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  1. #1
    Titus Tiberius Totenhagen
    Titus Tiberius Totenhagen ist offline
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    Probleme mit Söldnern im Larp

    Hallo zusammen,

    schon seit geraumer Zeit beschäftigt mich folgendes Thema:

    Im Larp gibt es eine sehr große Anzahl von Söldnergruppen und Söldnercharakteren. Entsprechend groß ist auch die Spannweite der Art der Darstellung: Von an der Historie angelehnten Kriegsknechten des Spätmittelalters, über "klassische" Schild+Einhandwaffe+Wappenrock-Truppen, bis hin zu "Chaosblutsöldnern" (Ich hoffe das Wort erzeugt die richtigen Klischeeassoziationen) oder auch Gelegenheitssöldnern (die "Freien Wölfe" waren ja erst neulich Gesprächsthema) reicht da die Palette.

    Und auch bei der Schwere der Waffen und Rüstung oder dem Spezialisierungsgrad bleiben keine Wünsche offen: Von kaum gerüsteten Spießern, über reine Bogenschützeneinheiten, über Schildwallkämpfer in schwerem Harnisch bis hin zur "Wir haben alles im Angebot"-Truppe ist alles verfügbar, was das Auftraggeberherz benötigt.

    Aber: Ist das wirklich so? Sind alle diese Truppen der Traum eines potentiellen Arbeitgebers?

    Auf was ich hinaus will: Wenn man sich gründlich überlegt, sind viele Söldnertruppen im Larp schlichtweg ungeeignet, um einen Auftrag anzunehmen und diesen zu überstehen. Ich frage mich bei vielen Söldnercharakteren immer, ob diese denn in der Realität auch nur bei einer Musterung erfolgreich angeheuert werden würden...

    Bevor Missverständnisse entstehen: Ich will hier weder eine Lobrede auf die Vorteile historisch korrekter Vorbilder bei der Darstellung von Söldnern halten (nichts liegt mir ferner), noch die große Frage nach Logik und Realität aufwerfen. Es gibt mehr als genug gute (!) Fantasy-Söldnergruppen und einige Aspekte der Realität wie die Logistik ("Wo sind die Maulesel, die das ganze Zeug transportiert haben müssen?") können und müssen im Larp nicht abgedeckt werden.

    Stellen wir uns der Einfachheit folgendes vor:

    Ich bin ein potentieller Auftraggeber und möchte Söldner anwerben. Um es genauer zu differenzieren, hier mal zwei "klassische Szenarios":

    Begleitschutz durch den Wald:

    Wäre ich ein reicher Kaufmann oder sonst ein schutzloser (aber wenig kampftauglicher, dafür umso mehr finanziell potenter) Reisender und ich müsste ein gefährliches Waldgebiet passieren, würde ich Söldner als Begleitschutz anheuern. Jetzt lasse ich grade im Geiste ein paar Söldnergruppen durchziehen und da muss ich dann sagen, würde ich mir als Auftraggeber bei den meisten Gruppen dreimal überlegen, ob ich die denn anheuern würde, denn zu viele Söldner im Larp bedienen das Klischeebild des gewissenlosen und betrügerischen Schweinehunds, der für den Meistbietenden seine Mutter verkauft. Kommen dazu dann noch schwarze Mundtücher, Chaosrunen und abgetrennte Gliedmaßen als Schmuck hinzu, dann dürfte ich mich als potentieller Auftraggeber wohl eher fragen, ob da vor mir nun Söldner, oder doch schon die Räuber stehen, denen ich eigentlich zu entkommen versuchte...

    Auf in die Schlacht!

    Fürst Soundso führt Krieg gegen Herzog Ismirwurscht. Da Fürst Soundso aber auf die Schnelle keine große Armee aufbieten kann, jedoch noch etwas Geld in der Kasse hat und er lieber mit Profis, als mit der zwangsrekrutierten Bauernwehr arbeiten möchte, entschließt er sich Söldner anzuheuern. Überall lässt er also Boten herumreisen und Flugblätter austeilen, die seinen Wunsch nach Söldnern öffentlich machen.
    Wenn nun aber potentielle Rekrutierungskandidaten auftauchen, dürfte sich Fürst Soundso vielleicht wünschen, er hätte doch lieber auf ein paar "Bauerntölpel" und seine kleine Ritterschaft zurückgegriffen, denn was bekommt er zu sehen? Zum einen Leute, die zwar vielleicht hervorragende Einzelkämpfer sind, aber auch eher mit Duell- anstatt mit Kriegswaffen anreisen, zudem durch eine ungeheure Renitenz gegenüber jeder Art von Autorität und Befehlsgewalt auffallen und selbst die einfachsten Befehle für den Formationskampf für Fremdwörter aus einem fernen Land halten.
    Auf der anderen Seite stehen dann willige Kämpfer, die dann zwar von oben bis unten in Stahl gekleidet sind und auch über schwere Waffen verfügen, aber ansonsten über nichts anderes zum Überleben verfügen. Sprich: Keine Kleidung, die vor Regen und Kälte schützt, keine Kleidung zum Wechseln und auch kein gutes Schuhwerk (nein, dies ist keine Hetze gegen BW-Springer).
    Fürst Soundso müsste also meinen, dass es vollkommen sinnlos ist, den ersten Soldmonat bereits auszuzahlen, da eh die Hälfte der Angeworbenen an Unterkühlung und Lungenentzündung stirbt...

    Und was mir persönlich wichtig ist: Wenn ich auf einer Con, aus egal was für Gründen, zum Autraggeber von Söldnern werde und ich dann die Hälfte der Kandidaten wegen Untauglichkeit aussortieren müsste - wäre ich dann in deren OT-Augen ein arroganter Gewandungsfascho, der sie nur nicht anheuert, weil sie nicht sein Spiel spielen?

    So, vielleicht können einige mit meinem Beitrag etwas anfangen, vielleicht diente er aber auch nur dazu, mir diese Bedenken mal von der Seele zu schreiben.

    Eine Sache noch: Dieser Beitrag beruht nicht auf aktuellen Geschehnissen und ist nicht speziell gegen bestimmte Personen gerichtet. Die Thematik hat mich tatsächlich schon länger beschäftigt (seit dem "Düstere Legenden 8" im Spätherbst 2006 um genau zu sein. Denn da wurde ich als Festrollen-NSC, der Söldner anwerben wollte, vor genau diese Probleme, wie sie oben beschrieben sind, gestellt). Ich habe den Beitrag deswegen nicht auf Larper. de, sondern hier verfasst, weil ich hier die Spannweite der Meinungen ein wenig höher einschätze.

    Falls jemand dazu eine Meinung hat, würde mich ein entsprechendes post freuen.

    Gruß Christian
    "Ja,meine Tochter ist wirklich sehr hübsch...
    und sie ist noch unbenutzt!"

    -Adalbert, Verteidiger der Mauern Gondors

  2. #2
    Ian
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    Re: Probleme mit Söldnern im Larp

    Zitat Zitat von Titus Tiberius Totenhagen

    denn zu viele Söldner im Larp bedienen das Klischeebild des gewissenlosen und betrügerischen Schweinehunds, der für den Meistbietenden seine Mutter verkauft. Kommen dazu dann noch schwarze Mundtücher, Chaosrunen und abgetrennte Gliedmaßen als Schmuck hinzu, dann dürfte ich mich als potentieller Auftraggeber wohl eher fragen, ob da vor mir nun Söldner, oder doch schon die Räuber stehen, denen ich eigentlich zu entkommen versuchte...
    Als Spieler ist mir das noch nie so aufgefallen, was wahrscheinlich daran liegt, dass es auf Keltencons eher keine Söldnertrupps gibt.
    Als NSC hab ich das schon öfter bemerkt, scheinbar sind wirklich ein Großteil der Söldner-Spieler davon überzeugt,
    dass man als Söldner komplett schwarz gekleidet sein muss, größten Teils sogar brünierte/geschwärzte Rüstungen (leider zu 90% ohne Helm) und außerdem den fiesen Typen raushängen lassen muss.
    Dazu kommt, dass viele der Söldner körperlich sowas von nicht in der Lage sind weiter als 300 Meter von ihrem Lager wegzugehen.

    Hinzu kommt auch noch, dass die schwarze Klamotte noch nicht mal so schlimm wäre wenn sie wirklich alles abdecken würde,
    aber meistens ist es nur eine schwarze Carbone Tunkia und eine schwarze Jeans.

    Also im Prinzip muss ich dir leider zustimmen, dass stimmige Söldnertruppen eine Seltenheit sind.


    Gruß Ian,
    der schwarzegekleidete Söldner Kacke findet. (Muss ja was fürs Image tun... :wink: )

  3. #3
    profoss
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    Die Frage habe ich mir schon vor vielen Jahren - als ich auch noch Söldner gespielt habe - gestellt.
    Es könnte einen Grund geben, warum 80% der Söldner keine Aufträge haben, wenn sie auf ein Con gehen.
    Daher plädiere ich für mehr Söldner, die nicht aussehen wie die Räuberbande aus dem Wald und für mehr Auftraggeber

  4. #4
    Kelmon
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    Ich hatte jetzt ein wenig den Eindruck, daß Du verschiedene Mögliche "Eigenschaften" von Söldnertruppen mischst, dabei aber nicht unbedingt auf alle Möglichkeiten eingehst. Ob manche dieser Möglichkeiten realistisch und vor Ort vorhanden sind steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Letzten Endes ist die Frage doch nur, wieviele Söldnertruppen die für Söldnertruppen wichtigen Merkmale ausreichend erfüllen.

    Mein Vorschlag für Merkmale, an denen man messen kann, wären folgende:
    1) Rüstzeug, also Waffen und Rüstungen. Diese müssen nicht zwangsläufig schwer oder leicht sein, sondern haben nur die Vorgabe, daß man damit einer gewissen Rolle gerecht wird. Für den genannten Geleitschutz im Wald mögen Duellwaffen gegen die Räuberbande gerechtfertigt sein, für eine Schlacht sollte man Stangenwaffen, Geschütze, persönliche Schusswaffen, etc. und entsprechend dazu passende Rüstung mitbringen. Dieses Merkmal wird unzureichend erfüllt, wenn die Ausrüstung dem Einsatz nicht angemessen ist oder schlicht fehlt.

    2) Kleidung, Lagerausrüstung, "Ambientekram". Mehr von allem wird wohl von fast allen als eine bessere Erfüllung dieses Merkmals gewertet. Mag bei manchen Einsätzen (Leibwächtereinsätze, Repräsentation) wichtiger sein als bei anderen (Truppen zum Verheizen in der Schlacht, bevor das eigene Hausheer dran ist). Ist aber letztendlich sehr stark subjektiv von der Anwerbenden Person abhängig.

    3) Psychologische, religiöse, kulturelle Eignung. Kurz gesagt: Wer einen Haufen Irrer braucht, will eben einen Haufen dahergelaufener Geistesgestörter anwerben, wer mustergütige Ceriden will, wird eben nur ebensolche einstellen. Hier ist wohl die persönliche Einstellung des Auftragsgebers wichtiger als bei allen anderen Punkten. Man kann keine Chaossöldner als "schlecht" verurteilen, nur weil man gerade keine Chaossöldner einstellen will.

    4) Verständnis eines Dienstverhältnisses. Hier ist die Wertung dagegen sehr klar: Kein Auftraggeber will Söldner, auf die er nicht zählen kann, auch nicht der Chaospriester. Ein Söldner, der ausschließlich einem Herrn dient, solange dieser zahlt, ist in diesem Sinn ein guter Söldner. Ebenso einer, der Befehle so ausführt, wie sie ihm gegeben worden.

    Von diesen vier Punkten sind nun Nr. 1), Nr. 3) und (teilweise) Nr. 2 stark vom Auftraggeber abhängig. Bei diesen Punkten sind die Wertungen eben schwer absolut zu treffen, unterschiedliche Dienstherren wollen unterschiedliche Dienstleute.

    Punkt 4 allerdings ist der (für mich) entscheidende, und mit dem ich auch oft ein Problem sehe. Leider ist es, so scheint mir, für viele Leute undenkbar, nicht im Sinne unserer modernen Gesellschaft "frei" zu sein. Keine Pflichten, keine Verantwortung. Geschürt wird das Ganze noch davon, daß in praktisch aller gängigen Fantasyliteratur und Filmen der Anführer der "Guten" selten mal seine Untergebenen befehligt, nein, er ist eher der gute Freund, dem seine Streitkumpanen einen Gefallen tun, wenn sie für ihn Kämpfen. Dagegen stehen die "Bösen", die strenge Hierarchien haben, mit einem "Obermotz" der seine Position ausnutzt, um seine Untergebenen ohne Rücksicht auf Verluste herumzubefehligen.
    Dazu kommen dann noch die gängigen Vorurteile vom bösen, das Volk ausnutzenden Adel, der auf der Faluen Haut rumliegt während alles um ihn herum verhungert.

    Es überrascht nicht, daß viele eher die Rolle des "Freigeistes" bevorzugen, statt ein Dienstverhältnis ausspielen zu wollen. Im Extrem sind dies dann Gutmensch-Anarchisten mit In-Game Atheismus, die sich bemühen, wirklich nirgendwo anzuecken, sich zum Ausgleich aber als die ewig Unterdrückten sehen und still und heimlich den Umsturz planen. Oder den Hühnerdiebstahl.

    Es ist also mMn keinesfalls unangebracht, dazu aufzurufen, daß die eine oder andere bestehende Söldnergruppen gerade im letzten Punkt ihr Konzept überdenken sollte. Niemand will einen Diener bezahlen, der nicht dient.

  5. #5
    Leander
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    Kann mich allen Posts bisher bedenkenlos anschliessen.
    Ich als schutzloser Magier (keine Kampfzauber) brauche einfach verlässliche Söldner, um mich vor Räuberbanden (manchmal auch NSC, häufig auch SC) abzuschirmen. Was würde ich machen, wenn ich jeder Räuberbande ausgeliefert bin? Soviel Geld kann man garnicht haben, um da auf Dauer unbeschadet rauszugehen und sich trotzdem noch versorgen zu können. Ich brauche also einfach Söldner. Aber in der Tat sind die meisten Söldner-Gruppen wirklich so wie dargestellt. Man hat Probleme wirklich gute, geeignete Kandidaten zu finden, die auch verlässlich sind und den Auftrag im Falle eines Überfalls überleben.
    Ich bin klar für mehr gut organisierte (mit Hierarchie), gut ausgerüstete Söldner, die auch eine Chance aufs Überleben haben. Die würden dann aber vermutlich eh ausgebucht sein, sodass man da hohe Preise zahlen muss.

  6. #6
    Turis
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    Die Frage ist: Wollen die meisten Söldnergruppen überhaupt Aufträge haben?
    Offiziell vielleicht Ja, aber inoffiziell glaube ich eher Nein. Und davon hängt dann alles ab.

  7. #7
    Titus Tiberius Totenhagen
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    @Turis

    Soweit ich weiß war auf dem Drachenfest 2007 kein Söldnerlager zugelassen, weil eben jenes im Jahr davor sehr durch extremes OT (laut hörbare OT-Gespräche, herumliegender OT-Kram und Müll) aufgefallen ist. Was nicht nur deinen Einwand untermauert, sondern auch ein weiteres Problem ist, welches ich im Zusammenhang mit Larp-Söldnern sehe (der oben beschriebene Sachverhalt tritt mMn nicht nur auf dem DF auf).

    Wenn man noch mehr hervorkramen möchte, könnte man auch noch die teilweise surrealen Soldvorstellungen einiger Söldner nennen - Preise von mehr als einem Goldstück pro Tag sind da schon mehrfach vorgekommen.

    @Kelmon

    Danke für deinen Beitrag- er ist sehr lesenswert. Grade deinen Punkt 4 unterschreibe ich vorbehaltlos.

    Wobei mich dann immer noch die Sache wurmt, wie denn nun so ein Söldnerspieler dann auf eine IT-Absage meinerseits, mit der oben angegebenen Begründung für seine "Untauglichkeit", reagiert: Prangert er mich dann vielleicht als OT-Gewandungsnazi an, der sein Spiel nicht toleriert? Nicht das es mir so sehr interessieren würde, was jemand von mir denkt, aber in diesem Fall wäre der Vorwurf einfach nonsense...

    ...eigentlich will ich doch nur, dass sich einige Söldnerspieler mal mehr Gedanken über die von ihnen gespielte Rolle machen - böse Absichten würden anders aussehen...

    Gruß Christian
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    -Adalbert, Verteidiger der Mauern Gondors

  8. #8
    Leander
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    Wenn Söldner aber keine Aufträge wollen, wodurch bekommen die ihr Spiel? Viele andere Ansätze zu gutem Spiel gibt es meist nicht bei diesen Söldnern, die keine Auftäge bekommen.
    Wenn diese Söldner aber eh nur OT rumlaufen oder sich betrinken wollen, dann kann ich auf die auch im LARP verzichten und will weiterhin nur die Söldner, die wirklich Aufträge haben wollen und dafür ausgerüstet sind. Wenn es aber die andere Sorte Söldner ist, dann ist das Hobby nicht LARP, sondern bestenfalls Gewandungs-Grillen, schlimmsten Falls nur ein gesuchter (und gefundener?) vorwand sich zu betrinken. Dazu sage ich dann doch nein danke.
    Alle anderen sind mir herzlich willommen, da ich darauf angewiesen bin.

    PS: Wenn ein Söldner nicht angeheuert werden will, ist das definitv das falsche Konzept. Das ist kein Söldner, sondern ein gerüsteter Abenteurer (bestenfalls). Was auf dem Charakter-Bogen steht ist irrelevant, was ich darstelle und tue ist das, was zählt.

  9. #9
    profoss
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    Wir haben es damals so gemacht, dass wir im Hintergrund von der Händlergilde unseres eigenen Landes angeheuert waren. Wenn wir also keine Lust auf Plot hatten und lieber ein Wochenende chillen wollten dann warteten wir IT darauf, dass der Händler mit seinem termin fertig war und uns da abholt.
    Wollten wir hingegen durchaus am Plot teilhaben und gerne Geld verdienen bzw einbezogen werden, was meistens der Fall war, versuchten wir direkt von dem vor Ort ansäßigen Adligen (meist NSC) oder einem der vor Ort befindlichen reicheren Herrschaften einen Kontrakt für die paar Tage auszuhandeln, in denen wir frei hatten, weil der "Händler uns erst wieder für die gefahrvolle Rückreise benötigt und uns frei gegeben hatte".
    Das klappte meistens ganz gut, führte aber natürtlich dazu, das wir eben auch oft die Torwache waren, was eher langweilig ist. Manches Mal aber waren wir dadurch die direkte Leibwache des "Obermotz-NSC" und hatten so Einblick in fast alles was in der Burg ablief.

    Warum man das Konzept "Söldner" nennt, wenn man hingegen nur
    grillen und saufen und raufen möchte, ist mir schleierhaft.

  10. #10
    Kelmon
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    Um dem Typus "arbeitsscheuer Söldner" mal eine Lanze zu brechen:
    Wir dürfen nicht vergessen, daß eine Con nicht mehr als eine Momentaufnahme aus dem Leben des Charakters darstellt. Während es bei manchen Rollen unabdingbar ist, daß zur Con-Zeit der Alltag des Charakters bespielt wird, es bei anderen unmöglich ist, ist es bei einer dritten Gruppe...möglich. Zu dieser gehören Söldner.

    Aber erst einmal zu einigen Beispielen:
    - Ein Bettler wird auf einer Con betteln gehen, aber wir erwarten nicht, daß der Bettler den Rest des Jahres irgendeiner anderen Tätigkeit nachgeht. Was auf der Con geschieht ist Alltag für ihn.
    - Ein Kaufmann sitzt wahrscheinlich die meiste Zeit in seinem Handelskontor. Erscheint er auf einer Con, ist er wohl "zufällig" gerade auf der Durchreise, sein Alltag dürfte nicht darin bestehen, in einem kleinen Dorf am verwunschenen Wald ein Bett zu finden. Auf einen Ritter mit Lehen trifft ähnliches zu, auch wenn die Betätigung im Kampf uns schon etwas alltäglicher erscheint als einen Kaufmann (nicht: Fahrenden Händler) vor Ort anzutreffen, sollte der Ritter doch auch den größten Teil des Jahres in der warmen Stube/Burg verbringen. Mit anderen Worten: Beider Auftreten ist sehr wohl gut erklärbar, aber kein Alltag.
    - Für die dritte Gruppe will ich nun die Söldner nehmen. Für diese ist in der Tat das Kriegshandwerk so alltäglich wie für den Bettler das Betteln. Aber: Während der Bettler keine andere Wahl hat bieten sich für Söldner viele Möglichkeiten, zu einem gewissen Zeitpunkt nicht "im Dienst" zu sein.

    Warum?

    Spontan fallen mir mehrere Möglichkeiten ein, wie man plausibel erklären kann, daß der auf der Con befindliche Söldner keine Arbeit "braucht":
    - Sold ist von erledigten Diensten noch reichlich vorhanden. Eine Arbeit würde genommen werden, wenn sich etwas lohnenswertes ergibt - es wird aber nicht aktiv danach geschaut.
    - IT Wurde der Söldnertrupp durch vergangene Ereignisse so stark dezimiert, daß man zunächst neue Leute anwerben will.
    - Der bzw. die Söldner sind auf der Durchreise von A nach B. Aus welchen Gründen auch immer. Man hat keine Zeit, dazwischen in ein Arbeitsverhältnis zu treten.
    - IT besteht bereits ein Arbeitsverhältnis, das man als ehrbarer Söldner nicht einfach so kündigen kann.
    - Vor Ort ist eine Gefahr, die auch die Söldner betrifft, die Menschen betrifft, die den Söldnern wichtig sind, oder die einfach aus ethisch-moralisch-religiösen Gründen "kostenlos" bekämpft wird (der gute Lichtsöldner fordert vielleicht nicht unbedingt Bezahlung, um den üblen Dämon zu bekämpfen, der das elterliche Haus bedroht, in dem sich seine kleine Schwester und 5 Waisenkinder befinden - um mal alles zusammenzuwerfen.)

    Auch wenn es sicher gut und sinnvoll ist, sowie schönes Spiel bieten kann, wenn Söldner anzuheuern sind, halte ich es nicht für zwingend notwendig. Sorge sollte nur dafür getragen werden, daß der Grund der Nichtverfügbarkeit irgendwo Einzug ins Spiel hält - von Grund zu Grund ist das natürlich unterschiedlich zu gestalten und unterschiedlich schwierig. Langweilig ist ein "Ja, wir sind Söldner, aber wir sind hier nur zum kloppen, such Dir jemand anderen für die Torwache". Was man tun kann, wenn man nicht abgeworben werden will, ist z.B. einen der eigenen Leute zum IT-Dienstherren machen...oder zumindest das Banner des IT-Dienstherren im Lager präsentieren.

    Bedenkt, daß wir nicht von Rittercharakteren verlangen, daß sie die 10 Monate, in denen sie zuhause ihre Abgaben sammlen, ausspielen müssen, um als Ritter anerkannt zu werden. Warum sollten Söldner ständig in Situationen sein müssen, in denen sie Geld verdienen, um tatsächlich Söldner zu sein? Es reicht mMn, wenn sie wenigstens den Eindruck vermitteln, daß sie Söldner sind.

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