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  1. #1
    Jeremias
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    Umgang mit Situationen, die Polizeieinsatz erfordern

    Moin,

    hier ist ja ein ziemlicher Querschnitt versammelt, daher wollte ich euch mal fragen, wie ihr v.a. als Orga, vll. auch als Mitspieler mit Situationen umgeht, wo die Polizei im Raume steht.

    Beispiele:
    1. Klassische Fälle von Diebstahl oder Eindringen ins Zelt
    2. Attacken, die zu ernsthafter Körperverletzung führen
    3. Verkehrsdelikte
    4. Fälle von Nötigung
    5. Fälle von Nötigung sexueller Natur

    Bis auf 4. habe ich davon alles schonmal direkt mitbekommen auf Larps bzw. war teilweise sogar der Ansprechpartner für die Polizei...

    Bsp. zu 1.: Ich musste zu einer Jedermannfestnahme die Polizei rufen, war aber nicht selber Veranstalter... Daher habe ich die Polizei nur instruiert, zu den Kandidaten geführt und habe mich zurückgezogen.
    Bsp. zu 2.: Ich wurde nachts als Veranstalter geweckt, weil es eine unklare Lage zu einer Körperverletzung gab und durfte die beiden Beamten bei der Fallaufnahme herumführen. Die beteiligten Spieler haben es schön herunter gespielt, weil keiner von beiden unschuldig war und die Beamten sind wieder abgezogen.
    Bsp. zu 3.: Unserem Mietwagen passiert, weil Mietwagen immer mit Polizei sind, bin ich als Veranstalter da direkt aufgeschlagen.
    Bsp. zu 5.: Ich wurde angesprochen, weil es einen (nach bestätigten) Verdacht auf eine sexuell motivierte Tat gab. Ich habe sofort den Veranstalter informiert und die Sache helfend begleitet bis zur vorläufigen Festnahme und zusammenhängenden Rauswurf von der Veranstaltung.

    Ich meine hier nicht nur die Situation an sich. Hier ist klar, dass die Polizei eigentlich sehr hilfreich ist und auch gerade bei unerfahrenen Menschen, die sie rufen, sehr gelassen und professionell reagiert. Nein, wie gehe ich damit im Nachhinein um?
    Vor allem im Fall der Körperverletzung und der Nötigungen, wie gehe ich mit den "Opfern" um, abseits einer möglichst umfassenden medizinischen Versorgung?
    Ich würde aus der Intuition heraus Rückzugsorte anbieten und die Beteiligten vor unbeteiligten Dritten isolieren, vll. Gesprächsangebote machen und ansonsten mich damit beschäftigen, Probleme (Parkplatzshuttle, Anrufe, Kontakt nach Hause, etc.) zu beseitigen. In Fall 5 habe ich mich bspw. ganz normal mit einem der Menschen unterhalten, der beinahe Opfer geworden ist und habe mich bemüht, die Sache nicht durch zusätzliche Emotionalität noch traumatisierender zu machen.
    Wie seht ihr das bzw. wie sind eure Erfahrungen mit sowas?

  2. #2
    Chevalier
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    Den Himmeln sei Dank bisher mit keinem davon Erfahrung, aber mir scheint du hast es richtig gemacht bzw. ich wüsste nicht was anderes zu tun wäre und würde versuchen es genauso zu machen. Das Schwierigste ist wohl wie man mit den Opfern umgehen soll: soll man sie hinterher selbst entscheiden lassen ob sie weiter spielen wollen oder sollte man sie vorsorglich für den rest der Veranstaltung rausnehmen, oder wäre das wiederum für die eine Strafe?
    ...
    Liebensteiner Mohnfest 2019 - 15.-17.11.2019 (Spießknecht Olivier Bulain)

  3. #3
    oliverp
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    Doppelt hält besser.
    Geändert von oliverp (24.05.2014 um 09:12 Uhr)
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

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  4. #4
    oliverp
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    Hallo,

    sofern das Opfer einer Straftat nicht unter Schock steht, sollte es ruhig weiterspielen können, falls er/sie möchte.

    Liegt offensichtlich ein Schockzustand vor, oder ein emotional zu involvierter, dann ruft man ärztliche Hilfe.

    In beiden Fällen sollten Laien aber unter keinen Umständen aktiv Gesprächsangebote machen zum aussprechen, verarbeiten, etc. Gesprächssuche von Betroffenen sollte damit begegnet werden, dass man ohne jede Wertung oder Ratschlag zuhört bis professionelle Hilfe da ist;denn die ruft man dann sofort; lieber beschäftigen als Reden "soll ich dir helfen deine Sachen zu packen?" "magste einen Tee?" zB.

    Ja, das ist ein doofes und hilfloses Gefühl, aber man sollte sich immer vor Auge führen, dass man ansonsten die Wahrscheinlichkeiten für Spätfolgen (Traumen, Angststörungen, Depressionen) vervielfacht. Egal wie gut man es meint.

    Edit: Wobei ich nochmal unterstreichen möchte, dass ich von wirklich außergewöhnlichen Situationen ausgehe, wie einem unprovozierten körperlichen Angriff oder einer versuchten Sexualstraftat; wenn sich zwei halbstarke gegenseitig etwas schuppsen oder gegenseitig ne blutige Nase verpassen, dann fällt das sicher nicht darunter.
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  5. #5
    Gerwin
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    Kurz gesagt: "am besten möglichst wenig".

    Und das ist nicht böse gemeint. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du ein absoluter Laie bist. Du kannst weder einschätzen, ob überhaupt eine Straftat vorliegt (Eindringen in das Zelt ist für gewöhnlich...nichts, zumindest tut man sich mit dem Hausfriedensbruch etwas schwer) noch welche psychologischen Faktoren eine Rolle spielen. Natürlich musst du nicht immer "nichts tun". Es gibt Fälle die eigentlich relativ harmlos sind, vom Opfer aber erstmal extrem negativ aufgenommen werden. Hierunter fällt meinetwegen der Diebstahl oder eine einfache Körperverletzung (sprich alles was von der Ohrfeige bis hin zur blutenden Nas geht). Hier ist die Gefahr von "Spätfolgen" eher gering. Du wirst auch eher keine "Profihilfe" an dem Punkt bekommen. Auch Polizeibeamte sind weder Juristen noch (immer) im Umgang mit Opfern sonderlich gut geschult. Die haben dafür Spezialisten. Typischerweise, der "Polizeipsychologe".

    Bei eher kleineren Straftaten ist ( insbesondere wenn sie zwischen Menschen die in irgendeiner Beziehung stehen passieren) oft der Bedarf zum Reden da. Wenn du Zeit und Nerven hast kannst du dir die Sache ruhig anhören. Ich warne dich aber vor. Das kann auch bei einer kleinen Körperverletzung gut 1-2 Stunden dauern. Insbesondere wenn der "Expartner" involviert ist. Du kannst natürlich auch für praktische Hilfe sorgen (beispielsweise versuchen getrennte Schlafplätze zu organisieren wenn der "Täter" noch vor Ort ist).

    Ganz vorsichtig wäre ich bei Nummer 5. Und das aus zwei Gründen. Fälle von Nötigung sexueller Natur sind ein ganz anderes Kaliber. Aber leider steht der Vorwurf (gerade auf Cons) erstaunlich oft im Raum. Hier ist vor allem wichtig, dass du schnell eine Entscheidung triffst. Sprich, ist an der Sache was dran oder eher nicht. Im Zweifel hilft eben eine gewisse Menschenkenntnis und der gesunde Menschenverstand. Ob in dem Fall "einfach weiterspielen lassen" die richtige Alternative ist, halte ich aber zumindest für fraglich. Da würde ich mir an deiner Stelle zumindest jemand dazu holen, der die betreffende Person kennt, und halbwegs einschätzen kann, ob ihr Verhalten gerade "normal" ist. Auch bei einer sexuellen Nötigung kann es meiner Erfahrung nach NICHT schaden, sich die ganze Sache mal anzuhören. Wenn ich mir nun sicher wäre, dass wirklich eine sexuelle Nötigung vorlag, dann würde ich auch dem Opfer bewusst machen, dass es für die Situation nichts kann. Zumindest wenn es anderes behauptet (gerade im unteren Schwerebereich relativ häufig). Was du machen kannst ist allerdings, dir Visitenkarten entsprechender Organisationen mitnehmen. Es gibt gute, spezialisierte Opferhilfeorganisationen deren Berater auch entsprechend geschult sind und Kontakte zu Therapeuten vermitteln können. Da hat dann das Opfer "vor Ort" einen entsprechenden Ansprechpartner, auch über das Con hinaus.

    Die einzigen klassisschen Orgafehler die mir mal aufgefallen sind, ist das fehlende Vorgehen vor Ort (sprich man lässt Opfer und Täter meinetwegen weiterhin in einer Gruppe) und die fehlende Reaktion bei schweren Straftaten "Ne dafür bin ich nicht zuständig, ruf halt die Polizei". Wenn du nicht die ganze emotional noch verschlimmerst und in Ruhe dem Opfer zuhörst (evtl. tatsächlich Hilfe oder etwas zu trinken anbietest) dann machst du schon alles richtig. Zumindest, so richtig wie das uns als Laien möglich ist.

    P.S.: Vorsicht mit dem Jedermannsfestnahmerecht. Das kann ins Auge gehen. Ist in meinen Augen auch eher unnötig. Der Täter ist ja bekannt. Sprich, irgendwer wird seinen Namen und/oder sein Autokennzeichen haben. Wenn er flieht, gibst du das der Polizei. Und läufst nicht Gefahr die selbst strafbar zu machen.

    P.P.S.: Wenn die Polizei zu einer schweren Straftat gerufen wird, dann bringen die oft auch schon entsprechendes Infomaterial mit.

    P.P.P.S.: In sehr einfachen Fällen kannst du einen "Mini-Täter-Opfer-Ausgleich" anstreben. Das kann auch der interessierte Laie. Wie genau das funktioniert findest du sicher auf anderen Internetseiten (es würde jetzt den Beitrag sprengen und führt wohl zu weit weg vom Thema, bei dem es ja eher um schwereres geht.
    Geändert von Gerwin (24.05.2014 um 10:59 Uhr)

  6. #6
    Chevalier
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    @oliverp

    Einen Schockzustand erkennt der Laie aber schlicht nicht immer. Und wo kriegst du am samstag auf den Schnelle einen Opferpsychologen her?
    ...
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  7. #7
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    Wie überall sonst im Leben auch:
    Das erkennt dann schon die Polizei idR oder das medizinische Fachpersonal das wegen des Vorfalls vor Ort ist.
    Bei Polizei erkennt man das idR an Fragen wie "kann sie jemand fahren" wenn diese der Meinung sind, dass die Person emotional nicht voll da ist.
    Das ist eine ganz normale und nichtlarpspezifische Lebenssituation, wer sich dieser nicht gewachsen fühlt, ruft Hilfe und hält sich ansonsten besser raus, sobald keine akute Gefahr für Leib und Leben mehr besteht. Solchen Situationen begegnet fast jeder Mensch mal, die meisten häufiger.

    Vll sollte ich es einfacher Formulieren: "Wenn wirklich was Mieses passiert ist, versucht nicht Hobbypsychologe zu spielen."
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  8. #8
    Jeremias
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    @Gerwin

    Ich habe die Jedermannfestnahme nicht durchgeführt und halte sie auch für sehr problematisch...

    @all

    Vor allem bei einer durchgeführten Tat im Fall 5 bin ich mir halt tatsächlich unsicher. Im erlebten Fall wurde halt eine klare Willensbekundung des Beinaheopfers geäussert, daher nahm es weiter an der Veranstaltung teil. Ich weiss natürlich, dass es Traumaexperten bei der Polizei gibt (kenne ja auch mehrere, v.a. eine sehr gut), die würde ich im Fall des Falles dazu bitten.

    Wie seht ihr eigentlich den grundlegenden Umsatz (also in allen Fällen) mit Rettungs- und Polizeieinsätzen? Ich würde intutitiv zu einer eher zurückhaltenden Informationspolitik greifen, zumindestens wenn keine Gefahr mehr für die anderen Teilnehmer besteht. Es geht IMHO ja auch nicht jeden an, was da gerade passiert ist. Es reicht ja auch "Das Thema ist geklärt, kein Grund zur weiteren Sorge."

  9. #9
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    Zitat Zitat von Jeremias Beitrag anzeigen
    Ich weiss natürlich, dass es Traumaexperten bei der Polizei gibt
    Am Rande: Besser nur, wenn es auch mind. Psychologen sind und keine angelernten Kräfte mit veraltetem Wissenssstand, die eine sofortige Aufarbeitung versuchen; Debriefing ist definitiv auf jeder Ebene überholt und als kontraproduktiv erkannt.
    Lieber jemanden vom RTW mitholen lassen.
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  10. #10
    oliverp
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    Zitat Zitat von Jeremias Beitrag anzeigen
    Im erlebten Fall wurde halt eine klare Willensbekundung des Beinaheopfers geäussert, daher nahm es weiter an der Veranstaltung teil.
    Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich: Wenn es also eine klare Willensbekundung war (und die Person somit auch "klar" war), ist es nicht an Anderen, sie gegen ihren Willen zu schützen.
    Aber sie ggf ausschliesen, wenn der weitere Ablauf dadurch gefährdet wäre, was aber wohl ein moralisches Dilemma wäre...

    Zitat Zitat von Jeremias Beitrag anzeigen
    Wie seht ihr eigentlich den grundlegenden Umsatz (also in allen Fällen) mit Rettungs- und Polizeieinsätzen? Ich würde intutitiv zu einer eher zurückhaltenden Informationspolitik greifen, zumindestens wenn keine Gefahr mehr für die anderen Teilnehmer besteht. Es geht IMHO ja auch nicht jeden an, was da gerade passiert ist. Es reicht ja auch "Das Thema ist geklärt, kein Grund zur weiteren Sorge."
    Sehe ich ganz anders: Die Beteiligten sind zwar informationell zu schützen, ABER die Grundfakten müssen unbedingt transparent kommuniziert werden, sonst hast du stille Post und am Ende gar den Lynchmob (sowas kommt in der Realität beim Vorwurf sexueller Gewalt regelmäßig vor), schlimmstenfalls gegenüber jemandem Unbeteiligten.
    Das ist nicht abwegig, habe ich selbst mal auf einem Festival erlebt.

    Daher unbedingt "was ist passiert" "was waren die Konsequenzen", wobei bei einem Verweis des Täters von der Veranstaltung unbedingt und zwingend -aber eben anonym- betont werden muß, dass der Verursacher eben der Veranstaltung verwiesen wurde.

    Edit: Nein, Verursacher sollte man gerade nicht sagen. Deeskalierende Wortwahl ist angesagt, also "Beteiligte".
    Geändert von oliverp (24.05.2014 um 15:19 Uhr)
    Das Problem an dem Satz "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" ist, dass sich jeder für den Wald hält. OliverP

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