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  1. #31
    Gerwin
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    Sorry Tee, aber Diskussionen auf der larpphilosophischen Metaebene habe ich aufgegeben.
    In der Praxis sind die Gründe warum es meinen Leibeigenen etwas bringt längst ausgetauscht. Mir bringt der Leibeigene als Herr etwas, da er für die glaubwürdige Darstellung eines jeden Charakters hilfreich ist. Eine mittelalterliche Welt in der "Gleichberechtigung der Geschlechter, Führung durch Streicheleinheiten und Demokratie" herrscht ist eben einfach im wesentlichen "moderne Lebenseinstellung in mittelalterlicher Kleidung + Plotjagd". Wenn ich lese dass du eigentlich kein Lagerspiel willst sondern dein Wunsch sich eigentlich auf Kommunikation und Interaktion mit anderen beschränkt (interessant übrigens dass man Kommunikation beim Holzhacken ausschließt, bei einen Töpferer würde niemand auf diese Idee kommen) dann ist das vielleicht genau das Larp was du willst.

    Oder, anders ausgedrückt, je mehr sich die Welt meines Charakters von unserer modernen Vorstellung unterscheidet, umso schöner für mich. Da eine Geschlechterdifferenzierung IT kaum ohne größere Vorwürfe von außen möglich ist (siehe diverse Sexismusdiskussionen) bleibt eben Leibeigenenspiel als ein guter Ansatzpunkt der "demokratischen Moderne" einmal ein paar Tage zu entfliehen, und als interessanter Spielansatz für Plotpausen was beide Seiten angeht. Geht es lediglich um Plotjagd, "wer hat das schönste Kleid genäht" und das Treffen neuer OT-Freunde ist der Spielansatz natürlich denkbar uninteressant.

    Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Grüße

    Gerwin

    P.S.: Den Rest habe ich denke ich mehr als deutlich ausgedrückt.
    P.P.S.: Einen Grund über die (augenscheinlich manchmal als notwendiges Übel angesehene) Ambientedarstellung sehe ich nicht. Deshalb gibt es in den wenigsten PnP Gruppen (= Plotjagd) ja auch so wenige Leibeigene. Wobei man eben beachten sollte, dass ein Leibeigener durchaus einen Beruf oder eine Tätigkeit über "den Herrn unterstützen) hinaus haben kann. Eine Leibeigene als Heilerin auf dem Schlachtfeld kann durchaus funktionieren, zumindest wenn sie IT nicht auf dumme Ideen kommt.
    Geändert von Gerwin (24.08.2017 um 10:02 Uhr)

  2. #32
    Cartefius
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    Ich denke, man muss da einige grundsätzliche Unterscheidungen treffen:
    Erstens ist da die Frage, was man eigentlich unter Dienertätigkeiten versteht. Ich war jetzt primär von tatsächlichen Tätigkeiten ausgegangen, während "Rumstehen und dekorativ aussehen" für mich nicht zu den üblichen Tätigkeiten gehört, und vor allem nicht zu solchen, die typisch für Bedienstete sind.

    Trotzdem spricht das aber einen wichtigen Punkt an: Das Problem bei vielen IT-Dienstleisterrollen ist, anders als bei den historischen Vorlagen, nicht unbedingt das Arbeitspensum. Kaum jemand dürfte auf Larps an die Arbeitsleistung eines vormodernen Dienstmädchens, Bauern oder Stallknechts herankommen. Relevanter ist hier meistens, dass man nicht frei über seine Zeit verfügen kann, und das kann auch bei Tätigkeiten wie Wache stehen oder einer primär dekrativen Pagen- oder Konkubinenrolle durchaus etwas sein, was vielen Spielern nicht gefällt. Meiner Erfahrung nach ist das auch im Larp ein sehr relevanter Punkt, an dem die Organisation nicht nur im Diener- sondern auch im Soldatenspiel oft hakt: Wenn es darum geht, langweilig und ausdauernd bereit zu stehen, vergeht sehr vielen Leuten schnell die Lust, das ist auch der Grund, weswegen z.B. Wachrollen bei NSC traditionell sehr unbeliebt sind.
    Dies ist auch der Grund, weswegen ich die meisten Dienerrollen nur eher eingeschränkt für Anfänger empfehlen würde: Während so etwas wie ein persönlicher Adjutant eine sehr spannende Rolle sein kann bei der man sehr viel Spiel mitbekommt, werden andere, insbesondere in größere Gefüge eingebundene Rollen oft als sehr einschränkend wahrgenommen, weil man nicht mal eben weg kann, wenn man etwas interessantes sieht.

    Was die Sache mit den Safewords angeht: Anders als Gerwin halte ich es nicht für das Ziel, den Einsatz von Safewords durch Absprachen zu minimieren, im Gegenteil. Für mich ist es in klares Manko von Absprachen im Voraus, dass diese unflexibel und nicht gut an sich verändernde Situationen anpassbar sind. Dadurch kommt es oft zu Missverständnissen und dazu, dass Leute außerhalb ihrer Komfortzone agieren, weil sie sich nicht trauen, eine einmal getroffene Absprache zu brechen. Hier können gerade Safewords- und Exitstrategien helfen, die nötige Flexibilität zu schaffen und den Leuten Sicherheit zu geben, und dafür halte ich es für essentiell, dass die Hemmschwelle für die Anwendung dieser Exitstrategie so niedrig wie möglich gehalten wird. Das kann in der Praxis allerdings paradoxerweise durchaus dazu führen, dass die Notwendigkeit der Anwendung sinkt, weil die Leute sich souveräner fühlen und Fehlentwicklungen vorzeitig vermieden werden.

    In sofern ist das Ziel natürlich letztendlich doch, dass wenig Leute sich gezwungen sehen, Safewords zu nutzen, aber dies darf nicht darduch geschehen, dass man die Anwendung stigmatisiert oder mit Auflagen oder Bedingungen verknüpft.

  3. #33
    Gerwin
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    Um ehrlich zu sein:

    Wer nicht unbedingt "Kuschelleibeigenenrollen" spielen will (und der braucht keine Exitstrategie) der sollte sich genau überlegen, ob er nicht von Anfang an versucht, die Verwendung eines "Safewords" zu verhindern. Nur zur Klarstellung: Damit meine ich nicht dass irgendwer eingetrichtert bekommt "dein Safeword ist Schokokuchen. Aber WEHE du nutzt es ohne Grund. Dann ist Polen aber offen". Sondern, dass ich durchaus ein Interesse daran habe, die Komfortzone meines gegenübers erst einmal OT zu kennen. Und da Larp (für gewöhnlich) kein BDSM-Erfahrungsaustausch mit Vorliebe für Grenzsituationen ist, tastet man die Grenzen dieser Komfortzone nicht an, sondern hält sich da schön von entfernt.

    Bei einen Adjutanten, Schreiber, Pagen oder einer sonstigen eher "weichgezeichneten Untergebenenrolle", die letzten Endes kaum IT-Strafen ausgesetzt ist, mag das super funktionieren. Sobald allerdings mein frühmittelalterlicher Krieger nun seine Peitsche zückt sollte er vorher wissen, ob mein Mitspieler ganz eventuell Probleme mit (auch nur angedeuten) Peitschenschlägen hat. Und ehe ich jemanden nun auf Grund eines Fehlers "zur Sau mache" (manche Leibeigenen wollen so etwas ja) sollte ich durchaus wissen, ob die Person eventuell gerade eh ein arges Selbstwertproblem hat. Oder dummerweise vor 2 Wochen von ihren (nun hoffentlich) Ex vermöbelt wurde und nun ganz eventuell ein Problem mit der angedeuteten Peitsche hat. Klingt eigenartig, aber der zweite Fall kommt durchaus vor. Wenn ich das erst im Nachgang erfahre ist es irgendwie blöd. Auch hier zur Klarstellung: Natürlich muss niemand einen "OT-Seelenstrip" hinlegen. Ein einfaches "das ist übrigens eine Latexpeitsche. Knallt nicht, tut auch nicht weh....aber hast du vielleicht ein generelles Problem damit?" genügt.

    Eine Exitstrategie ist notwendig, ja. Normalerweise geht aber JEDEN Spielabbruch (und von nichts anderen reden wir hier) ein Fehlverhalten voraus. Das heißt nun nicht "der böse Herr ist OT rücksichtslos oder schuldig". Dennoch ist hier eine kurze Analyse im Nachgang aus meiner Erfahrung unbedingt notwendig. Wenn dabei nur rauskommt "war eigentlich alles okay...ich hatte nur gerade keine Kraft/Zeit/Lust mehr auf die Situation" umso besser. Dann spielt man in Ruhe weiter und alle sind zufrieden.

    weil man nicht mal eben weg kann, wenn man etwas interessantes sieht.
    Kann man. Selbst als Leibeigene eines Nordmanns. Ich schleife ja normalerweise niemanden gefesselt hinter mir her. Auch der "persönliche Aktionsradius" ist eine Frage der Absprache. Wer natürlich in ein großes Gruppengefüge eingebunden ist wird sich damit schwer(er) tun.
    Lustiger Fakt am Rande: Gerade etwas schüchterne Männer und Frauen in der Leibeigenenrolle wollen (!) oftmals gar nicht unbedingt weg, zumindest nicht auf Großveranstaltungen. Da ist der "Herr" durchaus auch OT ein sicherer Hafen zu dem man sich mal zurückziehen kann.
    Aber das ist individuell.

    Grüße

    Gerwin
    Geändert von Gerwin (24.08.2017 um 18:09 Uhr)

  4. #34
    Kamikaze
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    Der Vorteil von Exitstrategien ist allerdings, dass im Idealfall der Lager-Gast nichts davon mitbekommt und das Spiel nahtlos weitergehen kann.

    Ich bin in soweit bei Gerwin, dass eine gute Absprache von vorneherein die Wahrscheinlichkeit des Gebrauchs senkt (und das ist gut so), aber dennoch würde ich nicht gänzlich darauf verzichten wollen, einfach um gerade auch als Herrenspieler die Gewissheit zu haben "wenn meinem IT-Untergebenem was OT nicht passt kann und wird er mir das zeigen."
    So kann ich auch mal den aufbrausenden/strengen Herrn raushängen lassen, ohne mich nachher entschuldigen zu müssen.

    Zum Thema "was bringt eine Dienerrolle dem Diener-Spieler?":
    Bei uns hat sich ein Deal etabliert, der letztendlich besagt, dass Führungsrollen sich um "ihre Leute" zu kümmern haben.
    Das bedeutet: je höher ein Charakter in der Hierarchie steht, um so weiter wird seine OT-Freiheit eingeschränkt, zu Gunsten der IT-Untergebenen.
    Als Beispiel: Es wird noch ein Kämpfer gesucht, der eine Expedition begleitet: Dann werde ich (als Ritter) einen Waffenknecht hin schicken, und ihm den Plot "überlassen", anstatt selber dort hin zu laufen und die Knechte sitzen so lange im Lager.
    Ist jetzt vielleicht ein Beispiel über das man viel diskutieren könnte, aber ich denke das Prinzip wird deutlich: Im Zweifel hat der IT-Herr OT zurück zu stecken, damit die IT-Untergebenen Spaß haben können.
    Im Gegenzug haben die IT-Bediensteten dem Herrenspieler dann zur Verfügung zu stehen, wenn z.B. hoher Besuch anwesend ist.
    Im Grunde das ale "Eine Hand wäscht die Andere"-Prinzip.
    Dazu kommen für Führungsrollen OT-Aufgaben, wie z.B. Organisation, Plot-Entwicklung, Requisitenbau/finanzierung, etc., um was sich Dienerrollen idR. nur dann Gedanken machen müssen, wenn sie das aktiv wollen.
    Dieses Prinzip hat sich bisher gut bewährt - hängt aber auch maßgeblich daran, dass jeder Bock auf das gemeinsame Spiel hat und keine "Quertreiber" dabei sind. Daher bestehe ich u.a. darauf, Leute kennen zu lernen, ehe man gemeinsam auf Con fährt.

    Ich muss jetzt zuer Arbeit - evtl texte ich die Tage nochmal was dazu.
    Monster und Persönlichkeiten aller Art...

    Meine Charaktere, Bastelanleitungen und mich findet ihr auch im LARP-Wiki

  5. #35
    Gerwin
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    Für mich gilt da eher weiter, WENN Exitstrategie dann MUSS ein zeitnaher Spielabbruch zwischen den Parteien und eine OT-Reflektion im Vier Augen Gespräch erfolgen. Alles andere erscheint mir irgendwie Augenwischerei.

    wenn meinem IT-Untergebenem was OT nicht passt kann und wird er mir das zeigen.
    Da vertraust du aber sehr stark auf Mitspieler die du im Zweifel kaum kennst. Bei vielen die das ohne Safeword nicht hinkriegen hilft auch das Safeword wenig. Aber das ist ein Problem für welches ich noch keine Lösung habe.

    Gruß

    Gerwin
    Geändert von Gerwin (25.08.2017 um 09:10 Uhr)

  6. #36
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    Eine Exitstrategie ist notwendig, ja. Normalerweise geht aber JEDEN Spielabbruch (und von nichts anderen reden wir hier) ein Fehlverhalten voraus.
    Nein, genau das ist nicht der Fall. Die Verwendung einer Exitstrategie kann auch ganz harmlose, persönliche Gründe haben, wie "ich muss jetzt mal eben für 10 Minuten weg, meine Medikamente nehmen" oder "ich muss mal eben ein wichtiges Telefonat erledigen, bin in einer halben Stunde wieder da". Der Clou einer harmlosen, universell anwendbaren Exitstrategie ist, dass jeder sie spontan, ohne Sonderabsprache und vor allem ohne Rechtfertigung nutzen kann, und ohne dass das Gegenüber ein schlechtes Gewissen haben muss.

    Was mir nicht ganz klar ist: Wieso sind wir eigentlich von der Ausübung von Dienertätigkeiten zur IT-Misshandlung mit Latexpeitschen gekommen?

  7. #37
    Gerwin
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    Gut, wie gesagt, dann bin ich für die Einführung einer "Exitmöglichkeit" für ausnahmslos JEDEN Charakter. Und aus jeden x-beliebigen Grund. Zumindest die Wahrscheinlichkeit "ich muss mal OT meine Medikamente nehmen" ist bei Untergebenencharas ebenso vorhanden wie bei "nicht Untergebenen". Und auch Situationen die man einfach OT nicht ganz so toll findet halten sich bei beiden die Waage. Im Gegenteil. Auf meinen Leibeigenen mag man gut und gerne mal 10 Minuten gut erklärbar verzichten können. Bei meinen Wikinger wird's in der entsprechenden Situation schwierig.

    Deine letzte Frage ist zwar augenscheinlich provokativ gestellt (Tonfall "die Situation ist völlig abwegig"), ich möchte hier jedoch darauf hinweisen dass ich scheinbar nicht der einzige mit so einen Ding bin. Ich zitiere Kamikaze

    ja - mein Ritter hat seine Peitsche praktisch ständig dabei
    ich gehe nun davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil von "Leibeigenenschaftspielern" durchaus bereit sind ein Fehlverhalten auch IT zu bestrafen und im Zweifel auch mit der entsprechenden Peitsche umgehen können. Zwar bleibt es nach meiner Erfahrung in der Regel bei einer reinen "Demonstration", aber ein intensives Leibeigenenspiel kommt eben nicht ohne IT-Strafen aus. Und anders als "verdammt, ich habe meine Aspirin vergessen" (was sich für gewöhnlich durch ein leises "du ich bin gleich wieder da, ich habe da was vergessen" lösen lässt) oder meinen Unwillen mich mit dem drölfzigsten Chara mit modernen Weltbild herumzuschlagen (durch ein "Was...ihr habt eine Leibeigene? Aber ihr müsst doch wissen, jede Frau ist auch eine Göttin" so erlebt...aber da muss ich dann halt IT durch ) benötigen sowohl Aufgaben die einen Spieler überfordern können als auch das Spiel (!!!) mit Strafen ein tatsächliches Safeword.

    Ums kurz zu machen: Wenn ich einfach körperlich oder geistig nicht mehr kann, mein Herr mir aber (ohne bösen Willen) aufgibt folgende Nachricht GANZ DRINGEND zum 2,5 Kilometer entfernten Lager X zu bringen, dann bin ich für ein "Safeword", dass ihm zu verstehen gibt "neee du sorry..geht nicht mehr" dankbar. Überfordert mich dieser Lauf nicht, muss ich vorher aber vielleicht einmal auf die Toilette, dann sage ich ihm "klar..gib mir 5 Minuten" (Momente/Hahnenschreie/whatever), erfülle aber grundsätzlich die Aufgabe.

    Dass man Dienerspielern ZUSÄTZLICH die Möglichkeit einräumt einfach "gerade unangenehmen IT Aufgaben durch OT Zeichen aus dem Weg zu gehen" finde ich zwar interessant und durchaus ein guter Ansatz, jedoch nicht zwingend notwendig.

    Insbesondere da jeder meiner Leibeigenen bisher tatsächlich die Möglichkeit hatte eine Aufgabe einfach IT (!!!) nicht zu erfüllen. Er/Sie musste nur mit einer IT (!!!) Reaktion leben. Und, sein wir mal ehrlich:

    Abseits von Menschen die ich wirklich gut kenne (die Beziehung, langjährige Freunde, stundenlange Skype-Vorgespräche) ist die folgende IT Reaktion im Regelfall mehr als human und beschränkt sich oft auf einen strengen Blick und ein "dann sprechen wir uns später" (wobei "später" nie stattfindet )

    Gruß

    Gerwin

    P.S.: P.S.: Nur zur Klarstellung, das "etwas dominierende Ausgangsthema" "wie vermittle ich nun am besten dass mein Leibeigener/Diener nicht mit OT Tätigkeiten überfordert wird" ist für mich relativ durch. Der Threadtitel ist aber mit Absicht offen gestellt, also warum nicht weiter diskutieren? Erfahrungsgemäß kann ich mir gut vorstellen dass jetzt eine tatsächlich mit einen "Wie...IT Strafen für Untergebene? Also wirklich" um die Ecke kommen. Was durchaus eine fruchtbare Diskussion werden könnte.
    Geändert von Gerwin (25.08.2017 um 19:02 Uhr)

  8. #38
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    Gut, wie gesagt, dann bin ich für die Einführung einer "Exitmöglichkeit" für ausnahmslos JEDEN Charakter. Und aus jeden x-beliebigen Grund. Zumindest die Wahrscheinlichkeit "ich muss mal OT meine Medikamente nehmen" ist bei Untergebenencharas ebenso vorhanden wie bei "nicht Untergebenen". Und auch Situationen die man einfach OT nicht ganz so toll findet halten sich bei beiden die Waage. Im Gegenteil. Auf meinen Leibeigenen mag man gut und gerne mal 10 Minuten gut erklärbar verzichten können. Bei meinen Wikinger wird's in der entsprechenden Situation schwierig.
    Ich halte das für eine sehr gute Idee. Ich war schon auf Spielen, da war das in den Regeln festgelegt (und das war alles andere als ein Grenzerfahrungs-Con), ebenso haben wir das bei uns in einer Gruppe intern festgelegt. Ich habe auch noch nicht erlebt, dass das als "Notbremse" genutzt wurde, aber es hat durchaus einige Spielsituationen entschärft bei denen einer aus irgendeinem Grund nicht mitspielen konnte oder wollte.
    Am sinnvollsten und universellsten finde ich eigentlich ein Codewort, dass nur ganz allgemein heißt "was ich gerade tue oder sage hat Out-Time-Gründe", das ist in den meiste Fällen völlig ausreichend und kann sowohl für schwerwiegende Dinge als auch für Bagatellen genutzt werden.
    ich gehe nun davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil von "Leibeigenenschaftspielern" durchaus bereit sind ein Fehlverhalten auch IT zu bestrafen und im Zweifel auch mit der entsprechenden Peitsche umgehen können. Zwar bleibt es nach meiner Erfahrung in der Regel bei einer reinen "Demonstration", aber ein intensives Leibeigenenspiel kommt eben nicht ohne IT-Strafen aus.
    Leibeigenenspiel kommt ganz hervorragend ohne Strafen, insbesondere ohne körperliche Strafen, aus. Es dürfte auch der historischen Vorlage entsprechen, denn ich gehe davon aus, dass die Anzahl der Tage, an denen ein Leibeigener von seinem Schutzherren mit der Peitsche gezüchtigt wurde, über das Jahr gesehen normalerweise deutlich in der Minderheit gewesen sein dürften. Machtausübung scheint ja generell im Larp ein sehr wichtiges Thema und spannender Spielinhalt für dich zu sein, ich möchte aber (ohne zu urteilen) anmerken, dass das bei vielen Larpern nicht so ist.
    Total exotisch ist das auch nicht: Ich habe Strafe und Züchtigng durchaus schon öfter, inbesondere vor militärischem Hintergrund, als Larpthema erlebt, würde das ganze aber auf die Gesamtheit hochgerechnet insbesondere im Bedienstetenkontext eher als Ausnahme sehen.

    Und anders als "verdammt, ich habe meine Aspirin vergessen" [...]oder meinen Unwillen mich mit dem drölfzigsten Chara mit modernen Weltbild herumzuschlagenbenötigen sowohl Aufgaben die einen Spieler überfordern können als auch das Spiel (!!!) mit Strafen ein tatsächliches Safeword.
    Meiner Ansicht nach braucht es eben gerade keine Unterscheidung nach "tatsächlichen" und "nicht tatsächlichen" Safewords, ich halte diese sogar für ziemlich kontraproduktiv, weil sie Hemmschwellen aufbauen. Zu jeder Spielsituation sollte es einem Spieler möglich sein, sich einfach und ohne sozialen Druck aus der Szene zurückzuziehen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, ob die Situation jetzt gerade drastisch genug dafür war.

    Ums kurz zu machen: Wenn ich einfach körperlich oder geistig nicht mehr kann, mein Herr mir aber (ohne bösen Willen) aufgibt folgende Nachricht GANZ DRINGEND zum 2,5 Kilometer entfernten Lager X zu bringen, dann bin ich für ein "Safeword", dass ihm zu verstehen gibt "neee du sorry..geht nicht mehr" dankbar. Überfordert mich dieser Lauf nicht, muss ich vorher aber vielleicht einmal auf die Toilette, dann sage ich ihm "klar..gib mir 5 Minuten" (Momente/Hahnenschreie/whatever), erfülle aber grundsätzlich die Aufgabe.
    Total simple Sache mit einem Codewort, nehmen wir als Beispiel mal "Onkel": Im ersten Fall sagt der Leibeigene "Das ist leider unmöglich, ich muss zuerst einen Auftrag für meinen Onkel erfüllen.", im zweiten Fall sagt er etwas wie "ich gehe nur kurz das Gepäck von eurem Onkel abladen, bin aber in fünf Minuten wieder da!". In beiden Fällen sagt das Safeword: "Es liegen gerade OT-Gründe vor, ich möchte das aktuell im Spiel nicht weiter thematisieren.", und damit ist alle notwendige Information gegeben.

    Insbesondere da jeder meiner Leibeigenen bisher tatsächlich die Möglichkeit hatte eine Aufgabe einfach IT (!!!) nicht zu erfüllen. Er/Sie musste nur mit einer IT (!!!) Reaktion leben.
    Und genau da liegt der Knackpunkt: Ohne OT-Kommunikation hat man zwei komplett entgegengesetzte OT-Situationen, die IT gleich aussehen: Im einen Fall will der Spieler mit dir spielen, im anderen will er die Spielsitation beenden.
    Wenn der Spieler Lust auf Spiel und IT-Sanktionen hat, darf er sich ohne Safeword so renitent zeigen wie er möchte, dann kann man davon ausgehen, dass er auch entsprechende Repressalien entsprechend dem jeweils gängigen Spielkontext wünscht - Von mir aus auch Auspeitschen, wenn alle das so möchten. Wenn er hingegen OT-Gründe hat, soll das Safeword die Möglichkeit geben, die Spielsituation aufzulösen, ohne sie zu verlängern, eine bestimmte Handlungsweise zu erzwingen, oder sonstwie zu eskalieren.

  9. #39
    Gerwin
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    Ich finde da ist alles gesagt Cartefius.

    Außer evtl. ein paar Kleinigkeiten.

    1. Du überschätzt die Bedeutung von Macht bei meinen Larpcharakteren. Ich HÄTTE das gerne. Weil ich gerne ein Larp hätte das möglichst weit von unserer modernen Gesellschaft weg ist. Für eine gute Forendiskussion oder ein schönes Charakterkonzept gibt das was her. Aus den ganz unten genannten Gründen ist es im Larp aber kaum konsequent umsetzbar.

    2. Wenn du eine Exitstrategie für JEGLICHE OT auch nur unangenehme (oder nervige) Larpsituation verfolgst, stelle ich mir das vom Spielfluss schwer aber nicht unmöglich vor. Durchaus interessant. Meine engeren Mitspieler wussten aber eigentlich immer wie sie sich einer Situation, warum auch immer, entziehen konnten, von daher liegen wir da im Grund nicht weit auseinander. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen "will ich nicht weil irgendwie doof" und "will ich nicht..weil die Situation täte mir aus OT Gründen so richtig weh". Ersteres braucht nicht unbedingt ein Nachgespräch. Letzteres würde ich schon gerne schnell wissen (und als "Unterlegener" auch gerne schnell mitteilen können)

    3. Historisch wusste der Leibeigene halt was passiert wenn er nicht spurt. Das erübrigt Strafen. Im Larp ist das anders.

    4. Mal am Rande (und für mich der Hauptgrund warum "Machtspiel" zwar ein interessantes Gedankenkonstrukt ist...auf Con aber sehr sehr eingeschränkt möglich): Kommt es zu einer harten Überschreitung der Komfortzone wird dir eine Exitstrategie nicht in jeder Situation etwas nützen. Denn nicht jeder wird sie in dieser Situation anwenden können. Eine Exitstrategie ist, und da bin ich mir mit dir völlig einig, eine feine Sache um früh aus einer unangenehmen Situation zu gelangen. Man darf sich nur nicht darauf verlassen. Gerade wenn sich jemand sehr renitent wehrt oder (theoretisch genauso möglich) gerade NICHT mehr handelt (sondern ein Schelten des Herrn still und irgendwie apathisch hinnimmt) ist da äußerste Vorsicht geboten. Gerade bei larpunerfahrenen Anfängern. Der mitschwingende Tenor "naja wir sind ja alle erwachsen, und die Exitstrategie wird mitgeteilt, DA kann ich mich drauf verlassen" ist falsch.

    Mit deshalb denke ich durchaus (und die Diskussion bestärkt mich persönlich in diesen Gedanken), dass ein Larpanfänger zwar gerne als Leibeigener/Diener/was auch immer mitlaufen darf, dann aber mit einer ziemlich (unhistorischen) Vogelfreiheit an der "langen Leine". Sprich, eher als jemand der sich Schutz einfordern kann und auch mal bei Lust "still mitlaufen".
    Das funktioniert.

    Gruß

    Gerwin

  10. #40
    Cartefius
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    Wenn du eine Exitstrategie für JEGLICHE OT auch nur unangenehme (oder nervige) Larpsituation verfolgst, stelle ich mir das vom Spielfluss schwer aber nicht unmöglich vor.
    Das behindert den Spielfluss eigentlich kaum, weil es auch wenn man die Hemmschwelle sehr niedrig setzt kaum angewendet wird. Die meisten Larper wollen ja spielen und lassen sich vom Spielfluss mitreißen.
    Meine engeren Mitspieler wussten aber eigentlich immer wie sie sich einer Situation, warum auch immer, entziehen konnten, von daher liegen wir da im Grund nicht weit auseinander. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen "will ich nicht weil irgendwie doof" und "will ich nicht..weil die Situation täte mir aus OT Gründen so richtig weh". Ersteres braucht nicht unbedingt ein Nachgespräch. Letzteres würde ich schon gerne schnell wissen
    Ganz grundsätzlich wissen eigentlich alle Larper, dass das nur ein Spiel ist und sie zu nichts gezwungen werden können. Trotzdem sollte man den sozialen Druck nicht unterschätzen: Man will vorherige Absprachen nicht brechen, man will nicht der "Spielverderber" sein der aussteigt, wenn alle weitermachen, und man will die Spielszene nicht kaputtmachen, indem man sie plötzlich mit einem Stop-Ruf unterbricht. Das ist eigentlich irrational, aber ich habe schon in den unterschiedlichsten Szenen Larper erlebt, die gesagt haben, dass sie eine Situation im Nachhinein als belastend empfunden haben, im Spiel aber nicht geistesgegenwärtig genug waren, einfach auszusteigen.

    Ich kann total nachvollziehen, dass du in einer Situation, die für dein Gegenüber unerträglich ist, wissen willst dass du etwas falsch machst damit du den gleichen Fehler nicht wieder machst. Für den Betroffenen sieht das aber in der Situation vermutlich anders aus: Der will primär erstmal die Möglichkeit, schnell und unverbindlich aussteigen zu können, ohne dass die gesamte Spielsituation zu einem quietschenden Halt kommt und alle sich fragen: "Was hat der denn?".

    Ob dann ein klärendes Gespräch folgt, und mit wem, ist erstmal eine nachrangige Entscheidung, das kann sich derjenige aber besser überlegen, wenn die Situation vorbei ist. Dann kann man sich selber immer noch überlegen, ob man das thematisieren oder lieber unter den Teppich kehren will.

    Kommt es zu einer harten Überschreitung der Komfortzone wird dir eine Exitstrategie nicht in jeder Situation etwas nützen. Denn nicht jeder wird sie in dieser Situation anwenden können. Eine Exitstrategie ist, und da bin ich mir mit dir völlig einig, eine feine Sache um früh aus einer unangenehmen Situation zu gelangen. Man darf sich nur nicht darauf verlassen.
    Da stimme ich voll und ganz mit dir überein, auch eine Exitstrategie verschafft keine absolute Sicherheit, die oben angesprochenen Mechanismen greifen ja immer noch. Wenn mein Tenor so rübergekommen ist, dass damit alles paletti ist, möchte ich dieses Bild korrigieren.
    Für mich ist es aber gerade der Knackpunkt, durch den eine Exitstrategie sicherer wird, dass Leute sich mit dem Thema auseinandersetzen und lernen, sich ihrer bewusst zu sein und sie im Alltag auch anzuwenden. Und deswegen plädiere ich für eine, die bei Bagatellen schon greift, und bei der auch ruhig jeder ermuntert sein soll, sie in Bagatellfällen ("Ich muss mal eben erst aufs Klo") auch mal anzuwenden, ganz einfach, damit man sich von beiden Seiten dran gewöhnt und in einer Stressituation einfacher daran erinnert.

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