Thetlis wurde in den nördlichen Grenzgebieten um Narshe geboren, einer Stadt, die sich mit Bergbau und Handel einen Namen machte. Er wuchs in der Stadt auf, wohlbehütet vor der eisigen Ödnis die sich in den Gebirgspässen vor dem Herrschaftsgebiet der Stadt befand. Als Sohn eines Händlers sollte er dessen Laden übernehmen, und wurde somit früh schon die Buchhaltung und andere Foltermethoden gelehrt. Aber er fand keinen Gefallen an all dem trockenen Handwerk. Ihn zog es hinaus in die Welt jenseits seiner Heimat. Er lauschte den Geschichten der Barden, wann immer sie in die Schänken der Stadt kamen, schlich sich hinaus in die Höhlen und Minen um sich mit den dort wohnenden Tieren im Kampf zu messen, oder sich heimlich in den Fenrir-Tempel an den Fällen zu schleichen um dem Wesen ein Opfer zu bringen.
So war er es letztlich, der eine schlafende Kreatur in den Tunneln unter der Stadt entdeckte, die dort seit Jahrtausenden schlummerte. Eingeschlossen in einem Eisblock lag zusammengerollt eine geflügelte Schlange, die in allen Regenbogenfarben glitzerte. Vorsichtig schlich er sich näher, um das seltsame Wesen zu begutachten. Als er eine Hand an den Eiskristall legte, erwachte die Kreatur zum Leben. Mit einer zischenden Stimme, die direkt in seinem Kopf zu hallen schien sprach es zu ihm.
?Ich erkenne deine Kraft, Mensch. Doch noch ist es nicht an der Zeit mich zu wecken... geh !?
In einem gleissenden Blitz wurde er zurückgeworfen und die unbändigen Schmerzen in seinem Kopf liessen ihm schwarz vor Augen werden.

Als Thetlis erwachte lag er in seinem Zimmer, die Augen mit einem dicken Tuch verbunden. Er fühlte sich matt, als habe er ewig geschlafen, und bekam nur einige Wortfetzen mit. In seinem Kopf noch immer die Stimme des Wesens, vermischt mit den schluchzenden Worten seiner Mutter. Blind sei er nun, die Augen hätte man ihm genommen. Welch bösartige Macht ihn so strafen musste, wo er doch nie jemandem leid getan habe...
Verwirrt und beunruhigt wollte er sich aufsetzen, doch er fiel nur zurück in den wohltuenden Schlaf.

Bei seinem nächsten Erwachen war er ausgeruht und voller Tatendrang. Er stemmte sich auf, und öffnete die Augen. Er sah alles erstaunlich klar. So klar, als habe er sein leben lang zuvor nur durch dichten Nebel gesehen. Verwirrt erinnerte dich an die Worte der Mutter, er sei blind geworden.
Leise, um niemanden zu wecken, schlich er ins Nebenzimmer und blickte in den Spiegel. Auf seinen Augen noch immer die grobe Wollbinde, die seine Mutter ihm angelegt hatte. Langsam griff er nach dem Stoff und zog ihn herunter, auf den schlimmsten Anblick seines Lebens gefasst. Doch der Anblick der sich ihm bot war nichts im vergleich zu dem was er sich vorgestellt hatte, starrte er doch in zwei vernähte eingefallene Augenhöhlen, aus denen ein dünnes Rinnsal Blut lief, als er versuchte die Lider zu öffnen.

Noch in der selben Nacht floh Thetlis aus der Stadt. Er betrat noch ein letztes Mal den geliebten Tempel, und betete zu Fenrir. Dann machte er sich auf die Reise in die unbekannte Welt...