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  1. #1
    oliverp
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    historische europäische Stockkampftraditionen

    Aloha,

    wegen einer gerade aktuellen persönlichen Diskussion hier mal eine Frage bez. historischer europäischer Stockkampftraditionen, nämlich: Welche gibt oder gab es?

    Bisher kamen zusammen:

    Quaterstaff / Stock der Länge 220cm+ , Material unklar bzw uneinheitlich, vermutlich Esche / niederländisch +Anreiner + England / Nachweis Bilder und Schriften, Hochmittelalter bis 18tes Jhdt / Stil: Auf Holzschnitten siehts aus wie bekifftes Kendo/ ursprünglicher Verwendungszweg: Gewässerüberquerung - wird nicht mehr aktiv praktiziert als Tradition

    Ba'ta / Shillelagh (gesprochen Dchill Lä Lie) / 100-160cm endknotiger Weisdron / Irland / Nachweis Zeichnungen und Beschreibungen bis ins frühe 20te Jahrhundert hinein (USA) / Stil: Stil? Drunken irisch Kung Fu! in Verbindung mit Faust- Tritt- und Ringtechniken und Steinewerfen / Verwendungszweg: Aufs Maul - wird nicht mehr praktiziert, wird versucht auf sporthistorischer Ebene wiederzubeleben

    Jogo do pao / Material beliebig bzw. uneinheitlich / beliebige Länge, eher kurz (140 cm im Durchschnitt) / Portugal / Quelle: Aktuell, Ursprung bzw Anfang unbekannt / Stil: wirbeln, springen, Shaolin light ohne tiefe Stände + Ecstasy / ursprünglicher Verwendungszweck: Schäferstab + Abwehr von Wildtieren - wird noch praktiziert

    La Canne / Material: variert / Länge 80-120cm mit moderner Gestockbiegung an einem Ende/ Frankreich / Quelle: aktuell / Stil: Distanz, präzise, Lehrbücherpositionen wirken wenig realistisch und stresssicher / ursprünglicher Verwendungszweck: unklar, Biegung spricht für Schäferstab, Historische Entwicklung für reinen Gehstock(siehe nächsten Punkt)

    Kein fester Begriff: Selbstverteidigung per Gehstock für den Gentleman / Länge 70-120cm / England / Quelle Bücher der Tudorzeit bis ins späte 19te Jhdt / Stil: Distanz, präzise, Lehrbücherpositionen wirken wenig realistisch und stresssicher, vermutlicher (siehe Ba'ta) / Ursprung: Bügerliches Fechten, heute praktiziert von wütenden Rentnern mit Schirmen

    Was gibts und gabs belegter Weise noch? Wie siehts mit Alpenstangen und Wurzelknäufen aus? Gabs da eine Tradition oder Anleitung?

    Danke und schöne Grüße,

    oliverp
    Geändert von oliverp (16.10.2014 um 09:31 Uhr)
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
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  2. #2
    Hubert
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    Das schaut für dich aus wie bekifftes Kendo?

    Beim Quarterstaff könnte man noch erwähnen, dass das Ding im deutschsprachigen Raum lustigerweise Halbe Stange genannt wird. Was auch irgendwie logischer ist, wenn die ganze Stange der Spieß wäre.
    Einerlei: Joachim Meyer (aus dessen Fechtbuch obig verlinktes Bild stammt) schreibt übrigens bei einigen Stücken auch davon, dass man tretend und schlagend weiterarbeiten solle; geworfen wird auch ziemlich viel. Meistens soll man dies aber "fröhlich" tun.

  3. #3
    oliverp
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    Danke Hubert!

    Kennst du auch noch Traditionen, in denen dies fortgeführt wurde?

    Und ja, die Grundhaltung (eben Viertel des Stabes als vordere Handforderung - Vorderteil gesenkt gehalten) wirkt auf mich wie bekifftes Kendo, auch unabhängig der Wortherkunft.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

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  4. #4
    Hubert
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    Eigentlich nicht, ich weiß nur von diversen Vereinen die die entsprechenden Fechtbücher aufgreifen und versuchen zu rekonstruieren. Entspricht das deiner Vorstellung einer Wiederbelebung auf sporthistorischer Ebene, oder erwartest du dir da auch schon Turniere etc.? Diesbezüglich hinken die Stangenwaffen gemäß europäischen Fechtbüchern den Schwertern stark hinterher.

    Ist dir btw. das wiktenauer wiki ein Begriff? Eine Suche dort könnte auch interessant für dich sein, besagter Joachim Meyer sowie Paulus Hector Mair bieten gutes Material zum Quarterstaff / Halbe Stange / Short Staff. Speziell die Bilder aus dem Mair Buch sind hervorragend: http://wiktenauer.com/wiki/File:Mair_short_staff_01.jpg (ok, die gucken nun wirklich etwas bekifft... )
    Geändert von Hubert (17.10.2014 um 02:24 Uhr)

  5. #5
    William Blackmorrow
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    Im italienischen Raum gibt es noch einige Traditionen. Zu Bastone findest Du einiges im Netz. Es gibt auch Bücher. Scherma = Fechten, Scherma die Bastone dann Fechten mit dem Spazierstock.
    http://www.ibs.it/code/9788884741967...herma-col.html
    http://bastonegenovese.gipoco.com
    und einiges mehr.
    Eine etwas gewalttätigere Variante des Jogo Do Pao kommt von den kanarischen Inseln und wurde dort ziemlich perfektioniert. Da gibt es auch einiges drüber, aber spanisch ist jetzt nicht so meine Stärke...

  6. #6
    oliverp
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    Danke euch beiden, bringt mich alles ein Stück weiter, super!

    @Hubert
    Nein, keine Tuniere, sondern der Versuch einer (Teil)Rekonstruktion in Sachen Techniken und allgemeinem Verständnis.
    (Das wiktenauer kannte ich noch gar nicht! Das ist ja mal ein geiles Projekt; stellt die alten Arma-Sachen deutlich in den Schatten!)

    @William
    Also ich kenne Jogo do Pao schon als absoluten Vollkontaktsport, bei dem allerdings eine aufwendige Schutzkleidung getragen wird, die im Groben an Kendo erinnert. Daher traue ich mich kaum nach einer härteren Variante zu suchen.
    Geändert von oliverp (20.10.2014 um 20:15 Uhr)
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  7. #7
    William Blackmorrow
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    Das heißt Juego del Garotte (Canario) bzw. Juego del Palo. Die Ähnlichkeit zu JDP ist offensichtlich. Das wurde auch von Portugiesen auf die Kanaren gebracht, allerdings von sehr aggressiven Portugiesen aus Südportugal, wie mir Master de Preto mal erzählt hat.
    Ich hab ein Video gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=qk-PP18owEk
    Da gibt es wohl auch noch Unterarten von: http://ejmas.com/jwma/articles/2000/...wolf_0500.html

  8. #8
    oliverp
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    Sorry, das sollte keine Aufforderung sein, für mich zu suchen. Aber vielen Dank für den Link.

    Dass es da eine Kleinteiligkeit gibt, die sogar beim Wushu Neid erweckt, hab ich bereits bemerkt.

    Beim portugisisch-spanischen Stil hab ich noch nie Stäbe über 160-max170cm gesehen, interessant.
    Eine agressivere Kampfweise erkenne ich auf diesem(!) Video auch nicht, dafür ein paar echt gute Techniken. Die nächsten Tage werd ich daran mal weiterrecherchieren mit Hilfe des google Tranlators.
    Geändert von oliverp (20.10.2014 um 21:13 Uhr)
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  9. #9
    William Blackmorrow
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    Ich hab halt auch nur Luis de Preto angerufen und gefragt da ich ihn zufällig noch kenne. Sonst hätte ich das nie gefunden.

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