Thema: Rollenverstaendnis (oder...darf Mann heute noch Mann sein)
| << Mift. MIFT. MIIIIIIFTTTT. R.I.P Andy Whitfield - Larp-Humor >> |
| Autor |
Nachricht | |
Harald Ösgard

Alter: 42 Anmeldedatum: 11.01.2010 Beiträge: 5263 Wohnort: Erlangen
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 15:51 Titel: |
|
|
| Tala_Pran hat Folgendes geschrieben: |
Es gibt viele Dinge zu tun, egal es muss einer aktiv sein und der andere mitgehen. Da kann immer nur einer sein, immer nur der andere, oder es wechselt. Das biologisch Geschlecht macht hier nur bei der Zeugung einen Unterschied. Alles andere ist relativ losgelöst und nur in den Köpfen mancher ans Geschlecht gekoppelt. |
 _________________ Besuchte Cons: JdS 2010-Gottfreid/Jäger; DF 2010/ Boyden Kuin/Keltischer Handwerker;Herbstturney 2010/Goscogne/ Kriegsknecht im Gefolge des Herrn Sevigny
2011/ Boiden - keltischer Auxilliar (und Handwerker) 2011/Gottfreid - Pilgerreise Dascon |
|
| Nach oben |
|
 |
inLarp

|
|
| Nach oben |
|
 |
Harald Ösgard

Alter: 42 Anmeldedatum: 11.01.2010 Beiträge: 5263 Wohnort: Erlangen
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 17:23 Titel: |
|
|
Last mich das mal kurz zusammenfassen....
§1 Affen leben in Horden, es gibt dadurch Sozialstress. Allerdings lebt ein Affe In einer Horde für gewöhnlich sicherer und länger, als ohne sie.
§2 Affe beschließt ein Upgrade aufs Gehirn, nennt sich fortan Mensch. Sozialstreß nimmt komplexere Formen an. Überleben bleibt weiterhin in der Gesellschaft sicherer als ohne eine solche.
§3 getunter Affe entwickelt mit zunehmender Geschwindigkeit verschiedene Gesellschaftsformen, getrieben von der Ökonomie und gestaltet durch die Zwänge des Sozialstresses. Gruppenzugehörigkeit bleibt weiter esentielles Überlebensprinzip.
§4 Menschen, die es sich wegen guter Ökonomie und relativ geringem Sozialstreß leisten können, entwickeln Gedanken, wie man eine Gesellschaft durch andere Triebkräfte als nur die Ökonomie entwickeln könnte, wie man soziale Zwänge anders gestalten könnte etc... Sie können dies tun, weil sie von einer Gruppe dabei unterstützt werden, bzw. diese Überlegungen vergehen nicht in Schall und Rauch, weil sie von einer Gruppe aufgegriffen werden.
§5 Die massive Verbesserung der Wirtschaftslage in den Industrienationen (die mit einer massiven Ausbeutung der dritten Welt einher geht) erlaubt es erstmals, daß größeren Teilen der Bevölkerung der Sinn nach Individualität steht. Geringer ökonomischer und sozialer Streß macht dies möglich. zur Durchsetzung der Individualitätsforderung wird auf die bewährte Macht der Gruppe gesetzt.
§6 Individualität ist etabliert, wird kommerziell ausgenutzt und gefördert.
Was ich mich nun frage:
- Wieviel hat die heute gelebte (kommerzialisierte) Individualität noch mit der (ich glaube ursprünglich kommunistischen) Idee der freien Persönlichkeitsentfaltung zu tun?
- Ist eine Ansammlung lauter befreiter Individuen überhaupt noch mit dem Konzept der menschlichen Gesellschaft - der Horde / Sippe vereinbar?
Wißt Ihr was ich denke?
Individualismus ist eine verdammt junge Erscheinungsform. wir spielen gerade erst etwas damit herum. Die Gesellschaft ist gerade dabei herauszufinden, wie die beste Mischung aus Individualität und Gruppe wohl aussehen könnte. Willkommen in der Probierküche unseres Lebens!
PS: Meine (vielleicht dank purem Altersvorteil etwas geschultere) Individualität läßt mich hier übrigens bestimmte Leute ganz einfach ignorieren. Ohne den leisesten Wunsch, sie verändern zu wollen. Vermutlich ist das ein Marker für echte Individualität, daß einem nicht mehr alle Leute beachtenswert erscheinen. Ich verspüre nicht den Hauch von sozialem Zwang, mich mit jedem Gedanken jedes anderen Menschen um mich herum auseinander setzen zu müssen.
Darin sehe ich übrigens den befreienden Aspekt der Individualisierung - daß man weniger sozialen Zwängen unterliegt, sein Leben weniger nach Ängsten und Befürchtungen - sondern mehr nach Vorlieben und Hoffnungen gestalten kann.
Allerdings entgeht mit keinesfalls die kleine Ironie, daß ich dies hier gerade einer Gruppe mitzuteilen gedenke... Was die interessante Frage aufwirft, ob Individualität in Vollendung nicht das komplette Desinteresse - und damit das Ende jeder Kommunikation mit anderen bedeutet?
Ich für meinen Teil definiere es als eine individuelle Vorliebe meiner Person, mich individuell über die möglichen Betrachtungsweisen dieser Welt mit anderen Individuen austauschen zu mögen. Da ich das befreit von äußeren Zwängen tue, kann ich ganz für mich alleine entscheiden, wie ich auf welche Meinung anderer zu reagieren habe. Ob ich überhaupt drauf zu reagieren habe.
Meine Hoffnung ist allerdings, das die Menschen nicht irgendwann so individualisiert sind, daß keiner mehr die Freude empfinden kann, wenn jemand anderes die gleichen Gedanken hat. Biologisch sind da ein paar Sicherungen eingebaut, trotzdem graut es mich ein wenig vor einer Welt voller Egozentriker. Wird auf jeden Fall spannend werden, unsere Zukunft.
wobei sich auch die Frage auftut, ob wir eigentlich wirklich (noch) so ungeheuer Individuell sind (es jemals waren) - wie wir mit flüchtigem Blick auf die Historie glauben? Dazu müßte man allerdings erstmal klarer definieren, was Individualität eigentlich bedeutet. Was mir schon wieder ein Schmunzeln entlockt, - Konsenz bzgl. Individualität -
Aber nunja, vielleicht verwechsle ich ja auch Individualität einfach mit was anderem? Vielleicht gehts hier ein paar Leuten auch noch so?  _________________ Besuchte Cons: JdS 2010-Gottfreid/Jäger; DF 2010/ Boyden Kuin/Keltischer Handwerker;Herbstturney 2010/Goscogne/ Kriegsknecht im Gefolge des Herrn Sevigny
2011/ Boiden - keltischer Auxilliar (und Handwerker) 2011/Gottfreid - Pilgerreise Dascon |
|
| Nach oben |
|
 |
Gerwin

Alter: 29 Anmeldedatum: 20.06.2010 Beiträge: 8168
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 18:31 Titel: |
|
|
Individualität ist der Egoismus des einzelnen gegenüber der Gesellschaft sowie das verneinen gesellschaftlicher Verpflichtungen im privaten Bereich (Warum sollte ich Steuern zahlen/Kinder zeugen/mich ehrenamtlich engagieren. Dass tun doch schon andere. Also bringe ich mein Geld lieber ins Ausland/vögel mich durchs Leben/setze meinen fetten Arsch vor den Fernseher).
Kommunismus hat nichts mit freier Persönlichkeitsempfaltung zu tun, eher im Gegenteil. Beim Kommunismus handelt es sich nur um eine Sonderform des Faschismus. Sogar inklusive KZ wobei diese Gulags gerüchteweise schlimmer waren als jedes Nazi-Vernichterungslager. Das hören natürlich heutige Luxuskommunisten nicht so gerne.
Könntest du beim nächsten mal nicht einen Vergleich mit einen Computerspiel bringen? Ich glaube den verstehe ich eher .
BTW: Sexismus sind alte Pen and Paper und Computerrpgs. Hier wurde nämlich betont auf Platten und Kettenbh gesetzt um die männliche Zielgruppe anzulocken. Bei mir hats funktioniert. Erotik war dann das kleine Charakterfoto bei Baldurs Gate..bei dem man die Brüste erahnen konnte. Mein Favorit war damals Imoen
Hach das wollen tolle Zeiten. _________________ Lieber Larpeinsteiger:
Auch wenn dieses Posting tendenziell einen anderen Eindruck vermittelt kannst du natürlich relativ unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Geschlecht, Alter und Herkunft jede Rolle spielen die du willst. Alles was du hier liest sind persönliche, subjektive Meinungen. |
|
| Nach oben |
|
 |
Nutz
Alter: 36 Anmeldedatum: 27.03.2008 Beiträge: 761
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 19:34 Titel: |
|
|
| Gerwin hat Folgendes geschrieben: | | Individualität ist der Egoismus des einzelnen gegenüber der Gesellschaft sowie das verneinen gesellschaftlicher Verpflichtungen im privaten Bereich |
Das halte ich doch für eine derbe Fehlinterpretation... Meine Individualität kann ich tatsächlich auch wahren wenn ich Kinder habe meine Steuern zahle und mich ehrenamtlich engagiere. Klappt bei mir bis auf das Ehrenamt ganz gut, zumindest fühle ich mich dabei individuell genug.
Wobei sich mir der Sinn beim Nachwuchs tatsächlich nicht so erschließt. Ist ja nicht so als wären wir eine aussterbende Gattung. Kinder muss tatsächlich keiner bekommen, im Zweifel reichts die Grenzen zu öffnen. |
|
| Nach oben |
|
 |
inLarp

|
|
| Nach oben |
|
 |
Rolv

Alter: 17 Anmeldedatum: 30.11.2010 Beiträge: 184 Wohnort: Kambs (MV)
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 19:55 Titel: |
|
|
Kinder keiner bekommen?
Ok, du willst deine Gene also nicht weitervererben. Wenn du es so willst, ist es deine Sache, aber ich hätte es z.B. ganz gerne, wenn Leute die gute Gene haben sich auch wirklich fortpflanzen, damit die zukünftigen Generationen auch etwas von diesen Genen haben.
Und es ist mir vollkommen egal, ob sie jetzt von Wang Tsu aus China, Jeff aus Amerika oder Chris aus Deutschland kommen. (Auch wenn es von einem dunkelhäutigem Kollegen aus Afrika, das ist mir vollkommen egal)
Und mit guten Genen meine ich diejenigen, die ihr Gehirn auch wirklich benutzen. (was aus meiner Sicht auch genetisch veranlagt ist, da kann auch die Erziehung nicht viel machen.)
Das Hauptproblem der Welt besteht aus meiner Sicht darin, das viele Leute, die irgendwo an Schalthebeln sitzen, meist nur schauen, wie es ihnen besser geht.
Ich würde ein Sozialeres Verhalten gegenüber unseren Kindern vorziehen.
Damit meine ich schlicht und einfach, das wir etwas tun, wovon unsere Nachkommen profitieren können.
Im Moment Verschlechtert sich alles nur weiter.
Geez Rolv
(Ist immer noch enttäuscht, das seine Postings vollkommen übergangen wurden) _________________ Den Tod als Gewissheit... geringe Aussicht auf Erfolg... worauf warten wir noch? |
|
| Nach oben |
|
 |
Gerwin

Alter: 29 Anmeldedatum: 20.06.2010 Beiträge: 8168
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 20:05 Titel: |
|
|
Wenn wir die Grenzen öffnen ist es eben nicht das gleiche. Ich habe nichts gegen Ausländer in Deutschland. Ohne Ausländer würde vieles nicht funktionieren, vom Chinaladen nebenan bishin zu diversen Vorstandsetagen. In Zeiten der Globalisierung sind wir auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Leider geht dadurch auch immer mehr Kultur verloren..was man gerade besonders gut an einer verwestlichung von Asien und Afrika sieht. Und 200 Jahren sind wir wahrscheinlich alle so wie Amerikaner heute.
Individualität: Dann bist du eben nicht zwanghaft individuell sondern bewegst dich mit deiner Individualität in gesellschaftlich tolerierbaren Grenzen.
Rolv:
Sorry...du hast schon recht mit vielen was du sagst...aber ich war gerade zu sehr auf die zionistische Weltverschwörung eingeschossen.
In meinen Augen gibt es aber wenige "gute Gene" oder "schlechte Gene". Selbst Leute mit starken Gendefekt die eigentlich in einer kapitalistischen Gesellschaft wertlos sind (Hawkins zum Beispiel) können es in unserer modernen Gesellschaft weit bringen. Ich halte auch nicht viel davon genetisch veranlagte Krankheiten ausrotten zu wollen. Wäre mir eigentlich ziemlich egal ob meine Frau irgendwann mal blind ist und damit potenziell schlechte Gene in sich trägt. So lange sie noch larpen kann ..passt das. _________________ Lieber Larpeinsteiger:
Auch wenn dieses Posting tendenziell einen anderen Eindruck vermittelt kannst du natürlich relativ unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Geschlecht, Alter und Herkunft jede Rolle spielen die du willst. Alles was du hier liest sind persönliche, subjektive Meinungen. |
|
| Nach oben |
|
 |
Nutz
Alter: 36 Anmeldedatum: 27.03.2008 Beiträge: 761
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 20:33 Titel: |
|
|
| Rolv hat Folgendes geschrieben: | | Ok, du willst deine Gene also nicht weitervererben. |
Die Idee käme mir etwas spät wenn ich sie denn so hätte...
| Rolv hat Folgendes geschrieben: | | was aus meiner Sicht auch genetisch veranlagt ist, da kann auch die Erziehung nicht viel machen. |
Die letzten Berichte die ich drüber gelesen habe sagen eher anderes aus. Es scheint recht erstaunlich zu sein wie sehr unser Erbgut auf Umwelteinflüsse nach der Geburt noch reagiert. |
|
| Nach oben |
|
 |
Nutz
Alter: 36 Anmeldedatum: 27.03.2008 Beiträge: 761
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 20:40 Titel: |
|
|
| Gerwin hat Folgendes geschrieben: | Wenn wir die Grenzen öffnen ist es eben nicht das gleiche. Leider geht dadurch auch immer mehr Kultur verloren.
|
So ist das mit Kulturen. Die einen gehen unter die nächsten tauchen auf. Ich sehe da kein wirkliches Problem für die Menschheit an sich drin.
| Gerwin hat Folgendes geschrieben: | | Dann bist du eben nicht zwanghaft individuell sondern bewegst dich mit deiner Individualität in gesellschaftlich tolerierbaren Grenzen. |
Ist das so? Ich halte immer noch deine Definition für falsch. Individualität heißt doch an sich nur sich seine Eigenheiten zu bewahren. Zumindest ich glaub dran das ganz gut hin zu bekommen ohne mich zwanghaft abgrenzen zu müssen. Aber he ich bin als Scheidungskind nunmal gestört, und deshalb sind mir die meisten Anderen vermutlich viel zu egal um mich von ihnen abgrenzen zu müssen... |
|
| Nach oben |
|
 |
inLarp

|
|
| Nach oben |
|
 |
Gerwin

Alter: 29 Anmeldedatum: 20.06.2010 Beiträge: 8168
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 21:07 Titel: |
|
|
| Zitat: |
So ist das mit Kulturen. Die einen gehen unter die nächsten tauchen auf. Ich sehe da kein wirkliches Problem für die Menschheit an sich drin.
|
Für die Menschheit nicht. Für den europäischen Kulturkreis schon. Und ich halte die Diversität der Kulturen für wichtig, und eine Welteinheitsbreikultur für schädlich.
| Zitat: | | Es scheint recht erstaunlich zu sein wie sehr unser Erbgut auf Umwelteinflüsse nach der Geburt noch reagiert. |
Man weiß bis heute ja eh nicht so genau was dieses ominöse Erbgut ist . Offenbar hab ich eben die Männlichkeitsgene für mehrere Generationen abbekommen . _________________ Lieber Larpeinsteiger:
Auch wenn dieses Posting tendenziell einen anderen Eindruck vermittelt kannst du natürlich relativ unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Geschlecht, Alter und Herkunft jede Rolle spielen die du willst. Alles was du hier liest sind persönliche, subjektive Meinungen. |
|
| Nach oben |
|
 |
Cartefius

Alter: 32 Anmeldedatum: 05.03.2008 Beiträge: 4534 Wohnort: Bielefeld
|
Direktlink | Verfasst am: 16.09.2011, 21:33 Titel: |
|
|
| Zitat: | Individualismus ist eine verdammt junge Erscheinungsform. wir spielen gerade erst etwas damit herum. Die Gesellschaft ist gerade dabei herauszufinden, wie die beste Mischung aus Individualität und Gruppe wohl aussehen könnte. Willkommen in der Probierküche unseres Lebens!
|
Ich glaube, der Individualitätsbegriff wird überbewertet. In der Menschheitsgeschichte dürfte es schon immer irgendwie möglich gewesen sein, einen Lebensweg fernab der Gesellschaft einzuschlagen, sei es nun als allein durch die Savanne streifendee Einzel-Hominide, als mittelalterlicher Eremit in irgendeiner Felsenhöhle oder als Trapper im Wilden Westen: Wenn du in der Lage warst, dich irgendwie zu versorgen, konntest du den Umgang mit Menschen auf ein Minimum reduzieren. Gemacht hat das kaum jemand, und genauso macht das auch heute kaum niemand, mit dem Unterschied, dass das Versorgungsproblem in der heutigen Gesellschaft wegfällt. Denn was hast du davon, der total coole Individualist zu sein, wenn niemand da ist, der dich dafür bewundert?
Letztendlich ist doch Individualistentum nur ein moderner Begriff für einen Cocktail aus Eigenschaften, die schon immer als erstrebenswert galten: Unabhängigkeit, Durchsetzungsvermögen, Schaffenskraft, Innovationsgeist. Nicht umsonst gibt es ja eine sehr scharfe Grenze in der Wahrnehmung darüber, ob etwas individuell, unkonventionell und einzigartig ist, oder ob es als abnorm, pervers oder asozial bewertet wird, weil das empfinden die Individualisten wiederum auch meist als wenig erstrebenswert (es sei denn, man möchte sich mit mit der Ablehnung anderer schmücken, das gibt es ja auch): Individualismus hat gefälligst Stärke zu sein, nicht Schwäche!
Vielleicht ist das Hohelied des Individuums, das unsere moderne Gesellschaft singt, auch eine Konsequenz aus dem Wegfallen eines allgemeingültigen Lebensentwurfs oder einer klaren Aufgabe. Früher hat sich wohl kaum jemand darum geschert, ob er seine Individualität erfolgreich auslebt, sondern sich eher an der Zahl seiner Kinder und Kühe erfreut oder daran, ob er ein gottgefälliges Leben führt. Da es aber inzwischen häufig heißt: "Wir können dir keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben, such dir selber einen!", ist es nur logisch, dass derjenige als gesegnet gilt, der diese Antwort allem Anschein nach selbst gefunden hat.
Vor allem wird ja gerne mit dem Pfund der Individualität gewuchert, als wäre das etwas, was man sich erarbeiten müsste und das einem auch weggenommen werden kann. Das halte ich für Unsinn: Ein Mensch wird nicht mehr oder weniger zum Individuum, nur weil er Partei A oder B wählt, Getränk C oder D trinkt oder Lebensentwurf E oder F folgt, und selbst in repressivster Gleichmacherei sind die Leute doch trotzdem noch einzelne unteilbare Personen, egal ob man sie als solche behandelt oder nicht. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man Leuten erlaubt, ihren Neigungen zu folgen oder nicht, aber das ist eine Frage der Freiheit und der Zufriedenheit, nicht von mehr oder weniger Individualität.
Vor allem gibt es keine Skala oder einen Wertmaßstab für "Individualität", das ist für mich nur die Ausprägung einer Vielzahl einzelner Persönlichkeitsaspekte.
| Zitat: | | Darin sehe ich übrigens den befreienden Aspekt der Individualisierung - daß man weniger sozialen Zwängen unterliegt, sein Leben weniger nach Ängsten und Befürchtungen - sondern mehr nach Vorlieben und Hoffnungen gestalten kann. |
Das sehe ich eher umgekehrt: Soziales Verhalten und Interaktion mit Gruppen und anderen Menschen sind für Menschen eine wichtige Sache, und im Grunde sind sie der Maßstab, an dem sich vieles messen lässt. Auch wenn wir theoretisch die Freiheit hätten, alles zu tun, würden wir doch darauf hinarbeiten, den Leuten, die uns wichtig sind, zu gefallen. Deswegen sind soziale Regeln, Rangordnungen und Gepflogenheiten zwar Ketten, die wir meist nicht spüren, die wir aber trotzdem kaum abzuschütteln in der Lage sind.
Und gerade in unserem aktuellen, freiheitlichen, demokratischen, multipolaren, überbevölkerten Umfeld haben wir doch mit viel mehr Menschen zu tun und auf viel mehr Details zu achten als in einem schlichten kleinen Zwanzig-Seelen-Dorf mit dem Ackerboden unter und Gottes Segen über uns. Wir kennen viel mehr Leute, wir nehmen mehr Aspekte von ihnen wahr, wir haben mehr Informationen zur Verfügung, und wir sind viel freier in unserer Wahl des sozialen Umfeldes, der Kontakte, des Lebensentwurfs. Aber ebenso wie wir diese Dinge aussuchen, suchen diese Kreise auch uns aus, bilden sich Meinungen und bewerten uns. Nehmen wir mal bestimmte Leute, die sich hier im Forum durch eine bestimmte Art von Postings über abstrakte Themen einen (meist schlechten) Ruf geschaffen haben: Die haben es geschafft, ihr gesellschaftliches Umfeld durch ein paar Tastenanschläge subtil, aber nachhaltig zu ändern (meist zu ihren Ungunsten).
Wenn uns vor hundert Jahren vielleicht noch viel strengere gesellschaftliche Normen an unsere Mitmenschen gekettet hätten, so sollte man nicht vergessen, dass das ganze auch umgekehrt funktioniert: Je enger die Gruppe gestrickt ist, desto mehr wird auch Verantwortung für das Individuum übernommen, und wo die Freiheit herrscht, zu machen was man will, da herrscht auch gleichzeitig die Gefahr, dass man einfachen niemanden mehr etwas etwas wert ist. Deswegen sollte man bei aller Selbstentfaltung vielleicht doch ab und an mal einen Blick nach rechts und links werfen, ob da vielleicht jemand gerade seine eigenen Knitterfalten faltet... _________________ Mein Zeug auf
Larper.Ning - Deviantart - CoolMiniOrNot |
|
| Nach oben |
|
 |
Chevalier

Alter: 31 Anmeldedatum: 21.01.2010 Beiträge: 3558 Wohnort: Wiesbaden
|
Direktlink | Verfasst am: 17.09.2011, 23:06 Titel: |
|
|
Um es etwas herunterzubrechen (man wir tauchen hier tief in philosophische Fragen ein, die schon Jahrhunderte vor uns behandelt wurden^^): das was heute Individualität genannt wird, ist häufig eher das was ich die "gesellschaftliche Erlaubnis den persönlichen Hedonismus und Egoismus auszuleben".
Ich kann nicht sagen, wann das passierte, aber im kletzten Jahrhundert fing man irgendwann an die Menschen, die plötzlich ihre persönliche Karriere und persönlichen Interessen in Hobbies über die Interessen einer Gemeinschaft (Familie, Ehegatten, Kinder) stellten und auch erlaubten das nicht für die Gesellschaft produktive Individuen bei gleichzeitiger Abkehr von einer Religiosität, nicht mehr zu verachten, sondern zu loben für das Ausleben ihrer sogenannten Individualität. Das gab es zuletzt als noch der Adel lebte und der einfach sein Geld verprassen durfte wie er wollte. Aber selbst der war an mehr Regeln der gesellschaft gebunden, wie er sich zu verhalten hat in der Gemeinschaft.
Hegel aber schon schrieb die Worte, die später Engels aufnahm "Freiheit ist die Einsicht die Notwendigkeit". Also dass die Freiheit dort enden sollte, wo sie eine notwendige Maßnahme blockiert. Also im Prinzip hier, wenn jemand seine Individualität auslebt z.B. auf Kosten der Erziehung seiner Kinder, weil er sich gar nicht um sie kümmert, dann bricht er die Grenzen der moralischen Freiheit eklatant.
Nur diese Einsicht fehlt derzeit schlicht. Ich sehe immer mehr Eltern, die sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern, Familien die auseinander gehen, weil Mann nciht verkraftet, dass Frau die große Karriere macht und er nicht, wo der Bruder reich ist und die Schwester arm...aber keiner würde einen Gedanken daran geben einfach mal vom Reichtum abzugeben...usw. Wenn die Einsicht wieder vorhanden ist, dann ist die Gesellschaft auch wieder im Lot, egal ob Mann oder Frau, homo- oder heterosexuell usw... _________________
...
Avarisches Ritterlager 21. bis 24.06.2012
DSA-GG&P2012 - Die große Kabinettstjoste 31.8. bis 02.09.2012
Das graue Land 3 - Boryarts Herz 12. bis 14.10.2012 |
|
| Nach oben |
|
 |
Gerwin

Alter: 29 Anmeldedatum: 20.06.2010 Beiträge: 8168
|
Direktlink | Verfasst am: 17.09.2011, 23:18 Titel: |
|
|
| Zitat: |
Nur diese Einsicht fehlt derzeit schlicht. Ich sehe immer mehr Eltern, die sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern, Familien die auseinander gehen, weil Mann nciht verkraftet, dass Frau die große Karriere macht und er nicht, wo der Bruder reich ist und die Schwester arm...aber keiner würde einen Gedanken daran geben einfach mal vom Reichtum abzugeben...usw. Wenn die Einsicht wieder vorhanden ist, dann ist die Gesellschaft auch wieder im Lot, egal ob Mann oder Frau, homo- oder heterosexuell usw...
_________________ |
Naja...ich denke völlig unabhängig vom Geschlecht ist es immer ein Problem wenn man selbst keinen Erfolg hat, und dem Partner alles zufliegt. Für einen Mann vielleicht noch mehr..aber letzten Endes ist dass doch meistens auch eine Frage des Beziehungsbildes und der Arbeit. Zugegeben, mich würde es durchaus stören wenn meine Frau irgendwann Verfassungsrichterin wäre, aber wenn sie mit dem Job glücklich ist kann man das akzeptieren. Immer noch besser wie wenn sie zwar Hausfrau wäre aber kein Glück im Leben findet.
Im allgemeinen denke ich aber dass viele aktuelle Probleme erst durch die Freiheit und die zahlreichen Entscheidungsmöglichkeiten die wir besitzen entstehen. Ohne diese Entscheidungsmöglichkeiten wären vieles leichter, weil sich eben überhaupt nicht die Frage stellt wer die Kinder erzieht, wer das Geld verdient usw. Dennoch will man natürlich nicht in die Vergangenheit zurück. _________________ Lieber Larpeinsteiger:
Auch wenn dieses Posting tendenziell einen anderen Eindruck vermittelt kannst du natürlich relativ unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Geschlecht, Alter und Herkunft jede Rolle spielen die du willst. Alles was du hier liest sind persönliche, subjektive Meinungen. |
|
| Nach oben |
|
 |
Harald Ösgard

Alter: 42 Anmeldedatum: 11.01.2010 Beiträge: 5263 Wohnort: Erlangen
|
Direktlink | Verfasst am: 19.09.2011, 15:58 Titel: |
|
|
| Cartefius hat Folgendes geschrieben: |
Letztendlich ist doch Individualistentum nur ein moderner Begriff für einen Cocktail aus Eigenschaften, die schon immer als erstrebenswert galten: Unabhängigkeit, Durchsetzungsvermögen, Schaffenskraft, Innovationsgeist.
....
Vielleicht ist das Hohelied des Individuums, das unsere moderne Gesellschaft singt, auch eine Konsequenz aus dem Wegfallen eines allgemeingültigen Lebensentwurfs oder einer klaren Aufgabe.
...
Vor allem wird ja gerne mit dem Pfund der Individualität gewuchert, als wäre das etwas, was man sich erarbeiten müsste und das einem auch weggenommen werden kann.
...
Vor allem gibt es keine Skala oder einen Wertmaßstab für "Individualität", das ist für mich nur die Ausprägung einer Vielzahl einzelner Persönlichkeitsaspekte.
|
Hab ich schonmal erwähnt, daß ich es wirklich sehr mag mit Cartefius zu plaudern? Sehr interessante Aspekte, mir gefällt auch dieser Blickwinkel auf die Dinge.
| Cartefius hat Folgendes geschrieben: |
Nehmen wir mal bestimmte Leute, die sich hier im Forum durch eine bestimmte Art von Postings über abstrakte Themen einen (meist schlechten) Ruf geschaffen haben.
|
oh verdammt" Er meint doch nicht etwa mich!?!
| Cartefius hat Folgendes geschrieben: |
Die haben es geschafft, ihr gesellschaftliches Umfeld durch ein paar Tastenanschläge subtil, aber nachhaltig zu ändern (meist zu ihren Ungunsten).
|
Puh, kann nicht sein, ich schreib ja immer viel mehr...
| Cartefius hat Folgendes geschrieben: |
Wenn uns vor hundert Jahren vielleicht noch viel strengere gesellschaftliche Normen an unsere Mitmenschen gekettet hätten, so sollte man nicht vergessen, dass das ganze auch umgekehrt funktioniert: Je enger die Gruppe gestrickt ist, desto mehr wird auch Verantwortung für das Individuum übernommen, und wo die Freiheit herrscht, zu machen was man will, da herrscht auch gleichzeitig die Gefahr, dass man einfachen niemanden mehr etwas etwas wert ist.
|
Auch wieder wahr. Das mag ich so an komplexen Systemen, es gibt jede Menge "Rückstellkräfte", so daß man sicher sein kann, daß alles stehts um ein Gleichgewicht "kämpft".
Wenn man Idividualität so definieren möchte, daß jede Person ihren Beitrag zu einer gesellschaftlich wichtigen und von der Mehrheit beschlossenen Sache unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten erbringen soll /darf - dann entspricht das ja im Grunde der klassischen Abenteurer-Party, dem "Sechse kommen durch die ganze Welt" Setting und sogar den Schalgwörtern des Sozialismus... (Jedenfalls meine ich mich zu erinnern, daß dieser Passus: " Jeder nach seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten" wärend meiner aktiv bedröselten Jugend den Weg in mein Gehirn gefunden hat. Ich erinnere mich deshalb so gut, weil ich ne Weile gebraucht habe und wirklich zu verstehen, was der Unterschied zwischen Fähigkeit und Fertigkeit wirklich meint.... )
Ich denke auch, daß es dem Urwunsch der allermeisten Menschen entspricht, a) an einer "höheren Sache" (TM) mitzuwirken und dabei b) die individuellen Stärken voll einsetzen zu können. Denn beides verspricht ANERKENNUNG durch die Gesellschaft, was ja eine sehr starke Basismotivation für unsere Spezies ist. Darum komme auch ich zu dem Schluß, das die "Trendbewegung Individualismus" nur so lange auf breitem Vormarsch sein wird/sein kann, wie eben in der Breite dafür auch Anerkennung vorhanden ist.
Oder anders ausgedrückt, die Werbung mit dem Mallboro-Man funktioniert nur so lange noch, wie es Leute für erstrebenswert halten sich am Arsch der Welt einen Kaffee in ner alten Emaille Kanne zu kochen...
Ich frage aber nochmal, sind Menschen, die sich wirklich keinen Deut um die Leute um sie herum scheren nun Individualisten, oder Egoisten oder grenzenlos frei? Klettert man ganz alleine auf einen hohen Berg, umrundet irgend was oder schlägt sich sonstwo durch, weil man wirklich keinen Bock auf andere Leute hat? Warum macht man dann aber meistens danach Diavorträge und läßt sich von den Medien feiern? Warum sind ausgemachte Egozentriker trotzdem so sehr daran interessiert, wie völlig wildfremde Menschen über sie denken? _________________ Besuchte Cons: JdS 2010-Gottfreid/Jäger; DF 2010/ Boyden Kuin/Keltischer Handwerker;Herbstturney 2010/Goscogne/ Kriegsknecht im Gefolge des Herrn Sevigny
2011/ Boiden - keltischer Auxilliar (und Handwerker) 2011/Gottfreid - Pilgerreise Dascon |
|
| Nach oben |
|
 |
Cartefius

Alter: 32 Anmeldedatum: 05.03.2008 Beiträge: 4534 Wohnort: Bielefeld
|
Direktlink | Verfasst am: 19.09.2011, 16:55 Titel: |
|
|
| Zitat: | | Warum sind ausgemachte Egozentriker trotzdem so sehr daran interessiert, wie völlig wildfremde Menschen über sie denken? |
Weil Egoismus ja nicht bedeutet, Menschen und deren Gaben abzulehnen, im Gegenteil: Der typische Egoist nimmt ja gerne an, wenn andere etwas für ihn tun, und lebt eben gerade nicht autark und ungebunden.
Zum Thema "Motivation" generell: Da könnten dir eventuell die Videos von RSA Animate gefallen, da werden wirklich interessante Vorträge zu solchen und ähnlichen Fragen unterhaltsam illustriert, so zum Beispiel auch "was uns motiviert":
http://www.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc
Ich mag die sehr gerne! _________________ Mein Zeug auf
Larper.Ning - Deviantart - CoolMiniOrNot |
|
| Nach oben |
|
 |
Alex Moderator

Alter: 33 Anmeldedatum: 20.11.2006 Beiträge: 11083 Wohnort: Wahlhesse mit Ruhrpottherkunft
|
Direktlink | Verfasst am: 19.09.2011, 17:43 Titel: |
|
|
| Cartefius hat Folgendes geschrieben: | | Videos von RSA Animate! |
Oh, ich kannte die bis gerade gar nicht. Großartig und überraschend. Danke dafür.
Grüße,
Alex _________________
Das Westlandeforum wurde gelöscht. Der Serviceprovider hat den Support leider eingestellt.
 |
|
| Nach oben |
|
 |
|
Thema: Rollenverstaendnis (oder...darf Mann heute noch Mann sein)
|
|
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
Larp,
Larp Forum,
Larp Shop,
Larp Waffen,
Larp Bilder,
Larp Mittelalter,
Larp Schwert ,
Larp Rüstung ,
Larp Videos ,
Larp Ausrüstung ,
Larp Kleidung ,
Fantasy Bücher
Larp Forum Sitemap:
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190
|