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  1. #1
    Alex
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    "Das ist so am besten, weil es früher so war"

    In der Diskussion über Trinkhörner kam der Argumentationsweg "Das ist so am besten, weil es früher so war" bzw. "Das hat keiner früher gemacht, weil es Unsinn ist" auf.

    Kelmon schrieb hier dazu
    Das Argument "Das ist so am besten, weil es früher so war" sollte natürlich mit Bedacht genutzt werden.
    Ich wollte ihm darauf antworten, dass ich sogar der Meinung bin, dass diese Art der Argumentation bei Diskussionen, bei denen es nicht um historisch angelehntes Spiel geht eigentlich nur nach hinten los gehen kann und warum. Beim Schreiben bin ich allerdings ausführlicher geworden. Und da das nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, antworte ich mal hier in einem eigenen Thread, damit sich auch jeder ungehemmt zu dem Thema äußern kann:

    Wenn man etwas gar nicht historische beleuchten will, bin ich der Meinung, dass das Argument sogar gar nicht eingesetzt werden sollte. Wenn etwas wirklich gut oder eben völlig unpraktikabel ist, finden sich andere gute Argumente, warum das so ist. Historisch gesehen stehen die aber unter Umständen vor einem kulturellem Hintergrund, der im fantastischen Beispiel gar nicht gegeben ist. Das traurige an der ganzen Sache ist: Sollten plötzlich irgendwo Quellen auftauchen, die belegen, dass unverzierte Trinkhörner bei Reisenden Gang und Gebe waren, drehen sich die historisch Interessierten mit der Argumentation wie Fähnlein im Wind. Für diejenigen, die eher einen stimmigen, fantastischen Hintergrund anstreben ist das meist ein Kampf gegen Windmühlen auf einem Feld, dass sie nur nebensächlich interessiert. Oft habe ich auch das Gefühl, dass mancher einfach aus dem historischen Interesse heraus versucht, soviel Missionierung aggressiv in die Breite zu bringen, um an möglichst vielen Stellen das zu vorzufinden, was er bevorzugt. Und das kommt trotz ähnlicher Probleme zumindest gefühlt aus den gleichen Ecken.

    Um mal konkret zu werden: Hörner am Gürtel können ja nicht der Weltuntergang für diejenigen sein, die lieber historisch angelehnt spielen wollen. Es sei denn, man muss, um seine Spielwelt zu erleben, alle Mitspieler an ein ähnliches Spiel anpassen. Hoffe ich mal nicht. Dennoch wird aus einigen Ecken teilweise gefühlt aggressiv argumentiert, ja Bilder heraufbeschworen, dass jemand mit Horn am Gürtel, sich als Volldepp, der sich keine Gedanken macht, outet. Da muss ich mir die Frage stellen: Wer erklärt die denn zu Volldeppen? Es ist ja nicht die dabei gerne implizierte graue Masse, sondern in Wahrheit die Person, die dieses Bild weiter herauf beschwört, selbst wenn das Gegenüber sich gerade aktiv mit den Thema auseinandersetzt.

    Um das wiederum umzudrehen: Ich spiele lieber fantastisch orientiert, nehme mir durchaus auch historische Vorlagen, entfremde die aber bewusst, bzw. baue Elemente ein, um mich abzuheben. Einfach deswegen, weil mein bevorzugtes Spiel ein fantastisches ist, bei dem zu stark umgesetzte historische Vorlagen sogar stören. Ganz subjektiv. Als konkreteres Beispiel: Landsknechte in Mittelerde wirken einfach deplatziert und irritierend. Noch mehr stören mich teilweise reale Namen und Länder. Manche mehr, manche weniger. Frankreich und Franzosen irritieren mich massiv. Römer und Rom, wie Du weißt, auch. Das gilt nicht nur für die Namen, sondern auch wenn ich Konzepte sehe, die zu nahe an der Vorlage sind. Das sage ich durchaus in einer Diskussion, bringe auch Argumente dafür an, warum es meiner Meinung nach schöner wäre, die Vorlage fantastisch zu entfremden. Aber ich akzeptiere, wenn nicht jeder meiner Meinung ist, und fange nicht an, Argumente so zu drehen, dass ich den anderen als Deppen darstelle. Auf dem DF haben ich ja sogar irgendwie mit Dir und Deinem Römer gespielt. Ich konnte damit halt nicht allzu viel anfangen (Ich hoffe, man hat mir das nicht zu sehr angemerkt), aber habe nicht versucht, Dir aktiv aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil.

    Worauf ich hinaus will: Man muss nicht alles gut finden. Man muss auch nicht mal mit jedem auf einer Con spielen. Es ist auch OK sich eine andere Ecke zu suchen. Aber wenn es nicht aggressiv störend ist, sehe ich keinen Grund, Leute der "Gegenseite" als Deppen/Schmuddelkinder/etc. darzustellen, was in meinen Augen ein aggressives Vorgehen ist.

    Leider habe ich das Gefühl, dass das solch aggressives Vorgehen öfter von einigen Spielern kommt, die offensichtlich mehr Wert auf historische Anlehnung legen, als ich (Unabhängig, ob sie nun eigener Auffassung nach wirklich historisch orientiert spielen oder nicht). Damit meine ich zumindest in dieser Diskussion weniger Dich, aber phasenweise durchaus jboerner (Bevor jetzt kommt "Warum sagst Du das nicht ihm?", dass habe ich. Hoffentlich merkbar). IM letzten Posting war es dann doch schon wieder etwas ruhiger. Diese Wahrnehmung kommt oft auf, wenn obige Argumentationsart aufkommt "Das hat es nicht gegeben, weil es Unsinn ist.". Jetzt kann man das natürlich als subjektiv abtun. Wenn ich mir aber weitere Aussagen, die dann damit einhergehen, anschaue, wirkt es oft so, dass mein Gegenüber sich gerade nicht die Mühe machen will, eigentliche Argumente zu suchen, warum etwas im damaligen Kontext nicht gemacht wurde und ob das überhaupt vor einem fantastischen Hintergrund zwangsläufig Anwendung findet. Alternativ wirkt es, als ob gerade einfach jeder Pulverrest zu verschießen versucht wird und jedes noch so kleine (Pseudo-)Argument ausgebuddelt wird, um einfach sagen zu können "Schau Dir die Masse an Gründen an, die dagegen spricht".

    Von daher bin ich der Meinung der Argumentationsversuch "Das ist so am besten, weil es früher so war" bzw. "Das hat keiner gemacht, weil es Unsinn war" kann bei Diskussionen zum Thema fantastisches LARP eigentlich meist nur nach hinten losgehen. Und dann muss man sich schon gar nicht mehr wundern, wenn kurz darauf ein "Mach doch Reenactment/Living History" oder ähnliches zurückgeworfen wird, beide Aussagen sind meiner Meinung nach in dem Kontext gleichermaßen ungeeignet.

    Soweit meine Ansicht dazu. Viele Grüße,
    Alex

  2. #2
    Gerwin
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    Dass Argument ist eben verkürzt. Eigentlich muss es heißen "Alles was früher so war passt auch automatisch in eine schlüssige Phantasiewelt, und bei allen was NICHT früher so war muss ich eben überlegen wie sehr ich eine mittelalterliche Phantasiewelt abändern muss um zu einer Schlüssigkeit zu kommen".

    Der Schritt von der historischen Realität zum Alltagsmethorn mag ein geringer sein. Der Schritt von der historischen Realität zum Stiefel mit Gummisohle ist höher, und der Schritt von der historischen Realität zur Lackhose letzten Endes immens. Bei der Frage "kann ich Gegenstand X in einer mittelalterlichen Phantasiewelt verwenden" hilft eben die Gegenprobe "gab es Gegenstand X im Mittelalter" durchaus erst einmal. Ist diese mit Ja beantwortet kann man ihn auch generell verwenden. Ist sie mit nein zu beantworten muss derjenige weiterprüfen (was erst einmal aufwendig ist).

    Da man (gerade Anfängern) das weiterprüfen ersparen will ist der Ratschlag "mach es weil es früher so war auch so" erst einmal durchaus richtig. Wer sich natürlich die Mühe machen will einen wirklich schlüssigen Fantasycharakter zu erstellen bei dem der gegenüber auch sagt "ja...so könnte ich mir das vorstellen", für den ist das Argument erst einmal ein Scheinargument, da hast du schon recht.

    edit: Wenn der gegenüber überhaupt erst einmal erkennt dass das was er tut mit guten Grund historischer Blödsinn ist, dann dürften die meisten Historienlarper weitgehend zufrieden sein.

  3. #3
    Kelmon
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    Re: "Das ist so am besten, weil es früher so war"

    Zitat Zitat von Alex
    Ich wollte ihm darauf antworten, dass ich sogar der Meinung bin, dass diese Art der Argumentation bei Diskussionen, bei denen es nicht um historisch angelehntes Spiel geht eigentlich nur nach hinten los gehen kann und warum.
    Wie Gerwin völlig richtig sagt: Der Satz, gegen das Du hier zu argumentieren versuchst, ist lediglich eine Verkürzung. Logisch, daß eine aus bequemlichkeit gemachte Verallgemeinerung nicht mehr auf alles passt.

    Wenn man etwas gar nicht historische beleuchten will, bin ich der Meinung, dass das Argument sogar gar nicht eingesetzt werden sollte. Wenn etwas wirklich gut oder eben völlig unpraktikabel ist, finden sich andere gute Argumente, warum das so ist. Historisch gesehen stehen die aber unter Umständen vor einem kulturellem Hintergrund, der im fantastischen Beispiel gar nicht gegeben ist.
    Ja, "unter Umständen", ganz genau. Und wann treten die mal ein? Gefühlte 95% der Fantasy-LARPer spielen rein auf das kulturelle ihrer Menschencharaktere bezogen nunmal "Mittelalter mit Elfen, Drachen und Magie", und sonst nichts anderes. Und davon geht man - zurecht - bei einer Charakterberatung aus, wenn der zu beratende nicht explizit sagt, daß er meinetwegen von einer Nomadensippe von Pottwalreitern abstammt.

    Das traurige an der ganzen Sache ist: Sollten plötzlich irgendwo Quellen auftauchen, die belegen, dass unverzierte Trinkhörner bei Reisenden Gang und Gebe waren, drehen sich die historisch Interessierten mit der Argumentation wie Fähnlein im Wind.
    Das traurige ist, daß Du glaubst, daß diese Vorgehensweise traurig ist...So funktioniert Wissenschaft, so soll Wissenschaft auch funktionieren, denn genau so ist das sinnvoll. Wider besseres Wissen auf einmal gelerntem beharren ist dagegen die Domäne der...um es vorsichtig auszudrücken: "dogmatischen Gegenseite".

    Für diejenigen, die eher einen stimmigen, fantastischen Hintergrund anstreben ist das meist ein Kampf gegen Windmühlen auf einem Feld, dass sie nur nebensächlich interessiert.
    Wer mir erklären kann, inwiefern sein Trinkhorn am Gürtel jetzt komplett stimmig ist, angesichts der Nachteile, die auch in der phantastischen Hintergrundwelt weiterbestehen, kann das ja meinetwegen gerne einsetzen. "Man kann es nicht abstellen" ist eigentlich schon alles an Argument, was man braucht, um es für alltäglichen Gebrauch in der Fantasywelt als sinnvoll auszuschließen.

    Um mal konkret zu werden: Hörner am Gürtel können ja nicht der Weltuntergang für diejenigen sein, die lieber historisch angelehnt spielen wollen.
    Hörner am Gürtel nicht zu mögen hat rein gar nichts damit zu tun, "historisch angelehnt" spielen zu wollen. Genausowenig wie es mit historischer Präferenz was zu tun hat, diverse andere notorisch als schlecht empfundene Ausrüstungsteile lieber nicht im LARP sehen zu wollen.

    Aber ich akzeptiere, wenn nicht jeder meiner Meinung ist, und fange nicht an, Argumente so zu drehen, dass ich den anderen als Deppen darstelle. Auf dem DF haben ich ja sogar irgendwie mit Dir und Deinem Römer gespielt. Ich konnte damit halt nicht allzu viel anfangen (Ich hoffe, man hat mir das nicht zu sehr angemerkt), aber habe nicht versucht, Dir aktiv aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil.
    Du legst hier Deiner Gegenseite in den Mund, daß sie jeden mit Trinkhorn als Deppen abstempeln (oder zu diesem Zweck "Argumente verdrehen", was auch immer das bedeuten soll). Und scheinst zu implizieren, daß diese Gegenseite denjenigen mit Trinkhorn wohl am liebsten wie Luft behandelt.
    Und ich habe leider keine Ahnung, wie Du auf so etwas abstruses kommst. Auf einer Con fällt mir ein Trinkhorn am Gürtel eben negativ auf. Wie eine Schnürlederhose. Oder Kampfstiefel. Dann denke ich "doof", und das war's dann.

    Alternativ wirkt es, als ob gerade einfach jeder Pulverrest zu verschießen versucht wird und jedes noch so kleine (Pseudo-)Argument ausgebuddelt wird, um einfach sagen zu können "Schau Dir die Masse an Gründen an, die dagegen spricht".
    Und wo ist dabei das Problem? Schlechte Argumente sollten ja sicher leicht zu entkräften sein.

    Von daher bin ich der Meinung der Argumentationsversuch "Das ist so am besten, weil es früher so war" bzw. "Das hat keiner gemacht, weil es Unsinn war" kann bei Diskussionen zum Thema fantastisches LARP eigentlich meist nur nach hinten losgehen. Und dann muss man sich schon gar nicht mehr wundern, wenn kurz darauf ein "Mach doch Reenactment/Living History" oder ähnliches zurückgeworfen wird, beide Aussagen sind meiner Meinung nach in dem Kontext gleichermaßen ungeeignet.
    Wenn LARP-Ausrüstung und Living-History-Ausrüstung in getrennte Bereiche fallen würden, dann ja. So ist es aber nicht. LARP-Ausrüstung umfasst Living-History-Ausrüstung. Die Tonbecher-Rekonstruktion von 1320 wird nur in konstruierten Ausnahmefällen mal in einem Fantasy-LARP unpassend erscheinen (Eine Welt ohne Keramik?), der übliche moderne Tonbecher vom letzten MA-Markt mit Veranstalterlogo wird für Living-History immer unpassend sein.

    Wie ich bereits sagte ist das Argument "Das ist gut so, weil's früher so gemacht wurde" natürlich mit Vorsicht zu gebrauchen, weil es eben erfordert, über den Sachverhalt in der damaligen Kultur in Bezugnahme auf Unterschiede mit der Betreffenden Hintergrundwelt näher nachzudenken. Gesellschaftsform? Technische Entwicklung? Auswirkungen der Existenz von Magie? Pflanzen- und Tierwelt?

    Und hier sehe ich eben den in der Bringschuld, der mit seinem Charakter in einer von der "Norm" abweichenden Hintergrundwelt leben will. Es wäre schön, wenn sich hier mal Gedanken drüber gemacht werden würde, wie eine konsistente Hintergrundwelt unter neuen Vorgaben aussehen könnte. Wird es das? Quasi nie.

    Von daher lasse ich das "Aber Fantasy...!" Argument nicht mehr gelten, wenn wie so oft auf Nachfragen hin diese Fantasywelt wie das Mittelalter mit angeklebten Ohren aussieht, wodurch für diese Fantasywelt auch so ziemlich jede realhistorische Entwicklung relevant ist.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

  4. #4
    Cartefius
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    Mir stellt sich in solchen Diskussionen aber oft die Frage, von welcher Seite man das Pferd aufzäumt.

    Natürlich ist das Argument, dass etwas nur funktionieren kann, wenn es nachweislich "früher" so verwendet wurde, nicht tragfähig. Das zeigt sich alleine schon daran, dass im Lauf der Geschichte und unterschiedlicher Kulturen für die gleiche Problematik sehr unterschiedliche Lösungen gefunden wurden, welche mal besser und mal schlechter funktioniert haben.

    Allerdings erlebe ich ganz grundsätzlich häufig, dass solche Diskussionen, wie z.B. Charakterberatungen, dazu neigen, einen ganz bestimmten Verlauf zu nehmen: Person A präsentiert etwas, Person B liefert ein Gegenargument, Person B widerlegt es oder lässt es nicht gelten.
    So weit so gut. Manchmal kommt es dann aber dazu, dass immer mehr Gegenargumente kommen und abgewiesen werden, aber sich nach seitenlanger Diskussion noch kein wirklich positives Argument abzeichnet. Und dann wird die Sache langfristig anstrengend, weil man sich einerseits ständig für seine Meinung rechtfertigen muss und immer komplexere Argumentationsstrukturen heranziehen soll, auf der anderen Seite aber irgendwie immer noch auf ein schlüssiges Gegenargument wartet.

    Anders als bei "Thank you for smoking!" reicht es eben doch nicht unbedingt, zu zeigen, dass der andere Unrecht hat, man muss auch selber Recht haben. ;-)

  5. #5
    jboerner
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    Was soll ich jetzt dazu sagen? Kelmon hat es eigentlich schon gut auf den Punkt gebracht. Fantasywelten basieren nunmal zu einem guten Teil auf der menschlichen Geschichte, und für eine stimmiges Charakterkonzept, insbesondere deren Kleidung und Ausrüstung, ist es bei einer Welt, die den Gesetzen der Realität folgt- Magie jetzt mal ausgenommen, und die setzt die Logik auch nicht völlig ausser Kraft- durchaus sinnig, andere Kulturen und die Menschheitsgeschichte zu betrachten. Es ist jetzt nicht so, dass ein Gegenstand, der so nicht in der Menschheitsgeschichte vorkam, in einen Fantasyszenario keinen Sinn ergibt- das wäre verkützt, pauschal und so auch nicht richtig. Aber insbesondere Gegenstände, die eine Entsprechung in der Geschichte haben, oder gar auf dieser basieren, wie z.B. Rüstungen, sollte man schon hinsichtlich ihrer Funktionalität in dem Szenario prüfen.
    Bei Rüstungen- und da spricht der entsprechende Thread ja für sich selber- ist das besonders emminent, und daher ein gutes Beispiel: wenn in der Geschichte Brustpanzer immer auf eine gewisse Weise gefertigt wurden, tut man gut daran, dam zu folgen, da dies schließlich aus einer Notwendigkeit geschah, und sich an der menschlichen Physis auch in einer Fantasywelt kaum was ändert.

    Ziehe ich das konkrete Beispiel des Trinkhorns am Gürtel heran, ja, da ist eben auch die Tatsache, dass in keiner Kultur der Menschheitsgeschichte (ich mag mich irren, mir ist keine bekannt) so etwas derartig genutzt wurde, schon ein beredter Hinweis darauf, dass es keine so tolle Idee ist, und damit eben auch in einer Alternativwelt mit menschlichen oder menschenähnlichen Bewohnern unplausibel. Um nichts anderes geht es.

    Ich bin nicht der Mensch, der im (Fantasy-)Larp sich übermäßig viel historisch angehauchte Gegenstände wünscht, denn wie Rald einen schönen Thread aufgemacht hat: das Hobby ist ja dann Fantasy. Im Gegenteil, ich wünsche mir schöne, fantastische, ausgefallene, plausible Gegenstände und Kleidung.
    Nun ist ein Trinkhorn am Gürtel aber z.B. weder schön (gut, meine Meinung), besonders fantastisch (es sei denn, man sieht Fantasy pur als Definition etwas an, was es eben -nicht- gibt oder gab), noch ausgefallen (angesichts der Masse an verkauften Hörnern in einschlägigen Shops) noch praktisch (selbst wenn man Argumente wie die Robustheit heranzieht).
    Ich bezeichne auch nicht per se alle als "Deppen", die z.B. ein Trinkhorn am Gürtel tragen. Allerdings ist die Benutzung von Gegenständen, die ein bestimmtes Klischee erfüllen, und in der Masse trotz ihrer nachweislichen Nachteile, und noch dazu ohne jedwede Individualisierung getragen werden, für mich eben schon ein Hinweis darauf, dass die betreffende Person wenig reflektiert haben mag. Manchmal ist das ein Irrtum, aber meine Erfahrung sagt mir, es ist eher die Regel.

    Un letztenendes ist das alles wieder nur eben einer Empfehlung entsprungen. Ich wage stark zu behaupten, dass die Optik der betreffenden Dame und ihres Kindes sich durch das Weglassen des Gürteltrinkhorns schon deutlich verbessert. Aber darauf beschränkt es sich ja nicht.
    • Reenactment = Nachstellung eines bestimmten Ereignisses
    • Living History = Versuch des Nachvollziehens bestimmter Aspekte des Lebens von Personen in der Vergangenheit
    • Marktmittelalter =weder des eine noch das andere und vor allem kein Mittelalter, sondern uriges Kostümcampen
    • LARP = In Real arrangiertes Rollenspiel in unterschiedlichsten Settings
    • Reenlarpment = Ungenau definierte Larp-Variante mit dem Defürhalten der Teilnehmer nach besonders historischen Setting und Ausrüstung
    • Die Unterschiede zu kennen und sich selber richtig zu verorten = unbezahlbar

  6. #6
    Ralf Hüls
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    Re: "Das ist so am besten, weil es früher so war"

    Zitat Zitat von Alex
    Leider habe ich das Gefühl, dass das solch aggressives Vorgehen öfter von einigen Spielern kommt, die offensichtlich mehr Wert auf historische Anlehnung legen, als ich
    Der Jens ist doch gar kein Spieler. Der macht doch nur reines MA.

  7. #7
    Rode
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    Lieber Trinkhorn als Harntrunk.

  8. #8
    Chevalier
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    Zitat Zitat von jboerner
    Ziehe ich das konkrete Beispiel des Trinkhorns am Gürtel heran, ja, da ist eben auch die Tatsache, dass in keiner Kultur der Menschheitsgeschichte (ich mag mich irren, mir ist keine bekannt) so etwas derartig genutzt wurde, schon ein beredter Hinweis darauf, dass es keine so tolle Idee ist, und damit eben auch in einer Alternativwelt mit menschlichen oder menschenähnlichen Bewohnern unplausibel. Um nichts anderes geht es.
    Das halte ich für ein schwaches Argument. Nur weil keiner auf die Idee kam, oder weil sich die Idee nicht öffentlichkeitswirksam durchsetzte ist das nicht unbedingt ein Zeugnis für oder gegen deren Genialität und Praktikabilität. Zuviel hängt von nicht 100% nachvollziehbaren Faktoren ab wie Kultur, Ressourcen, Politik, Zufälle etc.
    ...

    Bardengauer Fest, 14.-16.10.2016 (Chevalier Victor Henri de Nemour)
    Der Spalt unter der Tür (Cthulhu-Horror), 18.-20.11.2016 (Wilhelm Friedrich Richter, Reiseautor)

  9. #9
    Ralf Hüls
    Gast
    Ich persönlich finde ja, daß das Argument in eine Richtung zieht, in die andere aber nicht.

    Will sagen: die Aussage "das haben die Leute damals[tm] jahrhundertelang so gemacht, das kann also auch in einer archaischen Fantasywelt so ganz falsch nicht sein" finde ich legitim. Zumindest wenn man nicht evtl. einen ganz bestimmten Aspekt der realen Physik für seine Fantasywelt abändert, der nun ganz konkret gegen eine bestimmte historische Technologie spricht.

    Die Aussage aber "das hat in der realen Geschichte nie jemand so gemacht, deshalb ist es auch in einer Fantasy-Welt Unsinn" finde ich bedenklich. Das Argument zieht in der Tat bestenfalls dann, wenn man sich einig ist, daß man wirklich eine "plausible" Welt will und kein heroisches Sword&Sorcery-Klischee. Und auch dann nur, wenn die fehlende Plausibilität wirklich stört.

    Wobei auch ich andererseits zustimmen würde, daß ein Teil des Problems ja darin besteht, daß die Leute in aller Regel mit "eine LARP-Rüstung muß gar nicht real schützen" ja eben nicht ihren nur von zwei gekreuzten Ketten geschützten Boris-Vallejo-Sixpack verteidigen, sondern ihre dysfunktionale Billig-Blechbieger-Platte.

    Es ist also wie immer: es gibt viele bedenkenswerte Standpunkte, von denen man keinen zum Dogma erheben darf.
    Der Ruf "das ist aber nicht plausibel" mag je nach Zielsetzung verworfen werden, aber dann wäre es schön, wenn die Plausibilität auch zugunsten eines schlüssigen Fantasy-Konzeptes aufgegeben wird und nicht nur zugunsten des geringsten Aufwands.

  10. #10
    Gerwin
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    Der Ruf "das ist aber nicht plausibel" mag je nach Zielsetzung verworfen werden, aber dann wäre es schön, wenn die Plausibilität auch zugunsten eines schlüssigen Fantasy-Konzeptes aufgegeben wird und nicht nur zugunsten des geringsten Aufwands.
    Das ist doch klar. Ich meine, im Larp gibt es zahlreiche Punkte an denen die Historie zu gunsten guter Fantasykonzepte schon aufgegeben wurde. Noch einmal am Beispiel: Würde sich jetzt jemand der ein Trinkhorn trägt genauer informieren was er da tut, warum das historischer Unsinn ist, das viele dieser Punkte auch in einer Fantasywelt Unsinn sind und sich dann entscheiden das dieses Trinkhorn zwar vielleicht nicht den allgemeinen Fantasycharakter aber insbesondere seinen Fantasycharakter unterstützt, ist das für mich völlig in Ordnung.

    Wir wissen beispielsweise alle das Lederrüstungen historisch wohl selten waren (bis nicht vorkamen). Sie passen aber zu Barbaren, Fantasynordmännern und Reitervölkern recht gut. Wenn sich nun der Spieler Gedanken macht wie er sein Barbarenklischee mit der Rüstung am besten unterstützt (und es von Fantasynordmännern und Reitervölkern abgrenzt), vielleicht eine Rüstung bauen lässt oder die Standardrüstung zumindest umbaut und am Ende ein schlüssiger Barbar rauskommt wird niemand sagen "hmmm, Lederrüstung aus zwei Lagen gehärterer Schuppen? Gab es nicht. Find ich doof".

    Zumindest niemand mit Verstand.

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