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  1. #1
    Dossmo
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    Ansichtssache?

    Mahlzeit.

    Ich muss mich mal ausheulen. Beziehungsweise muss ich euch mal fragen, ob meine Auffassung von Spiel so sehr von der einer großen Anzahl anderer Spieler abweicht, dass ich eigentlich im falschen Hobby bin. Helft mir, ich bitt' euch.

    Es geht im Groben darum, dass meine Vorstellung einer Welt, in der jeder Honk schwer bewaffnet ist, zernichten-und-verstören-Zauber beherrscht, Kriegspriester Tod und Verdammnis predigen und der Herr Ritter den Dieb noch vor dem Frühstück aufhängt, eine finst're ist. Ergo benimmt man sich auch. Wenn man lange leben will, versteht sich. Und wer will das nicht (Sprenggobbos ausgenommen, aber die kann ich prima wegrationalisieren).

    Mir wurde mittlerweile des öfteren vor die Füße gekotzt, ich spiele zu ernst, kein Platz für Spaß, immer nur Blut, Hass und Höllenqualen. Das Problem bei besagten Vorwürfen wäre, ich mag diese Einstellung. Sehr sogar. Es muss nicht immer episch sinister àla Cthulu und Spießgesellen sein, aber mal im Ernst: Man nehme im oberen Absatz beiläufig erwähnte, permanent (offenbar) existierende Bedrohungslage und projeziere sie 1:1 in das Denken eines auf Lebenserhaltung getrimmten Durchschnittswesens. Wie würde besagtes Wesen durchs Leben gehen? Immer einen Scherz auf den Lippen? Albernheiten tolerierend? Kender als lust'ge Gesellen abtuend, und zaubern sie noch zehnmal Eysenklöten? Den Dieb verschonen, weil man ja so gnädig ist? Vielleicht nur die Hand ab und dann dem Heiler übergeben, denn man wäre ja doch lieber beliebt und human?

    Was mache ich also falsch, indem ich denke: "Zur Hölle mit dem Gesindel. Spuckt er mir ins Bier, brech ich ihm 'nen Knochen. Stiehlt er meine Barschaft, bekommt er meinen Stahl gleich mit in den Balg. Und zaubert er garstig gegen mich und die meinen, schneid ihn in Stücke, den Ketzer."

    Bin ich zu ernst, spiele ich zu böse? Oder ist der Rest der Welt einfach zu verdammt knuddelig, dass es mir so die Galle hochtreibt?
    "Kein Rassismus!" hör' ich schalmeien. "Den Ork verschonen!" dazu. "Elfen sind Brennholz, keine Freunde!" brüll ich dagegen, und "Hängt die ganze Bande auf, ich wüsst' da einen Ast, der ginge!".

    Also, klärt mich auf, ich harre.

    D. (ausgelaugt vom Dummzeuch schreiben)
    [Haralds Mutter]
    [Hat den Plan]
    [fumtioniert]

  2. #2
    Gerwin
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    Naja..die Frage ist halt was man will.

    Will man eine halbwegs realistische Larpwelt, gebe ich dir recht. Ich bevorzuge auch eine halbwegs realistische Larpwelt. Nur bringt die so ein paar (kleinere und größere) Probleme mit sich.

    Rassismus nur gegen Orks? Warum eigentlich? Als Strafe dafür dass sich ein Ork überhaupt traut als Spielercharakter aufzutreten? Rassismus ist einer rauhen, pseudomittelalterlichen Welt überhaupt ein Thema.

    Überhaupt nur Rassismus? Warum haue ich in einer derartigen Welt jeden der mir dumm kommt nicht einfach um? Warum lasse ich es zu dass sich mein Weib von seinen naturgegeben Platz entfernt und plötzlich Heilerin, Kriegerin oder Magierin wird? Warum lasse ich mich rumkommandieren von jemanden der mir weder körperlich gewachsen ist, noch eine entsprechende Armee hinter sich hat und am besten auch noch aussieht wie ein dicker Fachinformatiker..nur weil er sich Ritter schimpft? All diese Dinge sind logisch nicht zu erklären, kommen aber im Larp vor.

    Larp ist nun einmal inzwischen weichgespült. Es gibt nur noch wenige PvP Veranstaltungen, und die die es gibt nehmen denklogische Dinge wie Kriegsgefangenschaft, Vergewaltigung, Leibeigenschaft und Co. meist aus. Larp ist halt zum bunten Familienfest für jedermann/frau geworden...und Martina Musterfrau (ihrerseits Kunststudentin im 35ten Semester und Gleichberechtigungsbeauftragte im lokalen ASTA) lässt sich nun einmal ungerne sagen dass sie keinen Ritter und eigentlich auch keine Kriegerin spielen kann...und das Gewalt auch unter Spielern in dieser Welt normal ist.

    Dass alles macht Larp ein wenig öder...aber es macht eben trotzdem Spaß.

  3. #3
    luthien368
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    Ernst spielen ist doch nicht schlimm. Wichtig ist, den anderen nicht den Spaß zu nehmen. Sei dir also bewusst, dass nicht jeder Spaß an deinen Konsequenzen hat. Klar, wenn dir jemand eine runterhaut, soll er nicht heulen, wenn du zurück haust. Versuch einfach, deinen Spielspaß nicht über den anderer zu stellen, ggf. musst du ein Gespür dafür entwickeln.

    UND es ist wichtig zu zeigen, dass man es OT nicht so ernst nimmt. Wenn also jemand jammert, du würdest zu ernst spielen, kommst du kurz aus deiner ernsten Rolle raus, lachst kumpelhaft und erklärst ihm, das wäre dein Char. Ende Peng.


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    Nächste Cons: 06.-09.09.12 Temporia

  4. #4
    Harald Ösgard
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    Nunja, in realen Krisensituationen neigen Menschen in der Tat erstmal zur Radikalisierung.
    Andererseits, es gibt viele Beispiele, wo gerade die besonders Armen noch ein offenes Herz zeigen, wo die Menschen gerade in der Not besonders eng zueinander stehen.
    Und Galgenhumor ist auch keine Erfindung von Hollywood, es gibt schon auch Menschen in Echt, die einen befreienden Humor nicht gegen kalten Zynismus getauscht haben.

    Letzten Endes hängt es meiner Meinung nach wesentlich mehr von der Persönlichkeit und dem Charakter eines Menschen (ergo einer bespielten Figur) ab, ob man sich so oder so benimmt. Die realen äußeren Umstände sind da eher zweitrangig. Dafür ist es einfach zu weit gefächert, was das Individuum als Stress empfindet. Die Reaktionen auf den Zustand Stress sind zwar mehr oder minder in einem engeren Rahmen gefaßt - dazu gehört auch der Verlust des Spaßempfindens - nur welcher reale Umstand dann letztlich bei jemandem Stress auslößt, das hängt eben stark von der individuellen Wahrnehmung, Veranlagung und mentalen Präparation ab.

    Rettungssanitäter, Pathologen und Bestatter rennen auch nicht immer nur mit ernster strenger Miene rum, die haben sicher auch hier und da mal was zu Lachen. Mindestens in ihrer Freizeit. Im Dienst ist das ne andere Sache.

    spricht Du nun also davon, das Dir die Leute "im Dienst" zu albern bzw. zu apostelhaft sind? Oder gehts Dir mehr darum, daß generell mehr ne Ferienlagerstimmung da ist, als ne Bedrohungssituation?

    PS: Kennst Du den Film: "Restrepo"?

  5. #5
    Kelmon
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    Sofern ich Dossmo richtig verstanden habe: Das gleiche Problem habe ich auch, und zwar massiv.

    Für mich wird gefühlt sehr, sehr viel zu "lustig" gespielt für die üblichen Situationen auf Cons. Was mich dann, der darüber nachdenkt, wie mein Charakter sich wirklich fühlen würde, als grantigen, humorlosen Kerl rüberkommen lässt.

    Ein Beispiel hierfür wäre die vorletze Con, in der ich eine Gruppe "Abenteurer" schleichenderweise durch einen Ork- und Dämonenverseuchten Wald führte, und besagte Abenteurer nichts besseres zu tun hatten als lautstark durch den Wald zu trampeln und sich über ihren letzten IT-Urlaub auszutauschen. Wenn man dann mal IT an die Bedrohung erinnert und die Leute zusammenscheisst, erntet man halb-OT-"Spielverderber"-Blicke. (Ich rede hier nicht von IT-Schlecht-im-Schleihen-sein, sondern um regelrechtes Mir-doch-egal-wie-laut-ich-bin-Ha-Ha)

    Ähnlich unverständlich ist für mich, wie man vom blutigen Schlachtfeld kommen und sich zum Saufen, Würfeln und Scherzen in die Taverne setzen kann. (Die - seltenere - Umkehrung wären dann die Charaktere, die jeden Gang zur Taverne oder zur Toilette wie einen Kommandoeinsatz hinter feinlichen Linien behandeln, Getränke magisch untersuchen und Schutzkreise um ihren Tisch errichten).
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  6. #6
    Tala_Pran
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    mich stört der falsch verstandene Humanismus oder andere "ismusse"

    Wenn ich eine Bettlerin spiele und mich dem Ritter bettelnd vor die Füße werfe, erwart ich "getreten" zu werden. Ich erwarte, dass andere Standler ihm zustimmen und mich vielelicht auch noch mit faulem Obst bewerfen.

    In keinem Fall erwarte ich, dass der Ritter als hartherzig beschimpft wird, sicher soll kein anderer Edelmann zu mir eilen und mir aufhelfen. Das ist unstimmig und unlogisch.

    Ok, diese Rollen werden nur noch von NSCs besetzt, weil die ja dann wissen was auf sie zu kommt. Das sollte ein SC aber auch verinnerlicht haben, wenn er sich einer Rolle annimmt.

    Wird das Dorf aktuell bedroht, dann muss auch gedämpfte Stimmung herschen.
    Ist das Dorf latent bedroht, wird es Großmäuler geben, die sich darüber lustig machen. Es wird gespielt oder gesoffen, ob aus Mut oder Angst oder in Kombination.
    Dauert die Bedrohung schon lange an, wurde aber kaum greifbar (der Drache holt sich einmal im Jahr ein Jungfrau), dann neigt der Mensch dazu, diese zu negieren und so normal wie möglich zu leben. "Es wird schon nicht mich treffen"...

    Ich fürchte ich bin da mal mit Kelmon und Dossmo einer Meinung
    Sabine
    Obmann Verein Holo-Con Austria, Waldritter Östrreich
    Star Trek, Potterversum, Steampunk
    https://www.facebook.com/WSZHLARP
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    http://www.data.holo-con.net/

    ---------------------------------------------------------
    Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann

  7. #7
    Harald Ösgard
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    Ich empfehle Euch wirklich mal den Film: "Restrepo".

    Also ich glaube, nach diesem Film werden einige vielleicht etwas aufräumen müssen mit ihren Vorstellungen, wie permanente Bedrohung auf Charaktere zu wirken hat, wirken sollte, wirken müßte,....

    Merke: Mit SINN hat das alles am wenigsten zu tun. Es wäre sinnvoll, sich lautlos durch so einen Wald zu schleichen... Aber wenn das nichtmal Berufssoldaten in richtigen Kriegen machen.... Nunja...

  8. #8
    Kelmon
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    Zitat Zitat von Harald Ösgard
    Merke: Mit SINN hat das alles am wenigsten zu tun. Es wäre sinnvoll, sich lautlos durch so einen Wald zu schleichen... Aber wenn das nichtmal Berufssoldaten in richtigen Kriegen machen.... Nunja...
    Wie gesagt, es ging nicht darum, daß aus jedem der perfekte elfische Waldläufer wird, aber ein Mal-2-Minuten-die-Fresse-halten-können sollte auch für den unerfahrendsten drin sein.

    Wie Tala_Pran auch sagt - es ist ein Unterschied, welcher Art diese permanente Bedrohung ist. Daß alle paar Wochen mal die Orks (oder Taliban) angreifen ist was ganz anderes als wenn das alle paar Stunden passiert und man genau weiß, daß da gegnerische Patrouillen in der Nähe sein müssen.
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  9. #9
    Golrok
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    Mich nervt das ewige Tollerantzgeschwafel. Grade bei ach so lustigen Konzepten. Wer mich verzaubert, stirbt (oder wird verstümmelt). "Aber das ist doch nur ein Kender!" Mir egal.

    Und ich muss mich auch nicht mit allen verbünden um den Plot zu lösen. (Hier verweise ich auf Charistras Diskussionsblog im Larper.ning)

    Dementsprechend:
    Nein Dossmo, wir haben recht!

  10. #10
    Kelmon
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    Zitat Zitat von Golrok
    Tollerantzgeschwafel.
    Wenn Du mit den Unterstreichungen was sagen willst...verstehe ich es gerade nicht, fürchte ich.

    Zitat Zitat von Tala_Pran
    Wenn ich eine Bettlerin spiele und mich dem Ritter bettelnd vor die Füße werfe, erwart ich "getreten" zu werden. Ich erwarte, dass andere Standler ihm zustimmen und mich vielelicht auch noch mit faulem Obst bewerfen.

    In keinem Fall erwarte ich, dass der Ritter als hartherzig beschimpft wird, sicher soll kein anderer Edelmann zu mir eilen und mir aufhelfen. Das ist unstimmig und unlogisch.
    Ich sehe, worauf Du hinaus willst, würde Dir aber gerade bei Rittern und Adel hier nicht zustimmen, da "Schutz der Armen und Schwachen" ja wirklich eine der Klischee-Eigenschaften dieses Standes ist. Vom Ritter würde ich eher eine Geld- oder Sachspende erwarten, oder zumindest mal keine gewalttätige Zurückweisung. Letzteres erwarte ich eher vom "mittelständigen" Normalbürger, der keine Lust auf nutzlose Esser in seiner Stadt hat, meinetwegen auch noch vom Bediensteten des Ritters, der diesem den Weg freimacht.
    Wir wollen aber eben nicht vergessen, daß diese ganzen Almosenbeutel vom Adel nicht ohne Grund getragen werden...

    Aber - ja - grundsätzlich würde ich erwarten, als gesellschaftlicher Außenseiter nicht gerade mit Kußhand empfangen zu werden. Als Bettlerspieler hatte ich da bislang auch eigentlich "gute" Erfahrungen gemacht.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

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