte sie richtigerweise fest.
    „Er möchte, dass du ihn liest.“ Antwortete Walther.
    Widerwillig nahm Kathrine das Telegramm in die Hand und begann zu lesen.
    Standard Anrede. Kein Betreff.
    Klassisch oberflächliche Respektbekundungen.
    Dann ein Satz, der Kathrine kreidebleich werden ließ.
    Sie dürfen das Buch nicht veröffentlichen, hieß es.
    Der nächste Satz brachte sie der Ohnmacht nahe.
    Tun sie es doch, ist ihr Leben in Gefahr, waren die Worte, die in ihrem Inneren wieder hallte.
    Kathrin taumelte, ließ das Stück beschriebenen Papiers fallen und musste sich setzen.
    „Kathrine, was ist los?“ Fragte Walther besorgt und war sofort bei ihr.
    Kathrine antwortete nicht.
    „Kathrine, so rede doch!“ Walther schüttelte sie zurück in die Wirklichkeit.
    Mit leeren glasigen Augen blickte sie ihn an. Dann fiel ihr Blick auf das Stück Papier, welches am Boden vor ihr lag. Walther folgte ihrem Blick, nahm das Telegramm wieder auf und überflog die wenigen Zeilen.
    Seine Reaktion war ein wenig rationaler. Er wirkte gefasst, wenn auch nur, um Kathrine nicht weiter aufzuregen. Kathrine erkannte dies umgehend. Sie war Anthropologin und hatte auch Psychologie studiert. Sie kannte menschliche Abgründe, sie hatte viele gesehen, und sie wusste menschliches Verhalten zu deuten.
    „Das ist sicherlich irgendein Spinner, ein Verrückter...“ Mutmaßte Walther nicht sonderlich überzeugend.
    „Sehr beruhigend, Walther, wirklich.“ Gab Kathrine zynisch zurück. „Ein verrückter Spinner würde sich vermutlich nicht in dieser Form ausdrücken können...“
    „Außer es ist ein intelligenter verrückter Spinner, nicht wahr?“ Walther lachte, aber Frohsinn wollte nicht so recht aufkommen. Trotzdem ließ die Anspannung ein wenig nach.
    „Es ist mehr die Warnung eines guten alten Freundes, als die Androhung von körperlicher Gewalt bis zum Tode, Walther. Das lese ich jedenfalls aus diesen Zeilen.“ Erklärte Kathrine sachlich und fand so zu ihrer alt gewohnten Bestimmtheit zurück.
    „Du bist die Menschenkennerin, nicht ich, Kathrine.“ Walther hob abwehrend die Hände.
    „Aber du bist der Assistent einer der besten Lehrmeister, den ich mir auf diesem Gebiet vorstellen könnte, Walther. Man sollte mehr von dir erwarten dürfen.“ Stichelte Kathrine weiter. Walther zuckte mit den Achseln und versuchte das Thema zu wechseln.
    „Und was willst du tun, Kathrine?“ Fragte er nach.
    „Na was wohl? Ich werde Richard aufsuchen.“ Antwortete sie selbstverständlich.
    „Das könnte ein Problem werden.“ Antwortete Walther bedrückt.
    „Was ist denn?“ Kathrine blickte Walther besorgt an.
    „Richard ist nicht in Arkham.“ sagte Walther und kratzte sich verlegen am Nacken.
    „Und wo ist er dann?“ Kathrine war ungeduldig geworden.
    „Er ist in Delhi.“ Antwortete Walther kleinlaut.
    „Indien?!“ Rief Kathrine ungläubig. Walther zuckte zusammen.
    „Ja, das ist in Indien. Und ja, er ist dort. Schrei doch bitte nicht so.“ Versuchte er Kathrine zu beruhigen. „Es geht um ein Exponat, etwas ganz Besonderes. Er bestand darauf das Exponat selbst in Empfang zu nehmen und nach Arkham zu begleiten, wie er es nannte.“ Walther machte eine kurze Pause, die Kathrine nicht ungenutzt lassen wollte, um eine weitere Frage zu stellen, doch Walther ließ sie nicht gewähren und sprach weiter. „Er hat mir nicht gesagt, worum es sich handeln würde. Es sei nur sehr wichtig für die bevorstehende Veröffentlichung, ich solle niemanden davon erzählen, nicht einmal dir, Kathrine, und wir sollen uns keine Sorgen machen.“
    „Mehr hat er nicht gesagt?“ Fragte Kathrine schließlich doch nach.
    „Nein, mehr hat er nicht gesagt.“ Walther seufzte resignierend. „Und, was willst du jetzt tun?“
    „Da fragst du noch?“ Walther rollte mit den Augen und seufzte erneut. Er kannte die Antwort bereits. „Ich werde natürlich nach Delhi fliegen und Richard suchen. Was auch sonst.“ Erklärte sie selbstverständlich.
    „War klar. Und ich werde dich begleiten, denn wenn dir etwas zustoßen sollte, bin ich nicht nur meinen Job los, sondern sehr wahrscheinlich würde mich Dein geliebter Professor auch ins Jenseits befördern wollen.“ Kathrine legte den Kopf schief.
    „Hat er dies mal gesagt?“ Neugierig beäugte sie Walther.
    „Kein Kommentar.“ Dann ging Walther zur Tür. „Ich gehe meine Sachen packen, du solltest dies auch tun. Wir fahren zunächst mit dem Zug nach San Francisco und besteigen dort ein Schiff. Um 0700 hole ich dich ab. Sei bitte pünktlich.“
    „Du hast damit gerechnet, dass ich Richard nach Delhi nachreisen würde?“ Fragte Kathrine total überrascht nach und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
    „Was wäre ich für ein Assistent, wenn ich nicht an alle Möglichkeiten denken würde?“ Gab er lächelnd zurück. „Wir sehen uns morgen. Schlaf noch ein wenig, dass wird eine lange anstrengende Reise.“ Mit diesen Worten verließ Walther das Appartement und ließ Kathrine mit ihren Gedanken alleine.
    Sie schloss die Tür hinter Walther ab und ging in die Küche. Nach Delhi. Sie war schon lange nicht mehr in Indien. Für die Recherche ihres Buches war sie viele Monate in Indien. Sie war damals weit in den Himalaya hinein gereist, nach Tibet, auf den Spuren eines geheimen Kultes, dessen Religion große Ähnlichkeit mit dem Buddhismus und Hinduismus hatte.
    Kathrine nahm ein leeres Glas von der Ablage über ihrer Spüle, öffnete den Wasserhahn und goss sich einen Schluck Wasser ein und drehte den Wasserhahn wieder zu, so dass der Strom aus fließendem Wasser erstarb.
    Sie hob das Glas und führte es zu ihrem Mund. Ihr Blick reichte Tief, tiefer als bis zum Grund des Glases. Sie blickte hinein in eine tief dunkle Schwärze und sie hatte plötzlich das Gefühl, als blicke aus der Dunkelheit etwas tief in sie hinein.
    Erschrocken ließ sie das Glas fallen. Es fiel und zerschellte lautstark auf der Tischkante, ehe die unzähligen kleinen Glassplitter den gefliesten Küchenboden erreichten.
    Kathrine fing sich und wich einen Schritt zurück.
    Sie atmete tief durch.
    Es war einfach zu viel für sie. Sie beschloss gleich ins Bett zu gehen und in der Früh zu packen.
    Dazu hatte sie heute keine Kraft mehr.

  7. #7
    Vargsang
    Gast
    @Schwannis


    Schweinkram? Klar. Immer



    Grüße,
    Varg

  8. #8
    Harald Ösgard
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    He Varg, lass uns doch eben mal fix rüber in den Ü18... hab schon'n Bier aufgemacht. Und nun erzähl mal..... *Tür zumach*

  9. #9
    Schwannis
    Schwannis ist offline
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    Das macht ihr nur um mich zu ärgern............

    Aber passt auf wenn ihr irgendwann alt und klapprig im Bett liegt und euch nicht wehren könnt, wird meine Rache kommen!!!
    Schwannis vult!

  10. #10
    Théor
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    Ob es sich dann noch lohnt? Die haben dann eh nicht mehr viel Zeit
    Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

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