Hilfreiches zur LARP-Fotografie
Beim Liverollenspiel wird ein besonderes Umfeld geschaffen, in dem der Einsatz einer Fotokamera die Teilnehmer sehr leicht stören kann. Worauf beim Fotografieren zu achten ist verrät Larp-Fotograf Boolk.
Ausgehend vom klassischen Fall des Fantasy LARPs ist eine Kamera immer fehl am Platz. Da die Anzahl der Hobby Fotografen dank der Digitalisierung explodiert ist und immer mehr Menschen die Erinnerungen an ihre Erlebnisse fotografisch festhalten, sollte man, statt sich über unaufhaltbare Tatsachen zu ärgern, versuchen den Kollegen einige Hinweise zu geben, die dabei helfen das Nicht-Störende-Fotografieren zu ermöglichen.
Frag die Orga
Es hilft ungemein sich kurz mit der Orga abzusprechen, dass man fotografieren möchte. Meist ist es den Veranstaltern egal, aber für den Fall der Fälle, man weiß ja nie. Es könnte sein, dass generell Fotografieren nicht erwünscht ist, oder dass sich bereits viele Fotografen angemeldet haben. Dies wird natürlich relevanter, wenn du den Spielverlauf festhalten möchtest, und dich nicht auf 10 – 20 Bilder deiner Gruppe und der Umgebung beschränkst.
Sei unsichtbar
Wie du es dir bestimmt bereits gedacht hast, ist das Wichtigste beim Fotografieren auf LARPs, die anderen nicht zu stören. Das Optimum ist, wenn die Kamera und das Fotografieren selbst unbemerkt bleiben. Wie kann man sich unsichtbar machen? Hier einige bewährte Hinweise:
1. Bleib im Hintergrund
Ganz gleich, wie spannend die Szene ist, ganz egal wie plotrelevant, es stört ungemein, wenn jemand vor den im Halbkreis stehenden Mitspieler in die Mitte des Geschehens springt, dabei die Kamera mit ausgestrecktem Arm draufhaltend.
Es ist verständlich, dass man in seinem Foto-Rausch alles aufnehmen möchte, jedoch sollte mann vernünftig bleiben und einenn Unterschied zwischen Journalismus und Dokumentation machen.
Mein Vorschlag: im Hintergrund bleiben, am besten mitten bei seiner Gruppe, wo man eh nicht auffällt, mit einem Teleobjektiv – und wenn man kein Bild hinkriegt, weil es zu weit ist oder zu dunkel: entspannen und die Darbietung genießen.
Das gilt natürlich auch für das Fotografieren deiner Mitspieler und der Nichtspieler. Nur weil jemand ein wahnsinnstolles Kostüm trägt, muss er sich nicht unbedingt gern fotografieren lassen. Das Absprechen ist schon mal gut, aber nicht gerade IT-förderlich, wenn man mit Kamera in der Hand schnurstracks auf jemanden übers Feld zumarschiert, um zu fragen ob man denjenigen fotografieren darf.
Die besten Bilder gelingen mir, wenn die Leute es nicht merken. Wenn du jemanden zu lange anstarrst, wird er es aber merken. Versuche einen „Röntgenblick“ zu entwickeln. Schaue durch alle durch, sei indifferent gegenüber dem Objekt. Du bekommst natürliche Fotos und störst niemanden. Deshalb freue ich mich über folgendes erstauntes Feedback am meisten: „Ich weiß gar nicht, wann du mich fotografiert hast.“
2. Blitz aus!
Um unbemerkt zu bleiben, ist es wichtig den Blitz auszuschalten. Vielleicht hast du dich schon selbst geärgert, dass der Blitz angeht. Mach dich vertraut mit der Bedienungsanleitung deiner Kamera und experimentiere mit halbautomatischen Einstellungen vor der Con. Du wirst merken, die Bilder wirken natürlicher und kräftiger von den Farben. Es lohnt sich! Wenn es dunkel wird, wird die ganze Sache schwierig, man muss die ISO Zahl hochstellen, wenn es bei deiner Kamera möglich ist, und die Bilder werden grobkörnig – besser und stimmungsvoller jedoch als die „Totgeblitzten“.
Mehr Informationen: Das Internet unter dem Schlagwort „AV“ oder „Available Light“ absuchen.
3. Verstecke dein Equipment zeitnah
„Klick und weg“ lautet das Motto. Wenn du dein Bild gemacht hast und sich nichts in der nächsten Minute abzeichnet, einfach die Kamera in die Tasche verstauen. So sieht keiner die moderne Technik während des Spielverlaufs und für denn Fall, dass jemand dich im Augenwinkel gesehen hat und irritiert nachschaut, wird er nichts sehen und sich denken: da war nichts. Du als Fotograf bist unsichtbar!
Weiterer Hinweis für das Fotografieren im Dunkeln: wenn möglich schalte alle Kontrolllämpchen aus, damit man die LEDs nicht über den ganzen Platz leuchten sieht, und setze die Monitorhelligkeit runter (oder ganz aus). Für diejenigen, die ein „integriertes AF-Hilfslicht“ haben (das ist das Lämpchen, das beim Fokussieren aufs Objekt leuchtet): abschalten und per Hand scharf stellen.
Vermeide außerdem folgendes:
- bunte Fototaschen: die kann man immer noch in eine zum Kostüm passende Tasche hineinstecken, oder diese gleich auspolstern, wenn man zwischen den Bildern gerne in der ersten Schlachtreihe mitmischen will.
- Stative: zu groß und auffallend.
- Regenschutzplastikfolien: zu auffallend. Wenn es regnet, weg mit der Kamera. Meistens jedoch hält sie einige Tropfen aus. Es sieht NICHT professionell aus, wenn deine Kamera wie das Zelt von E.T. aussieht – wir sind auf LARP und es ist nicht Teil des Kostüms.
- dümmliches Grinsen: wenn man dich erwischt, nicke demjenigen kurz freundlich zu und gehe wieder ins IT („Klick und weg“, s.o.). Verberge nicht deine Unsicherheit mit einem dümmlichen Grinsen und nagle die Person fest. Damit nötigst du ihn zu einer weiteren Reaktion und bringst ihn aus dem Spiel. Wenn du das Gefühl hast, dass es der Person etwas ausgemacht hat fotografiert zu werden, frage sie zeitversetzt ob du die Bilder löschen sollst. Am besten NACH der Con beim Abbau. Gehst du direkt auf die Person, reißt du sie wahrscheinlich aus dem IT heraus.
4. Fotograf-Spieler und NSCs: OT / IT?
So viele Verletzte, die nach dem Kampf schön liegen bleiben, ihre Treffer ausspielen – das sollte doch mal festgebannt werden. Also bleibt man auf dem Schlachtfeld und fotografiert … und um die Ecke kommt eine versprengte Gruppe Kultisten auf der Jagd nach Überlebenden. Du mittendrin. Wie reagierst du? Es gibt zwei Möglichkeiten:
- IT bleiben und ausspielen – als Charakter Pech haben. Das macht das Spielen meist noch spannender, die Bedrohung steigt. Also Kamera rasch wegpacken und wegrennen. Meine Wahl.
- Zur Seite gehen, Kamera sichtbar an sich drücken, Arme kreuzen, Spiel nicht stören. Das ist die vernünftigste Lösung: Technik nicht in Gefahr, NSCs wissen Bescheid. Hier auch an Fairness gegenüber den Nichtspielern denken: Situation nicht ausnutzen und ihnen in den Rücken fallen!
Prinzipiell wird ein Fotografierender gemieden und ignoriert. Es kann sein, dass ein NSC die Kamera nicht sieht und dich angreift. Statt sich aufzuführen wäre folgendes angeraten: Drücke die Kamera an dich, geh in die Knie, spiele die Treffer aus, gib nach und lass dich gefangen nehmen. Danach kannst du immer noch leise murmeln: ich habe da eine Kamera, muss sie schnell wegpacken. Das ist Gentleman Art, die mehr Spaß für alle macht, statt das ewige Gejammer!
Fotografieren und eigenes IT
Der Großteil der Fotografierenden wird privat auf die Veranstaltung kommen und als Spieler oder Nichtspieler teilnehmen wollen. Das Fotografieren ist sekundär und soll die Freude an der Con vermehren (und nicht trüben). Wie schafft man es eigentlich, wenn man fotografieren möchte, aber selbst gerne IT bleiben will? Bei fotofremden Settings gar nicht. Am besten man nimmt sich vor: an dem und dem Tag für eine Stunde die Kamera bedienen, dann weglegen und sich ins 100% IT stürzen.
Ratschlag: die Bilder auf dem Kameradisplay nicht anschauen oder rumzeigen.
Sicherheit
Zum Fall, dass die Kamera nicht gesehen wird und man angegriffen wird, wurde ja bereits etwas gesagt. Wie kann ich aber mein Equipment weiter schützen?
Selbstverständlich ist es für den Fall, wenn man die Kamera bei sich trägt, wichtig für diese einen gut gepolsterten Beutel zu haben. Je nach Kameragröße wird dieser unterschiedlich ausfallen. Drinnen kann ruhig die originale Kameratasche sein, oder auch Kunststoffpolsterung, Hauptsache es bleibt drin und unbemerkt.
Weitere Hinweise: die Tasche nah am Körper tragen und nicht am langen Tragegurt baumeln lassen, besser doppelt polstern, gut verschließbarer Deckel.
Die Chance auf LARP, dass man von anderen Mitspielern bestohlen wird, ist gering, jedoch ist das nächste Dorf nicht weit und es gibt auf der Welt manch Langfinger! Zeltveranstaltungen haben das große Problem, dass ein Zelt nicht abschließbar ist. Wenn man also seine Ausrüstung deponieren will, wird es einem schon mulmig beim Gedanken die teure Technik unbeaufsichtigt und unverschlossen liegen zu lassen. (Und auch nah parkende Autos können aufgebrochen werden.)
Vorschlag: Eine sperrige Kiste mit gutem Schloss fürs Zelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand unbemerkt eine kleine Kamera entwendet ist höher, als dass er eine große Kiste aus dem Zelt schleppt. Eine weitere Möglichkeit wäre das Prinzip „Freund“. Man deponiert seine IT-Tasche mit Kamera bei jemandem, der sich länger im Zelt aufhält (Verletzte) oder festsitzt.
Abschließend sei gesagt: Wer eine Kamera mitschleppt und sich in einen Kampf stürzt, oder angegriffen wird, dabei die Kamera nicht sorgfältig verstaut hat, diese kaputt geht, ist selber Schuld! In einen Boxring nimmt man auch nicht seine Kamera mit und wundert sich, dass man sie sich nicht hätte umhängen lassen sollen, da in der vierten Runde von ihr nur noch Splitter übrig sind. Es ist dein Risiko.
Soweit von meiner Seite aus einige Hinweise für das Fotografieren auf LARPs.
Euer
Boolk
Homepage und Kontakt: www.boolk.de oder www.larp-fotograf.de
Zwei Beispiel-Gallerien:
4 Kommentare vorhanden








Zu erwähnen ist noch die immer empfehlenswerte Quelle, wenn es um LARP-relevante Dinge geht: das LARP-Wiki.
In diesem ist der folgende Link sinnvoll und bietet weitere Informationen zum Thema Fotografieren im LARP: http://www.larpwiki.de/cgi-bin.....ografieren
Super Artikel!
Gerade auch das Thema Blitzlicht. Ich finde es etwas schade, dass die meisten Aktionen meist in den Abend hineingehen und man dann in der Nacht auf Plotjagt gehen muss/soll/will.
Aber ein Unding ist wirklich ein Xenon Blitz bei geweiteten Pupillen….
Wirklich kein Spaß.
Als Kameramann würde ich aber direkt Outtime bleiben, eine entsprechend farbliche Binde könnte da helfen um Equipment zu schonen und Spielfluss nicht zu stören
[...] im Internet sein können, wird in diesem ausführlichen Artikel gezeigt werden. Nachdem ich bereits Hilfreiches zur LARP-Fotografie auf inlarp.de in einem Artikel zusammengefasst habe, worauf man beim Fotografieren auf Cons achten könnte, [...]
wunderbar treffend und kurz zusammengefasst!
kann dem komplett nur zustimmen.
eine ansage der orga bei spielanfang, dass sich ´n fotograf aufhält und “überspielt” werden sollte, ist auch SEHR hilfreich