Dieser Beitrag wurde am 25. Oktober 2006 in der Kategorie Larp allgemein eingereicht. Ihr könnt am Ende des Artikels einen Kommentar hinterlassen und den Beitrag bewerten. Die Trackback-URL für diesen Beitrag findet du hier
 

LARP als Hobby im Lebenslauf?

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63Nachdem ich in meinem letzten Beitrag einen leicht ironischen Unterton zum Thema LARP anklingen ließ möchte ich mich diesmal einigen der positiven Aspekte dieser Freizeitbeschäftigung zu wenden. Da ich mich in den letzten Monaten um einen Job beworben wollte kam ich zu dem Punkt an dem die Freizeitbeschäftigungen aka außerberufliche Tätigkeiten aka Hobbies (schreibt man das so?) auf dem Lebenslauf angegeben werden. Ich überlege nun ob da LARP sinnvoll ist und bin hin- und her gerissen zwischen dem Standpunkt dass es die Firma einen Sch…dre.. angeht, was ich in meiner Freizeit mache und der Tatsache, dass bei ca. 1000 (oder mehr) Bewerbungen für eine Stelle etwas, dass meine Bewerbung vom Rest abhebt vielleicht doch sehr wichtig sein kann. Zum Beispiel ein interessantes Hobby. Zum Beispiel eine Freizeitbeschäftigung namens LARP. (was ne Überleitung *g* )

Mit gottgegebener Selbstkritik beschenkt betrachte ich diesen Sachverhalt natürlich von verschiedenen Seiten. Soll ich LARP nun als Hobby angeben oder lieber nicht. Ich meine nicht jeder versteht etwas darunter und viel schlimmer ist es wenn man etwas Falsches darunter versteht. Zugegeben sind die Interpretationsmöglichkeiten mannigfaltig wenn so etwas da steht:
Hobbies: LARP (Live Action Role Play)
Hmm also angenommen ich bewerbe mich nicht gerade beim Vorstand von VW dann könnte die Assoziation mit dem Begriff LARP doch eher eine ungewollte sein. Nicht umsonst findet man bei Ebay die LARP-Artikel in der gleichen Kategorie wie formschöne Massagestäbe für die eigenständige Frau oder praktische Ledermasken, die einem automatisch nen Gummiball in den Mund schieben. Aber ein kurzer Test bei Google bringt eigentlich nur positive, harmlose und passende Suchergebnisse.
Also langer Rede kurzer Sinn: LARP muss als Hobby erwähnt werden!
Ich habe jetzt mal unterschiedliche Aspekte des Thema LARP nachgedacht und finde eigentlich nur gute Dinge. Ich wage sogar zu behauten, dass LARP als Freizeitbeschäftigung nicht nur für das Berufsleben teilweise sehr wichtige Fähigkeiten fördert und trainiert.

Kreativ/ungewöhnlich:
sich ein Gummischwert zu nehmen, sich in der dritten Form anzureden und Trollen, Feen, Elfen, Orks und anderen Fabelwesen zu begegnen oder sie selbst darzustellen ist wohl ohne Zweifel für jeden ungewöhnlich, außer er heißt Robert Asprin oder hat ein ernsthaftes Drogenproblem. Dazu auch noch permanent die Rolle eines fiktiven Charakters nach bestimmten Vorgaben zu spielen und mit anderen, die en gleichen Unsinn machen zu interagieren verlangt einiges an Kreativität und vermittelt auch gleichzeitig diese.

Reglementiert:
Damit das gemeinsame Spiel funktioniert einigt man sich zu Beginn darauf, bestimmte Regeln einzuhalten innerhalb derer man agieren kann. Dies betrifft verschiedene Bereiche vor allem aber den Umgang mit Freund und Feind (das Austragen von Konflikten eben) und die Entwicklung des Charakters. Ein großer Teil dieses Reglements basiert auf Vertrauen. Es ist ja beispielsweise jeder selbst dafür verantwortlich seine Lebens- und Rüstungspunkte abzuziehen und im Auge zu behalten.

Gruppendynamisch:
Um die Abenteuer zu bestehen, die einem in der Welt des LARP so vor den Latz geknallt werden empfiehlt es sich für Unterstützung in der Form von Mitstreitern zu suchen, da man sonst nur wenig reißen kann. Dadurch agiert man automatisch als Teil einer Gruppe. Dies setzt natürlich hohe Anforderungen an die Teamfähigkeit voraus. Innerhalb der Gruppe ist der Einzelne und innerhalb der LARP-Welt ist die Gruppe verschiedenen Situationen ausgesetzt und muss verschiedene Schwierigkeiten gemeinsam meistern indem sie die Fähigkeiten der Einzelnen Mitglieder nutzt. Ich denke immer wieder gern an die Gruppe Plattenkrieger, die sich zu fünft quer durch ein finsteres Gewölbe voller Monster kämpft um dann von Blut und Eingeweiden bedeckt an der letzten Tür zu scheitern, an der ein kleiner Zettel hängt mit der Information: “Schloß Schwierigkeit Stufe 1″. Tja leider den Dieb vergessen, was ;-)). Harmonie und Dissonanz, Kooperation und Wettbewerb sowie Verrat und Allianzen gehören zu dem stetig stattfindenden Geschehen.
Etwas das besser auf die Arbeit im Team vorbereitet kann ich mir schwer vorstellen.

Adaptive Fähigkeiten:
Die Interaktion mit wechselnden Partnern und Parteien sowie steig neue Herausforderungen und Situationen verlangen hohe adaptive Fähigkeiten. Beispiel: Rolle als neuer Charakter, Rolle Als Gefangener, Auswirkungen von Geistesmagie etc.

Wettbewerb:
Tja LARP ist ein Spiel und ein wesentlicher Bestandteil der meisten Spiele ist der Wettbewerb. Beim LARP wetteifern verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen sowie Fertigkeiten und Eigenschaften darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. (Rettet die Prinzessin, findet den Schatz, tötet den bösen Zauberer etc.). Dabei werden Konfrontationen offen ausgetragen aber auch Intrigen gesponnen, Allianzen geschlossen und alle lieben den Verrat aber keiner den Verräter ;-). Also Larper leben den Wettbewerb.

Auftritt und Präsentation:
Man spielt ja permanent seine Rolle und ist damit mehrere Tage lang quasi Teil eines Impro-Theaters dessen Handlung zwar grob vorgegeben ist aber auch sehr viel Spielraum für die Selbstdarstellung offen lässt. Da man auch im Spiel Leute überzeugen (Zitat: “Nein Hauptmann bitte tötet mich nicht - ich kann euch noch nützlich sein *schleim*, *kriech*”) und mit ihnen streiten muss (häufig vor Publikum) werden Auftritt und Präsentationsfähigkeit geschult.

Fazit:
Letztendlich komme ich zu meiner Aussage vom Anfang wieder zurück. LARP muss in den Lebenslauf. Richtig erklärt - vor allem im Bezug auf die genannten Vorteile - ist das Thema ein hervorragender Opener im Vorstellungsgespräch beziehungsweise generell ein Thema über das man immer reden kann. LARP ist als Hobby so anspruchsvoll, dass es nicht nur Fähigkeiten fördert, die im Berufsleben wichtig werden können sondern es bietet allgemein sehr viel Potential für die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten, die wichtig im Leben sind.
Natürlich gehe ich davon aus, dass man hauptsächlich mit coolen Leuten spielt, die das ganze nicht soooooo ernst nehmen und die den Bezug zum realen Leben nicht verloren haben *g*.

In diesem Sinn für alle die larpen: LARP ON!

Für alle die noch nicht larpen: lets fall INLARP!

Euer Tohen


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3 Kommentare vorhanden

  1. Kommentar von Benjamin vom 18. November 2006 um 10:54

    Hallo Tohen,
    ich würde dir empfehlen LARP nur dann im Lebenslauf zu erwähnen wenn du weißt, dass der Personaler positiv auf LARP reagiert. Da LARP sehr erklärungsintensiv ist und man es eigentlich nur versteht wenn man selbst Rollenspieler ist.

    Gruß
    Benjamin

  2. Kommentar von zAc vom 06. Februar 2007 um 17:29

    Mahlzeit Tohen,

    also ich kann nur berischten, dass ich es in meiner Bewerbung damals drin hatte, und ich weiß, dass das mit ein Grund war, dass ich den Job jetzt hab. Ok, in meiner Branche ist das evtl. lockerer als in anderen, aber ich wollt nur sagen das es nicht negativ sein muss…

    zAc

  3. Kommentar von Salandrion vom 08. März 2007 um 15:23

    sehr interresante sicht…erinnert mich an eine werbung, auch ein vorstellungsgespräch, indem eine junge frau von ihrem “sehr erfolgreichen Famielienunternehmen” erzählte.

    wenn man es in einer Bewerbung so rüberbringen kann, dann ist es sicherlich förderlich, aber einfach nur
    LARP (LiveActionRolePlay)
    geschrieben wird, ist es erstmal merkwürdig und nicht umbedingt positiv. Wenn man es kurz und knapp erklären könnte, wäre es schon besser, allerdings ist dies nicht gerade einfach…

    Somit sollte man es sicherlich bei kleineren Unternehmen erwähnen, wo mit großer warscheinlichkeit ein klärendes Bewerbungsgespräch folgt, amsonsten kann man warscheinlich durch die bloße Angabe vom LARP nichts gutmachen oder sogar aus dem Bewerbungsstapel rausfliegen.


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