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  1. #1
    Gerwin
    Gerwin ist offline
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    Congebiete Krieg oder friedliche Durchreise

    Nachdem die Diskussion jetzt schon mehrfach angeklungen ist wollte ich ihr doch einmal eine etwas genauere Betrachtung gönnen.

    Ich erinnere mich an das Mythodea 2009, eine der epischere Schlachten gegen die Untoten (denke ich), Kämpfer stehen sich gegenüber, Waffen werden gezogen, mächtige Kriegszauberer bereiten sich vor, mein Blick gleitet nach links etwas über die Reihe hinweg...und ich sehe zwei Frauen mit einen Leiterwagen in dem sich wohl kleinere Kinder befinden mit dem Kostüm von Dienstmägden, Hauben, und ohne jegliche Funktion am Schlachtfeld. Irgendwie denke ich mir "Was zum Teufel machen die da?". Neben der natürlich vorhandenen OT-Problematik kleiner Kinder am Schlachtfeld drängt sich die Frage auch IT deutlich auf. Schlachtfeld-Tourismus? Mal ein wenig Blut sehen um danach etwas zu Hause am Bauernhof erzählen können? Lebensmüdigkeit? Kurz, was treibt all diese Ambientecharaktere dazu bei Schlachten die relative Sicherheit eines befestigten Lagers (oder zumindest Zeltes) zu verlassen, sich mit stetig wiederkehrender regelmässigkeit furchtlos am Schlachtfeldrand zu versammeln und einfach mal "zuzuschauen?"

    Ist es wirklich noch logisch erklärbar dass ein (normaler menschlicher) Charakter so handelt? Irgendwie vage ich dass zu bezweifeln. Ist es nicht vielmehr so dass ein Con (spätestens nach den ersten Angriff) de facto im Kriegszustand ist, ein Zustand bei dem sich Zivilisten normalerweise "ganz weit weg" befinden...aber nicht in der Nähe des Kampfes? Alleine schon weil sie sonst in Panik ausbrechen würden?

    Irgendwo ist bei Zivilisten auf Cons in meinen Augen die Grenze erreicht. Zur Verdeutlichung ein (vielleicht leichter zu verstehender OT-Vergleich). In jeder größeren Studentenstadt finden (mit gesunder Regelmässigkeit) Demonstrationen statt. Da geht dann Susi Soziologin und Igor Informatiker auf die Straße um, natürlich beschützt von Polizisten, zwar kämpferisch die Internationale zu singen, aber irgendwie nichts zu tun. Dieser Zustand ist ungefähr zu vergleichen mit dem Conzustand kurz nach der Anreise, wo man gerade merkt "etwas stimmt nicht".

    Und irgendwann kippt (je nach Stadt mit gesunder Regelmässigkeit) die Stimmung. Irgendwer wirft Flaschen/Papierkugeln/Mülleimer, eine Scheibe geht zu Bruch, die Polizei fährt Tränengas auf...und die Zivilisten gehen (oft mit unguten Gefühl/Panik/Angst) nach Hause/zum nächsten relativ sicheren Platz um das Demonstrationsgebiet/Conschlachtfeld den Leuten zu überlassen die davon mehr verstehen ("Berufs"demonstranten, besonderen Einheiten der Polizei usw). Kaum jemand wird nun am Straßenrand stehen bleiben und sich denken "ohhhhh wie interessant, DASS muss ich jetzt aber mal klein Kevin Justin zeigen". Und in diesen Situationen wird für gewöhnlich NICHT mit tödlichen, brutalen Waffen gekämpft (Gott sei Dank). Schlimmer noch beim eigentlich brachialen Waffeneinsatz auf Con.

    Wäre es an diesen Punkt nicht sinnvoller den "Ambientechara" gleich im regelmässig befestigten Lager zu lassen? Oder (wenn einen dieses Spiel nicht genügt) sich einen anderen Chara zu basteln und den Ambientechara auf ensprechenden Stadtcons/Hofhaltungscons/Handwerkercons/Tagelöhnercons zu spielen? Geht es euch auch so dass ein hoher Anteil an Barden/Schmieden/Schriftstellern/exotischen Tänzerinnen und Friseuren in der Schlachtreihe (oder in der Nähe der Schlachtreihe) irgendwie die Illusion eines realistischen Bildes in eurem Kopf zerstört und der Blick erst einmal mit einen "Moment mal" hängen bleibt?

    Oder ist dass ein subjektives, eventuell einzigartiges Problem?

    Grüße

    Gerwin

  2. #2
    Section31
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    "Was zum Teufel machen die da?"
    Frag' sie doch mal...

    Gruß,

    Section31
    In God we trust, the rest we monitor

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  3. #3
    Titus Tiberius Totenhagen
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    Ach, bei Bull Run 1861 gab es wohl auch eine beachtliche Menge an Schaulustigen und Schlachtenbummlern. Insofern sehe ich das gar nicht so eng.
    "Ja,meine Tochter ist wirklich sehr hübsch...
    und sie ist noch unbenutzt!"

    -Adalbert, Verteidiger der Mauern Gondors

  4. #4
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    Kurz, was treibt all diese Ambientecharaktere dazu bei Schlachten die relative Sicherheit eines befestigten Lagers (oder zumindest Zeltes) zu verlassen, sich mit stetig wiederkehrender regelmässigkeit furchtlos am Schlachtfeldrand zu versammeln und einfach mal "zuzuschauen?"
    Die reine Ot Motivation da zuzuschauen. Meiner Meinung nach völlig verständlich, ich würde genauso handeln. Zwar würde ich nicht mit meinem Kind das Menschfresserlager XY besuchen, aber ich finde es absolut in Ordnung wenn sie vom Schlachtfeldrand aus zugucken. Ist ja immernoch eine Art "Urlaub" welchen man auch OT geniessen will und sich sklavisch der It Logik zu unterwerfen ist nicht jedermanns Ding.

    M.f.G
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    Schwannis vult!

  5. #5
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    Alleine von der Größe der Großcons her und der Unterschiedlichkeit von Spielkonzepten und -auffassungen ist es normal, daß da so manches "unlogische" Verhalten entsteht. Das (der sog. "Schlachtfeldtourismus") ist darum auch ein Phänomen, das ich eigentlich nur auf Großcons beobachte. Schönes Beispiel dafür ist die Diskussion über Überfälle auf der Schlachtwiese des DF - die Einen wollen Bedrohungsstimmung, die anderen wollen einen Weg in die Taverne und nicht von Räubern genervt werden.
    Bei kleineren Veranstaltungen ist sich die anwesende Spielerschaft schneller mal einig, wie gespielt werden soll - sei es intuitiv oder per Orgavorgabe. (Also z.B. "hart und dreckig" oder sind Zivilisten Tabu?)

    Ich gebe Dir natürlich recht, daß IT-Konsequent der Hobbit-Schmalzhändler eher nicht mal eine Besichtigung des Orklagers veranstalten sollte.

    Die grundsätzliche Frage danach, ob ein Congebiet auch ein Kriegsgebiet ist, läßt sich übrigens erschreckend einfach beantworten: Man lese die Ausschreibung.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  6. #6
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    Ich hab letztens gelesen, dass irgendwann 17xx oder 18xx zum ersten Mal Eintrittskarten zum Zuschauen bei einer Schlacht verkauft wurden ... soviel zu "Ist doch total unrealistisch, dass sich "Zivilisten" im Kriegsgebiet aufhalten" ...
    Und wenn ich so an Gladiatorenkämpfe o.ä. denke, scheinen so einige Zivilisten dann doch ganz fasziniert von Kämpfen zu sein, auch wenn es keine harmlosen, sondern tödliche Kämpfe sind.

    Ansonsten:
    Du gehst auf Großcons. Also leb damit, dass sich dort alle möglichen und unmöglichen Charaktere und Spieler mit allen möglichen Spielvorstellungen tummeln, die eigentlich nicht alle vereinbaren. Anything goes eben. Nicht "anything goes, das Gerwin gefällt".
    Klar, man könnte sich auch einen Nicht-Ambiente-Charakter machen. Aber manche mögen halt nur Ambientecharaktere und wollen trotzdem am Con teilhaben. Da die Orga es erlaubt, dürfen sie das auch. Was du davon hältst, ist irrelevant.

    Für Großcons stelle ich die Frage "Ist es logisch, das ...?" überhaupt nicht mehr. Weil eben dort jeder hinkann und jeder hingeht und es somit jede Menge Ungereimtheiten gibt.

    Da Cons mit Kriegshandlung aber ohnehin die absolute Ausnahme sind (Großcons sind meist eher Wettkampf und kleinere Cons meist eher "unerwartete Bedrohung"), ist die Fragestellung auch nicht von so großer Tragweite.
    Moderative Eingriffe werden von mir als solche gekennzeichnet.

    Entspanne dich.
    Lass das Steuer los.
    Trudle durch die Welt.
    Sie ist so schön.
    (Kurt Tucholsky)

  7. #7
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    Da Cons mit Kriegshandlung aber ohnehin die absolute Ausnahme sind (Großcons sind meist eher Wettkampf und kleinere Cons meist eher "unerwartete Bedrohung"), ist die Fragestellung auch nicht von so großer Tragweite.
    Obwohl man schon sagen muss, dass der "Expedition ins Feindesland"-Aufhänger doch sehr beliebt als Conhintergrund ist. Solche Cons sind aber meist recht klar ausgeschrieben, und auch wenn man unter der Spielerschaft häufig eine ähnliche Charakterauswahl wie auf anderen Cons findet, vermeide ich es, mit zivilen Charakteren auf diesen Cons zu erscheinen.

  8. #8
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    Also ich glaub ich würd es genauso machen :-)
    Es ist halt interessant zu sehen, wie Leute sich kloppen (ich sag nur auch OT schauen sich Männer, Boxwettkäpfe, Wrestling, etc. an.)
    Natürlich ist es IT nicht korrekt, wenn z.B Mägde am Schlachtfeldrand stehen und gespannt die Kämpfe beobachten.
    Aber die Leute, welche Eh nur da sind um Kämpfe sehen, sollten bresser auf Mittelaltermärkte gehen. Dort werden ja immer kleine Schaukämpfe gezeigt. Ansonsten könnte man, wenn man große Schlachten sehen will auch einfach, selbst einen kämpfenden Charakter spielen. :-)

    Eure Lavuel <3 :wink:

  9. #9
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    Ich denke hier vermischt sich der moderne Krieg, der auch auf Zivilisten übergreift, Schaden und Schmerz um jeden Preis bedeutet und daher kaum Zuschauer verträgt mit dem alten, traditionellen Stil.
    Ich erinner mich von exakten Schlachtenreihen gelernt zu haben, der Kriegsschauplatz war eher ein klar definiertes Sportfeld und am Rande und auf Hügel fand sich die gute Gesellschaft in Kutschen zum Picknick ein.
    Ebenso glaube ich gelernt zu haben, dass erst beim Sezessionskrieg erstmals ungeordnete Angriffe, Hinterhalt und Finten zum Einsatz kamen.
    Viele spielen an Mittelalter angelehnte Szenarien. Dann hat die moderne Kriegsführung da auch nix verloren und Schlachtenbummler werden möglich.

  10. #10
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    Es gilt jedoch anzumerken, dass Feldschlachten die absolute Ausnahme gewesen sein dürften. Viel öfter wurden Kriege durch Belagerungen gewonnen.
    Auf keinen Fall haben sich beide Parteien zur Schlacht "verabredet", oder ich bin ganz falsch informiert.

    Zum eigentlichen Thema:
    Wenn am Schlachtfeldrand ein paar Zivilisten stehen würden, ist für mich OT eigentlich klar, dass die gerne das Spektakel mitverfolgen wollen.
    IT kann ich mir das z.B. so erklären, dass die Frauen/Familien der Kämpfer gerne nah am Geschehen sein wollen, um zu sehen wie die Schlacht ausgeht. Ob man also die toten Gegner ausplündern kann oder sich lieber schnell vom Acker macht.
    Also sorgt der Zwiespalt zwischen Habgier und Sicherheitsbedürfnis der Zivilisten dafür, dass sie sich nahe bei der Schlacht aufhalten.

    Edit: Natürlich sollten sich die Spieler dieser Zivilisten auch passen benehmen, also die allgemeine Anspannung teilen und nicht chillen, rumblödeln oder so tun, als sei ihnen die Schlacht egal.

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