Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 21
  1. #1
    Turis
    Turis ist offline
    Fingerwundschreiber Avatar von Turis

    Ort
    Stralsund
    Alter
    33
    Beiträge
    728

    Immersion "üben"

    Hi,

    im Ning gibt es derzeit einen interessanten Con-Bericht, in dem die Autorin über ihre sehr immersiven Erfahrungen als Bösewicht schreibt (siehe http://larper.ning.com/profiles/blog...erlieren-immer). Da Immersion einer der zentralen Aspekte für viele Spieler im Larp sein dürfte, fände ich es spannend, darüber mit euch zu diskutieren, inwiefern man an sich selbst "arbeiten" muss / kann, um überhaupt diesen Grad der Immersion erleben zu können.
    Der Autorin scheint das sehr leicht zu fallen, ich selbst finde es aber gerade auf Fantasy-Cons enorm schwer. Da stören mich mitunter schon die Bierflaschen oder der 2m-Zwerg. Allerdings ist das eher Ambiente und eben kaum von mir zu beeinflussen (nur bei meiner Gewandung oder wenn ich Orga bin - aber nehmen wir das mal raus).

    Muss man vielleicht zunächst mal im "geschützten Rahmen" anfangen? Hat es etwas mit "loslassen" zu tun, weil man evtl. Angst davor hat, dass die Immersion die Kontrolle über die eigenen Gefühle übernimmt? Muss man ein sehr emotionaler Mensch dazu sein? Ergibt es Sinn z.B. im P&P anzufangen?

    Viele Grüße

    PS: Weil es zur Diskussion passt: Zum Thema hatte ich mal nen larpwiki-Artikel geschrieben (http://www.larpwiki.de/Immersion), vielleicht hilft der ja. Ziel wäre es min. Stufe 3 oder sogar Stufe 4 zu erreichen.

  2. #2
    Gerwin
    Gerwin ist offline
    Forenlegende Avatar von Gerwin

    Beiträge
    17.111
    Ich denke das kommt deutlich darauf an welche Art von Gefühlen angestrebt wird. Trauer dürfte beispielsweise eine Sache sein, bei der man tatsächlich eher ein emotionaler Mensch sein muss. Gerade um diese Trauer innerlich zu empfinden und äusserlich zu transportieren. An anderen Punkten (Wut/Aggression oder andere eher negative Gefühle) wird es erfahrungsgemäß leichter. Persönlich habe ich ganz gute Erfahrungen mit "Triggerpunkten" (nicht im Sinne der Psychologie) gemacht. Jeder Mensch hat gewisse Situationen und Erinnerungen die ihn ganz real aggressiv, traurig, verzweifelt usw. machen. Das kann im Alltag beispielsweise über Musik ganz gut funktionieren. Im Larp müsstest du dann "lediglich" an diese Triggerpunkte denken um eine gewissen Grundstimmung auszulösen. Die Grundstimmung wird durch die generell IT traurige (aufgeheizte whatever) Stimmung verstärkt, und am Ende empfindest du tatsächlich Trauer, Wut usw. Und zwar durchaus aus IT Gründen. Es braucht eben nur diesen Schlüsselreiz. Das setzt natürlich voraus dass du dich selbst gut genug kennst um zu wissen wie du dich schnell in irgendeine Grundstimmung versetzen kannst (und auch schnell aus dieser wieder rauskommen).

    Wenn du natürlich mit Immersion meinst "ich will die eigenen realen Gefühle ausschalten und mich REIN IT leiten lassen", dann dürfte das tatsächlich nur bei Leuten gehen die sehr emotional sind.

  3. #3
    Section31
    Section31 ist offline
    Fingerwundschreiber

    Beiträge
    585
    Ich war früher auch der Meinung, dass Immersion (sagen wir mal Stufe 2-3) erstrebenswert sei. Stufe 4 halte ich für psychisch ungesund und gefährlich.
    Mittlerweile bin ich der Meinung, dass Stufe 1 vollkommen ausreichend ist. Wenn man ein guter Schauspieler ist, merken die anderen Con-Teilnehmer nicht mal, was
    gespielt ist und was nicht. Ich sehe mittlerweile keinen Sinn mehr darin, Immersion zu erreichen. Vielleicht sollte man da bei der Diskussion anfangen.
    In God we trust, the rest we monitor

    USS Atlas - Star Trek LARP - www.uss-atlas.de
    Königreich Wenzingen - Fantasy LARP - www.wenzingen.de

  4. #4
    Nount
    Nount ist offline
    Moderator Avatar von Nount

    Ort
    Beckum
    Alter
    35
    Beiträge
    3.463
    Ich vermute, dass es eher Typsache ist als etwas, das man lernen kann. Hat nicht unbedingt was mit "emotionaler Typ" zu tun (eher mit Empathie), aber manche können das, andere nicht.
    Aber funktioniert das wirklich losgelöst von den eigenen Emotionen? Für mich ist Immersion eher, in eine Geschichte einzutauchen wie im Kino oder bei einem Buch. Wenn es mich traurig macht, dass ein langjährig befreundeter Charakter stirbt, ist das nicht, weil mein Charakter traurig ist, sondern weil mich die Geschichte gefesselt hat.

    M.M.n. kann man es nicht selbst beeinflussen, sondern es hängt vom Con ab. Es ist auch Typsache, ob man OT-Gegenstände ausblenden kann oder nicht (ich kann das überhaupt nicht).
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
    Lass das Steuer los.
    Trudle durch die Welt.
    Sie ist so schön.
    (Kurt Tucholsky)

  5. #5
    oliverp
    oliverp ist offline
    Forenjunkie Avatar von oliverp

    Ort
    Berlin
    Alter
    40
    Beiträge
    3.673
    Hm. Die besten Schauspieler -auch im realen Leben- sind idR empathielose Menschen, weil sie sich nicht von Empathie ablenken lassen.

    Ich halte eine hohe Immersion gar nicht mehr für erstrebenswert, denn sie führt definitionsgemäß zu einer persönlich-emotionalen Involvierung. Bei Inszenierungen von Konfliktsituationen ist das nicht sehr klug und führt schnell zu dysfunktionalen Gruppendynamiken.
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
    Jean-Jacques Rousseau

  6. #6
    Nount
    Nount ist offline
    Moderator Avatar von Nount

    Ort
    Beckum
    Alter
    35
    Beiträge
    3.463
    Zitat Zitat von oliverp Beitrag anzeigen
    Hm. Die besten Schauspieler -auch im realen Leben- sind idR empathielose Menschen, weil sie sich nicht von Empathie ablenken lassen.
    Ging ja auch um Immersion, nicht um Schauspielqualität?
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
    Lass das Steuer los.
    Trudle durch die Welt.
    Sie ist so schön.
    (Kurt Tucholsky)

  7. #7
    LarpTroll
    LarpTroll ist offline
    Gelegenheitsschreiber Avatar von LarpTroll

    Beiträge
    138
    Ob Immersion für viele so wichtig ist, weiß ich gar nicht. Man könnte ja auch Ausprobieren neuer Eigenschaften anstreben. Das gelingt bei Immersion weniger, weil man unter Stress in gewohnte Verhaltensweisen zurückfällt. Was Immersion aus meiner Sicht sehr stören kann, ist ein Standardplot. Wenn ich zum 100. Mal Rätsel für einen Dungeonzugang lösen und ein Endritual machen muss, fühle ich halt mit jeder Phase, hier ist Larp.

  8. #8
    oliverp
    oliverp ist offline
    Forenjunkie Avatar von oliverp

    Ort
    Berlin
    Alter
    40
    Beiträge
    3.673
    Zitat Zitat von Nount Beitrag anzeigen
    Ging ja auch um Immersion, nicht um Schauspielqualität?
    Larp ist teilimprovisiertes Laienschauspiel zum gemeinsamen Spaß. Woran könnte man daher sonst die Sinnhaftigkeit von Zielen messen?


    Nachtrag, 16.02.2020: Du hast recht Dalamon "messen" ist definitiv und offensichtlich der falsche Begriff. "einordnen" ergibt mehr Sinn.
    Geändert von oliverp (16.02.2020 um 08:42 Uhr)
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen, Ihr Pisser!
    Jean-Jacques Rousseau

  9. #9
    Dalamon
    Dalamon ist offline
    Neuling Avatar von Dalamon

    Ort
    Mwanza / Tansania
    Alter
    41
    Beiträge
    93
    ja, also, Sinnhaftigkeit von Zielen ist jetzt echt schon eher ne philosophische Frage. Und "messen" ist halt auch so ne Sache, sobald wir nichtmehr von Kuchenrezepten, Entfernungen etc. reden.
    Ich persönlich mag Immersion, weil ich LARP als Escapismus betreibe. Ich will in eine andere Welt abtauchen, dabei auch verschiedene Verhaltensweisen und Ansichten ausprobieren. Je mehr ich das technisch schauspiele und je weniger ich es erlebe, desto weniger habe ich davon.

    Edit: Hervorhebung des Wortes "messen"

  10. #10
    LarpTroll
    LarpTroll ist offline
    Gelegenheitsschreiber Avatar von LarpTroll

    Beiträge
    138
    "Immersion" wird zum Teil auch unterschiedlich verstanden. Für die einen ist es das Selbstvergessen in der Spielewelt, man will das Gefühl, ein Ritter zu sein. Für andere ist es der Kontrast zum Alltag, man bleibt sich selbst, vergisst nicht, dass alles ein Spiel ist, wie in einem guten Urlaub.

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
  • BB-Code ist an.
  • Smileys sind an.
  • [IMG] Code ist an.
  • [VIDEO] Code ist an.
  • HTML-Code ist an.
(c) mit Unterstützung von Trollfelsen.de