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  1. #1
    Heimatloser
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    Grünschnabel

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    Fragen vom Anfänger... vom blutigen, um genau zu sein.

    Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich!
    Wie der Titel bereits verrät - ich bin blutiger Anfänger, was LARP betrifft. Ich wollte einfach einmal die Möglichkeit nutzen, mir von gestandenen Veteranen ein wenig erklären zu lassen.

    Was meine Rollenspielerfahrung betrifft... bisher ausschließlich in Pen&Paper-Rollenspiel (Shadowrun und das Warhammer Fantasy-Rollenspiel in meinem Fall) sowie das mehr oder minder schwindende Rollenspiel auf den deutschen Rollenspielservern von World of Warcraft.

    Und dann zum Kern der Sache...

    1.) Was ist Larp eigentlich?
    Ich habe durch verschiedene Berichte erfahren, dass es dabei mehr oder weniger "Mitmachtheater" handelt... bei dem jeder der "Schauspieler" sein eigenes Kostüm herstellen oder kaufen muss. Wie verhält es sich aber mit den notwendigen Nicht-Spieler-Charakteren? Jemand muss diese ja auch spielen, aber was tun diese im LARP genau? Was macht eigentlich der Spielmeister? Und vor allem - was genau gibt es für Möglichkeiten für einen Anfänger wie mich? Letzteres bringt mich dann direkt zu meiner zweiten Frage...

    2.) Was schlagt ihr einem Anfänger vor? Ich gehe davon aus, dass es im LARP ähnlich wie auch bei anderen Rollenspielen, bei denen man nicht live dabei ist, Spielerklassen gibt... aber sind diese von vornherein festgelegt? Oder hat der Spieler hier auch die Qual der Wahl und kann sich gar irgendetwas eigenes ausdenken?

    3.) Welche Fantasy-Welt lebt schon ohne Magie... gibt es diese auch im LARP? Und wenn ja, wie wird diese im Spiel eingesetzt? Von einer Freundin weiß ich beispielsweise, dass Raucher, wie sie damals einer war, entweder immer Schwefelhölzchen dabeihaben oder aber einen Feuerzauber (Feuerzeug) kennen sollten... aber das kann doch kaum alles sein, oder?

    4.) Als nächstes meine Frage zu den Rassen... wenn ich zum Beispiel einen Zwerg spielen möchte, muss ich mir dann die Beine abhacken? Oder spielt hierbei lediglich das Aussehen, nicht aber die Größe eine Rolle? Orks, Gnolle und derartiges habe ich bereits "in Aktion" gesehen... einer der letzteren hat mich über das Messegelände in Essen verfolgt. *lach*
    Ist die Rasse, sofern man anderes verkörpern kann als Menschen, ausschließlich von Kostüm und Verhalten abhängig?

    5.) Wieder zurück zur Entscheidung, was als Einstieg geeignet wäre. Gibt es Klassen, die "einfacher" sind als andere, weil man weniger berücksichtigen muss? Ich meine, es ist doch wahrscheinlich wesentlich einfacher, einen Barbaren zu spielen, als einen Lehrling der Schulen der Magie... oder sehe ich das falsch?

    6.) Jemand hat mir einmal geraten, dass man LARP am besten durch Statistenrollen, also NSCs, erleben könnte. Das wäre, so er, als Einstieg am Besten geeignet - man kann sich alles in Ruhe ansehen und sich darauf einstellen, bevor man selber aktiv als Spieler ins Geschehen eingreift. Was meint ihr dazu? Hat er Recht oder eher nicht?

    Und damit, der siebten Frage, zu meiner vorletzten...

    7.) Ich hatte vor, Pen&Paper-Rollenspiel sowie das ewige vor-dem-PC-hocken endgültig an den Nagel zu hängen. Nicht wegen der Kosten, nein... sondern weil ich das Gefühl habe, dass ich mich gut in Rollen hineinversetzen kann und diese auch überzeugend spielen könnte. Jedenfalls... hier nur eine Frage. Natürlich abhängig von der Klassenwahl... wie verhält es sich mit dem Spieleinstieg? Beginnt man beim LARP auch auf "Level 1" Mensch ohne irgendwelche nennenswerten Kenntnisse? Oder kommt es hier lediglich darauf an, wie tief man in den Geldbeutel greifen kann, um sich Ausrüstung anzuschaffen?

    8.) Endlich am Ende. Naja, fast... was empfehlt ihr gestandenen Veteranen einem Einsteiger? Kleidung, Rüstung, Waffen, Glücksbringer, Schmuck, einfach alles, was den späteren Charakter später ausmachen soll... alles selber herstellen? Oder doch lieber einen Einkauf tätigen und das Kostüm Marke Eigenbau weiter nach hinten verschieben?

    Ich danke euch im Voraus für eure Antworten und wünsche euch noch eine sternenklare Nacht!

  2. #2
    Kelmon
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    Zu Frage 1) empfehle ich, daß Du Dir mal den Link in meiner Signatur gut durchliest.

    Zu 2): Nein, es gibt im LARP keine "Klassen". Du kannst im wesentlichen spielen, was Du willst, wobei es je nach Veranstaltung ("Con") gewisse Einschränkungen gibt. In einem Fantasy-Con für extragute Paladine ist der Schwarzmagier schlecht, und der Endzeitliche Scharfschütze mit Lasergewehr logischerweise undenkbar.

    Zu 3): Ja, gibt es, Details findest Du (wie Antworten zu allen wichtigen Fragen zum Thema LARP) in der LARP-Wiki. Grundsätzlich sind leicht darstellbare Zauber (z.B. Energieball) immer eher gerne gesehen bzw. eher erlaubt als schlecht darstellbare oder allzu mächtige Zauber (Meteoritensturm, Zeitstop, Teleport, Fliegen, etc.)

    Zu 4): Jein. Für Fremdrassen sollte man i.d.R. gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen. Als Zwerg eben nicht gerade 1,90m groß sein, wenn auch keine 1,30 nötig sind. Fremdrassen sind auch Neueinsteigern nicht zu empfehlen, da es erfahrungsgemäß ohnehin schon schwer genug ist, sich ins Spiel an sich einzufinden.

    Zu 5): Am einfachsten werden oft Rollen betrachtet, die "normale" Leute darstellen. Handwerker, Bauern, etc. Aber das ist natürlich nicht jedermannes Sache. Letztendlich kommt es darauf an, was Du spielen willst, und was für eine Darstellung Du Dir zutraust. Ein "Am besten für alle Neueinsteiger" dürfte es nciht geben.

    Zu 6): Dazu findest Du auch etwas unter dem Link in meiner Signatur. Kurze Zusammenfassung: Ob Spieler oder Nichtspieler am Anfang kommt alleine auf Dich an, denn die Szene ist in dem Punkt absolut gespalten.

    Zu 7): Üblicherweise beginns Du als Neueinsteiger auf niedrigem Level, weil Dir eben die Spielerfahrung als auch die Ausrüstung fehlt für "mehr". Und nein, P&P-Rollenspiele - oder gar Computerrollenspiele - bereiten Dich nicht in allen Punkten gut auf LARP vor, da hier und dort teils ganz andere Spielmechanismen arbeiten.
    Zusätzlich wird in Punkteregelwerken Deine "Macht" durch die Zahl Deiner Contage (Auf LARP-Veranstaltungen verbrachte Tage) beschränkt.
    Mit genügend Erfahrung, Talent und der passenden Ausrüstung ist es allerdings kein Problem, auf einem Con mit punktelosem Regelwerk als "Gandalf" oder "Conan" anzufangen - hier zählt eben nur, ob und wie Dir Deine Mitspieler Deine Rolle abnehmen.

    Zu 8 ): Ohne zu wissen, was Du spielen willst und was Du kannst wird hier niemand in der Richtung eine Empfehlung geben können. Solltest Du als NSC anfangen ist es generell gut, eine neutrale Hose, ein Hemd und eine Tunika, sowie festes Schuhwerk zu haben. Auch für viele Spielerrollen bieten diese Dinge einen "Grundstock", auf dem Du aufbauen kannst. Rüstung und Waffen sollten idealerweise das letzte sein, was Du Dir kaufst. Bedenke, daß Du vielleicht 5% der Zeit auf einem Con am kämpfen bist, der Rest der Zeit man Dich aber nur in Kleidung sehen wird.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  3. #3
    Heimatloser
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    Da musste ich ja gar nicht sonderlich lange auf eine Antwort warten, vielen Dank dafür!
    Was die Tatsache betrifft, dass ich so gar keine Ahnung habe, liegt daran, dass ich zwar schon eine ganze Weile hin- und herüberlege, ob ich anfangen soll und wenn ja wie... naja, jedenfalls bin ich kurz vor meinem Beitrag auf der Suche nach Selbstbauanleitungen für Lederrüstungen über diese Seite hier gestolpert, hab' mich mehr oder weniger aus Reflex registriert und im Überschwang der Freude beschlossen, mal ein paar gestandene LARPer mit Fragen zu nerven.
    Klar, Pen&Paper und derartiges bereitet nicht auf's LARP vor, ähnlich könnte man nur Drehbücher lesen und sich dadurch für einen Schauspieler halten.
    Nein, ich meinte vielmehr die Fähigkeit, sich wirklich und leibhaftig in verschiedene Rollen hineinzudenken und zu überlegen, wie sich Person X in Situation Y verhalten würde - und was eigentlich Person Z dazu sagt und so weiter.
    Das ist mir besonders in der letzten Zeit aufgefallen, weil ich immer wieder dachte; "Hey, dein anderer Charakter würde jetzt dies und jenes machen..."
    Klar, es ist immer noch ein Unterschied, ob man das ganze nur über die Tastatur ausdrückt oder tatsächlich seinem wesentlich größeren und zweifellos auch mächtigeren Gegenüber ins Gesicht sagt. Ich dachte auch weniger, dass mich meine Vergangenheit auf das Spielen vorbereitet hat, sondern eher meine... jaja, Rollen und so, das habe ich ja bereits gerade gesagt. xD

    Dann... ja, ich geh' nicht chronologisch vor, wusste ich bis gerade eben (als ich mir das Forum genauer angesehen habe) gar nicht, dass es anderes LARP als Fantasy gibt. *buckel*

    Dass man als Magier nicht übertreiben darf und ganze Landstriche mit Erdbeben und Flutwellen vernichten kann - das war mir klar. Allerdings interessierte mich eher, wie das alles in der Welt untergebracht wird - und wie man dagegen vorgehen könnte. Mein Fehler, wenn das falsch 'rüberkam.

    Dann... zu 5.)... wie genau muss ich mir eine solche Con vorstellen? Wird darauf ein Dorf rekonstruiert und der "Alltag" der Bewohner desselben, der beispielsweise durch die Ankunft einer Heldengruppe unterbrochen wird? Wie gesagt - ich habe keine Ahnung. *lach*

    Zu 7.) Es gibt also auch "Erfahrungspunkte" wie bei anderen Rollenspielen, nur dass diese anders berechnet werden... okay. Das bedeutet also, dass man sogesehen auf jeden Fall als... hm, "Würmchen" anfängt und sich nach und nach hocharbeitet, richtig?

    Punkt 8.) - Kapiert. Jeder muss das selbst entscheiden.

    Vielen Dank für deine, in Hinsicht auf die Uhrzeit, ziemlich schnelle Antwort. Oh, und die LarpWiki werd' ich mir auf jeden Fall ansehen, danke noch einmal für den Hinweis!

  4. #4
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    Dass man als Magier nicht übertreiben darf und ganze Landstriche mit Erdbeben und Flutwellen vernichten kann - das war mir klar. Allerdings interessierte mich eher, wie das alles in der Welt untergebracht wird - und wie man dagegen vorgehen könnte. Mein Fehler, wenn das falsch 'rüberkam.
    Dargestellt wird Magie je nach Regelwerk unterschiedlich. Allgemein üblich ist, daß entweder gefordert oder zumindest erwartet wird, daß Magie auf ansprechende Weise dargestellt wird, also eine gute Mischung aus Schauspiel, Requisiten und technischen "Spielereien" zum Einsatz kommt, wobei der Aufwand in allen Kategorien oft mit der "Mächtigkeit" des Zaubers steigt. (Das Licht per Fingerschnippen, Die Schließung des Dämonenportals mittels groß angelegtem Ritual mit mehreren Beteiligten)

    Gegen Magie hilft üblicherweise Magie, klerikale Macht, persönliche Widerstandskraft oder schlichtes Ausweichen, was alles je nach Regelwerk unterschiedlich geregelt ist (oder überhaupt nicht). Viele Punktregelwerke bieten die Möglichkeit, sich gegen einzelne Zauber, Zaubergruppen oder Magie generell immun zu machen.


    Dann... zu 5.)... wie genau muss ich mir eine solche Con vorstellen? Wird darauf ein Dorf rekonstruiert und der "Alltag" der Bewohner desselben, der beispielsweise durch die Ankunft einer Heldengruppe unterbrochen wird? Wie gesagt - ich habe keine Ahnung. *lach*
    Das ist von Con zu Con völlig unterschiedlich, wobei ein "Dorf" schon ein häufig auftauchender "Baustein" ist. Der dann folgende Plot (die Handlung) unterscheidet sich tatsächlich wenig von dem, was man auch in P&P sehen kann. Alles von "Beurteilt den besten Apfelkuchen des Dorfes" bis "Rettet die Welt vor den Untotenhorden" ist drin.
    Daneben gibt es z.B. auch Wandercons (man läuft von A nach B und erlebt auf dem Weg irgendwas), Hofhaltungen, Tavernen, Feste, große Schlachtencons, Horrorszenarien etc.

    Zu 7.) Es gibt also auch "Erfahrungspunkte" wie bei anderen Rollenspielen, nur dass diese anders berechnet werden... okay. Das bedeutet also, dass man sogesehen auf jeden Fall als... hm, "Würmchen" anfängt und sich nach und nach hocharbeitet, richtig?
    Das ist, wie gesagt, je nach Regelwerk unterschiedlich. Es gibt Punktregelwerke ("Punktregelwerk" bedeutet hier, daß Fähigkeiten mit Contagen/Erfahrungspunkten gekauft werden), die Dich bei fast-Null anfangen lassen, es gibt andere, bei denen man auch einem vergleichsweise hohen Powerleven anfängt, und es gibt Punktelose Regelwerke, die Dich (theoretisch - s. mein letzter Beitrag) mit allem anfangen lassen, was Du willst (bzw. was Du darstellen kannst).

    Ich schlage aber vor, daß Du vor weiteren Fragen eben doch in die LarpWiki schaust
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  5. #5
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    Generell ist es glaube ich nochmal wichtig zu betonen, dass es "das Larp" nicht als homogene Einheit gibt. Es gibt zwar einige Dinge, die oft ähnlich gehandhabt sind, andere hingegen sind je nach Veranstaltung total unterschiedlich.

    Eins der Dinge, bei denen es die größten Unterschiede gibt, ist, wie eng die Vorgaben zur Darstellung gefasst sind. Hier gibt es grob zwei entgegengesetzte Hauptrichtungen. Der einen liegt die Maxime zugrunde: "Spiel und Darstellung müssen überzeugend und selbsterklärend sein." Das bedeutet z.B. in Sachen Magie, dass Dinge wie magische Feuerbälle eigentlich nicht vorkommen, einfach weil man sie nur schwer umsetzen kann - Schließlich kann man seine Mitspieler nicht in Brand stecken. Im anderen Extrem einigt man sich (meist in Form eines Regelwerks)auf bestimmte symbolische Handlungen, die schlecht darstellbare Dinge ersetzen: So könnte z.B. ein geworfener roter Softball einen Feuerball darstellen, und im Regelwerk steht, wie viel Schaden man bekommt und was man tun muss, wenn man davon getroffen wird.

    Je nach Spielumfeld liegt die Realität meist irgendwo dazwischen, z.B. wenn es zwar klare Regeln für geworfene "Feuerbälle" gibt, die Spieler sich aber trotzdem Mühe geben und die Softbälle durch flatternde Bänder und eingebaute Leuchteffekte mehr wie "echte" Feuerbälle aussehen zu lassen. Wie es aber genau geht ist je nach Larp unterschiedlich, lässt sich aber meist aus den Regeln entnehmen, die vor der Veranstaltung bekannt gegeben werden.

    Ich versuche mal typischen Ablauf eines Fantasy-Larps zu erklären, wobei wie gesagt die Unterschiede groß sind.
    Meist wird im Vorfeld der Veranstaltung grob bekannt gegeben, worum es überhaupt geht, also z.B. "König Leopold ruft alle Recken zum Turnier", "Ein magischer Wirbel saugt dich in eine andere Dimension", "Die Magierakademie Knisterbann wählt einen neuen Dekan" oder "Eine Expedition bricht in die Orklande auf". Auf dieser Grundlage kann man als Spieler dann entscheiden, ob der Con für einen interessant ist und mit welchem Charakter man hingehen will: Auf das Turnier passen natürlich am besten Ritter, aber auch einfache Knechte, während die Magierakademie am besten für Magiekundige geeignet ist. Auf den meisten Cons bemüht man sich aber, für unterschiedliche Charaktere etwas zu bieten, auf der Expedition in die Orklande würde man also z.B. als Söldner gut passen, könnte aber auch als Magier, Heiler, Waffenschmied oder Schatzjäger mitkommen. Meist wird der grobe Hintergrund von der Orga vorgegeben, die meist ein eigenes Fantasyland bespielt und dementsprechend auch oft eine grob fortlaufende Geschichte erzählt, und z.B. auch festlegt ob das ganze mehr im Herr-der-Ringe-Stil ablaufen soll oder doch eher wie bei Warhammer.

    Die Spieler sind unter diesen Vorgaben aber relativ frei in ihrer Charakterwahl, es gibt also normalerweise keine vorgefertigten Rollen, und es auch üblich, seine Charaktere einerseits auf dem einen oder dem anderen Con bei verschiedenen Orgas weiterzuspielen, andererseits aber auch durchaus auch mal zwischen verschiedenen Charakteren zu wechseln und z.B. auf den einen Con den einen Charakter als Söldner, auf einen anderen hingegen einen anderen als Alchemist zu spielen.

    Dann meldet man sich bei der Orga an, schreibt ein kurzes Charakterkonzept bzw. erstellt sich einen Charakter nach dem geltenden Regelsystem, wenn es eins gibt, und fragt damit quasi: "Ist das ok, wenn ich Alrik, meinen Söldner auf eurem nächsten Con spiele?". Wenn man Glück hat kann es auch passieren, dass die Orga dann etwas speziell für dich vorbereitet (wenn Alrik z.B. seinen verschollenen Bruder sucht, sie einen Hinweis auftauchen lässt), das ist aber meist nicht der Fall.

    Als NSC, also quasi "Statist" hingegen meldet man sich genauso an, bekommt aber von der Orga eine oder (meist) mehrere Rollen zugewiesen. Hier hat man ein bisschen Einfluss, und kann, wenn man zum Beispiel ein tolles Adelskostüm und viel Spaß am Adelsspiel hat, auch meist eine entsprechende Rolle bekommen, muss aber in Fällen wo die Grafenrolle mal nicht gebraucht wird durchaus auch mal als angreifender Ork einspringen.

    Wenn der Con dann losgeht fahren halt alle zu dem Ort, an dem das stattfindet, wobei als Location meist irgend ein mehr oder weniger stimmiger Platz ausgewählt wird: Das Turnier findet vielleicht in einem Hüttendorf statt, die Magierakademie auf einer (zur Jugendherberge umgebauten) Burg, und die Expedition in die Orklande auf einem Zeltplatz im Wald. Alle laden aus, ziehen sich um, und irgendwann beginnt halt das Spiel mit einem offiziellen "Time In!", und läuft von da aus dann das ganze Wochenende unterbrechungsfrei durch. Anders als beim Tischrollenspiel ist es im Larp allerdings üblich, dass viel weniger "Plot" für einzelne Charaktere bereitgestellt wird: Während man in einer Tischrunde ja meist nur ein halbes Dutzend Charaktere und eine unendliche Anzahl an Statisten hat, sind es im Larp oft 60 Charaktere und 40 Statisten, es ist also unmöglich, jeden Spieler das ganze Wochenende lang mit seiner eigenen Geschichte zu begleiten. Deswegen gibt es meist entweder Dinge, an denen sich alle Charaktere beteiligen können (ein Turnier, oder angreifende Untote), sowie einzelne Plotelemente, die quasi dem in die Hände fallen, der sie findet (z.B. eine Art Schnitzeljagd, in der man in alten Briefen Hinweise auf ein im Wald verstecktes Artefakt findet). Üblicherweise bilden sich so bestimmte Grüppchen, und am Schluss laufen die Fäden irgendwie zusammen, also z.B. müssen die Kämpfer die anstürmenden Untoten aufhalten, während die Heiler versuchen, ein Gegengift gegen die Zombieseuche zu entwickeln, während die Magier versuchen, mit dem im Wald gefundenen Artefakt durch ein Ritual den Fluch, der auf der Burg liegt aufzuheben. Am Schluss wird dann meist noch ein bisschen gefeiert, und dann geht es nach Hause.

    Noch mal ein paar Details dazu, was die Charakterwahl angeht:
    Hier gibt es drei Dinge, die dich einschränken.
    Erstens das Setting: Auf einem Con, der an einen klassischen Ritterfilm angelehnt ist, bist du mit einem Dunkelelfen oder Cowboy fehl am Platz, ebenso werden auf den meisten Cons Vampire oder Dämonen ungern in Spielerhänden gesehen.
    Zweitens das Regelwerk: Auf diversen Cons gibt es diese Einschränkung nicht, aber auf den meisten gibt es eine Art von "Charakterpunkten", also Punkten, die du für Fertigkeiten deines Charakters ausgeben kannst. Diese reichen wenn du neu anfängst meist für einen relativ normalen Charakter der auch ein bisschen was kann, also z.B. für einen Kämpfer, einen Magierlehrling mit einigen Sprüchen oder einen passablen Alchemisten, du bist also nicht gezwungen, "bei null" anzufangen. Ebenso gibt es viele Dinge, die nach den meisten Regelwerken für Spielercharaktere nicht erlaubt sind, du könntest also selbst wenn du einen Vampir spielst nicht übermenschlich stark oder nur von geweihten Waffen verletzbar sein.
    Drittens wäre dann die Darstellung, was eine sehr "weiche" Regel ist und oft für Diskussionen sorgt. Darunter fällt einerseits die Ausrüstung, so dass man z.B. wenn man einen Baron spielen möchte über teure Kleidung verfügen muss, zweitens aber auch die persönlichen Voraussetzungen: Wer unsportlich ist und über seine eigenen Füße stolpert macht sich als Ninja oder Schwertmeister lächerlich, mit sechzehn hat man es schwer, den kriegsgestählten Veteranen rüberzubringen und wer 1,90 groß ist wird kaum einen guten Zwerg abgeben.
    Hier spielt auch vieles zusammen: Natürlich hat kaum ein Larper die richtige Größe für einen Zwerg. Wenn man aber deutlich kleiner als der Durchschnitt ist, sich breit auspolstert, sich viel Mühe mit der Maske (dichter Bart, buschige Augenbrauen, vielleicht noch eine Knollennase) gibt und sich auch in der Ausrüstung und im Spiel Dinge sucht, die nicht alltäglich, sondern "typisch zwergisch" rüberkommen, dann ist man doch ziemlich nah am Larpideal eines Zwerges und wird auch als solcher erkannt werden. Wer sich hingegen nur einen Karnevalsbart anklebt und sagt "Seht her, ich bin ein Zwerg!", der wird zwar vielleicht auch erkannt werden, schönes und überzeugendes Spiel ist das aber nicht.

    Wie streng diese Anforderungen sind hängt aber auch hier wieder vom Spielumfeld ab, wie oben bereits erwähnt legen manche Spielergruppen und Orgas viel Wert auf aufwändige Umsetzungen während andere sich schon mit symbolischerer Darstellung zufrieden geben.
    Typischerweise findet natürlich jeder Larper seine eigene Darstellung völlig ok und alle weitergehenden Ansprüche total überzogen, während alles darunter vollkommen inakzeptabel ist.


    Es lohnt sich aber auf jeden Fall, bevor man sich ein Konzept ausdenkt und umsetzt es in einem Forum wie hier mal vorzustellen und sich Kritik und Anregungen einzuholen, denn oft macht man sich doch falsche Vorstellungen, wie so ein Charakter auf andere wirkt und welche Probleme und Möglichkeiten man bei der Umsetzung hat.

  6. #6
    Heimatloser
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    Grünschnabel

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    Und wieder, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

    Die Larp-Wiki hab' ich mittlerweile fast auswendig drin... allerdings habe ich auf eine Frage keine Antwort gefunden.

    Man soll beim In-Time auf neumodischen Schnickschnack wie Armanduhren, Handys oder Turnschuhe verzichten - wie aber verhält es sich mit eher schwer abzulegenden Dingen?
    Ich denke hierbei an sichtbare Tätowierungen (gut, diese könnte man mit Make-Up tarnen und daher recht leicht "entfernen", oder aber - wie in meinem Fall - Festivalbändchen.
    Sollte man hier am besten versuchen, stets die Handgelenke mit weiter Kleidung oder Handschuhen zu verdecken? Oder werden solche Dinge von anderen Rollenspielern auf Cons toleriert bzw. ignoriert?

    Das ist so ziemlich die letzte Frage, die mich beschäftigt... dann habt ihr vorerst eure Ruhe vor einem Anfänger *lach*

    Also, noch einmal vielen Dank für eure Antworten, ihr habt mir wirklich sehr viel weitergeholfen damit, besonders mit den Beispielen!

  7. #7
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  8. #8
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    Es kommt, wie so oft, drauf an.
    Z.b. gibt es zur Brillen-Thematik einige Threads in den Foren. Kurz zusammengefasst: Will man einen kämpfenden oder gar bösen Charakter darstellen, so ist es sinnvoll auf Kontaktlinsen umzusteigen (wenn möglich). Kann man das nicht, so sollte man sich überlegen ob es ambientige Lösungen gibt.

    Tätowierungen können zum Charakter passen oder aber total unpassend sein - kommt drauf an. Passen sie nicht, dann versucht man sie zu verdecken.

    Die Festivalbändchen finde ich persönlich eher unambientig wenn man sie so gar nicht verdeckt. Auf manchen Cons (z.b. Conquest) bekommt man auch welche, aber nun gut, da muss es dann wohl sein. Man kann die doch sicher unter Hemd oder Armschienen verstecken...

    Letztlich wird sehr viel akzeptiert. Das jemand wegen einer Brille angemacht wurde habe ich noch nie erlebt, aber dass man jemanden drum gebeten hat die Armbanduhr abzumachen habe ich schon mitbekommen.

    Ist halt wieder die Frage wieviel Mühe man sich geben will und was man den Mitspielern an OT-Kram zumuten will.

    Grüße

  9. #9
    Heimatloser
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    Grünschnabel

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    Hm... okay. Ich bin Brillenträger... da sieht man mal, wie sehr man sich an das Nasenfahrrad gewöhnen kann.

    Ich habe in einem Onlineshop eine vom "Hersteller" als "Mittelalterliche Brille" angepriesen wurde... das ganze sah ein wenig aus wie der vom allseits bekannten Onkel Dagobert getragene Zwicker, wobei sich die Konstruktion eher an kleine Handschellen mit einem Scharnier oder Gelenk anstelle der Kette anlehnte, so dass man die beiden Hornscheiben "zusammenschieben" konnte.
    Da die Konstruktion aus Horn bestand, würde sie schon relativ gut passen - das Problem damit ist nur, dass sie die Sehleistung ebensogut verbessert wie eine Karneval-Plastikbrille mit angeklebter Knollennase und Schnurrbart, da dort ebenfalls die Gläster fehlten.

    Jedenfalls... glaubt ihr, ein Optiker würde dafür (für einen annehmbaren Preis) Gläser herstellen? Oder würdet ihr dann eher empfehlen, entweder Kontaktlinsen (Mit den Dingern habe ich bisher noch nicht experimentiert) zu verwenden oder ganz auf die Sehhilfe zu verzichten?

  10. #10
    Kelmon
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    Selbstverständlich kann eine mittelalterliche Brille mit modernen Gläsern in Deiner Sehstärke angefertigt werden. Es gibt auch einen Optiker, der dies im Netz anbietet, wobei mir gerade die Adresse entfallen ist...

    EDIT: Ah, richtig: http://www.optiker-holz.de/historia.htm

    Solch eine Brille ist aber wirklich eher als ein "Gimmick" denn als Sehhilfe für alle Situationen im LARP zu sehen. Niemand will solch eine Brille in z.B. einem Kampf ständig vor die Augen halten müssen.

    Auf eine Sehhilfe verzichten würde ich keinesfalls, sofern Du nicht gerade eine Dioptrienzahl im einstelligen Bereich hast.

    Persönlich würde ich zu Kontaktlinsen raten, wenn Du damit klarkommst.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

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