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  1. #1
    Dreamdancer
    Dreamdancer ist offline
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    Von Tonnenelfen und Riesen-Zwergen: Das leidige Thema Gewicht

    Hallo, liebe InLarper,

    nachdem das jetzt mit meiner Freischaltung geklappt hat (danke, Daymaid) schreibe ich jetzt endlich das Posting, das ich eigentlich schon seit zwei Wochen loswerden wollte.

    Ich bin Larp-Anfängerin, und bevor ich mich auf meiner ersten Veranstaltung völlig blamiere (anstelle von nur halb), ackere ich mich grade durch gefühlte Tonnen von Forenthreads, das Larp Wiki usw. Dabei habe ich auch schon viel Hilfreiches mitgenommen, was man als Anfängerin wohl besser lassen sollte - wobei ich eh nie vorhatte, als Ninjaassasinenhalbdämon oder Pinselöhrchen-Katze oder Ähnliches rumzulaufen. Und nein, meine Eltern sind auch nicht durch Orks umgebracht worden, sondern ganz normal an Altersschwäche gestorben (ich bin schon etwas reiferen Semesters).

    Ich habe auch eine sehr nette Gruppe gefunden, die mich aufgenommen hat, mit denen ich ein passendes, einfaches und bodenständiges Charakterkonzept entwickelt habe und auch an einer passenden Klamotte feile und ich freu mich riesig auf meine erste Con in ein paar Wochen - soweit also alles gut

    Aber: Was mir hier beim Durchlesen (und ja, ich hab mich durch einen Großteil der Threads hier im Allgemeinen Forum durchgearbeitet) wirklich aufgestoßen ist und mich zwischen Ärger und auch teilweise Verletztheit hat schwanken lassen, ist die Art und Weise, wie (zumindest hier, keine Ahnung, wie es dann auf Cons ist) über Menschen mit "mehr" auf den Rippen gesprochen wird.
    Ja, man kann mich guten Gewissens als übergewichtig bezeichnen. Und nein, das lässt sich eben nicht mal "so eben" lösen, ich habe im Laufe meines Lebens etliche Diäten und "Ernährumgsumstellungen" hinter mir, alle mit mäßigem Erfolg. Das ist im OT-Leben ärgerlich genug - angefangen mit Klamottenkaufen bis hin zu irgendwelchen doofen Vorurteilen.

    Aber muss das auch in einem Hobby sein? Insbesondere in einem Hobby, das doch auch viel mit Fantasie zu tun hat? Wenn ich lese - für Elfen bin ich zu fett, für eine Zwergin zu groß (damit fallen klassische Fremdrassenrollen flach), als Kämpferin wieder zu fett und untrainiert... denkt man das konsequent weiter, dann bleiben irgendwann nicht mehr viele Charakterkonzepte übrig, oder? Heiler und Magier liegen mir nicht, weder im P&P noch in PC-Spielen, was dann? Klar - ich könnte theoretisch wunderbar die Assistentin eines Kaufmanns spielen, die den ganzen Tag an irgendeinem Schreibtisch oder hinter einer Ladentheke sitzt - aber das hab ich jeden Tag im Büro, dazu muss ich nicht LARP machen.

    Noch mal: Ich hab ein schönes Konzept gefunden, das meiner Meinung nach auch passend ist und mit dem ich - hoffentlich - auch keine hochgezogenen Augenbrauen ernte. Dieser Thread wird auch nicht die Einstellung der LARP-Szene ändern - wie auch? Aber wenn es vielleicht dem ein oder anderen ein klein bißchen was zum Nachdenken gibt, dann hab ich mein Ziel schon erreicht.
    Auch runde Menschen wollen Spaß haben, Abenteuer erleben und ihre Fantasie ausleben.

    So - und jetzt geh ich erst mal raus, hier scheint nämlich endlich die Sonne

  2. #2
    Benutzer755
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    Es gibt auch korpulenter Kämpfer. Ganz einfach, weil zB. Ritter genug Gefolge haben, die für sie kämpfen. Oder einfach, weil man nicht Kämpfer von Beruf ist, sondern Bauer, Händler, Irgendwas und nur in den Kampf rennt, weil es um Leib, Leben und Sippe geht. Nur LARP lebt halt von Klischees und da sind Elfen nunmal gertenschlank und Zwerge klein. Klar ließe sich für andere Formate eine Erklärung finden, aber wenn Du als Elfe angespielt werden möchtest, dann sollte man von vornherein dem Klischee entsprechen und sich nicht erst erklären müssen. Das ist nicht böse gemeint.
    Außerdem wird hier im Forum vieles heißer gekocht, als es gegessen wird. Es gibt auch Leute, die meinen, Nordleute müssen im LARP ihre Klamotten nach Fundlage nähen. Oder man müsste "germanisch" aussehen, um einen nordischen Charakter spielen zu dürfen. Und bitte alle Tattoos abdecken, die nicht zum Charakter passen. Kann man machen, muß man aber nicht. Es gibt halt überall Extreme, die vertreten werden.

    LG
    Benutzer755
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  3. #3
    Nount
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    Hallo!

    Diese Diskussion ist mindestens so alt wie das Hobby Larp neue Anstöße zum Nachdenken sind das daher nicht, da hat wohl jeder Larper schonmal drüber nachgedacht. Das soll kein Vorwurf sein.

    Larp hat mehr mit Darstellung als mit Fantasie zu tun. Wer überwiegend seine Fantasie einsetzen möchte, sollte P&P spielen ... viele Leute machen ja genau deshalb Larp, weil man dort die Dinge sehen kann und sie sich eben gerade nicht vorstellen muss.

    Wobei das so pauschal nicht richtig ist: Es gibt Cons, auf denen die Darstellung freier ist als auf anderen. Die sind nur nicht so einfach zu finden, weil viele Leute filmreife Darstellung als etwas sehr Positives empfinden und "Wir legen Wert auf gute Darstellung" oft als Werbeargument benutzt wird - egal, obs stimmt oder nicht. "Wir legen Wert darauf, dass jeder das spielen darf, was er möchte, unabhängig von seinen körperlichen Voraussetzungen" wäre zwar eigentlich ein kein schlechtes Werbeargument für manch einen Spieler, aber nun ja ...
    Vieles wäre besser, wenn alle Orgas ehrlich wären. Es gibt kein Con, das ideal für jeden ist. Aber ehrliche und vollständige Conbeschreibungen sind leider selten. Wie gesagt, es gibt durchaus Cons für dicke Elfen und ich finde es sehr schade, dass die schwer herauszufiltern sind.

    Das Grundproblem ist: Es gibt eine Skala mit "Freiheit bei der Darstellung" auf der einen und "Immersion" auf der anderen Seite. Man kann nicht beides gleichzeitig haben. Immersion finden nun viele Leute toll ... dann muss man aber zwangsläufig Einschränkungen vornehmen.

    Larp ist keine Selbstverwirklichung, sondern ein Gemeinschaftsspiel.
    Larp findet nur zum Teil in der Fantasie statt - das meiste findet in der Realität statt und da muss man mit dem leben, was die Realität einem bietet. Schwebezauber oder Unsichtbarkeit sind so gut wie unmöglich darzustellen. Ich bin sehr klein und werde daher niemals den beeindruckenden Endgegner darstellen können. Als kleine Person wird man auch gerne mal nicht ernst genommen und/oder für sehr jung gehalten. Ist so. Ich kann mich auf den Kopf stellen und zetern, so viel ich will, aber ich kann die Realität nicht ändern.
    Wenn ich versuche, das darzustellen, was mit meinen körperlichen Voraussetzungen nicht vereinbar ist, geht das auf Kosten der Immersion meiner Mitspieler.

    Und, ganz ganz wichtig:
    Anfänger überschätzen meist die Wichtigkeit von Fantasyrassen. Die Rollenwahl ist in Wahrheit gar nicht so eingeschränkt, wie es zunächst erscheinen mag.
    Körperliche Voraussetzungen haben i.d.R. nur Fantasyrassen. Elfen sind eher zierlich. Zwerge sind eher klein. Das wars.

    Übrig bleiben wirklich zahllose Rollen. Als Anfänger hat man oft buchstäblich eine Handvoll möglicher Rollen im Kopf, ein paar Archetypen: Krieger, Heiler, Magier, Elf, Zwerg. Wenn dann zwei (zu dick für Elf, zu groß für Zwerg) oder drei (zu unfit zum Kämpfen) wegfallen, hat man das Gefühl, es bleibt nichts übrig.
    Stimmt aber gar nicht.
    Wenn man länger spielt, sieht man (falls man die Augen ein bisschen aufmacht ), dass es noch viel, viel mehr gibt.
    Überscroll mal diese Liste: http://www.larpwiki.de/Charaktertipps
    Auch wenn man die Rassen ausblendet, sind das schon eine ganze Menge mehr Rollen als nur eine Handvoll, die meisten unabhängig von Figur, Statur, Geschlecht und Alter. Und das sind nur die Überbegriffe und die Liste ist unvollständig.
    Dann gibts Unterkategorien. Man kann einen Heiler als studierten Medicus spielen oder als einfachen Bader. Als Kämpfer ist es ein Riesenunterschied, ob man freier Söldner ist oder Ordenskrieger.
    Ein Charakter kann ein armer Schlucker sein, ein reicher Schnösel oder irgendwas dazwischen. Religionsspiel macht eine Menge aus und es gibt tausend Varianten z.B. von Handwerken und Freizeitbeschäftigungen. Charaktereigenschaften gibts wie Sand am Meer und dann ist da noch das Herkunftsland (und ganz unterschiedliche Ethnien!).

    Ein Charakter ist nicht die "Klasse" auf dem Charakterbogen. Die sagt erstmal gar nichts aus. Ein Charakter ist, was du draus machst.
    Ganz viele Anfänger sehen Charaktere erstmal ganz eindimensional - ein extrem häufig gehörter Satz ist "Menschen sind langweilig. Ein Mensch bin ich doch im realen Leben schon." Und der Satz ist ziemlich blödsinnig: Wir haben 7 Milliarden Menschen auf der Erde, die sind unterschiedlicher als wenn man zwei Larp-Elfen miteinander vergleicht.
    Viele meinen, ihr Charakter wird dadurch interessant, dass sie ihm Gummiohren ankleben. Das ist ein Irrtum. Der Charakter wird interessant durch seine Eigenarten.

    Wenn man meint, wegen der Mitspieler von den meisten Larp-Rollen ausgeschlossen zu sein, sollte man vielleicht selbst drüber nachdenken anstatt die Mitspieler dazu aufzufordern.
    Dann ist man entweder nicht ehrlich zu sich selbst (denn wenn man zu unfit ist zum Kämpfen, ist das definitiv nichts, was die anderen ändern können! ) oder man hat nur zwei Minuten über die Rollenauswahl nachgedacht.

    Übrigens: Gerade als Anfänger sollte man nicht gleich alle Rollen ausschließen, die einen im P&P oder Computerspiel nicht ansprechen. Larp ist weder das eine noch das andere und manch einer erlebt eine große Überraschung, wenn er die angeblich blöde Rolle doch mal ausprobiert.

    Sich darüber aufzuregen, dass man im Larp nicht jede Rolle gleichermaßen gut darstellen kann, ist etwa so sinnvoll, wie sich darüber zu beschweren, dass man beim Fußball den Ball nicht mit der Hand werfen darf wie beim Handball. Das sind eben die Unterschiede zwischen den Hobbys.
    Geändert von Nount (03.04.2016 um 12:44 Uhr)
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
    Lass das Steuer los.
    Trudle durch die Welt.
    Sie ist so schön.
    (Kurt Tucholsky)

  4. #4
    Kamikaze
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    Die obigen beiden Poste unterstütze ich vollständig.

    Zum Thema Klischee im LARP: https://www.larpwiki.de/Meinung/Char...KlischeeImLarp

    Zusätzlich 2 Infos aus meiner persönlichen LARP-Erfahrung (deine Erlebnisse können also variieren):
    1) Ich bin auch nach den Zahlen übergewichtig und kann trotzdem alle Rollen spielen, die ich eben darstellen kann. Da fallen zwar Zwerge (dafür bin ich zu groß) und Elfen (dafür bin ich zu dick) aus, aber gleichzeitig stehen mir alle menschlichen Rollen genau so zu, wie allen anderen (OT sind wir ja alle Menschen), und auch etliche Fantasy-Rassen, wie z.B. Ork, Uruk, Troll, Chaoskrieger, Scaven, etc., die man auch mit einer fülligeren Figur (in gewissen Grenzen) spielen kann. Häufig merkt man dann allerdings nicht nur das Gewicht, sondern die damit verbundene größere Anstrengung (Ist schon ein Unterschied, ob man 110kg den Berg hoch hieven muss, oder nur 70...) und häufig auch fehlendes Training.
    Ich spiele beispielsweise einen Ritter. Damit kann ich kämpfen und die füllige Figur ist kein klischee-Problem. Den Trainingszustand merkt man beim LARP-Kampf allerdings sehr schnell - insbesondere, wenn man Rüstung tragen will.
    Ganz unabhängig davon, ob du also mit dem "Schlankheitswahn" übereinstimmst oder nicht, solltest du für dich selbst entscheiden, ob du eine Rolle körperlich durchstehst.
    Ich könnte beispielsweise keinen glaubwürdigen Waldläufer darstellen, weil ich schon nach zwei Kilometer Dauerlauf aus dem letzten Loch pfeife. Dagegen habe ich kein Problem damit (in gemächlichem Tempo) stundenlang 30kg (Ritter-)Rüstung oder 40kg (Knechts-)Kraxe mit mir herum zu schleppen.

    2) Ich liebe "einfache" oder (nach Punkten) "unnütze" Rollen. In diesen kann man ganz hervorragend Spaß auf Con haben, während das bei P&P-Spielen oder PC-RPGs praktisch nie der Fall ist. Im LARP funktioniert dagegen sehr vieles ohne Skill-Fertigkeiten, sondern auf zwischenmenschlicher Ebene. Kämpfe machen nur einen sehr kleinen Teil deiner Zeit auf Con aus. Ebenso, wie das Anwenden von Regelwerks-Fähigkeiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Charakter, der IT wenig kann, aber offen auf Mitspieler zu geht und ihnen Spiel und damit Spaß bringt sehr gerne angespielt und "zum Plot mitgenommen" wird - obwohl er vielleicht nicht kämpfen, heilen oder zaubern kann.
    Das mag auch damit zusammen hängen, dass sich z.B. Krieger/Kämpfer gaaaanz groß und toll fühlen, wenn sie tatsächlich mal einen Charakter beschützen können/dürfen/sollen oder Magier tatsächlich jemanden finden, der sie für ihre IT-Fähigkeiten anhimmelt, oder Heiler, die auch mal einen Charakter wegen einer Lapalie weinen sehen.

    Ich denke man kann das so zusammenfassen: "Biete deinen Mitspielern Spiel, und du bekommst Spaß und erinnerungswürdige Momente zurück."

    Eine Idee für die Vielfalt an möglichen Charakterkonzepten findest du z.B. hier: https://www.larpwiki.de/Charaktertipps
    Diese Liste ist übrigens nicht vollständig. Es gibt noch allerhand andere Charakterkonzepte, mit denen man prima Spaß haben kann.
    Edit: Nount war schneller...
    Geändert von Kamikaze (03.04.2016 um 12:55 Uhr)
    Monster und Persönlichkeiten aller Art...

    Meine Charaktere, Bastelanleitungen und mich findet ihr auch im LARP-Wiki

  5. #5
    Gerwin
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    Um eines vorweg zu nehmen: Ich sehe die Sache etwas anders als Benutzer. Ja, übergewicht (bzw. der Umgang mit Übergewicht) ist ein gesellschaftliches Problem. Deshalb fehlt es auch deutlich leichter sich über einen übergewichtigen Charakteren (in welcher Rolle auch immer) lustig zu machen, außer zum Beispiel zu sagen "nein, sorry, so schmal wie du aussiehst kommt der Barbarenkrieger nicht gut rüber, wirkt einfach nicht". Generell sind Larper eben an diesen Punkt (teilweise) intolerant (Ironie: geht ja auch immer auf eigene Faulheit zurück) und nehmen sich, anders als bei anderen "Diskriminierungen" auch das Recht heraus eher offen darüber zu reden. Damit musst du leben. Generell gesagt steht dir dein übergewicht allerdings, ausser dass du dich mit der gleichen Intoleranz wie im normalen Leben herumschlagen musst, nicht dabei im Weg deine Fantasy auszuleben. Mit einigen Ausnahmen: Es gibt Dinge die prinzipell kaum darstellbar sind. Beispielsweise der breitschultrige 2 Meter Asiate, der 1,50 große Ork oder auch die (deutlich) übergewichtige Elfe. An diesen Punkt muss man sich fragen "kann ich nicht die meisten Dinge die ich mit meinen eventuell unpassenden Charakter sagen will, auch mit einen passenden sagen") Sprich, wenn ich keine Elfe spielen kann, gibt es vielleicht eine Möglichkeit das von mir angestrebte Fantasywesen bezüglich seiner Wesensmerkmale zu spielen, ohne dass es eine Elfe ist. Wer das nicht tut sondern trotz körperlicher "ungeeignetheit" zur Elfe greift sieht sich eben schneller Spott ausgesetzt als jemand der einen (zu schmalen) Barbarenkrieger oder eine (mit einer Durchschnittsgröße von 1,60 eigentlich schon fast zu Große) Zwergin spielt. Daher ist der Ton an diesen Punkt auch etwas rauer. Wenn du allerdings einen Charakter spielst der halbwegs zu dir passt (und auch eine übergewichtige Kriegerin/Schamanin/whatever dürfte kaum auf nennenswerten Gegenwind stoßen) bleibt der Ton auch entspannt.

  6. #6
    Tee
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    Ich begreife es auch als riesige Chance das man im Larp für das, was man ist "großen Applaus" kriegen kann.
    Wenn du es schaffst dich und deine körperlichen Vorausetzungen zu akzeptieren und versuchst deine Nische zu finden, wirst du am Ende mehr Spaß und auch positives Feedback bekommen, als wenn du versuchst dich oder irgendwelche Rollenvorgaben zu verbiegen.

  7. #7
    Cartefius
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    Ich denke, man kann das Thema von mehreren Seiten angehen, und die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

    Einerseits darf natürlich letztendlich jeder spielen was er will, und eine Larpdarstellung ist selbstverständlich bei niemandem perfekt, eine Tatsache, die den meisten Larpern üblicherweise auch ganz klar bewusst ist.
    Auf der anderen Seite ist Larp ein Hobby, das nicht nur mit Vorstellung, sondern auch mit Erleben zu tun hat, und das, was der eine erlebt, muss der andere darstellen. Das bedeutet aber auch, dass das Larperlebnis normalerweise dadurch besser wird, wenn die Darstellung stimmt, wenn die Sachen echt und überzeugend wirken, und man mit den Sachen so umgehen kann, wie man sie wahrnimmt, und nicht erst grübeln muss, was der andere sich damit denn wohl vorgestellt haben könnte.

    Aber muss das auch in einem Hobby sein? Insbesondere in einem Hobby, das doch auch viel mit Fantasie zu tun hat? Wenn ich lese - für Elfen bin ich zu fett, für eine Zwergin zu groß (damit fallen klassische Fremdrassenrollen flach), als Kämpferin wieder zu fett und untrainiert... denkt man das konsequent weiter, dann bleiben irgendwann nicht mehr viele Charakterkonzepte übrig, oder?
    Ich glaube, hier liegt ein sehr wichtiger Punkt zugrunde, in dem man viel ausprobieren und fein differenzieren muss.
    Zum ersten: Eigentlich ist die Auswahl an Rollen recht groß. Ich bin auch "im echten Leben" dick, nicht besonders sportlich und Brillenträger, aber habe schon die diversesten Rollen gespielt: Gelehrte und Magier, aber auch Söldner, Soldaten und Räuber, als NSC Untote und Monster, und ich denke, auch sehr viele andere Rollen die ich noch nicht gespielt habe wären grundsätzlich, mit entsprechendem Aufwand, drin: Barbaren oder Orks z.B., Kleriker und Adlige, Orientalen oder Wikinger.
    Wichtig dabei ist aber immer, dass man sich der eigenen Wirkung und damit auch den Grenzen der eigenen Darstellung zumindest grob bewusst ist. Ich bin z.B. ein eher gemütlicher Typ, und kann damit auch wenn ich z.B. einen Soldaten spiele am besten ebenfalls einen eher gemütlichen Typen spielen, das klappt ganz problemlos. Als hünenhafter Muskelberg, der alleine mit seinen stahlharten Blick die Leute zum Verstummen bringt, wäre ich aber ebenso unglaubwürdig wie als leichtfüßiger Fechtmeister voller katzenhafter Grazie, denn das sind Dinge, die stark an der Person und ihrer Wirkung hängen. Das ist auch der Grund, warum ich keinen Zwerg oder Elfen spielen würde, denn das wäre einfach nicht überzeugend, würde nicht die gewünschte Wirkung erzielen, und darum auch für mich unbefriedigend.

    Und ich glaube, da liegt oft der Knackpunkt: Viele Leuten sehen beim Rollenspiel (und nicht nur beim Larp) die Chance, jetzt einmal jemand völlig anderes zu sein, und damit all die positiven Erlebnisse mit ihrem Charakter zu haben, die sie sonst nicht haben. Der Dicke ist einmal schlank, grazil und elfengleich, der Schmächtige kann einmal der knallharte Typ sein, vor dem sich alle fürchten, der in sich Gekehrte kann einmal die wichtigste Person im Raum sein, zu dem alle aufschauen, das Mauerblümchen einmal der geheimnisvolle Charmeur.
    Das funktioniert aber meist im Larp nicht, weil die Leute ja keine rein virtuellen Phantasiefiguren sind, sondern immer noch von sich selber geschauspielert werden, und je extremer diese Diskrepanz der angestrebten Rolle und der eigenen Wirkung ist, desto alberner und unauthentischer wirkt das ganze. Manchmal kehrt sich das ganze sogar ins Gegenteil um: Da mag jemand eigentlich durchaus überzeugend, attraktiv und kompetent wirken, aber er macht sich total zum Affen, weil er eine Rolle wählt, die überhaupt nicht zu seinem Typ passt.

    Und das ist auch letztendlich der Grund, weswegen ich in der Vergangenheit öfter mal Larpern vom Spiel extremer Rollen, wie z.B. der übermenschlich schönen und grazilen Elfe oder dem eiskalten Meisterassassinen abgeraten habe, und es auch in Zukunft wieder tun werde. Nicht, weil ich ihnen diese Rolle oder Spielspaß im allgemeinen nicht "gönne", sondern weil ich denke, dass sie mit einer gemäßigteren und passenderen Rolle ein viel positiveres Resultat erzielen und Erfolg haben könnten, wo sie mit der "Kopf-Durch-Die-Wand"-Taktik zum Scheitern verurteilt sind.

  8. #8
    Cartefius
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    Es gibt Cons, auf denen die Darstellung freier ist als auf anderen. Die sind nur nicht so einfach zu finden, weil viele Leute filmreife Darstellung als etwas sehr Positives empfinden und "Wir legen Wert auf gute Darstellung" oft als Werbeargument benutzt wird - egal, obs stimmt oder nicht. "Wir legen Wert darauf, dass jeder das spielen darf, was er möchte, unabhängig von seinen körperlichen Voraussetzungen" wäre zwar eigentlich ein kein schlechtes Werbeargument für manch einen Spieler, aber nun ja ...
    Das berührt aber noch einen anderen wichtigen Punkt, an dem ich Larper auch häufig als recht inkonsequent erlebe:
    Auch die Leute, die häufig sehr stark dafür eintreten, die Charakterwahl und Darstellungsanforderungen möglichst frei zu gestalten, und besonders tolerant beim Umgang mit den Mitspielern und ihren Charaktervorstellungen zu sein, würden normalerweise nicht gezielt auf Cons gehen, bei denen diese Anforderungen explizit freigegeben sind.

    Die Elfen sind da oft ein gutes Beispiel: Ich glaube, ich habe schon von so ziemlich jedem Aspekt der Elfendarstellung gehört, dass der eigentlich nicht essentiell wäre und auch gut weggelassen werden könnte. "Groß": muss nicht, "Grazil": ist eh Ansichtssache, "Schön": unwichtig, "Weise": Naja, lassen wir lieber, "Tolle Handwerker": ziemlich lästig, "Magisch-geheimnisvoll": Kann man eh nicht darstellen, also lassen wir es weg, "Naturverbunden-intuitiv": Nee, könnten ja auch in Städten leben, "Hochkulturell-aristokratisch": Nee, könnten ja auch in Wäldern leben... und so weiter, und so fort.

    Schlägt man aber diesen Leuten vor, sie sollen das Konzept doch dann, wenn sie soviele klassische Aspekte für unpassend halten, einfach nicht mehr "Elf" nennen, sondern irgendwie anders, und auch die spitzen Ohren weglassen, dann erwartet einen meist starker Protest: Undenkbar! Das wäre ja dann total beliebig!

    Warum ist das so? Ich denke ja, vor allem, weil man normalerweise eigentlich gerne die ganzen klassischen Aspekte sehr wohl "im Paket kaufen" möchte, wenn man sich Gummiohren anklebt und als Elf bezeichnet. Weil man eben doch gerne grazil, weise, übermenschlich und mystisch auf seine Mitspieler wirken möchte, und will, dass der Glanz des Namens auf einen abfärbt. Und deswegen gefällt es Elfenspielern meist doch am besten, wenn alle anderen Elfen auf dem Con möglichst ehrfurchtgebietend-elfisch rüberkommen, sich gemessen und grazil in seidenen Gewändern bewegen und in einem tollen Elfenlager im Wald leben, und alle anderen Spieler nur im Flüsterton vom "Schönen Volk" sprechen. Denn so kann dieser Nimbus möglichst gut auf einen selber abfärben, auch wenn man selber diesen Eindruck nicht transportiert.

  9. #9
    Hana
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    Aufgrund körperlicher Voraussetzungen eingeschränkt in der Rollenwahl ist man eigentlich (fast) nur bei Fantasy-Rassen. Da sind die Kriterien nunmal fix, nach den meisten Hintergründen gibt es nunmal keine dicken Elfen oder großen Zwerge und beides wäre schlechte Darstellung.
    Bei Menschen-Charakteren ist das anders - Menschen können jedes Gewicht, Größe, Aussehen haben, und auch jemand, der für einen Beruf von seinem Körper her nicht besonders geeignet wäre, kann ihn ausüben (er ist dann in diesem Beruf vielleicht weniger erfolgreich oder aber kann das körperliche Manko durch andere Faktoren ausgleichen).
    Es gibt auch Meinungen, dass z.B. dicke Menschen keine Kämpfer oder Barbaren spielen sollten, aber die sind so selten (auch wenn hier vor allem von Gerwin immer wieder vertreten), dass sie eigentlich nicht ins Gewicht fallen.

    Wenn du eine Kämpferin spielen möchtest - bitte, viel Spaß dabei! Man kommt dabei eben entsprechend seinem Äußeren rüber - wer stark übergewichtig ist, wirkt (und ist ja auch oft) weniger fit, dann kommt der Charakter eben auch schneller aus der Puste. Wer recht klein ist, so wie ich z.B., wirkt als Kämpfer weniger beeindruckend als ein Hüne - da könnte ich noch so gut kämpfen und die schwerste Rüstung tragen, ich bleibe "die Kleine".

    Übrigens, wenn das Exotische der Fantasyrassen lockt, man dafür aber nicht die körperlichen Eigenschaften hat, sind exotische Menschenkulturen eine tolle Alternative. Von Wüstenvölkern, über "kasachische" Nomaden, trinkfreudige melancholische "Russen", Seefahrerkulturen aus dem hohen Norden, orientalischen Gruppen, Eiswüstenbewohnern in Fellkluften oder eigenen Fantasy-Kulturen ohne realweltliche Inspiration - es gibt da massig interessante Konzepte abseits des altbekannten "Elf, Zwerg, Mitteleuropäer-Mensch", die oft viel interessanter sind als die Elfe von nebenan.
    Geändert von Hana (03.04.2016 um 14:21 Uhr)
    Nount und ich bloggen: Mondkunst
    Liverollenspiel im Münsterland: http://www.danglar.de

  10. #10
    Gerwin
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    Nur zur Klarstellung (und weil Hana mich hier wohl wider besseren Wissens als Beispiel anführt): Ich habe überhaupt nichts gegen übergewichtige Kämpfer. Auch nie gehabt. Es gibt Rollen die eine gewisse trainierte Statur fast schon voraussetzen, selbst da finde ich jedoch einen übergewichtige Person meist deutlich angebrachter als jemand den man sich mal gerade eben unterm Arm klemmen und ein paar hundert Meter weiter abstellen kann. Mal ganz davon abgesehen dass ich "negative Kommentare" bzw. "lustige Sprüche" bei übergewichtigen Personen selbst bei passender Charakterwahl deutlich öfter empfinde als bei Personen die eindeutig nach unten abweichen. Gerade deshalb bin ich da vorsichtig. Was aber an Hanas Posting aus meiner Sicht stimmt ist der Umstand, dass menschliche Exotenkulturen (insbesondere wenn man den Fantasybereich einschließt) oft die Möglichkeit bieten die gewünschten Charaktereigenschaften auch dann einzubauen wenn das gewünschte Fantasywesen auf Grund fehlender Darstellbarkeit nicht zur Verfügung steht. Und ich kann sogar verstehen warum (auch) übergewichtige Menschen gerne die grazile Elfenbogenschützin oder das Katzenwesen spielen wollen. Bleibt dann halt Pen and Paper vorbehalten.

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