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  1. #21
    stephan_harald
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    Zum Affen machst Du dich zumindest im Moment noch gar nicht. Das ist immerhin schon deutlich besser als Scharen von Neulingen vor Dir.

    Das Problem mit LARP und Neulingen ist halt meistens Wunsch und Wirklichkeit. Die meisten Neulinge sehen und wünschen sich den strahlenden Helden, den romantisierten Outlaw, den "man taut sich halt gar nix und meint ein stiller und nicht auffallender Charakter" oder halt irgend etwas "besonderes" im Sinne von eigener Vorstellun. Dann kommt die harte LARP Realität und der Neuling stellt ernüchtert fest, dass die anderen Mitspieler halt quasi in der Masse keinerlei Beachtung der eigenen Rolle oder dem eigenen Hintergrund spendieren. Man ist halt auch da.

    Da Du aber anscheinend bereit bist, die Uhr noch mal auf 0 zu drehen und auch Ratschläge annehmen willst (deutlich besser als Scharen von Neulingen vor Dir) bekommst Du halt auch ein paar gutgemeinte Tipps:

    1.) Du bist mit 20 bei den Jüngsten, egal was Gerwin sagt. Larp ist ab 18 und die meisten steigen so mit Beginn des Studiums/ Ausbildung ein. Das ist in der Regel so Anfang 20. Die Cons wo U18 auftauchen sind nicht soo verbreitet und die U18 sind dann auf den Cons auch eher im einstelligen-% Bereich zu finden.

    2.) Was kann man einfach spielen? Da Du zwar fest der Meinung bist, Magier, Priester etc. sind nichts für dich (und glaub mir genau das war meine Meinung 1997 auch) würde ich trotzdem zunächst zu einer einfachen Rolle raten, wo Du ohne Stress eine Axt unterbringen kannst.

    Wie wäre es mit einem Holzfällergesellen oder Zimmermansgesellen auf der Walz? Der einfach sich dumpf verlaufen hat, und natürlich voll ins Krisengebiet reinstolperte (Con halt)

    Dort angekommen versucht er natürlich erst mal sein bestes um sich zu orientieren und natürlich möglichst fix aus dem Schlamassel rauszukommen (kann man schön spielen, dass man sich dann doch nicht traut alleine abzureisen, weil die Gegend ja voll von: Räubern, Zombies, Monstern, Orcs . Dabei gelingt es ihm ja vielleicht erste Bande mit einem anderen Kämpfer zu knüpfen der ihn unter die Fittiche nimmt...so kommt er dann ja kämpfend unter.

    Das kann ja zunächst nur für einen Con sein, aber so manche Söldner, oder Ritter Karriere fing genau so oder so ähnlich an.

    3.) Vorteil einer einfachen Rolle ist die funktionale und mehrfach verwendbare Grundklamotte. Ich würde zu Hemd, Hose, Tunika, etc. raten für den ersten Con mit einem 0 an Rüstung. Warum 0 an Rüstung? Ganz einfach genau da gibt ein Anfänger am ehesten viel zu viel Geld für kompletten Unfug aus.

    Wenn denn unbedingt eine Rüstung dabei sein muss (ist ja Dein Geld) dann bitte bitte KEINE Lederlappen. Die, die nicht nach Anfängerfehler schreien sind superteuer (wie eine Plattenrüstung) und alles darunter ist hässlich und taugt selten was.

    Kauf einen Gambeson (welcher erfolgt als gesonderte Beratung auf Wunsch), ggf. noch einen Helm. Beides kannst Du ja mitnehmen auf den Con und Dir persönlich die Aufgabe stellen, dass wenn DU in einer einer kämpfenden Truppe unterkommst, Dir die Sachen als Erstausrüstung stellen.

    Beides wäre auch selten ein Fehlkauf, weil einen Gambeson und Helm kann man immer gebrauchen (entweder als Basis für jeden Rüstungstrangenden Charakter, als NSC um besser auszuschauen) und vor allem bekommt man für unter 200EUR eine gute Basis, und brauchbare Dinge (ok, nicht für Gerwins Meinung, aber die deckt sich eh nicht mit 95% der Restlarper)

    Und immer daran denken, mann kann mehr als einen Charakter haben...
    Ich habe im Moment 2 (den 3. wollte ich nicht mehr spielen) plane aber einen 3. (neu) und 4.

    Achja auch ich wollte immer gerne kloppen und Magier waren bäh... 2000 habe ich dann mal einen NSC Magier gespielt (Lehrling einer Akademie)... das ist heute mein Hauptcharakter (seit ca. 2001)

    Eines solltest Du noch wissen, in der Regel wird dich hier keiner auslauchen oder angehen. Wenn dem so ist wirst Du es genau merken. Du hast bisher recht wenige falsch gemacht.... und wenn Du Ratschläge annimmst, wird dein 1. Con auch kein komplettes Desaster werden.

    Stephan


    Stephan

  2. #22
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    Da gebe ich Stephan_Harald eigentlich in allen Punkten Recht.

    Ich würde auch sagen, fang erstmal mit einer ganz einfachen Rolle an, und verzichte vor allem darauf, dich jetzt mit Lederrüstungen, Wurfmessern, exotischen Waffen oder sonstigem Krempel einzudecken, auch meiner Erfahrung nach ist eine hervorragende Möglichkeit, um sein Geld zum Fenster rauszuschmeißen. Auch Gambeson und Helm würde ich erstmal aufschieben, das ist zwar eine ganz gut Rüstungsgrundlage, aber für den ersten Con, wenn man noch nicht weiß, wo es hingehen soll, noch etwas voreilig.

    Ein einfacher Handwerker (durchaus auch mit einer Axt als Werkzeug und Waffe zugleich) auf der Suche nach Abenteuer und Reichtum ist ein guter Einstieg, und man kann ihn in viele Richtungen weiterentwickeln.

    Wenn du Lust auf ein bisschen maritimes Flair hast, kannst du den Charakter ja z.B. als Schiffszimmermann aus einer Hafenstadt anlegen, dann hast du erstens ein paar Klischees, auf denen du dein Spiel aufbauen kannst, und auch einen spielerischen Anknüpfungspunkt an Seefahrer und Piraten, solltest du auf dem Con welchen begegnen. Ebenso kann der Charakter aber auch später die Laufbahn eines Söldners oder ähnlichen Kämpfercharakters ohne Bezug zur See einschlagen, dann bleibt die Herkunft des Charakters ein interessantes Hintergrunddetail.

    Kostümtechnisch würde ich dann vielleicht auf eine selbstgemachte Pluderhose aus Wolle setzen (als Kniebundhose oder im Wikingerstil mit Beinwickeln), ein einfaches Hemd aus weißem Leinen, und eine Art Tunika oder Wams, ebenfalls aus Wolle.
    Das sieht nett aus, und je nach Gusto und Kopfbedeckung kann man meiner Meinung nach, wenn man einigermaßen neutrale Schnitte nimmt, das ganze sowohl in Richtung nordisch-wikingerig als auch in Richtung modern trimmen:
    http://www.medievaldesign.com/restri...rande_3691.jpg
    http://www.historic-maps.de/rahmen.h...zimmermann.htm

  3. #23
    Gerwin
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    1.) Du bist mit 20 bei den Jüngsten, egal was Gerwin sagt. Larp ist ab 18 und die meisten steigen so mit Beginn des Studiums/ Ausbildung ein. Das ist in der Regel so Anfang 20. Die Cons wo U18 auftauchen sind nicht soo verbreitet und die U18 sind dann auf den Cons auch eher im einstelligen-% Bereich zu finden.
    Nur kurz:

    Ich will mich jetzt echt nicht schon wieder streiten stephan, aber man sollte auch sagen dass die meisten Larper nach ihrem Studium/ihrer Ausbildung wieder mit dem Hobby aufhören/kürzer treten. Larper über 35 oder über 40 sind selbst auf größeren Veranstaltungen EHER eine Seltenheit und nicht die Regel (wenn vorhanden habe ich die noch selten in Machtpositionen erlebt was ja immer wieder gefordert wird) und alles über 50 ist schon fast ein Dino. Mit 20 ist man eigentlich nicht "der jüngste" sondern eher "der Normalfall 20-25". Auf manchen Veranstaltungen sieht das natürlich anders aus (ich was letztens echt geschockt wie viele alte Säcke auf speziellen Cons rumlaufen).

    Ansonsten:

    Die anderen habe schon recht, ich habe ja am Anfang auch zu nen Wikinger "geraten" (wenn auch eher im Scherz). Den Einstieg mit einen Bauern/Holzfäller und Co fände ich zwar irgendwie für die meisten Larper eher unpassend (und auch wenig logisch, wenn man bedenkt wie viele Bauerncharaktere auf ihren dritten Con plötzlich mit Waffen und Rüstungen umgehen können)...aber er ist halt ganz gut zum "mal schnuppern". Wenn dein Herz aber wirklich am Piraten hängt...versuch halt einen einfachen Menschen im Freibeuterlook. Wo du andere Piraten findest wurde dir ja gesagt (vor allem im larper.ning), klassische Piraten hier im Forum sind halt relativ selten. Niemand will dir den Spaß nehmen oder deinen Charakter verderben. Die Menschen hier wollen dich nur auf Fallstricke hinweisen die du dir möglicherweise stellst. Ein Larpanfänger kann auch als Ritter, Vollflo(h)katitierwesen, Hauptmann oder Heerführer einsteigen (es gibt anders als bei anderen Hobbys weder eine Erprobungszeit noch eine Garantie dass ein Mensch der seit Jahren larpt es besser macht),

    Man macht sich den Einstieg damit eben nur schwer. Andererseits, ich bin auch mit einen schwierigen Charakter eingestiegen..und hatte viel Spaß. Damals kannte ich aber auch noch keine Internetforen. Es ist halt immer die Frage wie sehr das eigene Herz dran hängt.

  4. #24
    stephan_harald
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    Auch das gilt eher vielleicht für die Cons die Du besuchst. Ich war letztes WE auf einen Con, wo ich mal stumpf behaupte der Altersschnitt (wenn man die paar Kinder weglässt, da eher Kleinkinder und Babys) deutlich über 25 wenn nicht über 30 war.

    Du vergisst vielleicht das sicher viele Larper nach dem Studium aufhören, viele aber auch nicht. Ich selber habe ja auch erst mit 29 überhaupt angefangen. In meinem Spielumfeld ist die 30 und drüber jedenfalls keine Opa Zahl sondern doch schon recht häufig anzutreffen.

    Immer dran denken, auch die Larper die um 2000 angefangen haben gehen stramm auf die 30 zu...

    Stephan

  5. #25
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    Ich möchte mich von ganzem Herzen für euren netten Worte und Ratschläge bedanken. Ganz im ernst, ich dacht ich wär einer von vielen Neulingen die in die selbe Falle laufen. Danke.

    Die Idee mit dem Charakter als Holzfäller ist gut und für den Einstieg gut aufzubauen aber und es tut mir ehrlich leid das ich mich damit (noch!) nicht anfreunden kann. Aber die Idee bleibt im Hinterkopf.
    Das mit Studium oder derart fällt bei mir eh weg, wer meine Vorstellung gelesen hat weiß denk ich warum.

    Ich habe mir den Kopf zerbrochen, zusammen gesetzt, gelesen und kam auf eine Idee und hoffe das das keine Neulings Falle ist.

    -Schamane-

    Ich kann mir denken das viele jetzt die Hand vors Gesicht schlagen aber ich hab mir da Gedanken gemacht die hoffentlich nicht auf klischees treffen.
    Die idee ist das ich mir günstige Lederreste und Pelz Reste kaufe und mich ans nähen setze, diese zusammen nähe wie einen Poncho (in etwa!) mit Fellen versehe, paar Knochen, Taschen, Elixiere... im Rahmen der 100€ die ich mir gesetzt habe.
    Sicher sieht es nicht wie die Mega ultra Schamanen Gewandung aus aber für den Anfang soll es ordentlich sein.
    So und ich weiß das ich sagte Priester/Magier sind für mich nichts, Schamanen sind in sofern keine klassischen Magierklassen.
    ich hätte eine Rolle für den Anfang die zwar ab und zu gebraucht wird aber sich dennoch zurück halten kann (wegen trance)

    Ich hoffe ich tappe da nicht in eine Falle und ihr seit dessen offen.
    Ich arbeite grade etwas am Charakter (Namen, Eigenschaften etc)

    Ich hoffe das sowas auch geht denn damit kann ich mich sehr anfreuen...

    Mit freundlichsten Grüßen,
    das Seelenfragment

  6. #26
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    Ich finde es ein bisschen problematisch, auf dem aktuellen Level zu beraten. Der Vorschlag mit dem Holzfäller (Schiffzimmermann usw.) war im Grunde ein Versuch, eine ziemlich unkonkrete Vorstellung in eine klar umsetzbare Form zu gießen.

    Jetzt ist es völlig in Ordnung, wenn du sagst, dass dieser Charakter nicht deinen Geschmack trifft, sondern du lieber etwas anderes machen willst. Da der Schamane aber jetzt in eine völlig andere Richtung geht, halte ich diesen Prozess gerade nicht für sehr zielführend, denn auf diese Weise könnten wir theoretisch alle möglichen Charaktere vom Drachenpaladin bis zum Fliegenpilzwichtel durchgehen, und kämen vermutlich auf keinen grünen Zweig.

    Deswegen halte ich es, wenn du nicht auf der Suche nach irgendeiner beliebigen Standard-Einsteigerrolle bist, sondern konkrete Vorstellungen und Wünsche im Kopf hast, für sehr sinnvoll, wenn du versuchst, diese hier zu formulieren, also z.B. zu schreiben, warum die Holzfällerrolle dich nicht anspricht, was deine Rahmenbedingungen sind, und was ein Charakter mitbringen muss, um für dich interessant zu sein. Sonst besteht die große Gefahr, dass wir mit jedem neuen Vorschlag immer nur wieder an deinen Vorstellungen vorbeiberaten.

  7. #27
    Seelenfragment
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    Gut gut, ich versuch es.

    Holzfäller spricht mich nicht an aus dem Grund da dies für meinen Geschmack gewöhnlich ist. Ich möchte nicht wie vieleicht manche am Anfang einen glänzenden Helden darstellen oder den auf Rache sinnen Bauern. Im gegenteil ich möchte einen Charakter erschaffen der von beginn an etwas besonderes hat, etwas magisches wenn man das so ausdrücken will. Holzfäller ist gewöhnlich und etwas einfach. Auch wenn dies am Anfang ratsamer ist möchte ich aber einen etwas anspruchsvolleren Charakter erschaffen.

    Ein Schamane so wie er mir vorschwebt ist auf diese weise Magisch und besonders. Mein charakter soll zwar zurückhaltend sein und vieles beobachten aber auch gesprächig und auf eine junge Art weise sein.

    Ich möchte einen Charakter erschaffen der zwar im Hintergrund agiert aber dennoch wenn er gebraucht wird wichtig wird. Er soll still und wie gesagt auf junge Art weise sein. Nicht streberhaft klug aber eben intiligent.

    Der Schamane schwebte mir nach reiflicher überlegung deswegen vor weil er aufwendig ist, ich meinen realen Charakter etwas drin verbergen kann und er mich so erhaben wirkt.
    Vieleicht ist er nicht der einfachste zu beginn, ist auch ok ich lerne gerne und begegne gerne "herausforderungen"

    Keine Sorge, auch wenn meine Idee in eine andere Richtung verläuft so habe ich unter keinen Umständen vor einen Drachenpaladin oder Wichtel oder was weiß ich nicht alles zu verkörpern.
    Ich gebe mir selbst die wahl zwischen Holzfäller oder Schamane keine andere vorerst weil sonst ist wie du richtig sagtest die Richtung wild umher und ich führ mich schließweg endlich doch auf wie ein Affe

    Ich bin nach wie vor für Ideen offen und Ratschläge nehme ich gerne und dankend an.
    Ich hoffe diese erklährung wirft ein helleres Licht auf meine Vorstellung und hoffe das man mich etwas nachvollziehen kann.

    Mit freundlichen Grüßen,
    das Seelenfragment...

  8. #28
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    Im gegenteil ich möchte einen Charakter erschaffen der von beginn an etwas besonderes hat, etwas magisches wenn man das so ausdrücken will. Holzfäller ist gewöhnlich und etwas einfach. Auch wenn dies am Anfang ratsamer ist möchte ich aber einen etwas anspruchsvolleren Charakter erschaffen.
    So etwas hatte ich mir schon gedacht. Das ist auch ein sehr nachvollziehbarer Gedanke, was ich aber (auch schon im Vorstellungsthread) zu vermitteln versuche ist, dass du dabei vermutlich teilweise von falschen Vorstellungen über den Liverollenspiel-Alltag ausgehst. Ich versuche das ganze nochmal ausführlich zu beschreiben:

    Ob ein Charakter im Larp "interessant" oder "uninteressant" ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, läuft aber in vielen Fällen auf eine Weise, die ein bisschen umgekehrt zu dem ist, was man sich (insbesondere als Anfänger) so vorstellt. Im Larp zählt für die Wirkung einer Rolle nur das, was man als Außenstehender im Spiel wahrnimmt, und das ist eine Summe aus den Eigenschaften des Spielers, seines (realen oder geschauspielerten) Verhaltens, und seiner Ausstattung.

    Sehr vielen Spielern, auch solchen, die schon seit Jahren dieses Hobby betreiben, fällt es schwer, ihren Charakter "interessant" und "einzigartig" zu gestalten, weil ihnen häufig die Mittel fehlen, um dies in Schauspiel und Ausrüstung umzusetzen, und damit jeder Charakter zu 90 Prozent man selbst, nur mit anderen Klamotten und anderen Punktefertigkeiten ist. Deswegen greifen sie dann zu stilistischen Mitteln, mit denen Figuren in Filmen und Romanen interessant gemacht werden: Zum Beispiel besondere Fähigkeiten ("vom mächstigsten Schwertmeister persönlich ausgebildet"), exotische Völker ("ein Mitglied des uralten Volkes der Elben, elegant, weise und tödlich"), Magie ("einer der wenigen Begabten, die die Kräfte des Kosmos ihrem Willen unterwerfen"), Adel ("der Königssohn im Exil"), Tragik ("die Familie von Räubern massakriert") oder eine außergewöhnliche Persönlichkeit ("Wanderer zwischen den Welten, innerlich zerrissen").
    Wenn, so ist die Logik, diese Rollenbeschreibung schon spannend und interessant ist, dann muss das Spielerlebnis mit einem solchen Charakter auch aufregend und außergewöhnlich sein.

    Das Problem ist: Das funktioniert meistens nicht. Zwar gibt es im Larp durchaus solche herausragenden Figuren, und viele von denen schaffen es auch tatsächlich, eindrucksvoll und außergewöhnlich zu wirken, dies ist aber keine Folge ihres interessanten Konzepts, sondern der interessanten Umsetzung desselben. Neben diesen Einzelexemplaren gibt es aber unzählige, die zwar gerne besonders interessant sein wollen, aber leider in der Praxis nur langweilig, unglaubwürdig und austauschbar wirken, weil ihnen, wie oben schon beschrieben, das Handwerkszeug für die Umsetzung fehlt.

    Schauen wir uns mal die erwähnten (zugegebenermaßen auf die spitze getriebenen) Beispiele für außergewöhnliche Charakterideen an, und was sie in Film und Roman tatsächlich so interessant macht, dann kann man erahnen, wo das Problem liegt:
    Der Schwertmeister ist ein unglaublicher Kämpfer, und kann unzählige Gegner erledigen, der Elf ist von unmenschlicher Grazie und äonenalter Weisheit durchdrungen, so dass er in jeder Situation souverän und erhaben wirkt, und der Magier kann Dinge vollbringen, von denen seine Mitmenschen nur träumen können. Im Larp ist das hingegen nicht der Fall: Niemand kämpft besser, weil er sich Schwertmeister nennt, niemand wirkt durch Gummiohren erhaben, und Magie ist nichts weltbewegendes, sondern häufig so banal wie einen Softball zu werfen oder ein Stoffbändchen um eine Waffe zu knoten, und alleine durch die Wahl des Konzepts ändert sich am Spiel für einen selber nichts, außer, dass die Ansprüche steigen.
    Gleiches gilt für die anderen Aspekte: Der Königssohn ist interessant, wenn er irgendwann heimkehrt und den Thron übernimmt, der Junge mit dem tragischen Schicksal, weil er sich seinen Peinigern stellen und seine Rache nehmen kann, der Zerrissene, weil er wieder und wieder mit den Ansprüchen zweier Welten konfrontiert und zu schwerwiegenden Entscheidungen konfrontiert wird. Im Larp gibt es aber keinen heimatlichen Thron, den man besteigen kann, die Peiniger existieren nur auf dem Papier, und der Kampf der Kulturen, zwischen denen der Charakter sich hin- und hergerissen fühlt, wird vermutlich nie zum aktiven Spielinhalt werden.

    Aus diesem Grund enden viele Larp-Charaktere als hohle "Pappkameraden", die zwar etwas besonderes sein wollen, aber nicht wissen, wie. Auf der anderen Seite sind es häufig kleine und unscheinbare Details, die es schaffen, aus scheinbar banalen Figuren plötzlich denkwürdige und einzigartige Charaktere zu machen, und ich habe Cons erlebt, auf denen eine intensiv gespielte Magd oder ein einfaches Mitglied einer Räuberbande mehr Eindruck hinterlassen haben als alle versammelten Großmeister, Vampirjäger und Paladine zusammen.

    Wenn ich deswegen für den Anfang zu eher einfachen Figuren rate, dann ist das nicht aus der Überzeugung heraus, dass im Larp immer alle als Bauern oder Handwerksburschen rumlaufen müssen, und es keine ausgefallenen Charaktere geben sollte, sondern weil man so gezwungen ist, sich von Anfang an mit der Frage auseinanderzusetzen, was so einen Charakter im Spiel überhaupt konkret ausmacht, ohne einfach nur mehr Zeilen auf dem Charakterbogen anzuhäufen. Außerdem hat man von einer solchen "einfachen" Figur aus den Vorteil, erstmal weniger im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und sich langsam an die Sache heranzutasten.

    Gerade so Eigenschaften wie "Weisheit" und "Erhabenheit", wie man sie von Schamanen in gewisser Weise erwarten würde, sind nämlich eine schwierige Sache. Zumindest würde es mir schwer fallen, in mir einen Schalter umzulegen und plötzlich meine Außenwirkung auf "weise" und "erhaben" umzustellen, und das dürfte um so schwerer sein, je unsicherer und weniger souverän man sich in seiner Rolle fühlt.

  9. #29
    Seelenfragment
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    Habe mich lange nicht gemeldet und das folgene mag komisch klingen._
    Ich habe nach mehrmaligen inne gehen und nachdenken es begriffen das ein jeder besonders sein will und das es nicht geht. Es ist schwer für mich zu erklären aber ich habe es verstanden.

    Und nach mehrmaligen nachdenken habe ich noch einen entschluß gefasst bei dem ich mich sichr nicht beliebt mache aber daran gewöhn ich mich ja grad -_-
    Fantasy Larp ist für MICH zu komplex, daher bin ich nach reiflicher überlegung dazu gekommen, sollte ich Larp machen (was ich mehr als alles andere will) Endzeit bespiele.
    Bitte keine negativen antworten, meine Laune ist schon unten, dabei wars heute so schön...
    Egal, ich möchte und werde wohl die Endzeit besuchen...
    das sagt mir mehr zu und ideen hab ich auch.
    Das mag sicher komisch rüberkommen aber der entschluß ist für mich angenehmer.

    tut mir leid das ich euch solche umstände gemacht habe.
    Danke dennoch für eure Antworten
    Und sollte man dies weiter kommentieren bitte nichts negatives..._


    Mfg;
    dasSeelenfragment...

  10. #30
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    Öhm...wir sind nicht traurig, sauer oder sonstwas deswegen. Endzeit ist auch ein schönes Genre. Kann jetzt nicht sagen, wieviele Endzeitler hier im Forum sind, aber Du kannst grundsätzlich dafür genauso hier einen Beratungsthread starten, wenn Du magst.

    Ob Endzeit jetzt allerdings weniger "komplex" ist...ich kann zwar nicht aus Erfahrung sprechen, würde aber meinen, das der ambientige Elfencharakter jetzt nicht schwerer oder leichter hinzubekommen ist als der ambientige Bunkerbewohnercharakter. Vermutlich allerdings billiger, wenn's nicht gerade ausgefallene Rüsttechnik sein soll.
    LARP-Anfänger: Schaut hier nach!

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