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  1. #1
    Chevalier
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    Lokalpratriotismus

    Ich habe mich mal selbst aus dem "Wo kommen die inLARPer her?"-Thread ausgegliedert.

    Und jetzt bitte das nochmal auf Deutsch. oO

    Ich bin im übrigen der Meinung, dass dieser ganze Lokalpatriotismus für schlecht verständliches Deutsch irgendwie merkwürdig ist. Sei es Schwäbisch, Sächsisch, Bayrisch usw. Ich mein ich find Platt auch ganz lustig und sprech ein bisschen Lüneborcher Platt. Aber es ist ein totaler Anachronismus. Vor allem, weil diese Dialekte sich ja auch total entwickelt haben und ein Bayer aus dem 11.Jhd schon den aus dem 13. schlecht verstanden hätte und der Bayerisch sprechende Bayer von heute spricht auch nochmal ganz anders, selbst wenn er den Dialekt, wie man ihn heute kennt perfekt beherrscht.

    Und jetzt versucht man allerorten die Dialekte einzuzementieren mit Schulunterricht und so weiter. Ich finde das gekünstelt. Sprache soll sich frei entwickeln udn wenn alle irgendwann in Deutschland nur noch gefärbtes Hochdeutsch sprächen fände ich das keinen wirklichen Verlust. Und wenn alle Menschen auf der Welt irgendwann nur noch eine Sprache sprächen wäre das sicherlich nicht wirklich von Nachteil.

    Diese Konkurrenz zwischen Volksstämmen Franken-Bayern, Badenser-Schwaben, Braunschweiger-Hannoveraner...usw. ist doch irgendwie vollkommen künstlich. Warum sollte es heute mal ernsthaft einen Franken stören im Bundesland Bayern eingegliedert zu sein? Glaubt ihr z.B. als deutsche Bürger erwüchsen euch Nachteile in bayern oder Vorteile in einem Bundesland Franken?

    Ich bin selbst Patriot, lüneburgischer, niedersäschischer, deutscher Patriot...aber das heißt für mich auf bestimmte Dinge stolz zu sein...nicht dass ich glaube ich Niedersachse wäre besser als ein Vorpommerer. Bundesländer sind für mich Verwaltungseinheiten und vielleicht noch etwas Mentalitätsgrenzen. Ständig wird damit kokettiert Bayern als Ausland anzusehen. Kann ich nichts mit anfangen.

    Oder was denkt ihr? Anachronismus und wird sich das weiter abschleifen, oder werden diese Abgrenzungen und Regionalen Differenzen bestehen bleiben und sollten es auch?
    ...
    Liebensteiner Mohnfest 2019 - 15.-17.11.2019 (Spießknecht Olivier Bulain)

  2. #2
    Schwannis
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    Îch wohne hier mehr oder weniger Dörflich, spreche gern Vierlänner Platt und halte den Hamburger gegenüber einem Münchener für grundsätzlich überlegen. Ich finde Lokalpatriotismus einfach toll, ich fühle mich einfach wohler wenn ich meinem Besuch ein "mok doch de Door to"(Keine Ahnung obs richtig geschrieben ist) entgegenschmettern kann und er es versteht.
    Ich glaube nicht das Bundesländer einfach Verwaltungsgrenzen sind, ein gebürtiger Hamburger tickt einfach anders als ein gebürtiger Münchener oder Berliner. (Bedingung ist das alle mehr oder weniger lang dort gelebt haben.)

    Hanseatische und Preussische Grüsse
    Schwannis
    Schwannis vult!

  3. #3
    Gerwin
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    Schwierig. Die kulturellen Grenzen sind eben gewachsen...vermischen sich meiner Meinung nach durch eine zunehmende Mobilität immer mehr. War es vor 400 Jahren noch kaum möglich eine Freundin zu haben die mehr als 50-100 km entfernt gewohnt hat kann ich mich heute bequem in den ICE (oder das Auto) setzen und zu meiner Freundin fahren...völlig gleichgültig ob die nun in München oder in Hamburg lebt.

    Andererseits ist gerade die Behaltung einer gewissen Lokalkultur vielleicht auch wichtig. Für den einzelnen Menschen ist ein großes Staatsgebiet oft schwer zu überschauen so dass eine "Was geht mich das an" Einstellung folgt. Ich bin da ganz ehrlich. Mir persönlich ist es egal ob die Autobahnen im Osten ausgebaut sind...ich fahre nicht in den Osten. Mir persönlich ist es dann vielleicht schon eher wichtig dass direkt vor meiner Tür eine Spielstraße eingerichtet wird ...damit die Kinder da nen Ort zum toben haben. Oder dass die Spielstraße wegkommt (weil mich die Kinder stören). Lokalpatriotismus führt zu einer gewissen Identifizierung, und gerade die kann wichtig sein.

    Sieht Europa übrigens glaube ich genauso...und versucht gerade kleinere Minderheiten in ihren Bestand als Minderheit zu schützen. Und irgendwo in Deutschland kann man eine "Dänenpartei" gründen die gewisse Vorteile genießt..weil sie eine lokale Besonderheit darstellt. Für mich ist es durchaus wichtig dass sich der Bayer eben mit seinen Bayern und der Hamburger mit seinen Hamburg identifiziert (nun nicht unbedingt nur indem er einer Trachtengruppe beitritt oder Mundart lernt). Lokalpatriotismus heißt eben auch in gewisser Weise Verantwortung für seine Umgebung zu übernehmen..aber auch bereit zu sein diese den fremden möglichst schön zu präsentieren. Ein "wahrer Patriot" sieht sich vielleicht als aufgrund seiner Herkunft etwas besser. Er würde aber (zumindest in meinen Augen) niemanden ausschließen der an der entsprechenden Lokalkultur teilnehmen will.

    In Lokalpatriotismus sehe ich somit nichts irgendwie negatives..so lange er nicht zu einer gewissen "Feindlichkeit" überschlägt. Leider benutzen viele Rechtsextremisten gerade diesen (natürlichen) Wunsch des Menschens nach einer lokalen Einheit für ihre Zwecke. Dass halte ich dann schon eher für negativ.

  4. #4
    Tiron
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    Es ist noch nicht lang her ( 30-50 Jahre) da konnten sich Leute mit ihrem Platt im 10 km weiter entfernten Dorf nicht verständigen.

    Trotz Globalisierung hat sich eigentlich nichts verändert ( außer das es sich von örtlichen Gegebenheiten zu Gesellschaftsschichten verlagert hat ).

    ITler sprechen ein extremes Denglisch, es gibt das typische "Ghettosprech" und vieles mehr- auch eine Art Dialekt...

    Btw: Die Franzosen machen es richtig, sich sorgen dafür das ihre Sprachkultur erhalten bleibt udn nicht wie die deutsche allmählich völlig verhunzt wird.

  5. #5
    Justav
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    Lokalpatriotismus ist großartig, man muss ihn allerdings konsequent verfechten; dass jegliche Provinz gegen die einzige echte Stadt in diesem Land (Berlin; naja, Hamburg kann man den Kleinstadtstatus auch nicht völlig absprechen) abstinkt, steht ja ohnehin fest. Allerdings muss man sich als Nordberliner damit abfinden, für Menschen, die südlich des Kudamms residieren, als Fisschkopp zu gelten, bzw umgekehrt muss man sich als Südberliner damit abfinden, dass für echte Reinickendrofer der Weißwurst-Äquator etwa in Kudamm-Höhe verläuft, ergo ein Zehlendorfer eigentlich schon halber Bayer ist. Ost-Berliner ticken sowieso völlig anders, und die Spandauer werden es in zweitausend Jahren noch nicht verkraftet haben, dass sie damals 1920 nach Berlin eingemeindet wurden und nciht anders rum.

    Ich muss also doch sehr bitten, Regionalismus ist das eine, aber echter Lokalpatriotismus zeigt sich daran, dass man es schafft, die Typen im Nachbardorf für weit fremdländischer/dümmer/seltsamer zu halten als Bayern, Franzosen, Maori oder andere Ausländer...
    So long

    Justav

  6. #6
    Nutz
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    Zitat Zitat von Tiron
    Btw: Die Franzosen machen es richtig, sich sorgen dafür das ihre Sprachkultur erhalten bleibt udn nicht wie die deutsche allmählich völlig verhunzt wird.
    Ja die Entwicklung der eigenen Sprache durch Quotenregelungen und ähnliches zu behindern ist etwa genauso sinnvoll wie der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses...
    Sprache entwickelt sich genau wie die Gesellschaft selber.

    Es spricht nichts dagegen wenn man lokal weiter Brauchtum zu pflegen, aber es macht Sinn das nebenher zu machen. Ich bin zumindest recht froh drüber das bei uns die Umgangssprache mittlerweile mehr oder minder Hochdeutsch ist, auch wenn noch viele Platt sprechen.

  7. #7
    Schlachtross
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    Zitat Zitat von Nutz

    Sprache entwickelt sich genau wie die Gesellschaft selber.
    Voll krass ey, is aba vielleicht gar net so die fett geile Entwichlung ey.
    "Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen." (Goethe)
    Zitat Zitat von Kelmon
    Lustige Tatsache:
    Die eigene Gruppe macht immer "ernsthaftes Reenactment".
    Leute mit höherem Anspruch sind immer "nervige Nörgler".
    Leute mit geringerem Anspruch sind immer "Gewandungsversager"

  8. #8
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    Hm, naja. Sprache hat was mit Gefühl zu tun. Ich zB. mag Ruhrpottdeutsch nicht. Das klingt mir einfach zu hart. Man könnte auch argumentieren, daß ich das nicht mag, weil ich mit dem weicheren Sächsisch aufgewachsen bin. Daher kann ich meinen Lokalpatriotismus aber auch wechseln. Mal stolz sein, die DDR noch live mitgekriegt zu haben und mal stolz zu sein, daß hier im Ruhrgebiet alles nebeneinander liegt. Sehr praktisch. ;o)

    Ich bin dafür, die deutsche Sprache zu retten und zu schützen. Ich find es schade, daß Worte wie "Kleinod" und so verschwinden. Gern hol ich mir Hilfe an der Info-Theke, ungern am Service-Point. Ich kann auch in ne Besprechung gehen und nicht ins Meeting. So lange es deutsche Worte gibt, sollte man die auch benutzen und nicht falsch übersetzen. (Wer die Werbung vor ein paar Jahren gelesen, wo es Body Bags zu kaufen gab, weil Rucksack ja zu deutsch war?) Fachbegriffe dürfen gern mal fremdländisch sein, in der Medizin sind sie Lateinisch, im Hotel französisch usw. Ich muß nicht, um Weltoffenheit zu zeigen, meine Sprache verhunzen. Dann bin ich nur noch ein Mischmasch und hab keine Identität mehr. Bevor jetzt einer meckert, ja, ich weiß, wir Deutschen sind auch nur ein Mischmasch, allerdings eine mit fast homogener Sprache. Warum nicht hier nen Schnittt machen und das schützen, was sich bisher entwickelt hat, anstatt sich weiter zu mischen. Ich mag dieses fiese grau-braun nicht, was sich ergibt, wenn man alle Farben mischt.

    LG
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  9. #9
    Nutz
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    Zitat Zitat von Schlachtross
    Zitat Zitat von Nutz

    Sprache entwickelt sich genau wie die Gesellschaft selber.
    Voll krass ey, is aba vielleicht gar net so die fett geile Entwichlung ey.
    Tjo die Frage ist ob sich so ein Slang tatsächlich hält, oder ob nur Teile davon wenn überhaupt die Jugend überstehen.

    Aber nu ich hab auch überhaupt kein Problem mit dem so oft angeführten Denglisch.

    Naja scho recht, wird wohl besser sein wenn wir uns alle ausschließlich an der Vergangenheit orientieren. Früher war halt alles besser...

    Zitat Zitat von Benutzer755
    weil Rucksack ja zu deutsch war?
    Naja Übertreibung gibts immer mal. Grad in der Werbebranche die ja gern mal besonders hip sein will. Aber das spiegelt doch nicht die große Masse wieder. Als Gegenbeispiel mag genannt sein das die Computerbild mal nach irgendner Bildkampagne zur Sauberhaltung der deutschen Sprache diverse Wörter umgestellt hat. Da durften Treiber dann nicht mehr Treiber heißen weils ne schlechte Übersetzung war. Hießen dann plötzlich Steuerungsprogramme. Im MMo Bereich durfte ne zeitlang bei einigen Sprachfanatikern und PC Zeitschriften der der vorn steht und sich auf die Omme kloppen lässt auch nicht mehr Tank heißen. Den nannte man dann Brecher.
    Fand ich beides recht albern. Aber das ist zu viel des Guten eigentlich immer.
    Es ist einfach in Teilen sinnvoll Worte aus anderen Sprachen zu übernehmen. Machen andere übrigens genauso.

  10. #10
    Chevalier
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    @Benutzer

    naja, die Deutsche Sprache wie sie heute als Hochdeutsch daherkommt wurd aber nicht erst heute durch z.T. englische Begiffe verziert. Worte wie Allee (deutsche: mit Bäumen gesäumte Straße...Baumreihenstraße??) oder Ambiente, Laterne usw. (eine gute Liste gibt es unter http://de.wikipedia.org/wiki/Fremdwort ) sind aus unserer Sprache gar nicht mehr wegzudenken. Doch sind sie halt in fremden Sprachen entstanden. Und anderen Sprachen geht es genauso: Rucksack oder Kindergarten sind ebenso wie Blitzkrieg heute englische Worte geworden.
    Viel bedenklicher ist es, wenn es deutsche Worte in englischer Phonetik erfunden werden, wie Handy, die es in englischer Sprache gar nie gegeben hat.

    Aber eigentlich geht es mir wirklich um diesen fiesen Lokalpatriotismus. Dieses "Bäh ich bin Franke und gehöre nur technisch zu Bayern!" finde ich einfach so lächerlich. Und das in einem so vergleichsweise kleinen Land wie Deutschland. In anderen Staaten der Welt hauen sich wenigstens unterschiedliche Volksstämme auf die Köpfe, als in diesem Sinne eben wenn mal wieder WM ist und alle Deutschen gemeinsam bejubeln wenn die Niederlande rausfliegen...

    Brauchen wir Menschen das? Diese Konkurrenz? Jemanden, auf den wir herabschauen können mit einer Verachtung, die wir gekonnt mit einem Lächeln herunterspielen als Rivalitäten ohne Bedeutung? Aber warum hauen sich dann Hannoveraner und Braunschweiger immer noch die Köpfe ein und warumgeht einem der Schwabe noch heute fast an die Gurgel, wenn man ihn Badenser nennt?
    ...
    Liebensteiner Mohnfest 2019 - 15.-17.11.2019 (Spießknecht Olivier Bulain)

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